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Sulcus Ulnaris Syndrom
Sammy, das Krankenhausfluchttier
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30.11. bis 06.12. Adventliche übererregte Nervensysteme ...

Sonntag: Macht Euren Nervensystemen das Wetter auch so zu schaffen? Bei uns merkt man Wetterumschünge schon am Vortag. Und heut erst recht.

Mama und ich haben die letzten Nächte nicht besonders gut geschlafen. Wir sind mehrfach aufgewacht. Ich konnte mein Nervensystem mit Feldenkrais beruhigen (kleine Bewegungen), sie ist aufgestanden und hat Fröbelsterne in der Küche gebastelt. Beides schult den präfronteralen Kortex und beruhigt so die amoklaufende Amygdala.

Morgens merkte es man daran...
Meine Schwester schimpft mehr als sonst, meine Mama hat Herzrhythmusstörungen und meine Muskeln sind total angespannt. Ich hab zwar Feldenkrais im Bett gemacht und konnte es etwas runterfahren, aber dann hatte ich innerlich eine solche Anspannung, dass ich sie erst mit Trampolinhüpfen abreagieren musste.

Dabei gluckerte es dann in meinem Bauch und dann konnte ich auf's Klo. Daran merkt man, dass sich der Organismus entspannt. Meine Mama hört ihre Amigos. Die haben die Herzrhythmusstörungen beendet. Cool. Denn die Musik beruhigt das Nervensystem. Sogar meins fährt es runter. Ich werd bei der Musik irgendwie lätschig... Nicht, dass ich darauf stehe. Der Effekt ist dennoch erstaunlich.

Und jetzt nutze ich den präfronteralen Kortex, um die Zusammenhänge zu erklären.

Okay, bei innerer Anspannung (physiologischer Stressmodus) sind auch die Muskeln angespannt. Und im Normalfall laufen wir ja bei Stress los um der Gefahr zu entkommen. Sprich: wir bewegen uns.

Dabei ist es egal wie klein die Bewegung ist. Jede Bewegung baut Stress und damit die Anspannung ab. Probiert es aus. Autisten und ADHSler nutzen das automatisch. Um zu überleben. Deswegen haben sie einen unheimlichen Bewegungsdrang.

Auch bei diesen ergonomischen Gummibällen auf denen man sitzt, macht man sich das zunutze. Denn durch das Ausbalanzieren ist der Körper kaum merklich immer in Bewegung. Deswegen lieben ich und mein Nervensystem auch balanzieren. Gut, dabei konzentrier ich mich auch, sonst lieg ich unten. D.h. ich nutze dabei auch wieder mit der Konzentration den präfronteralen Kortex.

Meine Mama kenn ich nur in Bewegung. Wie ein Brummkreisel. Ständig am Wuseln und Werkeln. Stillsitzen kann sie nur beim Fernsehen und selbst da hat sie irgendeine Handarbeit in der Hand. Die Handarbeit nutzt wiederum den präfronteralen Kortex und der besänftigt die Amygdala und das limbische System. Und genau das ist gut so! Aus eben diesem Grund. Bewegung besänftigt also das autonome Nervensystem. Oder hochkonzentriertes, hyperfokusiertes Arbeiten, Hobbies.

Für den Hyperfokus sind Autisten mit ihren Spezialinteressen bekannt. Die nutzen also den präfronteralen Kortex schon lange. Intuitiv.

D.h. ADHSler und Autisten sind die Experten auf diesem Gebiet, das sich die Schmerzforschung und die Medizin erst jetzt beginnt zunutze zu machen.

z.B. nach Eingriffen am Bauch (als ich mein Myom und meine Gebärmutter loswurde) kam auch eine Physiotherapeutin vorbei und zeigte mir , dass ich mit den Füssen kreisen sollte. Das soll Thrombosen oder anderen Komplikationen vorbeugen.

Das hab ich nicht verstanden. Ich bin doch am Bauch operiert worden und nicht an den Füssen...

Jetzt kann ich es erklären: jeder Eingriff, auch jede Narkose ist ein Eingriff in die Kohärenz (ja diesmal schreib ich es mit ä) des Organismus. D.h. er reagiert damit wie auf den Säbelzahntiger und bei einer Erkältung. Mit physiologischem Stress und Muskelanspannung. Ich nehme an, deshalb bekam meine Mama als sie zuletzt im Krankenhaus lag, immer Kreuzschmerzen. Weil die Muskeln verspannt sind. Und man sich dann nicht bewegt.

Man wird dann auch wie beim Schnupfen reizbarer. Meine Mama begrüsste mich bei meinem Besuch mit den Worten: "Das Kissen macht mich wahnsinnig!"
Worauf ich erwiderte:"Ja, ich freu mich auch Dich zu sehen."

Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit den Füssen kreist, mit den Händen fuchtelt oder mit dem Arsch im Bett wackelt. Jede Bewegung beruhigt das Nervensystem und baut die Anspannung ab. Und erst dann, wenn die Entspannung greift, wird auch das Immunsystem aktiviert und somit kann dann erst der Organismus heilen.

Bio-, physiologisch also alles vollkommen logisch.

Ihr könnt ja mal bei der nächsten Erkrankung (der nächsten Inkohärenz) in Euch hineinhorchen (achtsam sein , also Euren präfronteralen Kortex nutzen), ob Ihr die Muskelanspannung spürt. Wenn Ihr Schmerzen habt, dann kommen die daher. Im schlimmsten Fall können dann die angespannten Muskeln sogar Nerven einklemmen. Und das tut dann noch mehr weh.

Ich frage mich, ob nicht einige OPs (oder vielleicht sogar alle?) am Nerv vermieden werden könnten, wenn man vorher Entspannungsübungen macht. Nutzt ein Osteopath nicht genau dieses Prinzip?

Hat man einen Unfall, dann ist das auch eine Inkohärenz für den Organismus. Denn viele Menschen defnieren ihre Idenität und sich selbst ja durch die Arbeit.

Durch einen Unfall werden sie dort hinauskatapultiert. Kann man hernach seine Arbeit nicht wie vorher ausführen, dann bedeutet also so ein Unfall oder eine Krankheit einen Identitätsverlust.

Man verliert sein Selbstwertgefühl und auch sein Urvertrauen. Des is fei a ned grod as gsündeste. Das autonome Nervensystem reagiert auf diese inkohärente Situation mit Abwehr, Kampf, Nicht-Wahrhaben-Wollen und man kann genau wie meine Mama gereizt reagieren. Denn es läuft ja genau wieder dieser Ur-Reflex ab.

Diesen Reflex können wir nur mit Hilfe des päfronteralen Kortex stoppen. Denn es gibt einen Zeitpunkt zwischen Emotion und Reflex-Reaktion, den wir nutzen können. Hat allerdings das limbische System und die Amygdala unseren Organismus fest im Griff, ist das nicht so einfach. Denn die Amygdala-Route (Reflexpfad) hat sich zur Autobahn ausgebaut.

Wir müssen erst mühsam den Weg zum präfronteralen Kortex durch das Dickicht finden. Dazu müssen wir aber erstmal bereit sein, dorthin loszulaufen. Und auch daran hindert uns die wildgewordene Amygdala. Denn wir haben ja Angst vor jeder Veränderung!

Das ist ganz natürlich. Fühlt man sich bedroht, dann braucht man Sicherheit. D.h. man verkriecht sich in der heimischen Höhle. Bei mir in Büchern, die mir lieb und teuer sind. Wir machen uns garantiert nicht in diesem Modus auf den Weg in ein neues Abenteuer.

Oder geht Ihr, wenn Ihr eine Erkältung habt , krank seid, los und springt mit einem Fallschirm ab? Oder macht einen Bungeesprung? Oder geht Ihr auf einen Kongress, um dort neues zu lernen? Mal davon abgesehen, dass die anderen sich über eine Ansteckung freuen würden...

Selbst wenn Ihr neues lernen wolltet, es geht in dem Modus schlicht und ergreifend nicht. Wir können nicht lernen, wenn wir Angst haben. Ganz im Gegenteil. In dem Amydalagesteuertem Modus werden wir auch noch vergesslicher.

Aber in der Schmerztherapie erwartet man, dass Patienten in diesem Modus, etwas neues lernen. Es geht nicht. Sie können das gar nicht. Erst muss der Sicherheitsaspekt erfüllt sein. Ein menschliches Grundbedürfnis. Die Kohärenz.

Erst dann kann Vertrauen entstehen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Patienten den Institutionen, Ärzten und Psychologen misstrauen. Das ist vollkommen normal in einer unnormalen Situation!

Ich hab auch diese Woche wieder ein trauriges Beispiel für dysfunktionale Kommunikation. Meine Mama war beim Hausarzt. Weil es mir auf mein Nervensystem gegangen war, jedes mal, wenn ich ihre Rezepte geholt habe, danach gefragt zu werden, ob sie mal wieder zum Blutnehmen vorbeikommt.

Schon der Gang zum Hausarzt ist für Mama Stress. Kein Wunder, denn wie ich passt sie nicht ins System und fühlt sich eher vom System bevormundet. Und das finden wir nicht besonders schön.

Meine Mama ist da auch nicht anders wie so manche Männer, deren Frau in der Praxis das Rezept des Ehemanns abholt und zu der die Sprechstundenhilfe sagt, dass Ihr Mann doch mal wieder vorbeikommen müsste.

Müssen erzeugt Widerstand. Widerstand erzeugt Reibung. Einfach Physik. Das erzeugt wiederum Stress (eine Bedrohung der Kohärenz) des Ehemanns oder meiner Mama.

Ich geb gern zu, mir geht es genauso. Wenn ich einen Termin habe oder in die Sprechstunde wegen dem gelben Zettel, der rosa ist, muss, bin ich hinterher fertig mit der Welt. Es ist anstrengend. Das Neonlicht, die weissen Wände, die kranken, hustenden Menschen im Wartezimmer, der Geruch nach Desinfektionsmittel, all das hagelt auf mein Hirn ein, dass mit der Verarbeitung einfach überfordert ist.

Bedenkt man, dass nicht nur bei chronisch Kranken sondern auch bei älteren die Reizfilter meilenweit offenstehen, kann man sich ausmalen, woher der Widerstand kommt. Es erklärt dann auch, warum der Blutdruck meiner Mama dann noch höher ist als sonst. Ist ja klar. Sie befindet sich physiologisch im Feindesland. Das geht mir auch so, obwohl ich weiss, dass mir dort (hoffentlich) keiner was tut. Meinem autonomen Nervensystem ist leider mit Argumenten nicht beizukommen. Das ist Reflexgetriggert von der Reizflut.

Bedenkt man, dass ältere auch oft chronisch krank sind, dann dürfte dasselbe Problem auch sie betreffen.

In solchen Situationen fühlt sich unser Organismus also in seiner Autonomie bedroht. Und um die kämpfen wir dann mit allen Mitteln. Ausserdem sind wir da auch schnell überfahren von einer Situation. Sprich: ich wirke nicht besonders intelligent. Und meiner Mama ging es da wohl diese Woche ähnlich.

Was ist passiert? Nach dem Blutdruckmessen (der für mich nicht überraschend - hoch war), gab ihr die Sprechstundenhilfe einen Zettel zum Ausfüllen. Sie sollte eine Uhr mit Zahlen versehen und Fragen beantworten. Sie verstand zuerst nicht , was sie machen sollte. Auf die Idee zu fragen, warum , kam sie gar nicht. Sie war überrollt.

Erst nachdem sie es ausgefüllt hatte, merkte sie, dass das wohl ein Demenztest war. Den einfach so untergeschoben zu bekommen, fand sie gelinde gesagt nicht besonders toll. Also reagierte sie mit einem empörten:"Ich bin doch ned bleed und mach Euern Debberlestest!"

Im Endeffekt ist meiner Mama dasselbe passiert wie mir. Unser Verhalten wird fehlgedeutet. Des is fei a ned grod as gsündeste. Wenn das uns passieren kann, dann kann es auch jedem anderen passieren. Das find ich traurig, dieses Schubladendenken.

Wüsste der Arzt, dass Mama sich grade einen neuen Touchscreen-Herd gekauft hat und damit neue Plätzchenrezepte ausprobiert, erst vor kurzem das Heureka-Erlebnis des Fröbelsternbastelns erfahren hat, wäre er vermutlich nicht auf diese Idee gekommen.

Ich möchte damit nur eines sagen: "Never judge a book by its cover."
Beurteilt einen Menschen nie allein nach dem äußeren ersten Eindruck. Die Chancen stehen gut, dass Ihr Euch täuscht. Denn Ihr vergesst den Kontext der Begegnung und den physiologischen Status des Gegenübers zu berücksichtigen. Ein Arzt wird sich in seiner Praxis (hoffentlich) wohlfühlen. Ein Patient tut dies noch lange nicht.

Was ist das Ergebnis dieser unachtsamen Vorgehensweise? Der Patient - also meine Mama - ist verärgert. Sie schimpft heut noch. Dem Blutdruck hat das sicher nicht geholfen. Also im Endeffekt hat der Praxisbesuch meiner Mama physiologisch geschadet. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Ich bin mir sicher, dass hier keine böse Absicht dahinterlag. Nur ändert das nichts am Ergebnis. Denn jetzt wird meine Mama sicher noch unwilliger in die Praxis gehen. Oder sie kommt gar nicht mehr und sucht sich einen neuen Hausarzt.

Da seht Ihr mal, was dysfunktionale Kommunikation anrichten kann. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Mittwoch: Erst Feldenkrais dann Frauenkreis....
Wisst Ihr, was das ist? Ich wusste das auch nicht. Deswegen bin ich hin. Ich war neugierig. Ich arbeite ja daran Angst durch Neugier zu ersetzen und so meine Amygdala zu bändigen.

Neues Lernen überschreibt auch noch die "Festplatte" und damit das Schmerzgedächtnis.

Es waren lauter spannende Frauen dort. Und sie zeigen sich mal von der anderen Seite. Der echten , authentischen. Es geht im Frauenkreis um das Auflösen alter Muster, um das Verstehen , um das Erkennen der eigenen Identität und um die Entwicklung der Persönlichkeit. Auch der Frage: warum hab ich immer wieder dieselben Probleme? wird auf den Grund gegangen.

Am Montag war eine Schnupperveranstaltung dazu. Da bin ich halt mal hin. Hab gleich vergessen die Schuhe auszuziehen. Als man es mir dann sagte, hab ich zwar Mütze und Jacke aufgehängt, die Schuhe hatte ich immer noch an, weil ich es schon wieder vergessen hatte. Ich musste über mich schmunzeln. :)

Das Wetter macht mir mit seiner Reizflut sehr zu schaffen. Ich kann mir nix merken. Deshalb schreib ich ständig Zettel und suche Stifte, die ich grad noch in der Hand hatte. Inzwischen kann ich darüber lachen.

Ich hab gestern sogar meiner Schwester versehentlich die Ketchupflasche verräumt und aufgeräumt, obwohl sie noch am Essen war und noch welches brauchte. Mein Hirn hüpft von Gedanken zu Gedanken wie ein kleines Äffchen im Urwald von Ast zu Ast. Ich komm nimmer hinterher.

Ein Satz hat mir besonders gefallen, den die Veranstalterin sagte:"Frauen sind ja sooo empathisch. Zu allen. Ausser zu sich selbst. "

Ich fand die Frauen sehr cool und äußerte dies auch. Mir wurde ebenso coolness beschieden. Irgendwie cool.

Ich glaub aber mein physiologischer Status ist mit einer 6-frauigen Gruppe doch noch nicht kompatibel. Da ist mein Autonomiebestreben einfach größer. Auch mit Regeln hab ich es nicht so.

Ich hab es nicht so mit Regeln.. und Autoritäten...

Schon seltsam: jeder hat das Bedürfnis irgendwo dazuzugehören aber auch nach Autonomie. Der eine mehr, der andere weniger. Es gilt, das richtige Maß für sich zu finden. Und das ist wohl bei jedem anders und auch noch vom physiologischem Status (also von der jeweiligen Tagesform) abhängig.

Beim heilsamen Umfeld-Schaffen mach ich langsam ein paar Fortschritte. Ich mach Beziehungsarbeit. Das hört sich seltsamer an als es ist.

Stellt Euch eine Familie , Verein, Firma, Abteilung .... als lebenden Organismus aus lauter Zellen vor. Die Zellen kommunizieren miteinander um alles so zur Verfügung zu haben, was sie für ihre Arbeit brauchen. Im Körper geschieht dies z.B. über Botenstoffe, Neurotransmitter.

Bei uns Menschen ist dieser Botenstoff dann die Kommunikation zwischen zwei Menschen. Und je nachdem, ob zuviel Botenstoff ausgeschüttet wird, oder zu wenig, kommt es zur dysfunktionalen Kommunikation. Dann kriegt die Zelle nicht mehr was sie braucht. Ihre Kohärene ist gestört, sie gerät in Stress und versucht die Kohärenz wiederzuerlangen. Sie wendet eine Zeit lang Workarounds an... und wenn das nicht mehr geht, dann erfolgt der Zelltod.

So ähnlich ist das auch bei uns Menschen. Wir können unter widrigen Umständen lange überleben, doch auf Kosten unserer Gesundheit.

Deshalb ist dieser Botenstoff das Schmiermittel zwischen den Rädchen im Getriebe so wichtig. Denn läuft es nicht rund (fehlendes Schmiermittel - nein, ich rede hier nicht von Schmiergeld sondern von funktionaler Kommunikation!), dann gibt es zwischen den Rädchen Reibung, Widerstand und das kostet enorm viel Energie.

Mit dem richtigen Schmiermittel kann also so Energie gespart werden. Die Rädchen laufen rund, die Transmitterstoffe werden ausreichend ausgeschüttet , die Zellen sind zufrieden und können ihre Aufgaben mühelos erledigen.

Bricht man es auf die Organisation in der Familie oder der Firma herunter, dann bedeutet das, das die einzelnen Beziehungen der Zusammenarbeitenden geschmiert werden müssen. Je besser sie sich also verstehen, die Bedürfnisse des anderen kennen und ihre eigenen und ihre Wünsche wie z.B. für Zulieferungen aussehen, dann geht es den beiden Mitarbeitern gut. Die Arbeit fällt leicht.

Stößt einer der Mitarbeiter auf Widerstand bei der Verrichtung seiner Arbeit, dann erfolgt Reibung und ein enormer Energieverlust. Die Beteiligten sind gefrustet, genervt und unzufrieden. Und erschöpft.

D.h. im Umkehrschluss, wenn ich meine Kollegen gut kenne, dann kann ich besser schmieren. Denn wenn ich ihre Bedürfnisse kenne, dann kann ich ihnen besser entgegenkommen. Und sie mir auch. Und das versuch ich grade.

Derzeit geh ich mal mit dem ein oder anderen Kollegen mal Mittagessen, um ihn zu beschnuppern. Ich bekomme interessante Einblicke. Neue Perspektiven tun sich auf. Das ist spannend! Wobei ich sagen muss: wir machen Big Talk. Es geht ans Eingemachte. Das, was uns umtreibt, was uns bewegt. Das kommt mir sehr entgegen, weil ich mit Smalltalk ohnehni nix anfangen kann.

Allerdings gibt es auch eine Krux, die es nur beim Menschen gibt. Ein Problem, das Zellen nicht haben. Eine Zelle würde sich nie auf Kosten einer anderen das eigene Überleben sichern, denn dann wäre der gesamte Organismus bedroht. Und damit das Schicksal aller Zellen besiegelt.

Menschen tun das schon. Das Ergebnis für den Gesamtorganismus ist letztendlich aber dasselbe. Überhaupt sind menschliche Gefüge einer Veränderung der bisherigen Ordnung nicht besonders aufgeschlossen. Denn verändert sich eine Position, dann müssen sich zwangsläufig auch die anderen Positionen mit verändern. Ist man im physiologischen Inkoheränzmodus, dann ist man gestresst und gegenüber Veränderungen nicht besonders offen. Es ist also mit Menschen komplizierter.

Da könnten wir uns ein Vorbild am Eichelhäher nehmen, der nebenbei auch noch für die Pflanzung neuer Bäume sorgt. Das nenn ich mal Arbeitsteilung zwischen Baum und Tier! Neurodiversität at its best!

Da könnten wir uns eine Scheibe davon abschneiden.

Krisen erzwingen Veränderungen. Jede Veränderung geht aber auch mit einer Trauerphase einher. Man muss sich von liebgewonnen Dingen, Verhalten verabschieden. Erst wehrt man sich dagegen. Erst nach Abschluss der Trauerphase folgt (hoffentlich) die Akzeptanz. Und erst dann ist der Weg offen, die Veränderung als Chance zu nutzen.

Krisenerfahrene Menschen haben da einen Vorteil. D.h. je mehr Scheiss einem begegnet und wenn man damit einigermassen klarkommt, hat dieser Scheiss auch einen Vorteil. Denn der Scheiss muss ja kein Scheiss bleiben. Es liegt immer im Auge des Betrachters. Es kommt drauf an, was Ihr draus macht.

So ist das auch bei einer Krankheit. Bei CRPS z.B. D.h. auch da gibt es ein Licht am Horizont. Wenn ich nämlich anfange nach Lösungen zu suchen und mir Strategien zulege, damit umzugehen. So ist es bei jedem Problem. Bei jeder Krise. Bei jeder Veränderung. Diesen Prozess nennt man lernen. Hier gibt es kein falsch oder richtig. Nur ein Ausprobieren und Experimentieren. Hinterher ist man immer schlauer ;-)

Donnerstag: Huschala! Is des kold....

Der heimfahrende 30iger Bus hatte solche Rauchschwaden bei der Kälte um sich rumwehen, da dachte ich schon unser Bus brennt. Des is fei a ned grod as gsündeste...

Den Geist, die wild durcheinander purzelnden Gedanken, die die Amygdala durch das Hirn bläst wie Blätter im Herbst, zu zähmen, ist gar nicht so einfach.

Obwohl... der Fernmeldetechniker meinte damals als ich ihn gefragt habe, ob sein Beruf kompliziert ist: Es ist ganz einfach, wenn man weiss wie es geht.

Also mit Konzentration oder Bewegung. Das eine baut die physiologische Anspannung ab und das andere stärkt die Anti-Stress-Achse (den präfronteralen Kortex) und schwächt so die Amygdala.

Pferde- und Hundeflüsterer machen doch genau dasselbe...
Ich kenn eine, da will ich mal zugucken, wie die das macht. Ob sich ihre Technik auch bei Menschen anwenden läßt? Das kann ich dann ja mal ausprobiern... Ob man auch Menschenflüsterer werden kann?

Apropos Vermenschlichung von Tieren... ich hab die Woche ein Auto mit der Aufschrift "Physiotherapie für Tiere" gesehen. Was es ned alles gibt...

Gestern hab ich eine Bekannte getroffen, die sogar selbst Entspannungstrainerin ist. Sie hat gestern festgestellt, dass sie zwar weiss wie es geht, aber es trotzdem nicht anwenden kann. Ich hab ihr dann ein paar Tipps gegeben, als sie mich mal zu Wort kommen liess. Ich bin zwar keine Trainerin, aber ich weiss dafür wie es geht. Ich bin halt ein Praktiker. Dafür hat sie mich zum Mittagessen eingeladen. Wertschätzung in Naturalien ist was feines.

Ihr wisst ja Logorrhoe gehört zu einem übererregten Nervensystem dazu. Es kann aber auch genau das Gegenteil sein. Wenn jemand gar nix mehr herausbringt. Kann bis zu Mutismus gehen. Das ist mir auch schon passiert. Ich kann beides recht gut zu unterschiedlichen Zeiten.

Gestern war das Netzwerk bei mir ausgefallen. Nein, diesmal nicht in meinem Hirn sondern am Arbeitsplatz. Früher hätte mich sowas sehr genervt. Diesmal bin ich eher einem Kollegen auf die selbigen gegangen. Der ist Systemadmin und konnte da leider auch nix machen. Der war auch betroffen, also sein Rechner.

Dafür hab ich gelernt, dass es auch bei ihm so ist, dass das Spektrum an Aufgaben, das er abdecken muss immer größer wird. Also man wird immer mehr zum Generalisten, weil alles immer komplexer wird.
Er meinte:"Man soll immer mehr machen, aber keiner zeigt einem wie es geht."

Dafür hat er mir seine Nicht-lustig-Tasse mit Lemmingen gezeigt, die an Leitern seine Kaffee-Tasse erklimmen und sich dann hineinstürzen. Galgenhumor hat offenbar Konjunktur.

Heute hat ein weiterer Kollege das mit der Generalisierung und Komplexität bestätigt. Ich meinte, dass ich mir das alles gar nicht mehr merken kann. Da meinte er, ihm geht's genauso. Und ich dachte bisher immer, das geht nur mir so.

Und ich hab die Ursache, den Fehler bisher immer bei mir gesucht, dabei liegt es daran, dass alles immer komplizierter und komplexer wird. Diese neue Sichtweise ist sehr befreiend. Jetzt kann ich die Dinge gelassener sehen.
Das sind meine dieswöchigen Aha-Erlebnisse.

Und welches sind Eure?

Freitag: Mei sin die Leut heut anstrengend... muss am Wetter und der damit verbundenen Reizüberflutung liegen.
Mei Mama spürt's a. Und ich bin etz a ferdich.
Heut hab ich den Hauptteil des Tages damit verbracht, irgendwelchen Menschen was zu erklären. Das finde ich sehr anstrengend. Und das scheint immer mehr Zeit in Anspruch zu nehmen, je komplexer die Prozesse sind, je gestresster die Leut sind, mit denen man redet und welche Copingstrategien sie haben. Heut war ich darüber etwas erschrocken.

Und dann hängt's freilich noch davon ab, wie ich drauf bin. Zu dem, was ich machen wollte, bin ich kaum gekommen. Vor lauter Abstimmungen und Aufklärung von Missverständnissen.

Mit chronisch übererregtem Nervensystem wäre es wünschenswert von geduldigen entspannten Menschen umgeben zu sein. Die scheinen aber immer weniger zu werden. Das kannste knicken.

Manchmal komm ich mir noch am gelassensten vor. Da schaut es dann um mich rum auch gesundheitstechnisch bei meinen Um- und Mitmenschen zappenduster aus... Des is fei a ned grod as gsündeste.

Besonders irritiert hat mich ein Kollege, der heut richtig laut und wütend wurde, weil er was nicht verstanden hat. Dann frag ich halt nach und wurschtel nicht einfach weiter und liefer irgendwas ab, mit dem keiner was anfangen kann.

Sowas ist ungeheuer anstrengend. Hat mich 1,5 Stunden gekostet, das Chaos zu sichten und dann noch eine Stunde es zu klären. Dabei hab ich es vor 4 Wochen ausführlich erklärt. Und es kamen auch seitdem keine Nachfragen. Hellsehen kann ich leider nicht. Steht auch nicht in meiner Jobbeschreibung. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass der Kollege sich parallel noch mit meinem Kollegen unterhalten hat. Ich hatte mich damals schon gewundert, dass er mir gleichzeitig zuhören kann. Ich kann das jedenfalls nicht.

Ich kann ja verstehen, dass wenn man sich nicht zu helfen weiss , man in Stress gerät und gar kein Land mehr sieht. Dann muss ich halt winken und um Hilfe bitten. Auch wenn es mir schwer fällt. Das ist ja kein Weltuntergang, wenn man was nicht gleich versteht oder nochmal nachfragen muss. Das geht mir doch auch so. Aber wenn ich die Leut, die mir helfen könnten, anfahre, dann steh ich bald allein da und bin noch hilfloser. Und das erzeugt dann noch mehr Stress. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Das ist die Reibung, über die ich gestern geschrieben habe. Sie hat mich heut ungeheuer viel Energie gekostet.

Und ich sehe auch wie schwierig es ist, unterschiedliche Sichtweisen in Einklang zu bringen. Ich versuche den Leuten die Hintergründe zu erklären. Doch so mancher Spezialist will das gar nicht sehen und lieber in seiner altgewohnten heimeligen Ecke verbleiben. Nur geht das nicht mehr, wenn die Arbeit immer weiter komprimiert und die Prozesse immer komplexer werden. Da muss jeder wissen was er tut und warum. Denn sonst kommt es zu immensen Reibungsverlusten und einer ungeheuren Energieverschwendung.

Letztendlich hat er sich dann wieder beruhigt und ich habe es nochmal erklärt. Das zehrte wiederum an meiner Geduld. Ich hab es aber irgendwie hinbekommen gelassen zu bleiben. Ich habe ihm auch angeboten es am Ende nochmal in seinen eigenen Worten zusammenzufassen. Das wollte er wiederum nicht. Jetzt bin ich gespannt, ob der nächste Anlauf klappt.
Und wenn nicht dann nehm ich das Nagerprinzip: langsam nährt sich das Eichhörnchen.

Ich kann nur mein mögliches versuchen und auf mein Verhalten achten und versuchen entspannt zu bleiben. Ich hab ja auch ein ureigenes Interesse daran: denn wenn ich es nicht schaffe, dann habe ich noch mehr Schmerzen und die motorischen Einschränkungen (Dystonien) an Händen und Füssen nehmen dann auch zu. D.h. es ist auch im Interesse meiner Kollegen, dass ich gesund bleibe, denn ansonsten kann ich ihnen auch nicht mehr helfen.

Ausgleichenderweise muss ich sagen, dass ich auch noch drei Abstimmungen mit anderen Kollegen hatte und die liefen lösungsorientiert und verständnisvoll ab. Von beiden Seiten. Diese Art von Kommunikation macht sogar Spass und gibt Energie. Ich würde mir wünschen, das könnte immer so sein. Entspannt wohlwollend und dann sieht man auch Optionen und Lösungswege und kann es gleich beim Gespräch umsetzen. Hab ich heut auch gemacht. Ihr seht also, es hängt von beiden Seiten ab, ob Kommunikation mühsam, energiezehrend oder entspannt, offen sein und Spass machen kann.

Kommunikation ist, was Ihr draus macht.

Das Verhältnis steht also heut 3:1.

Trotzdem zehrt das ermünderndere Intermezzo an meinem autonomen Nervensystem. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Irritation die Amygdala triggert. Und das ist ja die Achse, die auch mein CRPS befeuert.
Ich hoffe, dass ich durch die Klärung heute die Reibungsverluste zukünftig minimiert habe.

Da programmier ich lieber am Rechner vor mich hin. Das entspannt mich. Und Endorphine krieg ich obendrein, wenn ich dann die Lösung gefunden habe und etwas funktioniert.

Heut früh is die U3 später kumma. Unfall. Dafür habi dann am Bahnsteig a Bekannte getroffen.

Die sagt auch, dass bei ihr immer noch mehr Arbeit oben drauf kommt. Mehr Geld oder eine Beförderung bekommt sie nicht.

Sie hatte Besuch aus der Ukraine. Ihre Freundin mit Familie. Der ukrainische Besuch hat ein neues Wort gelernt: circa.
Sie dachten in Deutschland würde alles funktionieren. Made in Germany halt. Und Züge und Busse hätten überhaupt keine Verspätung.

In der Ukraine steht bei einer Verspätung 30 Minuten angeschrieben. Verspätet er sich weiter, wird die Anzeige entsprechend aktualisiert. Z.B. auf 40 Minuten. Und dann kommt der Zug oder Bus auch um die Zeit.

Am Bahnhof waren sie dann erstaunt, dass es in Deutschland anders ist. Dort stand ca. 15 Minuten Verspätung. Der Zug kam dann mit einer Verspätung von 30 Minuten.

Darüber musste ich schmunzeln ;-)
Das war mein Tageshighlight. Da seht Ihr mal wie erfrischend und belebend so ein Blickwinkel aus einem anderen Kontext sein kann.

Ich war schon ziemlich fertig heute, also bin ich heut mal ne Stunde früher gegangen. Hab auch noch Überstunden, die ich abfeiern kann. Tu Dir was gutes, dachte ich....

Dann war der 30iger Bus schon sehr voll und im 203er stieg eine ganze 29-köpfige Schulklasse ein. Es war ungeheuer laut. Die Ohrstöpsel dämpften es etwas. Von der Lautstärke her kam es an die Fussballfans heran, die bis Fürth fuhren und den ganzen Waggon zum Beben brachten.

Das hat mir heut grade noch gefehlt. Und dann setzte sich auch noch ein Mann neben mich, der nach Urin duftete... Soviel zu, ich tu mir was gutes und fahr dafür eher heim... damit ich entspannt heimkomme. Der Mensch dachte und Gott lachte. Der hatte heute sicher seinen Spass.

Ich musste fast laut loslachen. Reizüberflutungsalarm. Mein autonomes Nervensystem jubilierte. Es war so herrlich skurril. Da weiss man echt nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Auf der Autobahn war ein kleiner Auffahr-Unfall und es zog sich etwas. Auch wieder ein paar überregte Nervensysteme.

Und der Busfahrer fuhr an der Haltestelle, an der ich gedrückt hatte , einfach vorbei und an der nächsten machte er die Tür nicht auf.

Ich hoffe, Euer Tag war besser. Und wenn nicht: morgen kommt ein neuer! :)

Gestern hab ich festgestellt, dass CRPS und Fingerhandschuhe inkompatibel zueinander sind. Ich brauche fast 10 Minuten, um die Finger auseinander und einzeln in die richtigen Finger zu bekommen, weil mein Hirn die Landkartentechnisch nicht mehr auseinanderbekommt. Sie sind miteinander verschmolzen. Das kommt bei CRPS vor. Irgendwie war es aber sehr lustig.. skurril halt. Meine Phyiso hat auch gelacht, wie ich es ihr erzählt habe.
Ein Hoch auf die Fäustlinge!

Sodala... war im Wald und der hat mein Nervensystem endlich runtergefahren. Auf dem Rückweg bin ich dann noch einer netten jungen Frau mit Golden Retriever begegnet. Der war ganz wild auf mich. Streicheleinheiten für alle :)
So ist der heutige aus-häusige Tag doch noch mit einem Lächeln und mit einem Schwanzwedeln ausgeklungen.

Mit einem Schmunzeln verabschiede ich mich für diese Woche von Euch.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende! Und passt gut auf Euer Nervensystem auf!

07.12. bis 13.12. Weihnachtswunsch: Gesehen werden ...

Samstag: Wow! Gestern Gerald Hüthers Buch Etwas mehr Hirn, bitte zuende gelesen.

Auch er ist der Meinung, dass das Umdenken von UNTEN beginnen muss und wir , also jeder einzelne selbst für einen wertschätzenden respektvollen Umgang miteinander sorgen muss. Nur so geht es jedem Einzelnen und auch den Menschen in seinem Umfeld gut.

Und erst dann gibt es weniger Reibungsverluste in der täglichen Kommunikation und unseren Organisationen, und damit ein innovationsförderndes angenehmes Wohlfühl-Betriebsklima (Neudeutsch auch : Spirit genannt) . Warum? Weil ein angenehmes Betriebsklima, also wenn man sich wohlfühlt, erst die Potentialentfaltung fördert. Denn seine Stärken und Fähigkeiten kann jeder nur in eine Gemeinschaft einbringen, wenn er sich wohlfühlt und als Mensch akzeptiert, wertgeschätzt und respektiert wird. Physiologisch also vollkommen logisch.

Also so geht Potentialentfaltung.

Soweit bin ich ja inzwischen auch. Aber wie funktioniert das genau? Was muss ich praktisch tun? Ich arbeite ja bereits an der Umsetzung. Was muss man denn da genau tun?

Ich hab mir mal aus meiner Erfahrung heraus dazu Gedanken gemacht und diese Anleitung ist dabei herausgekommen.

Schritt 1:
Zuerst mal muss man bei sich selber anfangen und wohlwollend und wertschätzend und liebevoller und geduldiger mit sich selbst umgehen lernen. Das fängt schon damit an, dass wenn ich etwas nicht gleich verstehe oder noch nicht auf Anhieb hinbekomme, nicht zu mir: "Ich (Du) Depp!" sage. Sondern nachsichtig und liebevoll mit mir umgehe. Und auch darüber lächeln, lachen oder schmunzeln kann.
Das kann dann so aussehen: Hmm.. so funktinioniert das nicht. Das ist kein Wunder, es ist kompliziert. Das ist nicht schlimm, dass Du nochmal nachfragen musst. Wenn kann ich fragen? Wer kann mir weiterhelfen?

D.h. ich suche den Fehler nicht bei mir. Denn an mir liegt es selten. Entweder liegt es daran, dass es sehr komplex und kompliziert ist oder es meinem Gegenüber noch nicht gelungen ist, es mir so zu erklären, dass mein Hirn es versteht. Sprich: ich habe noch keinen Zugang zu der Lösung gefunden. Oder wie meine Handarbeitslehrerin immer sagte: Es hat noch nicht gschnaggelt.

Das liegt auch nicht an meinem Gegenüber. Es liegt an unseren unterschiedlichen Perspektiven, Sichtweisen, die wir in unserer Kommunikation miteinander synchronisieren (in Einklang bringen) müssen. Das gelingt uns im Alltagsstress allerdings immer weniger, weil wir dort nicht offen für die Sichtweisen des anderen sind. Denn dazu braucht man Zugang zum präfronteralen Kortex und den blockiert der Stress. Wenn ich mir das bewußt mache, dann kann ich hier auch wieder nachsichtig mit dem Kollegen und mir sein. Sprich: nicht die Zellen des Organismus sind das Problem sonder der Transmitter , der Botenstoff. Also die Art und Weise WIE wir miteinander kommunizieren.

Das wirkt sich auf unsere Haltung aus: wir werden entspannter. Und wenn wir entspannter sind, dann können wir dies auch im Schritt 2 anwenden. Beide erfolgen übrigens parallel und verstärken sich gegenseitig.

Sobald der präfronterale Kortex greift (ich also Zugang zu ihm bekomme) kann ich auch neue Entspannungstechniken (z.B. MBSR, Feldenkrais ...) lernen. Aber ERST!!! DANN!
Vorher kann ich nur auf altbekanntes zugreifen. Und das tun wir dann auch ganz unbewußt. Wir setzen unsere bisherigen Nervenberuhigungsstrategien ein.

Als Nebenwirkung tritt wachsendes Urvertrauen und Selbstvertrauen auf. Denn wir können nun mit Veränderungen leichter umgehen, sie akzeptieren und sie als Chance sehen und nutzen. Wir werden offener und sehen auch die Chancen und Möglichkeiten, die sich uns bieten. Meist kommen die Problemlösungen genauso daher. So nebenher, wenn man gar nicht daran denkt. Nur gestresst (bei Amoklaufender Amygdala) sehen wir sie nicht. Sie sind da, aber wir würdigen sie keines Blickes, weil unser Tunnelblick uns davon abhält über den Tellerrand zu blicken. Es ist übrigens schön da.

Nebenwirkung Nr. 2: wir fangen wieder an zu lernen und zu experimentieren und empfinden das Leben als lebendiger. Es macht Spass. Wir haben wieder mehr Lebensfreu(n)de. Nebenwirkung Nr. 3: Wir spiegeln das auch in unserer Haltung (wir laufen aufrechter und nicht mehr so verkrampft. Verkrampfungen kommen von angespannten Muskeln und die resultieren von physiologischem Stress) und wirken so viel einladender auf andere Menschen. D.h. wir ziehen auch entsprechende Menschen an und können neue Freundschaften und Kontakte knüpfen. Und soziale Kontakte besänftigen die Amygdala noch weiter. D.h. es potenziert sich.

Schritt 2:
Wertschätzend, respekt- , würdevoll und nachsichtig auch mit den Menschen, mit denen ich in Beziehung stehe, umgehen. Durch die Erfahrungen im Umgang mit mir, kann ich ähnliches Verhalten und Hintergründe an anderen Menschen erkennen, und mit ihnen ebenso gut umgehen wie mit mir.

Als Nebenwirkung sollte dann auftreten, dass Ihr mehr über und miteinander lachen könnt. Wahrscheinlich lachen deshalb kleine Kinder mehr als Erwachsene. Weil sie genau dies noch praktizieren. Das können und wollen wir wieder lernen.
Nebenwirkung Nr. 2: es macht Spass. Es wirkt spielerisch. Die Arbeit und unsere Beziehungen werden leichter, angenehmer. Die Reibungsverluste vermindern sich. Kommunikation gibt uns Energie und Freude und wirkt sich positiv auf unseren Körper aus, denn die Stressachse wird weniger oft getriggert. Aus Streitgesprächen werden fruchtbare Diskussionen. Wir lassen andere zu Wort kommen, nehmen sie mit ihren Gefühlen (wie z.B. Ängsten, Irritationen, Hilflosigkeit, Wut) wahr und an und können Konflikte und Missverständnisse auflösen und kommen sogar zusammen auf bessere Lösungsmöglichkeitn als allein. Sprich: wir entfalten gegenseitig unsere Potentiale! Cool!
Mir wird grad bewußt, dass ich das diese Woche schon 2 x erleben durfte. Wow!

Sagt Eurem Gegenüber dann auch (mir war das ein unheimliches Bedürfnis!) wieviel Spass die Zusammenarbeit mit ihm Euch macht! Das ist der Hammer! Und er sagte zu mir , ihm geht es auch so. Er strahlte richtig. Wow!

3.Schritt:

Respekt, Wertschätzung , Nachsicht auch für sich selbst bei anderen einfordern!
Daran muss ich noch arbeiten, weil es auch nicht so einfach ist, wie man Irritationen, wie der gestrigen umzugehen. Dafür muss ich mir zuerst darüber klar werden, was mich irritiert, frustriert, geärgert hat?

Bei meinem Kollegen waren das drei Dinge:
1. Dass er mir als ich ihm Dinge erklärt habe, nicht seine volle Aufmerksamkeit geschenkt hat. Dies empfinde ich als Respektlosigkeit meinerseits.
2. Dass er nicht gesagt hat, dass er es nicht verstanden hat. Das ist eine Respektlosigkeit seinerseits sich selbst gegenüber.
3. Dass er mich angefahren hat und laut geworden ist. Denn auch das war eine Respektlosigkeit seinerseits.

Wie reagiert man auf die Reizbarkeit eines Kollegen?
Wie reagiert man auf einen Kollegen, der einem nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt?

Zunächst mal muss ich mir bewußt machen (und das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung mit mir selbst), dass der Kollege dies nicht absichtlich tut. Und ich mich auch manchmal so verhalte oder verhalten habe. Das kann ich akzeptieren. Damit stelle ich eine Gemeinsamkeit zu ihm her. Ich kann also sein Verhalten verstehen. Das kann ich damit rational nachvollziehen. Das ist für mich wichtig. Also mit dem präfronteralen Kortex. Dafür muss ich aber entspannt sein, weil Stress die Verbindung zum präfronteralen Kortex und damit zum Denken und zur Lösungsfindung blockiert.

Mir wird das im Nachgang (also nach einem Gespräch) erst bewußt. Zu spät meint Ihr? Vielleicht ist das ganz gut, denn wahrscheinlich würde eine sofortige Reaktion meinerseits egal wie wohlwollend sie ist beim Gegenüber das Reflexabwehrverhalten bzw. Angriffsverhalten nur noch weiter triggern.

Vielleicht ist also ein bisschen Zeitversatz (dann hat sich seine Amygdala beruhigt) ganz gut. So kann ich mir im Nachhinein also klarwerden, was mich irritiert hat.

1. Dass er mir nicht seine volle Aufmerksamkeit geschenkt hat.
2. Dass er gleich explodiert ist, als ich nur die Fakten (das hatte ich Dir doch neulich alles erklärt) nannte.
2. erzeugte bei meinem Gegenüber aufgrund der amoklaufenden Amygdala einen Angriffsreflex. Er war nicht in der Lage seinen präfronteralen Kortex einzuschalten, denn der wird ja gerade von der Stressachse blockiert. Deshalb reagiert er auf mich als wäre ich der Säbelzahntiger persönlich.

Ich kann das am besten schriftlich. Deshalb werde ich versuchen (und das habe ich auch schon bei anderen gemacht und damit gute Erfahrungen gemacht), in einer Mail zu beschreiben, was das mit mir gemacht hat und was ich mir wünschen würde.

Hallo x,
Ich war am Freitag total erschrocken als Du so heftig reagiert hast. Ich brauchte bis abends um mein Nervensystem wieder zu beruhigen. Das hat meiner chronischen Stresserkrankung so sehr zugesetzt, dass ich aufgrund der damit verbundenen Muskelanspannung mehr Schmerzen und stärkere Bewegungseinschränkungen in den Händen und Füssen bekommen habe. Ich würde mir wünschen, wir könnten zukünftig ruhig, besonnen, respektvoll und wertschätzend bei Problemem miteinander umgehen. Damit lassen sich meiner Erfahrung nach auch Konflikte besser lösen. Denn wenn Dein Säbelzahntiger meinen triggert, ist keinem geholfen.

Weiterhin würde ich mir wünschen, dass Du mir, wenn ich mir die Zeit für Dich nehme und Dir Dinge erkläre, auch Deine gesamte Aufmerksamkeit schenkst. Ich fand das nicht besonders schön, dass ich mit dem Kollegen um Deine Aufmerksamkeit kämpfen musste. Das ist sehr anstrengend und kostet mich viel Energie.

Falls es Dir schwerfällt, dann können wir die Erklärungen auch in kleineren Einheiten aufteilen. Hierzu brauche ich Dein Feedback. Auch wenn Du etwas nicht verstehst, würde ich mir wünschen, dass Du weiter nachhakst und es mir mitteilst. Denn sonst gehe ich davon aus, dass Du es verstanden hast und bin Wochen später frustriert darüber, dass es nicht so ist. Es hat mich 1,5 Stunden Zeit gekostet, das Missverständnis zu entwirren. Sprich: es kostet mich sehr viel mehr Energie und Zeit als wenn wir Missverständnisse frühzeitig klären.

Früher war mir das Nachfragen auch peinlich, weil ich den Fehler bei mir selbst gesucht habe. Das ist aber nicht so! Die Prozesse sind inzwischen so komplex, dass man es nicht auf Anhieb verstehen kann.

Mir ist auch klar, dass ich mich nicht in Deine Perspektive und Sichtweise hineindenken kann, weil ich zu tief in meiner Denke drinstecke. Und so setze ich wahrscheinlich oft Dinge voraus, die für mich selbstverständlich sind. Das ist mir nicht klar. Daher würde ich mir wünschen, dass Du mir da auch Einsicht in Deine Sichtweise schenkst. So können wir beide voneinander lernen. Sei hier bitte geduldig mit mir. Mir fällt das auch nicht leicht.

Viele Nachfragen kommen auch erst, wenn man mit der Arbeit anfängt. Und da bitte ich Dich gleich nachzufragen, weil genau das erheblich Energie, Frust und Arbeit spart.

Da Stress für keinen von uns beiden gesund ist, möchte ich den in jeder Zusammenarbeit minimieren.

Deshalb ist mir sehr daran gelegen, Missverständnisse frühzeitig zu eliminieren.
Ich hoffe, wir können zukünftig entspannter und damit besser zusammenarbeiten, denn ich schätze Dich als Kollegen sehr und würde mich freuen auch von Dir viel lernen zu können.

Danke!

Sonntag: Gestern ist wieder eine 0815 - Antwort von der Krankenkasse auf mein Anliegen gekommen. Man könnte meinen dort sitzt ein Roboter. Der einen einfach nicht verstehen kann. Und nur immer wieder denselben Text wiederholt. Der aber in keinster Weise auf mich und mein Problem eingeht, geschweige denn mit einer Lösung aufwarten kann.
Sprich: ich werde weder als Mensch noch mein Anliegen und Problem gesehen.

Ich hatte schon überlegt dem neuen Schreiben einen Comic beizufügen, in dem die Glaa vor einem Tresen auf und ab hüpft und "HIER!"ruft,. Ich möchte die Briefschreiber "wachrütteln" oder "wachschütteln".

Es scheint so als liegen die Mitarbeiter vieler Organisationen im Dornröschenschlaf und warten darauf wachgeküsst zu werden. Leider ist die Dornenhecke, die sie um sich herum inzwischen aufgebaut haben so hoch, dass ich gar nicht durchkomme. Ich komme mir vor wie Don Quixote, der gegen Windmühlen kämpft. Was übrigens weder ihn noch mich dazu bewegen wird, damit aufzuhören. Denn mein Anliegen hat einen Sinn.

Übrigens obwohl ich im zweiten Brief, der der Antwort vorausging, explizit nochmals auf mein Problem eingegangen bin und dem was ich mir wünschen würde. Es hat den Anschein, dass dies gar nicht gelesen oder überlesen wurde. Das ist mir beim Gdb-Antrag damals auch aufgefallen. Da ging es mir ähnlich. Da macht man sich nochmal die Mühe und schreibt explizit rein, wo man Hilfe bräuchte und dann liest es noch nicht mal jemand! Das ist frustrierend, weil ich es als nicht respektvoll und wertschätzend mir gegenüber empfinde. Dabei finanzieren wir als Kunden doch diese Organisationen.

Diese mangelnde Kundenwertschätzung, Unmenschlichkeit spiegelt sich in einem Grossteil der Unternehmen darüber, dass Kundentreue nicht wertgeschätzt wird. Der Neukunde ist viel interessanter. Warum? Einer der auch gleich wieder beim nächsten Schnäpchen kündigt, ist doch langfristig gar nicht rentabel. Kopf kratz... Wo ist denn da die Logik? Wo ist denn da das Hirn? Wo ist denn da bitteschön der Sinn? Auf und davon mit dem präfronteralen Kortex und dem Verlernen des Lernens. Dem Verlernen wie wir Probleme mit Denken selbst lösen können.

Sie spiegelt sich auch darin, dass immer mehr Serviceaufgaben der Organisationen auf den Kunden abgewälzt werden und ihm dann noch als toll und innovativ verkauft werden. Das haben sie schon kunstvoll drauf. Das muss man ihnen lassen.

Wer profitiert davon? Die Investoren, die Unternehmen. Die Ressourcen Mitarbeiter und Kunde haben das Nachsehen. Der Kunde zahlt mit einem sehr hohen Preis: seiner Freizeit. Die ohnehin immer knapper wird. Damit mit Stress und Krankheiten, die aus dem Stress resultieren. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Die Mitarbeiter werden aufgrund dieses Outsourcings ihrer Tätigkeiten an die Kunden immer weniger benötigt. Und die noch übrig bleibenden bekommen immer mehr Aufgaben aufgehalst. Dennoch macht die Mehrheit dabei mit. Und sägt an dem Ast, auf dem er, sie sitzt.

Warum soll man auch Menschen (Mitarbeiter) für eine Leistung bezahlen, wenn ander Menschen (die Kunden) sie freiwillig und kostenlos erledigen? Warum in aller Welt machen wir das mit? Warum lassen wir uns unsere Lebenszeit und unsere Lebensqualität und unsere Gesundheit stehlen? Warum sind wir bereit diesen hohen Preis zu zahlen?

Das Schreiben der Krankenkasse klingt als würde ein Roboter mit einem Filteralgorithmus drübergehen und das herausfiltern, was er versteht. Also nur seine Perspektive. Meine bleibt weiterhin unberücksichtigt und ich mit meinem Problem weiterhin ohne Lösung. Ich fühle mich weiterhin nicht gesehen. Und genau das macht eine Gesellschaft krank: das der einzelne, das Individuum nicht mehr gesehen wird.

Wenn das so funktionieren soll - z.B. aus Kostengründen - könnte man übrigens die Mitarbeiter auch durch automatische Algorithmen ersetzen. Derzeit würde man keinen Unterschied merken. Das wäre sehr kosteneffizient.

Ein denkender Mitarbeiter ist empathischer und schafft Kundenvertrauen - das wichtigste, was ein Unternehmen haben kann. Ein denkender Mitarbeiter ist unersetztlich. Der nichtdenkende Mitarbeiter schafft sich selbst ab. Denn er ist ersetzbar. Durch KI , AI oder Algorithmen.

Da ergibt auch der Spruch: Behörden und Ämter dürfen gar nix annehmen, nicht einmal Vernunft, einen Sinn. Der Satz sagt ja nix anderes, als dass Behörden und Ämter in der Autobahn-Spur der Amygdala verbleiben und ihren präfronteralen Kortex nicht mehr einsetzen können. Da sieht man mal wieder, dass unsere Sprache der Wissenschaft weit voraus ist.

Warum ist es so, dass Systeme, Institutionen und Organisationen und Firmen nicht mehr den Kunden , Mitarbeiter, Menschen und sein Anliegen und seine Potentiale und Stärken verstehen und sehen und darauf eingehen können und keine Herausforderung mehr darin sehen, eine individuelle Lösung für ein Problem zu finden?

Also kurzum: wo isn des Hirn?
Das ist auf der Strecke geblieben: denn amygdalagesteuerte Ressourcen (Mitarbeiter und Kunden) sind die Folge dieser Hetzkampagne. Und die bleiben dann halt auch auf der Strecke. Und in Folge dessen auch die Organisationen in denen sie arbeiten. Das ist die logische Folge. Physiologisch und biologisch also vollkommen logisch.

Wieso also reiben sich Manager und Investoren nun auf einmal verwundert die Augen? Das sind die Geister, die sie riefen. Die Box der Pandorra, die sie geöffnet haben.

Einige schaffen es sogar Flexibilität und Agilität von den Ressourcen zu fordern, selbst vorleben Fehlanzeige. Wie kann das sein? Weil sie selbst das Lernen verlernt haben. Auch sie sind Amygdalagesteuert.

Sie bestreiten das? Okay, ist Ihr Rücken verspannt? Leiden Sie unter Rückenschmernen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, chronischen Erkrankungen des autonomen Nevensystems, Bluthochdruck, Schlafstörungen? Sind sie ungeduldig, unwirsch, gehetzt, unruhig, tigern bei Präsentationen auf und ab? Fahren Sie bei Kleinigkeiten aus der Haut? Kreisen die Gedanken nur in den gleichen Bahnen? Sie können sich gar nicht mehr entspannen?

Sie lassen keine andere Meinung als Ihre gelten? Sie halten Ihre Mitarbeiter für faul, unmotiviert und dumm? Ihre Arbeit macht Ihnen gar keinen Spass mehr? Sie kostet sie wahnsinnig viel Energie? Sie sind erschöpft und ausgebrannt? Reagiert bei Ihnen der Galgenhumor? Sehen Sie nur noch das, was nicht funktioniert? Sie haben keine Freizeit mehr und auch keine Freunde mehr?

Sehen Sie jede Veränderung als Bedrohung? Sie wünschen sich, dass alles so bleibt wie es ist? Sie sind meist im Laufschritt unterwegs und haben das Gefühl trotzdem zu langsam zu sein?

Die Arbeitslast scheint Sie zu erdrücken? Sie haben nicht ausreichend Ressourcen zur Verfügung, die anstehenden Aufgaben zu erledigen? Es fällt Ihnen schwer andere um Hilfe zu bitten oder Hilfe anzunehmen? Es fällt Ihnen schwer, eine Schwäche zuzugeben? Sie können sich selbst nicht leiden?

Ihre Stimme klingt laut und schrill. Nicht angenehm? Sie bekommen schnell Erkältungen oder Krankheiten ziehen sich ewig dahin? Sie haben Ihr Selbstbewusstsein verloren? Sie misstrauen allem und jedem? Sie müssen alles und jeden nachkontrollieren? Sie können keine Aufgaben abgeben, obwohl sie unter der Last zusammenbrechen?

Sie haben den Eindruck eine Rolle spielen zu müssen und hohen Ansprüchen zu genügen? Sie schimpfen auf Ihre Mitarbeiter, Kunden und Kollegen?

Obacht! Dann regiert Ihre Amygdala. Dann können Sie im Moment gar nicht lernen. Sie müssen genau wie chronisch Schmerzkranke erst lernen, sie zu besänftigen. Und ihren präfronteralen Kortex stärken.

Achtung: Sie schaffen sich ein krankheitsförderndes Umfeld. Ihre Gesundheit steht auf dem Spiel! Und auch die Ihrer Mitarbeiter und Mitmenschen um Sie herum. Denn Ihre Stimmung wirkt sich auch auf Ihr Umfeld aus. Krankheitsfördernd.

Sind Sie dagegen die Ruhe selbst, strahlen diese auf andere aus, sind geduldig, humorvoll, entspannt, auch wenn Konflikte oder Probleme auf sie zukommen, sind Sie kreativ und offen? Hören Sie sich auch Meinungen anderer an und sind für neue Perspektiven offen? Sie lachen viel und gern? Die Arbeit macht Ihnen Spass und auch Ihre Freizeit, Familie und Freunde kommen nicht zu kurz? Sie nehmen sich Zeit für sich und können entspannen und auch von der Arbeit abschalten? Sie sorgen gut für sich und Ihre Mitmenschen? Sehen Sie die schönen Dinge in den kleinen Dingen, die Ihnen täglich passieren?

Sehen Sie Veränderungen als Herausforderung, als Möglichkeit und Chance neues zu lernen? Ihre Ruhe überträgt sich auch auf Ihre Mitarbeiter und Ihre Familie und Freunde und hält sie gesund. Sie sind ausgeglichen, gelassen und gesund? Ihre Stimme klingt dunkel und angenehm und strahlt Ruhe aus? Ihre Haltung ist aufrecht, Ihre Muskeln sind entspannt? Sie hetzten nicht durch die Flure, sondern nehmen sich Zeit. Sie haben alle Ressourcen, die sie brauchen um anstehende Probleme zu bewältigen? Sie sind optimistisch und zuversichtlich? Es fällt Ihnen leicht, andere um Hilfe zu bitten und auch Hilfe anzunehmen?

Sie machen alles so gut wie Sie können und können dann loslassen? Sie haben kein Problem damit, zuzugeben, etwas nicht zu können. Sie mögen sich. Sie können Aufgaben abgeben und schenken demjenigen, der sie übernimmt auch Ihr Vertrauen. Sie lassen die Menschen in Ihrem Umfeld wachsen und gedeihen und ihre Potentiale entfalten. Sie loben andere und bedanken sich bei Ihnen. Sie sind ehrlich und aufrichtig, wahrhaftig und authentisch.

Sie haben ein gesundes Selbstvertrauen und Urvertrauen. Und die Menschen vertrauen Ihnen und vertrauen Ihnen Ihre Probleme, aber auch Lösungsideen an. Herzlichen Glückwunsch! Dann reagiert Ihr präfronteraler Kortex! Sie schaffen sich ein heilsames Umfeld. Sie haben sicher auch Spass an der Arbeit und schätzen Ihre Mitarbeiter und Kunden und zeigen es ihnen auch.

Ihr erinnert Euch an die Strickplattform? Obwohl ich schon das SQL vor einiger Zeit hingeschickt habe, habe ich keinerlei Lösung, ja noch nicht mal eine Antwort über den bisherigen Stand bekommen. Hier geht es mir genauso wie bei der Krankenkasse: ich fühle mich weder als Mensch noch als Kunde mit meinem Anliegen gesehen. Das ist anscheinend die Regel.

In kleinen Unternehmen funktioniert dies noch. Je größer, desto schwieriger ist es. Und auch je länger Mitarbeiter schon in ihrem Tunnel feststecken.

Ein Beispiel: Wir hatten in einer Fachabteilung eine Aushilfe, der ich einen Prozess erklärte. Sie kam frisch von der Uni. Sie fragte solange nach, bis sie es verstanden hatte und auch wenn sie irgendwo nicht weiterkam. Sowas empfinde ich als normal. Von ihr bekam ich auf Anhieb die Dateien so angeliefert wie ich es brauchte. Es klappte sehr gut. Wie geschmiert.

Warum? Weil ihre neuronalen Verschaltungen im Hirn noch nicht eingefahren sind. Dort haben sich noch keine Automatismen gebildet. Der Tunnelblick der Fachabteilung fehlte ihr. Sie lernte. Sie nutzte den präfronteralen Kortex. Die high road. Sie denkt selbst. Und kommt an.

Während der Kollege vom Freitag die Autobahn des limbischen Systems und der Amygdala nahm. Die low road. Er rast die ashaltierte automatische Prozessautobahn entlang. Leider führt die in die falsche Richtung. D.h. er ist zwar schnell unterwegs, kommt aber nicht an. Deshalb ist frischer Wind in einer Firma gut. Deshalb machen job rotation Sinn. Weil sie diese neuronalen Autobahnen verhindern bzw. überschreiben. Deshalb ist es gar nicht so gut: jahrzehntelang oder sogar sein ganzes Leben lang ein und denselben Job zu machen! Weil unser präfronteraler Kortex verkümmert und die Amygdala (Stressachse) uns sogar krank machen kann. Wohingegen der Weg über den präfronteralen Kortex uns jung, fit und gesund erhalten kann.

D.h. also aktuell scheinen Systeme den Menschen nicht als Kunden sondern nur als Ressource zu nutzen. Wie sind wir da nur hineingeraten? Wann hat sich das eingeschlichen? Die Systeme waren doch einmal so konzipiert, dass sie den Menschen in seiner Lebenswirklichkeit verstehen und helfen sollten.

Mittlerweile scheint es so zu sein, dass die Instituitionen um ihrer selbst willen bestehen und sich mit sich selbst beschäftigen. Finanzieren soll dies aber weiterhin der Kunde, der im Handeln der Institutionen aber leider gar nicht mehr wahrgenommen wird. Denn wie kann eine Organisation weiter auf Regeln und Gesetze bestehen, die mit der Lebenswirklichkeit des Kunden gar nichts mehr zu tun haben?

Da spricht man von Agilität und Flexibilität. Die Menschen (sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter) sollen immer flexibler werden. Wie kann es dann sein, dass die Organisationen, in denen so flexible Menschen arbeiten, immer starrer werden? Und sich gar nicht mehr bewegen wollen? Sie scheinen paralyziert zu sein. Verstrickt in der eigenen Handlungsunfähigkeit. Sie haben das Lernen verlernt!

Denn würde ich erkennen also lernen, dass ein Kunde nicht in Regel xyz fällt, dass er eine Ausnahme von der Regel ist (was übrigens der Normalfall ist!), dann muss ich sie doch ändern!
Bei Benutzung des präfronteralen Kortex aktualisiert sich unser Hirn und stellt eine Ausnahme von der Regel auf. Das ist normal.

Nun hab ich mir Gedanken darüber gemacht, warum das so ist und mit der Situation bei uns in der Firma verglichen. Wenn das schon bei uns so ist, dass man aufgrund der langjährigen gleichen Tätigkeit einen sehr leidensfähigen Tunnelblick entwickelt, wie muss es dann in solchen Institutionen wie Ämtern und Behörden erst aussehen?

Noch schlimmer... Denn dort ist das Hirn ja durch die neuronalen Autobahnen und Automatismen so auf dieses behördenhafte Tunneldenken und Fachiditiontum, Spezialisierung eingefahren, dass man gar nicht mehr links und rechts gucken kann. Guckt doch bitte mal über den Tellerrand! Es ist schön da!

Sprich das läuft alles über die low road des limbischen Systems und der Amygdala ab. Bedenkt man, dass dort auch Fachkräftemangel und eine höhere Arbeitslast (aufgrund der höheren Amygdala und limbischen Systemsteuerung der Nervensysteme der Kunden dieser Systeme) auftritt, sieht man das Dilemma.

Hier treffen also die Mitarbeiter, die die Organisation genauso wie die Kunden als Ressource nutzt im Säbelzahntigermodus auf Kunden im Säbelzahntigermodus. Das Ergebnis ist das, das, was ich in den letzten zwei Schreiben als Antwort bekommen habe: dysfunktionale Kommunikation. Übrigens kam die Antwort zu noch größerer Verwirrungsstiftung jedes mal von einem anderen Mitarbeiter, anstatt dass man das Anliegen be ein und demselben belassen würde. Das verschärft die Situation noch weiter.

Denn wenn Menschen unter Stress stehen, dann brauchen sie ein beruhigendes Umfeld. Also weniger Wechsel. Dinge, auf die sie sich konzentrieren können. D.h. es würde in solchen Fällen die Dinge leichter machen, wenn man bei einer Sache ein und denselben Ansprechpartner hätte.

Das Problem hat man auch in Krankenhäusern. Es ist nicht besonders heilsam für Patienten, wenn sie bei jedem Einbestellen mit einem anderen Arzt konfrontiert sind. Denn Ihr Organismus befindet sich ja im physiologischen Stressmodus.

Das Nervensystem des Arztes und seine Stressachse würden auch davon profitieren, wenn er nicht ständig neue Patienten betreuen müsste, sondern auch mal einen ganzen Fall betreuen kann. Denn dann hat er auch mal ein Erfolgserlebnis, wenn derjenige wieder gesund wird. Und in der heutigen Situation kann es sein, dass er zwar Anteil an der Heilung hat, aber dass ihm das Erfolgserlebnis dann verwehrt bleibt. Und das ist ja der Grund, warum Menschen Arzt geworden sind.

Mir als Entwickler geht es ja auch so. Ich freu mich, wenn ich sehe, wenn das Programm dann im Einsatz ist und funktioniert. Wenn ich nur einen Teil dessen programmiere, dann geht mir dieses Erfolgserlebnis flöten. Was in einer Unzufriedenheit münden kann. Physiologisch vollkommen logisch. Und dann werden keine Endorphine ausgeschüttet und es bildet sich kein Heureka-Moment und damit keine neuen neuronalen Verknüpfungen durch die Problemlösung in unserem Gehirn.

Noch schlimmer sogar: Damit sabotieren wir auch unser Urvertrauen und unser Selbstvertrauen. Denn wir nehmen usneren Selbstwert durch die Zerstückelung gar nicht mehr wahr. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Ist es da ein Wunder, dass viele Menschen Mitte der 40iger ausbrennen oder in eine Krise geraten? Durch den Beruf? Nein, gell?

Denn wir werden um die Früchte unseres Lernprozesses betrogen. Wir sabotieren also mit der immer weiteren Spezialisierung das Lernen.

Cool! Grad fällt mir noch ein Beispiel aus der Praxis ein.
Meine Mama hat sich vor 20 Jahren einen Herd von einem bekannten Hersteller gekauft. Der Einbau lief leider vom Techniker, den die Firma schickte, nicht optimal ab. Der Herd leuchtete kurz seeehr hell auf und dann war Ende und nix ging mehr.

Der Techniker hatte wohl noch kein solches Modell angeschlossen und der Lernprozess war nicht erfolgreich. Wahrscheinlich auch, weil er gehetzt war und keine Unterstützung bekam.

Bei diesem neuen Herd telefonierte und stritt meine Mama sich ein dreiviertel Jahr mit dem Hersteller herum. Der Techniker, der ein paar mal kam, wurschtelte alleine herum. Er hat weder Unterstützung gesucht noch schien er welche zu bekommen.

Der Chef oder die Geschäftsstelle, mit der Mama so langwierig herumdiskutieren musste, wollten Ihr den Herd nur reparieren. Man wollte also das Problem auf den Kunden outsourcen.

Meine Mama war damit verständlicherweise nicht einverstanden: "Ich hab einen neuen Herd gekauft und keine neuen reparierten."
Nach und nach fielen die Knöpfe ab (ich hab damals auch ein Foto davon eingestellt). Die Bleche waren ziemlich lumpig und schon neu krumm und verbogen.

Wenn Mama was backte, war eine Seite des Gebäcks oder der Plätzchen immer dunkler als die andere. Auch bei Schweinebraten waren die Knackserli auf einer Seite steinhart und nur auf einer Seite knusprig. Ja, das Produkt war auf den ersten Blick günstiger. Auf den zweiten Blick hatte das alles seinen Preis. Denn er kostete viel Zeit, Energie und Nerven! Und wird somit auch dem Blutdruck meiner Mama nicht zuträglich gewesen sein. Letztendlich wirkt sich dieser vermeindlich günstige Herd also auf Kosten der Gesundheit des Kunden aus.

Hallo lieber Herdhersteller, wollen Sie das wirklich? Dass sich Ihre Kunden mit Ihnen zu Tode ärgern? Nur zur Erinnerung: tote Kunden kaufen keine neuen Produkte. Und wenn sie das Produkt überleben, kaufen sie das nächste garantiert woanders. Ist das wirklich das, was sie wollen? Wollen Sie wirklich das Vertrauen in Ihre Firma und Ihre Produkte verlieren? Das Vertrauen in Ihre Marke? Das wichtigste, was Sie haben? Dann möchte ich Ihnen sehr herzlich gratulieren, denn genau das haben Sie ganz hervorragend geschafft.

Bei Ämtern, Behörden, Krankenkassen kommt mir eine ähnliche Frage. Denn auch dort zahlen wir Beitrags- und Steuerzahler die Gehälter. Wenn ich mich todgeärgert habe, dann kann ich sie leider nicht mehr bezahlen, was in einer Stellenkürzung resultieren wird.

Bei Krankenkassen finde ich es noch perfider: Sind Sie nicht daran interessiert Ihre Mitglieder gesund zu erhalten? Denn so können Sie doch langfristig Kosten sparen. Wenn wir uns bei Ihnen nicht verstanden fühlen, dann ärgern wir uns und unser Blutdruck steigt. Und damit steigen auch die Gesundheitsausgaben. Ursache und Wirkung. Dass Sie das nicht sehen, ist mir klar, denn das kann man nur, wenn man den präfronteralen Kortex benutzt. Und nachdenkt. Das ist Ihnen aber nicht möglich, weil sie unter dem Kostenspardruck im Amygdalamodus festhängen. Das ist ein ganz schöner Schlamassel.

Sprich die Qualität in der Kundenwertschätzung bzw. das nicht-vorhanden-sein derselben, zeigte sich auch im Produkt bzw. in den Resultaten, die sie erzielen. Es spiegelte genau dasselbe Verhalten. Das Produkt war nicht für die Bedürfnisse des Kunden geeeignet. Man könnte es auch so ausdrücken: das Produkt war nicht mit Liebe gemacht. Und das merkt man einfach.

Jetzt hat sie sich einen neuen Herd gekauft. Von Miele.
Auch da klappte es mit dem Anschluss des ersten Herds nicht auf Anhieb. Der funktionierte einfach nicht.
Dort reagierte man aber ganz anders als beim alten Herd.

Der Techniker sah, telefonierte mit seinem Chef, versuchte das Problem zu lösen, und als das nicht funktionierte, entschied der Chef direkt am Telefon:"Die Frau bekommt einen neuen Herd."

Diese Qualität des Denkens und Handelns, des Berücksichtigen des Kundenbedürfnisses spiegelt sich auch im Produkt! Schon allein die Bleche sind von besserer Qualität. Gut die zahlt man auch. Die zahlt man aber auch gern, wenn man mal ein dreiviertel Jahr rumtelefoniert hat, nur um sein gutes Recht zu bekommen. Aber dafür bekommt man das, was man braucht. Es funktioniert.

Sprich: da wo sich der Kunde verstanden fühlt, da scheint auch ein gutes Betriebsklima zu herrschen. Und das spiegelt sich dann im Vertrauen, das dem Unternehmen entgegengebracht wird. Und das ist der größte Wert eines Unternehmens. Dann ist man als Mitarbeiter auch stolz auf das Produkt. Was man im ersteren Fall freilich nicht sein kann. Kein Wunder.

D.h. dass es sich für ein Unternehmen auszahlt, wenn es kundenorientiert und mitarbeiterorientiert denkt und handelt. Dann stellt sich der Erfolg ganz von allein über die Marke und nichts anderes als die Marke ist das Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter wider. Wow!

Nun ist zwar Produkt A (der erste Herd) billiger, weil dort an allem gespart wird , auch an der Wertschätzung der Mitarbeiter und Kunden, aber für welches Produkt würdet Ihr Euch entscheiden?

Also wir würden uns jederzeit wieder für B entscheiden. Weil es hält, was es verspricht. Weil der Kunde hier im Mittelpunkt steht und nicht der Profit. Und das ist das ganze Erfolgsgeheimnis. Weil es angenehmer und energiesparender ist. Weniger Reibungsverluste in der Kaufabwicklung. Und damit ist es auch gesünder.

Hier regiert der präfronterale Kortex. Und nicht die Amygdala. Und das macht den Unterschied. Erstaunlich. Aber physiologisch und biologisch vollkommen logisch.

Von der Hausarztpraxis hab ich übrigens eine netten Erklärungsbrief bekommen. Ab 70 wird ein Demenztest angeboten. Man muss ihn aber nicht machen. Da ist wohl was in der Kommunikation mit meiner Mama schiefgelaufen. Sie weiss, dass meine Mama nicht dement sondern einfach nur wie ich ist. Dann ist ja alles gut.

Damit will ich Euch zeigen, dass es sich rentiert, auf solche Missverständnisse aufmerksam zu machen. Denn hier ist keine böse Absicht vorhanden. Es handelt sich lediglich um Missverständnisse im hektischen Betriebsablauf des Lebens.

Ich hab meiner Mama geraten den Brief aufzuheben und wenn sie sich wieder anfangen sollte über den Hausarzt zu ärgern, den Brief erneut zu lesen. Der solte als Nervenberuhigungsmittel funktionieren. Blutdrucksenker ohne Rezept sozusagen. Das ist das Wunder der heilsamen Kommunikation!

Montag: Mein Busnachbar raucht inzwischen nimmer analog. Der hat so ein E-Zigaretten-Leuchtdings. Leuchtet blau statt rot.

Heut stellt er sich auf den Bahnsteig und raucht gar nicht.
Ich:"Rauchst heut gar nicht?"
Er nickt in Richtung des überfüllten Raucherquadranten und sagt:"Kein Platz mehr."
Ich schmunzel und sag:"Wegen Überfüllung geschlossen."

Apropos Leuchtdings... ich war beim letzten VHS-Kurs im Dunkeln an der Aisch. Und da hat einer seinen Hund mit so einem Leucht-Halsband (also der Hund) ausgeführt. Teilweise war es so stockdunkel da unten, dass man nur das hüpfende leuchtende Halsband gesehen hat. Das sah lustig aus. Wie ein Geisterhund. Erinnert ein bisschen an Harry Potter ... da schwebte und hüpften ja auch Gegenstände durch die Luft.

Das mit der Mail hat funktioniert! Wow!

Er fand die Mail, die ich geschrieben habe, toll. Er hat grad soviel um die Ohren und war selbst über sich erschrocken und hat sich bei mir entschuldigt. Und zukünftig will er auch darauf achten.
Dann wär erstmal die beidseitige schmerzfreie Kommunikation sichergestellt. An der heilsamen arbeite ich noch ...

Jetzt hab ich 7 Weihnachtskarten geschrieben, jetzt tut meine Hand weh.. etz magi nimmer.
Eine davon war sehr lustig: Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger.
In diesem Sinne: Ade! Blebbd schee!

Dienstag: Gestern war es echt übel. Feucht, nass und windig da reagiert mein ZNS allergisch und das CRPS dreht den Schmerzregler hoch. Hab mich in die Badewanne mit einem ätherischem Öl geflüchtet. Im abgedunkelten Bad. Reizarm. Das hat es dann runtergefahren.

Allerdings war mein Hirn trotzdem von Reizen überlastet und ausgelastet. Ich hab ständig was gesucht oder vergessen.

Abends rief dann auch noch einer vom Telefonanbieter an. Um die Essenszeit. Ich war sehr einsilbig. Mehr ist am Rande des autonomen Nervensystems nimmer drin.

Ich leicht genervt:"Ja?"
Er:"Sind Sie die Anschlussbesitzerin?"
Ich:"Ja."
Er:"Nutzt ausser Ihnen noch jemand Internet?"
Ich:"Nö."
Er:"Nutzen Sie WLAN?"
Ich:"Nein."
Er:"Sind Sie an einer besseren Telefonie und schnellerem Internet interessiert?"
Ich:"Nein."
Da konnt er mich dann nicht schnell genug loswerden. Ich hab ihn aber dann nochmal kurz gestoppt und gefragt, was das ganze sollte... Es bleibt jetzt alles beim alten. Mehr will ich ja auch nicht. An solchen Tagen bin ich für Veränderungen gar nicht aufgeschlossen.

Teilweise haben meine Hände und auch der Rest von mir so gezittert, als würd ich grad Rolltreppe fahren. Das Bett ist zu warm, das Kopfkissen juckt, die Decke juckt, also haben Mama und ich uns wieder beim Fröbelstern-Sit-in in der Küche nachts um 1:00 Uhr getroffen.

Ein Gedanke stößt den andern an, mein Hirn feiert Domino-Day.

Ich hab mich dann irgendwann auf das Brummen in mir konzentriert und irgendwie hat mich das dann beruhigt und ich bin eingeschlafen.

Mir ist Schritt 4 eingefallen: Wenn Euch das Verhalten eines Menschen irritiert, dann fragt nach dem Grund, warum er sich so verhält. Ihr werdet über die Antwort überrascht sein. Sie wird nämlich nicht Euren Erwartungen und Schubladen entsprechen.

Unser Bus hat sich heut verfahren. Statt untenrum zum Busbahnhof in Erlangen ist er obenrum gefahren. Der Fahrer hat es erst gemerkt, als eine Frau, die am Bahnhof ausgestiegen ist, es ihm gesagt hat.
Man konnte es an seinem Ausruf:"Allmächd!" hören, dass er selbst davon überrascht war. Wenn sie nix gsachd hätt, hätt er's am End goar ned gmerkt.

Apropos verfahren...
Der Spruch ist mir heut nacht eingefallen und bassd dazu...
Wenn man eingefahren reagiert, ist man zwar schnell unterwegs aber mer verfährt sich.

Und dann kamen mir noch diese Gedanken... hab ich heut nacht aufgeschrieben, sonst hätt ich es vergessen.
Was ist Krankheit?
Ist nicht jede Erkrankung der Versuch die Kohärenz wiederzuerlangen? Dann wär das ja was positives! Anpassung an eine Veränderung. Und völlig normal, weil es in der Natur ständig passiert.

Wir definieren das als krank oder nicht funktional , was ein in unseren Augen nicht wünschenswerter Zustand ist. Also ein Anderssein. Es ist also eine gesellschaftliche Erwartungshaltung.

Und wie jede Haltung sollte man sie mal wieder auf Richtigkeit überprüfen. Es könnte nämlich sein, dass sie gar nicht stimmt.
Fakt ist, dass Autismus, ADHS , neurologische und psychische Auffälligkeiten ganz normale Verhaltensweisen in der Wiedererlangung der Kohärenz sind.

z.B. der Bewegungsdrang. Nur halt in verstärkter Form. Doch wenn ein Nervensystem sensibler ist, dann braucht es doch eine höhere Dosis des Beruhigungsmittels. Das ist doch vollkommen logisch. Dann braucht man mehr Zeit allein. Dann braucht man längere Erholungsphasen.

Oder man braucht genau das Gegenteil: viel mir Anreize, weil das Nervensystem sich mit Reizen beruhigen läßt.

Jeder verhält sich auf die ein oder andere Weise so, wenn die physische Kohärenz bedroht ist. Überschreitet ein solches Verhalten ein bestimmtes Maß wird es pathologisiert. Warum? Warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass die Menschen unterschiedlich sind und deshalb auch ein unterschiedliches Maß brauchen. Weil auch ihre Nervensysteme unterschiedlich sind. Und die Dosis kennt nur jeder selbst. Hoffentlich.. Denn nur wenn er sie kennt, kann er wieder seine Kohärenz herstellen.

Jeder trägt diese gesellschaftlich unerwünschten Anteile in sich. Jeder verhält sich dann und wann so. Unbewußt. Aber nicht grundlos. Das ist normal.

Pathologisiert man damit nicht normales Verhalten?

So halten wir diese gesunden Anteile, die wir brauchen, um die Kohärenz wiederzuerlangen , für falsch und unterdrücken sie. Dann können wir sie auch nicht wiedererlangen. Verlieren unser Lachen, unsere Fröhlichkeit und unsere Lebensfreude.

Und diese Haltung geben wir an unsere Nachkömmlinge weiter. Auch ihnen signalisieren wir, dass dieses natürliche Verhalten nicht erwünscht ist. Weil wir das Verhalten als falsch brandmarken. Macht uns nicht viel mehr genau diese Haltung und Erwartung krank? Weil so gesundes Verhalten zur Erlangung der Kohärenz unterdrückt wird?

Weil wir das als Schwäche oder Fehlfunktion sehen?

Würden wir diese Verhaltensweisen und Schwächen an uns annehmen und lieben und schätzen lernen und als das sehen, was sie sind, dann würde dies zu einer menschlicheren und natürlicheren Gesellschaft führen. Und zu einer gesünderen auch. Und zu einem liebevollen Miteinander. Zu mehr Verständnis und Vertrauen. Denn damit könnten wir jeden so annehmen wie er ist.

Stattdessen vergleichen wir uns mit Maschinen, die entweder reibungslos funktionieren oder defekt sind. Wenn alle gleich sind, dann gibt es kein Andersdenken, keine Kreativität, keine Kunst, keine Kultur, keine Innovation.

Würden wir umdenken, würde das unser ganzes bisheriges Zusammenleben, unsere Organisationen, unsere Art zu Denken , unsere Art uns gegenseitig wahrzunehmen, über den Haufen werfen.

Das ist wiederum eine Veränderung. Und auch mit dieser Veränderung müßte unsere Kohärenz Schritt halten.

Denn wenn jeder Mensch Freundschaft und Werte anders definiert, dann wird dies nicht das einzige sein, was an uns individuell ist. Wenn wir alle davon ausgehen, dass jedes Nervensystem unterschiedlich reagiert, dann ist das eine Folge davon.

Das hiesse, dass man kein Lebewesen , auch keine Menschen mit einer Norm über eine Kamm scheren kann. Wir sind ja nicht identische DIN-normierte USB-Anschlüsse sondern lebendige Wesen, jeder mit seiner eigenen individuellen Geschichte. Wir sind und wir bleiben lebende und lebendige und sich ständig verändernde und anpassungsfähige Organismen.

Und wie die Anpassung (das Wiedererlangen der Kohärenz bei einer Veränderung) aussieht, ist höchst individuell. Das ist nicht bei allen gleich. Das wär ja auch langweilig und wenig kreativ und innovativ. Die einen brauchen länger, die anderen sind schneller unterwegs.

Wenn man weiss wie sich ein Mensch an die Veränderung anpasst, dann weiss man wie sich EIN Mensch daran anpasst.
Man kann keine globale Aussage treffen, weil jeder anders ist und deshalb auch anders reagiert, andere Ressourcen, Stärken und Copingstrategien hat. Sowas fällt mir nachts um 1:30 Uhr ein, wenn meine Gedanken nicht stillstehen wollen...
Früher hätt ich mich darüber geärgert, jetzt weiss ich das zu schätzen. :)

Mittwoch: Kennt Ihr Hot desking? Da gibt es keine festen Arbeitspätze mehr in einem Unternehmen und jeder Mitarbeiter sucht sich, wenn er kommt einen, wo Platz ist.

Wird einerseits als flexibel und näher gepriesen, andererseits gibt es auch Stimmen, die sagen, dass das Konzept physiologischen Stress bedeutet. Weil Menschen Sicherheit brauchen und ein fester Arbeitsplatz mit eigenen Dingen , wie Karten, Fotos würde so eine Sicherheitszone sein.

Hygienische Aspekte werden auch als Kritikpunkte genannt. Und weil man den Arbeitsplatz so hinterlassen soll, wie man ihn vorfinden möchte, packt man seine Sachen dann wenn man kommt aus und dann wieder alles zusammen.

Das klappt schon auf öffentlichen Toiletten (auch in Zügen) nicht. Ich bin gespannt, ob das bei uns klappt. Und ob nicht doch irgendwann Schilder aufgehängt werden: Bitte hinterlassen Sie den Arbeitsplatz so wie Sie ihn vorfinden möchten.

Hmm... Vielleicht sind Menschen einfach physiologisch nicht dafür gemacht so dicht zusammenzuleben... Oder Lebewesen generell... Bzw. wie sieht artgerechte Menschenhaltung denn aus?

Es gibt ein Happy End zu Weihnachten von der Strickplattform! They cracked it! Yeah! Was lange währt, wird endlich gut. Und jetzt kenn ich Ella, die Ihr Team chased.. Sie ist kein Scrum-Master und Product owner und arbeitet im anderen Projektteam. Bei ihnen ist es auch so wie bei uns, dass das Techteam zu klein ist und mit zu vielen Aufgaben befasst ist. Das kann ich absolut verstehen und nachvollziehen. Schön, dass sie so ehrlich ist. Kontakt erfolgreich hergestellt. Wir beide wurde von der anderen Seite gesehen und fühlen uns verstanden und wertgeschätzt. Also wieder mal ein Wunder der heilsamen Kommunikation. Das macht ja richtig Spass!

Jetzt stellt Euch doch mal vor, jeder würde das machen. Bei Behördenschreiben und Institutionen sich nicht einfach 0815 abfertigen lassen, sondern so lange keine Ruhe geben, bis jeder vom Gegenüber wahrgenommen, gesehen und wertgeschätzt wird. Und stellt Euch vor, Ihr habt es in der Hand. Ihr wisst ja jetzt wie es geht. Ich mach auf jeden Fall weiter. Das gefällt mir.

Ach ja... ich hab Euch noch gar nicht erzählt, dass ich mich getraut habe, einen Workshop beim Schmerzkongress einzureichen. Titel: Growth from pain - individuelle Stärken nutzen, Potentiale entfalten
Ich hab reingeschrieben, dass ich von der anderen Seite komme und ihnen gern mal eine anderer Perspektive zeigen würde.

Mein Fernschmerztherapeut hat zwar gemeint, dass dort wohl nur studienbasierte Vorträge genommen werden, ob er recht hat, werd ich dann ja sehen. Wenigstens hab ich es probiert.

Weil ich beim Gesundheitsjahr mitgemacht hab, bin ich zum Neujahrsempfang der Stadt eingeladen. Neugierig bin ich schon... ich überleg noch.

Gestern war ich noch auf dem Weihnachtsmarkt in Höchstadt. Nachdem ich am Dienstag vor meiner Physio schon um die Karpfenchips rumgschlichen bin, habi mir gestern welche gegönnt. Fein!

Die am Stand ham sich Schnee gwünscht. Und dann hat's gschneit.
Wie ich heut heimgfahrn bin und die verschneite Landschaft seh, denk ich:"Weißheit"

Servus mitnand.

14.12. bis 20.12. Trag Sonnenschein im Herzen...

Samstag: Kennt Ihr das Nein-Horn? Das ist mir gestern über den Weg gehuscht. Im Buchladen. Ist sofort in meinen Rucksack gehüpft. Das Nein-Horn ist anders als die Einhörner. Deswegen passt es so gut zum Thema anders-sein und physiologische Reaktionen der autonomen Nervensysteme. Es sagt immer NEIN.

Das kann seine Umgebung nicht verstehen. Das ist dem Neinhorn aber wurschd. Und so macht es sich auf den Weg und findet ebenso andere Freunde den NaHund (Na Und - Hund) und die KönigsDochder (Doch). Und sie werden die besten Freunde.

Sie stehen zu ihrem anderssein und akzeptieren einander so wie sie sind. Das wäre mein Wunsch zu Weihnachten: dass das überall so wäre.

Irgendwie komm ich mir auch so vor wie das Neinhorn. Anders und auf dem Weg sind mir die letzten Jahre wunderbare und ganz besondere Menschen begegnet. Dafür bin ich sehr dankbar.

Deswegen finde ich, das Buch ist nicht nur was für Kinder.

Die Glaa aus ERH hat es heute auch in die Nordbayerischen Nachrichten geschafft. Darüber freu ich mich auch sehr und bin sehr dankbar.

Mein Nervensystem ist aufgrund der Überreizung durch das Wetter sehr erregt. Nachts bin ich mehrfach aufgewacht, konnte mich aber mit meinen bisher erlernten Strategien wieder beruhigen und bin wieder eingeschlafen. Und als ich dann endlich aus dem warmen Bett herausgeschält war (ja, das Aufstehen fällt mir sehr schwer, wenn es so ist), bin ich ins Städtle. Ich brauchte den Auslauf um mein Nervensystem zu beruhigen.

Da hat es auch kurz mal aufgehört mit dem Regen und das war ganz schön. Diverse Leute winkten mir aus dem vorbeifahrendem Auto zu. Ich gebe zu , ich habe nicht alle erkannt. Und ich bin mir oft auch nicht sicher, ob die wirklich mich meinen. Inzwischen mach ich mir da keinen Kopf mehr und wink einfach zurück.

Der Sanker fuhr auch schon mehrfach heute. Da muss ich mir die Finger in die Ohren stecken. Denn das ist zuviel für mein Nervensystem.

Eine lustige Karte hab ich für meine Mama beim NKD entdeckt. Da steht drauf:"Oben fit und unten dicht, mehr wünsch ich mir für's Alter nicht."

Die hat ihr sehr gut gefallen und jetzt hängt sie (also die Karte ned mei Mama) am Kühlschrank.

Ausserdem passt sie wunderbar zum Thema übererregte autonome Nervensysteme.

Die ersten meiner Fast-Hand-Abfall-Weihnachtskarten sind angekommen :)

Das Feedback fiel positiv aus. Ich freu mich also wie ein Schneekönig. Was immer das sein mag. Derzeit wohl eher Regenköng. Neptun... Und schon wieder laufen meine Gedanken Amok... Ihr seht also den Status meines übererregten Nervensystems. Stopp!

Ich hab die Woche eine Schamanin getroffen. Und von ihr hab ich neue Ansichten gelernt. Sie meint alle Menschen hätten eine natürliche Grenze. Das ist mir neu. Denn ich scheine keine zu haben. Daher stammt wohl auch mein Problem, dass ich dieselbe bei anderen übertrete. Wenn man nicht weiss, dass es sowas gibt, woher soll man es dann wissen?

Jetzt kann ich das eher verstehen. Also mein autonomes Nervensystem ist offen und nimmt alles wahr. Und ich ging davon aus, dass das bei allen Menschen so ist. Mittlerweile weiss ich, dass es bei jedem Menschen anders ist und dass es da wohl meistens sowas wie eine Grenze , einen Schutzwall gibt.

Jetzt hat sie mich gefragt, ob ich mal ausprobieren möchte, ob sie mir dabei helfen kann so eine Schutzfunktion aufzubauen, oder ob das so vom lieben Gott gewollt ist, dass ich da nix hab. Das juckt mich schon. Ich bin ja neugierig. Ich werd das ausprobieren.

Und zum Neujahrsempfang hab ich auch zugesagt. Ich möchte ja Angst durch Neugier ersetzen. Ich arbeite daran.

Gestern hab ich mein erstes Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich werd es erst an Weihnachten auspacken. Das Papier hab ich allerdings schon versehentlich mit dem Reissverschluss vom Rucksack eingerissen. Aber mer sieht noch nix. Es ist was weiches. Ich mag weich.

So. Hier noch der Comic aus den Nordbayerischen Nachrichten.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Sonntag: Gestern hab ich ein Fahrschulauto mit roter Plüschbommel mitten auf dem Kühlergrill und mit Rentiergeweih an den hinteren Fenstern gesehen. Und mich gefragt, ob die Fahrstunde damit mehr als sonst kostet, weil es ein Weihnachtsspecial ist...

Ist Euch auch aufgefallen, dass die Kinder heut mit 3 oder 4 schon so gross sind wie wir früher mit 5 oder 6? Ob es uns wie den Dinosauriern geht? Als die keine Feinde hatten und gut im Futter standen, wurden sie auch immer größer. Und dann sind sie ausgestorben...

Ich hab ein paar coole Frauen getroffen und die haben eine ganz eigene Wahrnehmung der Dinge. Eine sagt, sie sieht an der Art wie Menschen ihre Hände halten, ob sie was zu verbergen haben. Also wenn sie die Hände verstecken, dann wär das so.

Sowas seh ich nicht. Ich bin ja schon mit der Mimik überfordert. Da kann ich nicht auch noch auf die Hände gucken.

Erinnert Ihr Euch noch daran, dass eine Frau in der Erlanger Fussgängerzone mal meine Aura lesen wollte? Da bin ich geflüchtet. Ob das mit der Aura vielleicht einfach eine andere Art der Wahrnehmung ist?

Bei mir ist das eher so ein Bauchgefühl, ob mir jemand sympathisch oder unsympathisch ist. Ich glaube, ich spüre, ob ich Kontakt zu demjenigen bekomme. Also authentischen, echten Kontakt mein ich damit. Also nach der Erklärung von der Schamanin und vom Buch "Wer ist hier eigentlich autistisch?" müsste ich also spüren, ob ich durch die Grenze eines Menschen Kontakt zu seinem inneren Kern bekomme. Irgendwie cool.

Das ist wohl meine Art der Wahrnehmung. Wie funktioniert denn Eure? Würd mich echt mal interessieren. Das ist wohl auch bei jedem anders, weil jeder eine andere Wahrnehmung durch seine einzigartige neuronale Verschaltung im Hirn hat. Und der physiologische Status der Reizfilter (wie aktiv oder deaktiviert sie sind) spielt auch eine Rolle. Cool! Dann ist jeder Mensch ein Original und etwas ganz Besonderes. Das ist ja cool!

Apropos Wahrnehmung... am Freitag abend hab ich gesehen, dass der Schlot der Erlanger Stadtwerke wieder beleuchtet ist. Lila und hellgrün gestreift war er da. Und dazu ist mir jetzt ein schöner Weihnachtscomic eingefallen. Heut hab ich ihn gezeichnet und an die ESTW geschickt. Ich bin gespannt, ob er Ihnen gefällt und es noch auf die Facebookseite schafft. Wär ein schöner Abschluss.

Und zwei Weihnachtscomics sind mir auch noch für die Nordbayerischen Nachrichten eingefallen. Hab ich heut auch noch verschickt. Ich brauch immer was zu tun. Ich brauch Struktur auch am Sonntag. Sonst geh ich unter und ein. Denn das beruhigt mein autonomes Nervensystem. Das ist für mich vollkommen normal :)

Heut ist noch der Weihnachtsmarkt. Wenn es nicht so heftig schüttet, geh ich später nochmal nei ins Städtle. Es gibt Langos und Karpfenchips. Jaja, ich bin nahrungsfixiert.

Der Weihnachtsmarkt bei uns ist was besonderes. Denn der wird von den Vereinen gestemmt. Wie das Altstadtfest auch. Allerdings hab ich neulich beim Schnabbolieren der Karpfenchips mithören können, dass sie der Meinung sind, dass immer die gleichen die Arbeit machen. Sie hamm gesagt, dass wenn man die Leut nicht direkt anspricht, dann bekommt man keine Reaktion. Und wenn man es tut, dann ist die 99 prozentige Antwort: Keine Zeit. Ich bin im Stress. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Das ist dasselbe wie bei uns auf Arbeit.

Wenn die Leut immer nur keine Zeit haben, wir aber soviel Freizeit wie noch nie zuvor eine Generation, wo geht die Zeit denn hin? Nimmt man sie sich wirklich für die richtigen Dinge? Wär sie nicht anders sinnvoller investiert?

Denn irgendwo ist sie ja hin. Oder ist es so, dass die Anforderungen, die wir meinen an uns stellen zu müssen und die Gesellschaft auch vorgibt, viel zu hoch sind? Warum können wir dann so schlecht nein sagen? Bzw. warum fällt es uns so schwer, die Wertschätzung uns gegenüber von anderen einzufordern? Und dabei auch hart zu bleiben? Gesünder wär es für uns und unser autonomes Nervensystem. Und ausserdem wär es auch ein wunderbares Experiment um zu überprüfen, ob unsere Meinung von uns (wir sind unersetzlich) und von anderen (die machen das eh nicht) überhaupt stimmt. Nur wenn Ihr es mal ausprobiert, werdet Ihr sehen, ob das was Ihr denkt, stimmt. Und meiner persönlichen Erfahrung nach, tut sie das nicht.

Probiert es doch einfach mal aus.

Wenn jeder Mensch neuronal anders verschaltet ist und auch noch dazu einen anderen Reizfilter-Offenheitsstatus hat, und damit als Folge auch eine andere Wahrnehmung, dann ergäbe es Sinn, dass Menschen Dinge wie Freundschaft, Nähe und Co auch anders definieren. Denn jeder ist ja praktisch anders konfiguriert. Wenn das Nervensystem empfindlicher ist und die Reizfilter deaktiviert, dann braucht man mehr Autonomie und Sicherheit. So wie ich. Dann hat man es mit der Nähe nicht so sehr. Sondern hat recht schnell genug davon oder die Dosis ist zu hoch. Deshalb vertrag ich Menschen auch nur in homöopathischen Dosen. Dann ist das vollkommen natürlich und die Folge der Basiskonfiguration jedes Menschen.

Mit diesen Erkenntnissen, wünsche ich Euch einen schönen Sonntag!

Dienstag: Heut war mein erster Urlaubstag und da hab ich das nützliche mit dem angenehmen verbunden.

Erst hab ich Rezepte für meine Mama geholt (Mama ist versöhnlich und hat mir eine Packung Plätzchen mitgegeben für die Praxis) und dann bin ich Richtung Aischpark marschiert.

Auf Höhe der Don Bosco Schule hab ich einen Prinzessin Lillifee Geldbeutel mit einer Monatsfahrkarte gefunden. Da die Vermutung nahe lag, dass die ein Kind aus der Don Bosco verloren hat, bin ich dann da in den Hof marschiert und wollt mich zum Sekki durchfragen. Brauchte ich dann nicht, denn mir kam ein Mann mit Kindern entgegegen und die kannten das Mädchen, dessen Name auf dem Geldbeutel und auf der Fahrkarte stand.

Ich wär ja auch froh gewesen, wenn mir das passiert wäre (ich hatte in der Schule auch nicht immer alle Gedanken beinander, mein Lateinbuch hab ich x - mal vergessen. Der Lateinlehrer mochte mich nicht. Das war die Folge meiner Vergesslichkeit. Er hat mich nie drangenommen, wenn ich mich gemeldet habe und immer gewartet bis sich jemand anders meldete. Den hat er dann drangenommen. Heute würde man das wohl Mobbing nennen. Tja, man hat es nicht leicht als Kind wenn man nicht ins System passt.), wenn ich sie wiederbekommen hätte. Denn schon das Abhandengekommensein der Fahrkarte hätte mich wahnsinnig und noch hibbeliger gemacht.

Schon lustig, ich finde immer was. Auch wenn ich gar nix suche. Das sind die Vorteile eines übersensiblen und überregten Nervensystems. Yehaa! Meine Superpower.

Haargummis brauch ich nicht zu kaufen. Die liegen auf dem Gehweg. Und dieses Jahr hab ich auch 15,02 Euro auf der Strasse gefunden. Und Gardinenaufhänger im Wert von über 3 Euro.

Dafür find ich daheim nix, oder zumindest nicht das,was ich suche. Meine Mama nennt es Chaos. Ich sage, dahinter steckt ein ausgeklügeltes System, das nur ich durchschaue.

Fuchsig werde ich, wenn jemand meint, meine Unordnung aufräumen zu müssen, denn dann finde ich garantiert nix mehr.

Gestern bin ich zum Mittagessen eingeladen worden und mein Sponsor hat mir gestanden, dass es ihm auch so geht, dass er sich beim Aufräumen denkt, da find ich es bestimmt nicht mehr, wenn ich es dahin tu.

Wenn er es dann sucht, erinnert er sich nur daran, dass er sich damals gedacht hat, dass er es da nicht mehr findet. Aber an den Ort kann er sich nimmer erinnern. Wahrscheinlich ist das einfach ein menschliches Feature. Und die Ausprägung davon hängt vom physiologischen Status des autonomen Nervensystems ab.

Ich hab einen Weihnachtskaktus gefunden (siehe Bild rechts oben, Ihr müßt etwas scrollen) :)
Nein, nicht die Dinger mit den roten Blättern, die meine Oma auf sämtlichen Fensterbänken gezüchtet und zu Weihnachten verschenkt hat. Den hier :). Sowas gibt's beim Gartencenter.

Und ein braunes Meerschweinchenmännchen, das bei den Kleintieren im Gehege ist. Das wollte immer mit dem Zwerghasen rammeln.
Eine Bekannte, die ich später am Hallenbad getroffen habe, meinte dazu lachend: Die haben nix anderes im Kopf. Also mit dem Kopf hat er das nicht gemacht. Eher weiter unten...
Ich hab die Tierpflegerin drauf angesprochen:"Das Meerschweinchein in dem Gehege ist einsam."

Sie meinte dazu:"Ja, das weiss ich. Aber er verträgt sich mit den anderen Meerschweinchen nicht und damit er nicht ganz allein ist, haben wir ihn zu den anderen Kleintieren. Wenn er gekauft wird und zu einer Meerschweinchenfrau kommt und kastriert wird, dann gibt sich das."

Bin ich froh, dass ich kein Meerschweinchen und kein Männchen bin... Das Problem mit der sozialen Unverträglichkeit hatte ich als Kind auch und irgendwie ist es mir auch bis heute geblieben.

ADHS-Kinder gibt man Ritalin und schickt sie zum Psychologen zur Verhaltenstherapie. Auffällige Meerschweinchen werden kastriert. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Der kleine Kerl tut mir schon leid. Vielleicht ist er auch nur im Markt total überreizt von der Neonbeleuchtung, der ständigen Musikberieselung und braucht ein ruhiges Umfeld. Mir war heut auch vor lauter Überreizung schlecht und schwindelig. Und nach der Anzahl der Sankersirenen, die ich heute gezählt habe, war ich da nicht die einzige. Die Bewegung und die Ablenkung haben mir gutgetan.Und ich hab einige interessante Menschen getroffen. Tja, dem kleinen Kerl bleibt das Treffen von anderen Gleichgesinnten und Gleichaufgedrehten leider verwehrt. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Ich hab 10 gleiche Weihnachtskarten A Tännschen please gefunden und gekauft. Es gab 20 Prozent auf einen Artikel. Deshalb durfte ich einen sehr schrägen Betrag zahlen. Dabei hab ich extra 10 genommen, damit es eine runde Sache wird. Do habi mi brennt.

Die Kassiererin meinte dazu:"Normalerweise kaufen die Kunden nicht 10 mal die gleiche Karte."
Ich bin ja auch nicht normal. Und ich steh dazu. Das war die einzige lustige Weihnachtskarte, die ich gefunden habe. Und die sind schon für's nächste Jahr. Wenn es dieses Jahr schon keine lustigen gab und wenn es mit der Humorlosigkeit so kartenmäßig weitergeht, muss ich mich doch schon mal für's nächste Jahr wappnen.

Ich hab eine Frau aus dem Bus im Bioladen beim Suppenklatsch getroffen. Das war schön. Sie stammt aus Buenos Aires und wohnt seit 20 Jahren hier. Sie hat spannende Geschichten zu erzählen. Ich hör ihr gern zu. Die Suppe und das Brot war auch sehr fein.

Es gibt im Deutschen schon komische Wörter: Anlieger und Einlieger... als ob die Leut dann da rumliegen täten...

Auf dem Bus gestern stand:"Beförderung nur mit gültiger Fahrkarte". Beförderung... auch ein seltsames Wort. Und mehrdeutig.

Da kann er zu ihr wenn er heimkommt, sagen:"Du Schatz! Ich bin heut befördert worden."
Sie:"Zum Chef?"
Er:"Nein, ich hab meinen Führerschein verloren und durfte mit dem Bus fahren."

Bei mir wird es nicht langweilig. Am Freitag hab ich einen Termin bei einer Schamanin und morgen mach ich den Fürther Weihnachtsmarkt unsicher oder umgekehrt. Je nach unserem physiologischem Status.

Der Wetterwechsel und das Feuchte haut ganz schön rein. Aber davon lass ich mich nicht unterkriegen. Das wär ja noch schöner. Mit irgendwas muss ich meine neuronalen Verknüpfungen im Hirn ja überschreiben.

In diesem Sinne, eine besinnliche Weihnachtszeit! :)

Und etzerdla gibt's nu an Comic zum erschden Schneefall vo letzter Woch :)
Vill Spass!

Donnerstag: Gestern war ich mit meiner persönlichen Supernova in Fürth beim Weihnachtsmarkt auf der Fürther Freiheit.

S. ist genau das Gegenteil von mir. Sie kann nicht genug von Reizen bekommen, es kann ihr nicht genug Input sein. Wo ich schon in den Seilen hänge und nimmer kann, geht's bei ihr erst richtig los.

Sie sagt dann immer, ich soll sagen, wenn es mir zuviel ist. Aber genau das kann mein Hirn dann nicht mehr. Da liegt genau mein Problem. Das wäre genauso, als würdet Ihr mit leerem Tank zum Tanken fahren wollen. Da ist es dann schon zu spät.

Deswegen sind wir nur stundenweise miteinander kompatibel. Diesmal hat es super geklappt. Am Bahnhof sind wir fast ineinander gelaufen. Das war schöner als sich ewig lang die Beine in den Bauch zu stehen und sich zu fragen, wo sie denn bleibt. So war es die letzten beiden male.

Also eine Verbesserung :)

Ihr wär abends am Weihnachtsmarkt lieber, wegen all der Lichter und der Menschen. Mit mir ist das nicht kompatibel, weil mein autonomes Nervensystem sowas einfach nicht aushält. Die Reize sind zuviel. Gedränge, blinkende Lichter, erhöhter Lärm - und Berührungspegel das ist zuviel Input. Deshalb meine Wahl früh zu gehen.

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Kindergarten und Schulkinder. Klassenweise. Der Wahnsinn. Also ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir als Kinder uns auf Weihnachtsmärkten im Verbund herumgetrieben haben. Das wär mit meinem autonomen Nervensystem damals auch gar nicht kompatibel gewesen. Wahrscheinlich wäre ich schreiend davongerannt... obwohl.. mit dem Schreien hab ich es nicht, das funktioniert mit meinem Hirn dann nicht mehr. Ich neige dann zum Mutismus. Das ist mit mir alles nicht kompatibel.

Ich hätte mich wahrscheinlich still und heimlich und leise in eine Ecke verkrochen. Irgendwo wo es ruhig ist. Allerdings hätte ich auch wieder viel zu viel Angst davor gehabt den Anschluss zu verlieren. Ich war also das brave stille Kind in der Gruppe. Mir ist nix anderes übrig geblieben.

Ich war das Kind, das heulend im Feuerwehrauto auf dem Karussell saß und beim Ponyreiten zu Weinen nicht mehr aufgehört hat. Reizüberflutungsalarm. Gab man mir dagegen ein Spielzeug, ein Auto , ein Puzzle, Legosteine konnte ich mich stundenlang still und leise damit beschäftigen.

S. wäre sicher auf dem Markt als Kind abhanden gekommen, weil sie alles um sich vergessen hätte und sich für alles begeistern kann. Sie war sicher das Kind, das die Erzieher in den Wahnsinn getrieben hat, weil sie schwerer zu hüten war, wie ein Sack FlöHe. So ist sie heute noch. Ich mag sie. Vielleicht auch genau deshalb. Weil sie anders ist. Und Systeme es ihr sehr schwer machen. So sucht sie bis heute nach ihrem Weg.

Es ist ja nicht so, dass ich keine Kinder mag. Aber nicht schreiend und unberechenbar herumrennend und an einem herumstossend in der Gruppe... Einzeln find ich sie völlig okay. So geht es mir ja mit Erwachsenen auch meistens. Mein autonomes Nervensystem verträgt Menschen nur in homöopathischen Dosen.

Uns hat man ins Schullandheim und ins Skilager geschickt. Und im Kindergarten ins Kasperletheater. Mehr gab es nicht. Und für meinen Geschmack war das schon zuviel. Im Schullandheim ging es dann schon gut los. Mein Koffer war weg. Das hätte mir dann schon gereicht. Denn das triggerte schon meine Amygdala. Zusammen mit der unbekannten Umgebung, den vielen Kindern, der Unberechenbarkeit des neuen "Alltags" führte das zu einer Überlastung meines autonomen Nervensystems. Des is fei a ned grod as gsündeste. Die soziale Ausgrenzung, die die Folge des Andersseins mit sich bringt, verschärft das ganze noch.

Im Skilager hab ich mich dank meiner Bewegungslegasthenie anscheinend als so untalentiert bewiesen, dass man mich an den folgenden Tagen allein auf dem Idiotenhügel unten zurückliess und an den anderen Tagen oben auf dem Berg. Ganz allein im Dunst und Schnee. Sogar den Baby-Schlepplift, mit dem ich nicht zurechtgekommen bin, hatte ich für mich ganz allein.

Meine Ergo meinte, das wäre Verletzung der Aufsichtspflicht. Das war in der 7.ten. Ehrlicherweise war diese Zeit für mich ganz allein, die schönste am ganzen Skilager. Ja, ich weiss, nicht ganz der Sinn der Sache, denn es soll ja das Gemeinschaftsgefühl stärken. Dieses Gefühl kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Liegt wohl auch daran, dass man, wenn man des öfteren ausgeschlossen wird, sowas gar nicht entwickeln kann. Vielleicht geht irgendwann da auch in einem was kaputt, wenn man so oft ausgeschlossen und zurückgewiesen wird. Der liebe Gott hat uns dann auch einen Schutzmechanismus mitgegeben. Und das ist auch gut so. Denn sonst wären wir nicht überlebensfähig.

So steckte ich meine Skistecken in den Schnee und fuhr stundenlang Slalom um sie herum. Weit und breit kein Klo und ich hätte auch nicht gewusst , wo ich dann hinsoll. Wahrscheinlich hätti ich dann entweder vor lauter Stress und Hilflosigkeit in die Skihose gepinkelt oder auf die Piste gepist. Weit und breit war ja kein Mensch da.

Hätte mich abends niemand abgeholt, dann wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen, denn ich hätte keine Ahnung gehabt, wie ich zurück ins Tal komme. Meine Orientirungsfähigkeit war damals unterentwickelt. Anscheinend konnte ich das und die Gedanken an alles andere durch den Flowzustand verdrängen. Cool.

Es gibt bestimmt Kinder, die dort oben allein vor Angst gestorben wären. Für mich war es der Himmel im Schnee. Und weiter als im Moment zu denken, war mir ohnehin nicht möglich. Denn das geht mit zu vielen Reizen nicht. Schnee ist weiss und auf weiss reagiert mein Nervensytem über, aber die Skibrille konnte diesen Reiz ja filtern.

Da hatte ich Glück. Ohne wäre ich vermutlich blind geworden. Wahrscheinlich entsteht genauso Schneeblindheit. Durch eine Überreizung des Sehnervs und der Verarbeitung der damit verbundenen visuellen Reizflut des autonomen Nervensystems.

Andererseits war das das schönste, was mir passieren konnte. Zeit für mich allein zum Akku aufladen, zum Erholen von den Menschen, Spass mit mir allein. Ich hab mich dort mitnichten und Tanten einsam gefühlt. Ich war allein mit der Natur, mit mir und dem Schnee. Schee. Ich war mit mir im Einklang und im Flow und hochkonzentriert bei der Sache. Setzt mich allein in der Natur aus und ich bin daheim. Ich hatte keine Angst. Und wenn man im Flow ist, dann muss man auch nicht.

Der Lehrer holte mich dann abends wieder ab. Ich glaub er war etwas genervt, weil ich mich sobald es etwas zu schnell wurde, in den Schnee plumpsen liess und mit dem Hintern bremste. Ich glaube wir haben eine gefühlte Ewigkeit bis zum Lift gebraucht.

Die Gemeinschaftshüttenabende mit dem erzwungenen Gitarrenmitsingen und einem Programm, das wir uns ausdenken mussten und vor den anderen vorspielen, war mein persönlicher Spiessrutenlauf. Wer denkt sich so eine Folter aus? Für Kinder wie mich, die mit der Reizflut überfordert sind, heisst das, sich vor allen anderen noch inkompetenter zeigen zu müssen. Dabei ist man das nicht, nur das Umfeld ist dazu nicht kompatibel. Ich erinnere mich mit Grausen an meinen Auftritt, bei dem ich mir trotz allem sehr viel Mühe gab. Das wurde nicht gewürdet. Stattdessen wurde ich ausgelacht. Daran gewöhnt man sich irgendwann. Allerdings tut es jedes mal weh. Ist es da ein Wunder, dass man irgendwann die Lust daran verliert?

Einsam hab ich mich ehrlich gesagt, stets unter den anderen Kindern gefühlt, nicht wenn ich allein war. Alleinsein ist herrlich. Akku aufladen, energetisch, heilsam, wunderbar... Dort kann ich die Natur geniessen. Unter Menschen ist es anstrengend, kräftezehrend. Sie kosten mich meine Energie.

Die Skischuhe waren zu eng. Sie drückten und waren schmerzhaft aufgrund meiner taktilen Überempfindlichkeit. Seit ich den dritten Teil vom Rosie-Projekt gelesen habe, the Rosie-Result, wo es um Don Tillmans Sohn geht, der aufgrund seiner Übersensibiltät auf die Skischuhe einen Wutanfall bekam, versteh ich was mir damals Probleme verursachte. Man lernt nie aus :)

Zum nächsten Skilager bin ich nicht mitgefahren. Ich muss sagen die Strenge und der feste Rahmen des Geschichtsunterrichts (abgesehen vom Abfragen dem sogenannten: "Grillen" auf einem Stuhl vor der ganzen Klasse - ebensogut hätte man uns auf den elektrischen Stuhl setzen können... vom Adrenalinpegel wär das bei mir sicher dasselbe Ergebnis gewesen...- hab ich dort viel gelernt. Ich hab die Zusammenhänge begriffen und fand das ganze sogar einigermassen spannend.

Andere Aussenseiter blieben damals auch lieber daheim. Das allein spricht ja schon Bände. Wir daheimgebliebenen hatten sicher einiges gemeinsam, aber ein Gemeinschaftsgefühl hatten wir sicher weder mit dem Aussenseitertum, also miteinander, noch mit den anderen. Wie da eine Klassengemeinschaft entstehen soll, ist mir ein Rätsel. Die kann wohl auch nur dort enstehen, wo man die Schwächen und Stärken voneinander toleriert und akzeptiert und einander hilft. In einem Wettbewerbs- und Leistungsklassenverband wird sie nicht entstehen.

Aber das ist ja auch nicht gewollt in unserer Leistungsgesellschaft. Vielleicht kann ich deshalb damit so wenig anfangen. Weil ich das ganze System und Prinzip nicht verstehe. Ich verstehe nicht, was gut daran sein soll, dass so viele Kinder und Menschen leiden und an den Rand gedrängt werden. Bedenkt man, dass jeder Stärken hat, sollten diese doch erkannt und gefördert werden. In einer 39 - 47 Mann-Frau - starken Klasse ist dies gar nicht möglich. Da sind die Lehrer mit den lautesten, anstrengensten Schülern ausgelastet. Für den Rest der Klasse, die stillen und leisen, bleibt da kein Raum und keine Zeit. Ich für meinen Teil hab gelernt mich still zu verhalten, zu duckeun und nicht aufzufallen. Das letzte ist mir anscheinend trotzdem nicht gelungen. Denn wer anders ist, wird ausgegrenzt. Das ist noch heute so. Dabei bietet anderssein viele Vorteile. Einen anderen Blickwinkel. Andere Lösungswege. Doch auch für war weder das Schulsystem und selten ein Lehrer oder Lehrerin offen. Geht man einen anderen Weg, dann gilt das in der Schule nicht als kreativ, obwohl es das ja ist. Das heisst, das ist eine Stärke, die Förderung und Lob verdient. Ich musste feststellen, dass wenn man in einem Aufsatz eine andere Meinung (Textinterpretation) als die Englischleherin vertrat, eine schlechte Note bekam. Soviel zur Offenheit.

Schrieb ich mal einen guten Deutschaufsatz, weil mir bei der Bildbeschreibung meine Sicht der Details hierbei von Vorteil war, las ihn der Lehrer, der mich wohl nicht besonders gut leiden konnte (ich hatte allerdings keine Ahnung warum und was ich falsch gemacht hatte) vor der ganzen Klasse vor, die sich darüber lustig machte. Ich weiss leider bis heute nicht, was daran lustig sein soll. Ich fand es sehr schmerzhaft und traurig.

Dass man dann weder Selbsvertrauen noch Urvertrauen ganz zu Schweigen von einer Identität entwickelt, ist die logische Folge und kein Wunder. Falls man vor der Schule welches hatte, kommt es einem sehr schnell abhanden, wenn jeder einen spüren läßt, dass man anders ist und das Umfeld einen ablehnt. Dieser Zustand verstärkt jedoch weiterhin die Übererregung der Amygdala und des autonomen Nervensystems. D.h. als Kind verkriecht man sich noch mehr in sich selbst und wird noch auffälliger und noch mehr ausgegrenzt. Ein Teufelskreis. Man traut sich selbst nichts mehr zu. Man fühlt sich überflüssig. Dumm. Tollpatsichig. Man wird als letzter in die Sportmannschaft gewält. Wer sich diese Wählerei ausgedacht hat, gehört meiner Ansicht nach auch mal einem Rudel Wölfe zum Frass vorgeworfen. Das würde ihn von dieser Idee sehr schnell kurieren. Und wenn man sich und keinem anderen mehr traut, dann bringt man nicht mehr sehr viel zustande. Das ist die Folge dieser Behandlung.

Das ist auch kein Wunder, wenn man sich in der Schule wie die Antilope unter den Hyänen fühlt und als wäre die ganze Welt hinter einem her. Bei mir schlug der physiologische Erstarrungsmodus zu. Andere reagieren mit Kampf- und Fluchtverhalten. Physiologisch vollkommen logisch.

Wenn man auf der Wippe verhungern gelassen wird, der Reifen einem schmerzhaft in den Hinter gerammt wird, weil die anderen größer und stärker sind - - bei ständig aktiver Amygdala werden die Wachstumshormone gehemmt -, wenn im Winter einem die Klassenkameraden die Sicherheit der Pudelmütze wegnehmen und damit Affen trätzen spielen und niemals jemand eingreift, dann ist es kein Wunder, dass man niemanden mehr traut. Man hat keinen Grund dazu. Schrägerweise beginnt das Martyrium schon in der Grundschule und im Kindergarten.

Es gab Zeiten, da wünschte ich mir, es gäbe mich einfach nicht. Da muss ich 6 oder 7 Jahre alt gewesen sein. Ich malte mir aus, wie ich starb und wie die Beerdigung dann aussehen würde.

Meine Spezialinteressen , die ich ausübte, wenn ich allein daheim war, hielten mich über Wasser. Da war ich in meinem Element.

Apropos Element... Hallenbad ging gar nicht. Zu laut und der Chlorgestank war unerträglich. Das ganze summierte sich soweit, dass mein Hirn mir seinen Dienst beim Schwimmunterricht verweigerte. Ich soff regelmäßig ab, auch wenn ich rein von der Logik hätte wissen sollen, wie man schimmt. Nur praktisch funktionierte das halt noch lange nicht. Ist aber auch logisch: denn wenn man sich grad amygdalagesteuert von der Reizflut völlig überwältigt physiologisch dem Säbelzahntiger gegenüber wähnt, dann kann man nix lernen bzw. das gelernte auch nicht anwenden. Das Hirn ist grad anderweitig ausgelastet. Oder lernt Ihr was neues, wenn Ihr vor dem Säbelzahntiger steht? Nee, oder? Da geht die Energie und das Blut in die Muskulatur und nicht ins Hirn. Physiologisch vollkommen logisch.

Noch in der 13. Klasse fanden es einige meiner Klassen"kameraden" toll, mich angezogen in den See zu werfen. An den beiden anderen Aussenseitern, die mich begleiteten, haben sie sich wegen der Brillen nicht vergriffen. Das hätte teuer werden können. Dass ich mangels Schwimmfähigkeiten in Panik ans Ufer gestrampelt bin und fast dabei ersoffen bin, meine Schuhe und Kleidung danach gestunken hat, meine Uhr nicht mehr ging, die war leider nicht wasserdicht, ich von dem Stress auch noch einen Sonnenstich bekommen habe und mich übergeben musste, interessierte wenig. Nein, diese "Kameraden" machten sich darüber lustig.

Zu Klassenfeiern geh ich nicht mehr. Für mich gibt es da nix zu feiern. Ich bin froh dieser furchtbaren Zeit entkommen zu sein und sie überlebt zu haben. Und das meine ich todernst!

Das wäre in etwa so als würdet Ihr an einem Rechner, der gerade mit offenen Programmen schon ausgelastet ist (es laufen ca. 500 gleichzeitig), noch eins zusätlich starten. Und da ist dann der Arbeitsspeicher am Ende.

Leider sieht niemand, dass die anderen Rechner um einen herum, mit weniger offenen Programmen zu kämpfen haben. Wenn ich nur drei Fenster offen habe, dann ist es ja kein Problem noch ein viertes Programm zu öffnen.

Diesen Vergleich zieht leider niemand. Weil das niemand sieht. Stattdessen wird der Rechner am Limit mit den anderen Rechnern verglichen ohne die Hintergründe zu kennen. Und es kommt zum: Warum kannst Du das nicht wie die anderen? Warum stellst Du Dich so an? Gib Dir doch ein bisschen mehr Mühe. Und genau das tun wir dann und scheitern natürlich damit grandios. Weil wir gar nix dafür können. Wir sind nicht so konfiguriert. Denn unsere Hardware läßt das nicht zu. Stattdessen werden wir dann krank. Physiologisch vollkommen logisch. Unser Selbstvertrauen sinkt ins bodenlose und dann kriegen wir gar nichts mehr hin. Wir werden noch öfter ausgelacht und von Lehrern vorgeführt.

Das gilt übrigens nicht nur für die Schwimmhalle sondern auch für das laute und unberechenbare Verhalten der anderen Kinder im Klassenzimmer. Yeha.

An die Tafel zitiert zu werden oder plötzlich aufgerufen zu werden, waren meine persönlichen Schockmomente. Es ist also alles noch steigerungsfähig. Es gab Lehrer, die es gut mit mir meinten und mich vor der gesamten Klasse vorrechnen liessen. Meine Amygdala schüttete noch mehr Stresshormone aus. Einmal bin ich fast beim Vorrechnen umgekippt. Man schickte mich kreidebleich allein vor die Tür an die frische Luft. Einfach zu verschwinden, hätte ich mich nicht getraut. Das wäre vermutlich gesünder für mich gewesen.

Kam ich dann dran, war ich so verdattert und erschrocken, dass ich gar nix mehr herausbrachte oder das falsche. So entsteht dann der Eindruck, dass man nicht ganz helle ist. Dabei hatte mein Hirn einfach mit dem Zuviel an Input, den es verarbeiten muss, genug zu tun. Filtert mal die ganzen Störgeräusche, Gerüche und Co in einem Klassenzimmer über den präfronteralen Kortex heraus. Wenn Ihr älter werdet, ergeht es Euch übrigens genauso, weil Eure Reizfilter mit dem Alter abnehmen. Spätestens da werdet Ihr es dann also nachvollziehen können. Da immer mehr Menschen Bluthochdruck oder andere stressbedingte Krankheiten schon in jungen Jahren entwickeln, kann es auch schon früher vorkommen. Tinnitus, Herzinfarkt und Schlaganfall, Vergesslichkeit kommen nicht von ungefähr. Da seid Ihr dann auf unseren Spuren unterwegs. Ihr erfahrt dann am eigenen Leib wie sich das anfühlt. Das ist anstrengend! Mein Hirn muss damit viel mehr leisten, als dass der mich umgebenden.

Mir geht es da eher wie Dudu dem Käfer, dem man von aussen nicht ansieht, was er unter der Haube hat.

Nur im schriftlichen konnte ich diese Fähigkeit zeigen. Und da passte dann der mündliche Eindruck (es kostete mich sehr viel Überwindung und Mut mich überhaupt zu melden, aus Angst wieder ausgelacht zu werden) nicht zum schriftlichen. Hat man nämlich den Eindruck, ganz egal, was man sagt, es ist das falsche, dann sagt man halt irgendwann gar nix mehr. Das ist die logische Folge. Das wird dann als Schüchternheit abgetan. Wer mich gut kennt, weiss, dass ich bei meinen Spezialinteressen eher an Logorhoe leide ;-)

Gebt mir ein Thema, das mich interessiert (Schule gehörte damals nicht dazu) und ich rede wie ein Wasserfall. Ich hab ein Hirn für Details, die kein Mensch braucht. Wusstet Ihr, dass die Kreissäge und die Schiffsleuchtraketen und Monopoly von Frauen erfunden wurden? Und ich werde Fachleute an die Wand spielen. Denn autodidaktisches Lernen liegt mir. Damit macht man sich allerdings auch keine Freunde.

Tja und wenn dann mdl. und schriftlich nicht zusammenpassen, weil man beim mdl. eher dumm wirkt, aber beim schriftlichen dies mitnichten und Tanten der Fall ist, ist wieder der Säbelzahntiger des Lehrpersonals irritiert. Das führt zu einer Aymgdala-Überreaktion.

Brachte ich Süßigkeiten in den Kindergarten mit und teilte sie, waren alle meine Freunde und verprachen mir, dass ich auch mal mit dem Holzlaster spielen durfte. Ich freute mich auf den nächsten Tag und wollte dem Versprechen nachkommen und mit dem Holzlaster spielen. Was dann geschah, könnt Ihr Euch ausmalen. Kinder können grausam sein. Vielleicht auch ein Grund, warum ich mir mit ihnen sehr schwer tue. Ich konnte schon mit ihnen nichts anfangen, als ich selbst eins war.

Dass der Tunnelblick irgendwann in jedem Beruf über einen Hereinbricht verstehe ich jedoch. Denn das geht jedem so. Auch ich habe diesen Tunnelblick in manchen Situationen. Vielleicht lag es auch an der Kombination: schwierige anstrengende Klasse und Offenheit sind nicht miteinander kompatibel. Denn genau dann schaltet des autonome Nervensystem in den physiologischen Überlebensmodus. Und da ist man für andere kreative Sichtweisen blind. Ist ja logisch: man muss überleben. Dann ist der Lehreralltag in so manchen Klassen ein ständiger Kampf mit einer Klasse voller Säbelzahntiger in Form von kleinen und größeren Kindern. Des is fei a ned grad as gsündeste.

Insofern kann ich das Verhalten der Lehrer von damals logisch nachvollziehen. Sie konnten nicht anders. Ich aber auch nicht. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Wir hatten einige Klassenkasper. Und unsere Klasse war berüchtigt dafür Lehramtsanwärter, Referendare und unsere Kunstlehrerin zum Frühstück zu verspeisen. Das hat sicher einigen Lehrern viele Nerven gekostet. Da versteh ich, dass man einem Burnout nah sein kann. Unsere Klasse hat sicher einige Lehrer krank gemacht und so auf dem Gewissen. Denn so eine Säbelzahntigerklasse ist für keinen gesund. Einer allein kann diese Aufgabe gar nicht bewältigen. Ein Dompteur im Zirkus wäre mit 47 Tigern gleichzeitig ja uch überfordert. Einer aus der Klasse hat es mal geschafft zu einem offenen Fenster hineinzufallen und sich die Knochen zu brechen. Heute würde man vermutlich die Diagnose ADHS stellen.

Dass man dann zwei verfeindete Klassen auch noch zusammengelegt hat und somit (trotz voriger Warnungen) das Problem noch im Gymnasium potenziert hat, war wahrscheinlich auch vom System so vorgesehen. Es kennt keine Ausnahmen und kein Erbarmen. Weder für die Lehrer noch für die Schüler. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Aber zurück zum Weihnachtsmarkt. Es gab dort Schokoküsse mit Cappuccino-Füllung, die war sehr fein, aber schwierig zu essen. Gleiches gilt für Langos. Ich bin beim Essen hochkonzentriert und versuche mich nicht vollzukleckern und geniesse jeden Bissen. S. muss darüber schmunzeln.

Am Grillstand steht eine muslimische Frau, die anscheinend kein Deutsch versteht und die Standlerin improvisiert:"Das ist Rind, kein Schwein."
Auf die fehlende Reaktion der Kundin, reagiert sie dann mit:"Muh! Muh!"

Ich muss lachen. Das ist lustig.

S. zeigt mir dann noch ein Cafe mit Bücherei von dem aus man den ganzen Markt und ganz Fürth aus dem 4.ten Stock überblicken kann. Dort ist es für ihre Verhältnisse schön ruhig. Für meinen Geschmack ist die Musikberesielung zu arg. Bei dem Gedudel kann ich mich nicht auf die Bücher konzentrieren und bei dem überreizten Wetter (ständiger Wetterwechsel) kann ich das derzeit sowieso nur sehr schwer.

Übererregte Nervensysteme müssen überall auf's Klo. Heute haben wir überall Glück.

Kaum sitzen wir dort und unterhalten uns, ich versuche vergeblich, das Gedudel auszublenden (das gelingt meinem präfronteralen Kortex heut nicht so gut), ist ihr der Input schon zu wenig und sie steht mitten in der Unterhaltung auf und holt sich ein Buch und blättert darin herum. Noch vor einiger Zeit hätte ich das für unhöflich gehalten. Auf Arbeit würd ich das auch weiterhin so sehen und den Kollegen oder die Kollegin bitten, mir die Wertschätzung zu geben, mir seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Bei ihr weiss ich, dass sie diesen Input braucht. Da ist es für mich okay. Auch wenn es wiederum für mich anstrengend ist. Denn ihr Geblätter ist ein neuer Zusatzreiz für mein Nervensystem. So können wir uns also mit unseren Verhaltensweisen gegenseitig ganz schön auf die Nerven gehen auf Kosten unsere autonomen Nervensystems. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Die Frau aus Buenos Aires, die ich gestern getroffen habe, hat auch so eine Freundin. Sie weiss auch noch nicht so recht, wie sie mit ihr umgehen soll.

Für meinen Teil ist es so, dass ich die 2,5 Stunden gestern als okay empfunden habe. Es war anstrengened, aber aushaltbar. Mehr ginge nicht.

S. braucht viel Input um ihr Nervensystem zu beruhigen. Ich brauche wenig. Das heisst ich kann nur eine sehr kleine Dosis S. vertragen.

Danach brauchte ich Zeit für mich. Und ich bin einer Buchhandlung in den Gaston-Comics versunken. Und im Glückskind von Flix Teil 2. Gaston ist wohl das, was man einen ADHSler nennen würde und bringt sich ständig in Schwierigkeiten. Ich kannte ihn noch nicht und find ihn ultracool. Ich glaub, die Comics werd ich mir noch gönnen. Und von Flix - Das klügste Mädchen der Welt, geht irgendwie in dieselbe Richtung.

Ob das ein Zufall ist? Ich glaube nicht. Eine Bekannte von mir hat mal gesagt:"Als Künstler braucht man eine gewisse Portion an ADHS und Autismus."

Ich glaube, sie hat recht. :)

Denn Kunst, Bücher, Ideen (auch in der Wissenschaft) entstehen ja nur, wenn jemand andere Wege einschlägt und mit neuen kreaitiven Sichtweisen an die Dinge herangeht.

Physiologisch vollkommen logisch. Und das geht nur im Flow. Wenn man total bei sich und entspannt ist. Hyperfokusiert. Mit sich und der Welt im reinen. Das ist ein wunderbares Gefühl. Das kann ich sehr empfehlen. Das sollte es auf Rezept geben.

Auf der Prag-Fahrt in der 12.ten waren wir in einem Theaterstück. Das war sehr seltsam. Also das Stück. Sowas modernes. Es ging um den Minotaurus und den Faden mit dem Labyrinth...

Im Endeffekt hüpften zwei spärlich bekleidete Männer auf der Bühne herum. Einer trug ein Kissen in Hörnerform vor sich herum. Ich nehme an, das sollte den Minotaurus darstellen.

Irgendwann - das Stück war recht kurz - war das Gehüpfe vorbei und der Vorhang fiel. Ich war mir nicht sicher, ob das Stück jetzt vorbei war, also blieben wir unschlüssig sitzen.

Den erfahreneren und entsprechend festlich gekleideten älteren Damen und Herren um uns herum, schien es allerdings ähnlich zu gehen. Die standen auch noch unschlüssig herum und beratschlagten, ob das Stück schon zuende war.

Es war aber dann doch aus. Und wir sind dann mit dem Bus zurück in unsere Herberge gefahren. Das Stück hat mich sehr vewirrt. Ich hab es auch nicht so mit den Nakedeien. Man kann so schöne Dinge mit Stoff machen. Das ist Kunst. Da gibt es doch keine Notwendigkeit dafür nackt auf der Bühne herumzuhüpfen. Von der Erkältungsgefahr und Hygienegefahr (Übererregung des autonomen Nervensystems) will ich gar nicht erst reden.

Mit moderner Kunst hab ich es nicht so. Da find ich keinen Zugang. Das war ja im neuen Museum in Nürnberg nicht viel anders.

Ich bin eher ein praktischer Mensch. Ich brauch was echtes, authentisches und handfestes. Wortspiele lieb ich.

Wir waren in Prag dann noch in der Laterna Magica. Das ist ein Schattentheater. Das hat mich fasziniert. Die Figuren, die Geschichte. Das hat mich in den Bann gezogen. Als Kind hab ich auch mal ein Schattentheater gebastelt und abends mit einer Taschenlampenbeleuchtung dann ein selbstausgedachtes Stück vorgespielt. Das war wirklich magisch..

Ich finde es auch total spannend mit wie wenig - minimal - man auskommen kann. Es ist also sehr praktisch. Ein Schatten, eine Sillhouette beschränkt sich auf das Wesentliche. Deshalb fand ich den Scherenschnittstand auch auf der Erlanger Bergkerwa auch immer so toll. Ich wollte keinen Scherenschnitt von mir haben. Ich wollte nur zugucken. Stundenlang hätte ich das gekonnt, um die Technik zu verstehen und es dann daheim selbst auszuprobieren. Ich will und muss einfach verstehen, wie die Dinge funktionieren. So bin ich nunmal konfiguriert.

Ich war schon immer sehr experimentierfreudig. Das schätzte das Umfeld nicht immer so sehr.

Inzwischen hab ich aber mehrere Umfelder gefunden, die es schätzen. Menschen sind wie Bilder. Jeder Mensch braucht den richtigen Rahmen um voll zur Geltung zu kommen :)
Ich wünsche Euch allen, dass Ihr auch Euren passenden Rahmen findet!
Übrigens hat es auch einen Vorteil, dass man viel mitgemacht und ausgehalten hat. Man ist krisenerprobt. Hartnäckiger. Und das hat durchaus seine Vorteile.

Und einen neuen Comic gibt es heute auch noch :)

Irgendjemand hat im Städtle die Ampel umgefahren. Jetzt ist sie in Schieflage. Und da ist mir dieser Blödsinn eingefallen. Viel Spass!

Weihnachtskaktus
Die Glaa aus ERH - Berufswuensche 2 Sandra Jaeger 2019
Die Glaa aus ERH - Der erschde Schnee Sandra Jaeger 2019
Die Glaa aus ERH - Schraeglage Sandra Jaeger 2019
21.12. bis 27.12. Rutschige Zeiten

Samstag: Dunnerkeiler! Am Freitag woar's fei ganz schee glatt! Sogor nu umma halba zehna. Do bini zur Schamanin marschiert. Naja... mehr laaaangsaaam gekruckelt.

Flüsterasphalt hat zwar geräuschtechnisch sicher an Vorteil, aber wenn des Wasser drauf steh blebbd und's gfriert, kannst drauf Schlittschulaafen. Ganz ohne Schlittschuh.

Und wennsdes mit'm Schlittschuhlaafen noni ghabt hast, dann hast a Problem... Meins is vor fast 6 Joahr losganga.

An der Kurven habi unser Nachbarin mit ihrm Gewägelchen eingeholt. Und ich frag mich, ob es Winterreifen oder Schneeketten für ihr Gefährt gibt. Klappbare Kufen wärn a cooles Feauture. Dann könnerd sie bis zur Bushaltestell nunterrutschen. Do wär sie schnell drunten.

Immerhin hammera ihr Kinner a Rollatorgarage bastelt. An Wintergarten had a jeder. A Rollatorgarage is scho fast exzentrisch. Zumindest is praktisch.

Sie will zum Hausarzt und ich geb ihr den Tipp doch mit dem Bus bis zur Don Bosco zu fahren. Sie wiegelt ab, des geht scho. Sie hat ja Zeit.

Ich überhol sie links mit mei Krucken Hanni und Nanni. Die zweiten Fussteile vo die Dinger hamm a bessere Bodenhaftung. Is a bissle wie bei Spiderman. Spiderwoman mit Krucken. Wobei.. ich hab no nie a Spinna mit Krücken gseng...

Ich hab mir die Zeit a gnumma. Die Schamanin hat mich dann nach meinem Anliegen gefragt und des habi ihr gsachd. Und dann hat sie mir erzählt was sie genau macht. Jeder macht eine Art Traumreise. Und wenn es bei mir nicht klappt, dann macht es auch nix.

Sie trommelt dazu und sitzt am Boden und ich lieg auf dem Sofa daneben. Die Trommel klingt erdig und kribbelt angenehm in meinem Bauch. Und dann geht's los.

Hinterher hab ich ihr dann erzählt, was mir begegnet ist und sie, was ihr begegnet ist. Dann hat sie mir noch eine Übung gezeigt, die ich auch daheim machen soll. Wie bei der Physiotherapie ;-)

Naja, das war ja auch ein Heilritual. :)

Ich hab mir a Grenze gewünscht. Weil mein autonomes Nervensystem so dermassen offen is wie a Scheunentor. Etz habi an Limes-to-go. An virtuellen. Siggsdes die hamm scho früher ned bloss analog gärbert.

Meine Ergo war am Donnerstag a a weng neber der Spur.
Ich:"Des Wetter macht mir zu schaffen. Ich wach jede nacht mind 4 mal auf."
Sie:"Des sin die Rauhfasernächte."
Ich guck irritiert und sag:"Rauhfaser babbd mer o die Wänd als Dabeden (Tapete). Du meinst Rauhnächte."
Do hadsi dann glacht und gmaand: "Wenn uns einer zuhört, dann maand er mir hätten was gsuffen."
Mir hamm aber nix gsuffen ghabt. Des muss a o die Rauhfasernächt glegn hamm ;-)

Heut woari auf der Aischwiese Richtung Loscherd (Lonnerstadt) unterwegs. Do habi an Regnwurm gseng, der hadsi gringelt wie a Fragezeichen. Do soch no aaner die sin ned intelligent. Die könna sogar schreibm.

Gschmarri vom Freitag mit meiner Mama und meiner Schwester.
Mei Schwester:"Heut is Mittwoch."
Mei Mama:"Stimmt doch goar ned, heut is Donnerstag."
Ich:"Heut is Freitag."

Mein ESTW-Comic ist veröffentlicht worden! :) Yippie!
Guck amol DO!

Scheens Wochenend mitnand!

Sonntag: Also man spiegelt in seinem eigenen Verhalten immer, wie man sich selbst behandelt. Das ist spannend. Oftmals auch ganz schön gruselig. Denn so wirkt man nicht nur nach aussen, sondern das wirkt dann auch nach innen. Denn wer sich selbst nicht mag, dessen Zellen bekommen das auch zu spüren. Die werden ja auch nicht gemocht. Die spüren das auch. Und dann wird man krank. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Das ist dann wohl so wie bei Frozen und Elsa. Die mit den Handschuhen ihre wahre Natur verborgen hat. Bis es nicht mehr ging. So sieht es wohl in vielen Menschen aus. Die wenigsten "tauen" dann auf und können irgendwann die Magie, die in ihnen steckt wie Elsa herauslassen und ihren ganz persönlichen Zauber entfalten. Ihr habt also gestern bei Elsa Potentialentfaltung gesehen. So haben Märchen auch immer eine Botschaft, die wir mitnehmen können.

Das heisst im Umkehrschluss aber auch, wenn wir uns Frieden um uns herum wünschen, müssen wir erst mal Frieden in und mit uns selbst schliessen. Das ist gar nicht so einfach. Sich selbst zu mögen und anzunehmen wie man ist. Mit ohne Allem :) Wie bei türkischen Pizza :)

Apropos kochen und Technik... Wir erleben grad Technik die begeistert. Das neue Kochfeld steht im Demonstrationsmodus. Und da kocht es ned. Leider hat Mama weder eine Bedienungsanleitung noch eine Modellnummer. Auf dem Ding steht leider nix drauf. Zumindest oben. Eine schöne Bescherung.

Nun hab ich mal im Internet nach dem Demonstrationsmodus und Anleitungen gesucht. Leider funktioniert das, was ich dort gefunden habe, bei unserem Modell nicht. Ich bekomme kein P5 in der Timeranzeige zu sehen. Egal wie lange ich auf Schloss und Einschalter parallel drücke. Ich bekomme lediglich Zahlen ab- bzw. aufwärtszählend angezeigt und den Demomodus, LLC (das ist dann ganz abgeschlossen) und ein F. Was immer das auch bedeuten mag.

Auf der Rechnung steht leider auch keine Modellnummer drauf. Jetzt hab ich mein möglichstes getan. Mussi halt beim Küchenstudio anrufen, wenn sie offen haben sollten. Und solange bleibt die Platte kalt. Der Ofen geht ja noch :)

Soweit ich es gesehen habe, kommt heut Dorie, der vergessliche Fisch. Auch eine nette Geschichte. Die kenn ich noch nicht. Dieses liebenswerte Feature trifft man auch bei Autismus, AD(H)S und Demenz an.

Mal sehen, wann 3 Nüsse für Aschenbrödel wieder kommen... Da find ich schon die Musik so schön. Rosalie, die Eule, Kasperle, den Hund und Nikolaus,das Pferd. Und es spielt im Wald. Ich mag den Wald. Da ist es so schön friedlich. Aha am 24. Dezember läuft es im Vorabendprogramm im Ersten und auf einigen Dritten auch.

Apropos Frieden. Hier ist noch ein Weihnachtscomic vom Weihnachtsmarkt. Völkerverständigung in der Vorweihnachtszeit :) Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag.

Montag: Heut hammer zwei Sachen mit B gebraucht. Ein Buch ist noch in der Bücherstube angekommen (ich hatt gedacht, es käm erst im neuen Jahr), Gaston Teil 3, die anderen beiden hat's mir storniert. Und ein Brot hammer braucht. Also bin ich ins Städtle marschiert.

Erst dacht ich, ich bin heut entspannt. Ich verwechsel das leider oft mit überreizt. Dann geht auch nix mehr. Als ich die Zeitung gekauft hab, und das Kleingeld hingezählt hab, da hatt ich schon wieder vergessen wieviel die heut kostet. Dorie-Alarm. Wir haben andere Stärken. Das hat der Film gestern auf liebenswerte Art und Weise gezeigt. Also, dass jeder Stärken und Potentiale hat. Nur sind wir uns derer oft nicht bewußt. Auch weil das oft keine alltäglichen Dinge sind.

Denk was verücktes... Schon komisch. In der Herde strebt man danach sich anzupassen und als normal zu gelten. Habt Ihr schon mal gehört:"Wow! Du bist ja soooo normal!"
Es heisst doch dann eher:"Wow! Du bist ja aussergewöhnlich! Was ganz besonderes!"
Und das schräge ist, dass jeder das ist. Ihr könnt alle so sein, wenn Ihr es zulasst und den Mut zum Anderssein in Euch weckt. Und einfach damit anfangt.

Und mir zeigen das die Leut, die mir heut schöne Weihnachten gewunschen haben. Wer mir so alles zuwinkt.... Bei meinem Papa war das auch so. Scheint was genetisches zu sein.

Die Leut sin heut aber auch mit Scheuklappen unterwegs. In der Lottostell hat der Mann vor mir , mir die Tür vor der Nase zufallen lassen. Die Frau hinter mir hat sie aufgefangen und gesagt:"Also sowas!?!"
Ist das bloss das Wetter oder liegt das an Weihnachten? Sie laufen alle rum wie aufgescheuchte Hühner.

In der Bäckerei stand neben mir auch eine Bekannte, die war so ins Einkaufen und mit der Auswahl beschäftigt, dass sie ganz erschrocken ist, wie ich ihr schöne Weihnachten gewunschen hab.

Der Entertainer ist heut mit dem 203E-Bus durch's Städtle gefahren. Der hat eine rot-goldene Weste an und eine Weihnachtsmannmütze auf. Fehlt nur noch dass er seinem Bus eine rote Nase und ein Rentiergeweih verpasst... Vielleicht macht er das ja morgen ja noch. Dann kann er als Weihnachtsexpress nach Erlangen und Retour fahren.

Im Buchladen ging's zu wie im Taubenschlag. Hab meinen bestellten Franquin - Gaston 3 - Comic abgeholt.
Und über ein Buch von Herrn Dreikurs bin ich auch noch gestolpert. Es hat mir zugeflüstert:"Nimm mich mit!"
Den kenn ich ja schon aus dem einen Buch aus dem offenen Bücherschrank.

Eine Frau meinte auch zu einem Mann am Altenheim:"Die kaufen heut ein, als wenns morgen nix mehr gäb."

Ich bin dann in den Engelgarten und hab mich auf die Schaukel gesezt. Und hab vor mich hingesungen. Den Park hatt ich ganz für mich allein. Mit den Vögeln. Ein Blatt an einem Baum wehrt sich noch gegen die Veränderung des Winters.

Ein Bekannter hat mich gefragt:"habt ihr die richtige Beschreibung gefunden oder kocht ihr immer noch im Demo-Modus?"

Im Demomodus kocht sich's schlecht. Nämlich gar ned. Mama hat den Verkäufer erreicht und er kommt heut noch vorbei. Das ist dann wohl ihr persönliches Weihnachtsgeschenk. Wenn der Herd wieder geht bzw. heizt. Er hat ja ka Füß. So kann man auch mit kleinen Sachen, den Menschen eine Freude machen.

Und das versuch ich heut wieder mit einem Comic :)

Dienstag: Kann es sein, dass an Weihnachten die Emotionen und Gefühle von Menschen etwas verrückt spielen?
Fühlt man sich an Weihnachten, wenn man das ganze Jahr allein ist, nicht noch einsamer, wenn man in der heilen Fernsehwelt Bilder von Familienfesten vorgesetzt bekommt?

Und ist nicht auch diese weihnachtliche Rennerei, die ich gestern beobachten und fühlen konnte, Ausdruck eines inneren Gehetztseins? Also einer inneren Unruhe. Irgendwie kommt es mir nämlich so vor als würde ich um Weihnachten herum noch mehr Unruheinput von aussen reinbekommen. Das führt dann bei mir zu einer Überladung durch dieses Emotionswirrwarr von aussen und wirkt sich bei mir als Weihnachtsblues aus. Interessant. Physiologisch betrachtet total spannend. Und schon kann ich der ganzen Sache etwas positives abgewinnen. Mein Forscher- und Entdeckergeist ist geweckt :)

Wusstet Ihr, dass Emotion und Gefühl nicht dasselbe sind? Emotion ist ein innerer Unruhezustand. z.B. ein Alarmsignal für die Bedrohung der physiologischen Kohärenz sein. Irritation, Bauchgrummeln, Angst, Wut, Zorn, Trauer. Oder ein Erleben von absoluter physiologischer Kohärenz. Das wäre dann die Freude.

Gefühl ist die Bewertung dieser Emotion , also der inneren Unruhe. z.B. Freude, Wut, Angst, Irritation ...
Und die ist auch wiederum kontextabhängig. D.h. in unterschiedlichen Regionen der Erde, wird es auch unterschiedlich interpretiert. Da waren wir ja schon mal.

Ein kleines Beispiel für eine kontextbezogene Emotion. Ein Franke isst etwas, das ihm sehr gut schmeckt. Sagt er:"Des kamer essen." dann ist das schon ein grosses Lob. Woanders in Deutschland würde man das als Beleidigung sehen oder davon ausgehen, dass es nicht geschmeckt hat. Das wäre dann aber ein komplettes Missverständnis. Und die kommen vor. Daran sieht man mal, wie schief das mit der Kontextinterpretiererei gehen kann. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Komisch. Anscheinend kann ich eher verstehen was in anderen Menschen vorgeht als in mir selber. Dann gibt es anscheinend physiologisch durch den Aktivierungsmodus der Reizfilter und des damit verbundenen Reizinputs auch noch unterschiedliche Empfangsfrequenzen.

D.h. übersensible Menschen (Kinder, Autisten, AD(H)Sler, chronisch Kranke, Älterer) - aufgrund des deaktivierten Reizfilters - nehmen mehr Frequenzen wahr und damit mehr Input.

Dann gibt es auch Menschen, die für diesen Zusatzinput blind sind. Ob das dann auch als Behinderung gilt? Geminderte Reizoffenheit.

Es ist beides also eine andere Art der Wahrnehmung. Bei zuviel Input (Empfang auf allen Kanälen) muss das Hirn mehr arbeiten. Da bleibt dann nicht mehr soviel Kapazität für andere Dinge über.

Wenn man als Kind, im Krankheitsmodus (auch bei einer Erkältung oder Grippe), im Alter übersensibel ist, ist man das dann nicht die meiste Lebenszeit lang?

Warum gilt dann die geminderte Reizoffenheit bei uns kontextabhängig als gesund und normal? Das stimmt doch dann gar nicht. Denn es ist ja von den Lebensumständen, dem Alter, dem physiologischen Status und der Umgebung abhängig.

Es gibt auch sowas wie Gefühlsblindheit (Alexithymie). Wenn ich mir die Definition davon allerdings durchlese, ähnelt die sehr dem Bild, das man von Autisten lange Zeit hatte. Aufgrund der fehlenden Mimik und Gestik und der daraus resultierenden sozialen Missverständnisse ging man lange Zeit davon aus, dass Autisten nichts fühlen. Erst neuere Forschungen erkannten genau das Gegenteil ist der Fall. Sie fühlen zuviel.

Ich frage mich, ob das bei Gefühlsblindheit ein ebensolches Missverständnis sein kann. Denn wessen autonomes Nervensystem und Gehirn zuviel Input (aufgrund der deaktivierten Reizfilter) verarbeiten muss, dessen Organismus muss sich auch vor einer Überlastung schützen. Vielleicht ist das also die Folge eines überempfindlichen Nervensystems und dem zuviel an Input. Physiologisch wäre dies vollkommen logisch. Zumal man ja inzwischen z.B. weiss, dass bei Demenz die Reizfilter deaktiviert sind.

Spannend.

Hiesse dass dann, dass unsere gesamte Gesellschaft ein Konstrukt aus Bewertungen ist? Also etwas sehr subjektives. Objektiv betrachtet. Auch wieder lustig und schräg. Hat was von die Matrix. Was ist denn dann wirklich? Alles ohne Bewertung wahrzunehmen? Und wie kriegt man das hin? Oder geht das gar nicht, weil unser physiologischer Stress- und Überlebensreflex das gar nicht zuläßt`? Hmmm...
Achtsamkeit und Meditation versucht das zumindest. Und wo führt das dann hin?

Apropos hinführen... und lernen. Mein Weg hat mich heute zum Gartencenter geführt. Bei uns hat es nämlich die Woche bei der gelben Sackrausstellungsaktion erst draussen vor der Tür geraschelt - meine Schwester hat schon Einbrecher gesehen. Dabei waren es nur Mäuse. Und da ist zumindest eine heute im Keller gesichtet worden. Solang sie nur alleine ist, wär das ja auch noch nicht so wild. Doch wenn sie sich ein Kripplein baut und Nachwuchs kommt, dann wär das nicht so schön.

Und im Gartencenter gibt es Lebendfallen.
Meine Bekannte hat mir dieses Jahr auch schon über ihre Jagdsaison im Sommer berichtet und jetzt kann ich es selbst ausprobieren.

Im Gartencenter war nicht mehr viel los. War ja schon halb eins. Und die Mitarbeiterin, die ich gefragt habe, war sehr nett und hat mir Jagdtipps gegeben. Heut waren schon andere Leute wegen Fallen da. Ich hab die letzten beiden erwischt. Sie meinte als Köder funktioniert Käse gar nicht so gut. Ich soll Mehl oder Nutella nehmen. Die Mäuse sind anspruchsvoll geworden. Nun hab ich heute also gelernt wie ich Lebendfallen aufstelle. Spannend. Mal sehen, ob ich was fange. Ich hab es jetzt mit Mehl versucht.

Dann hab ich den Namen Jäger wenigstens nicht umsonst :) Das gibt spannende Weihnachten...

Bin auf dem Heimweg noch einem Bekannten mit seinem Hund begegnet. Dem hab ich von den Mäusen erzählt und er hat mich gefragt, ob ich mir seinen Hund borgen will. Der steht auf Mäuse. Mal sehen, wenn das mit den Fallen nicht funktioniert, komm ich vielleicht auf sein weihnachtliches Angebot zurück :)

Das hyperaktive männliche Meerschweinchen war nimmer im Gartencenter. Anscheinend hat es ein neues Zuhause gefunden. Die Zwerghasen sassen voll entspannt in ihrem Gehege ohne von ihm verfolgt und besprungen zu werden. Jetzt haben sie auch friedliche Weihnachten.

Mittwoch: Gestern war Bescherung. Ein Buch vom Buchladen mit Gedichten, in U. Päckchen waren viele wunderbare Kleinigkeiten u. a. ein supertolles Notizbuch, selbstgemachte Plätzchen, ein Buch ...., und von meinen beiden Bekannten aus Nürnberg gab es zwei Dekowichtel. Von meiner Schwester einen Snoopy Schlafanzug. Mein jetziger fällt bald auseinander. Ich kann mich so schlecht von Dingen trennen, auch wenn sie nur noch von Löchern zusammengehalten werden ;-)

Ihr werdet nicht glauben, was mir noch besonders gefallen hat... das Geschenkpapier. Ich fand es soooo schade es wegzuwerfen und hab meine Mama gefragt, ob sie nicht da draus Fröbelsterne basteln kann.
Erst hat sie abgewunken. Das Papier ist viel zu glatt. Das sei unmöglich.

Und heute morgen lag er auf meinem Platz am Frühstückstisch. Dieser wunderbare Fröbelstern. Nachhaltigkeit in Form von Weihnachtsdeko :) Das Ergebnis seht Ihr oben rechts in der Bilderleiste.

Unmöglich? Gibt's nicht! :)

Jetzt seht Ihr mal woher ich meinen Dickkopf und meine Hartnäckigkeit und meine Kreativität habe. :)

In einem Comic hat auch mal ein Vater seinem kleinen Bub ein Geschenkpaket überreicht. Ein Spielzeugauto. Das Kind fand allerdings die Schachtel viel interessanter. Am Ende spielte das Kind mit der Schachtel und der Vater mit dem Spielzeugauto :) Daran hat mich die Geschichte mit dem Geschenkpapier erinnert... :)

Wisst Ihr, was in unserer Welt heute fehlt? Ermutigung. Das hab ich aus dem Buch von Herrn Dr. Dreikurs. Und da hat er vollkommen recht. Auch wenn das Buch schon etwas in die Jahre gekommen ist. Es wurde wieder neu aufgelegt.

Viel zu schnell werden uns Dinge von anderen abgenommen oder es heisst, dass wir das nicht können oder etwas nicht geht. Und das ist gar nicht gut für uns. Denn wir übernehmen damit eine Haltung, Einstellung und ein Gefühl, das gar nix mit uns zu tun hat. Denn es berücksichtigt weder unsere Stärken noch unsere Fähigkeiten. Sondern repräsentiert nur die Meinung und Erwartung von aussen. Von einem aussen, das unseres inneres gar nicht kennt.

Und wir lernen es dann auch nicht mehr kennen und verharren in dieser vorgefassten Erwartungshaltung uns gegenüber. Des is fei a ned grod as gsündeste. Denn es untergräbt unsere Autonomie, unsere Unabhängigkeit, Freiheit und persönliche Weiterentwicklung und unsere Potentialentfaltung.

Wann habt Ihr zuletzt eine Meinung, Haltung, Erwartung Euch gegenüber in Frage gestellt und mal ausprobiert, ob sie überhaupt stimmt? Probiert'ses dann spürt'ses... Ihr werdet überrascht sein.

Wie geht denn ermutigen? Indem man nicht darauf herumreitet, was jemand noch nicht kann, sondern sein Augenmerk und das des Lernenden darauf richtet, was er oder sie dabei schon gut gemacht hat. Auf die Stärken. Auf die bereits erworbenen Fähigkeiten. Es gibt kein richtig oder falsch wenn man lernt. Es gibt nur ein: das hat so noch nicht geklappt. Und dann kann man sich ohne Herab- und Bewertung der eigenen Person an einen neuen Lösungsversuch wagen. Denn das erfordert Mut. Mut ist Angst plus ein Schritt hab ich neulich auf einem Buchcover gelesen. Nur wenn man entmutigt ist, dann macht man diesen Schritt nicht mehr. Man bleibt lieber da wo man ist. Selbst wenn man am Abgrund hängt.

Die Maus spielt die Hauptrolle in dem Mehrteiler "Auf der Flucht". Ich hab sie nicht gesehen, aber die Fallen nochmal auf mehrfachen Wunsch umgestellt. Damit meine beiden nicht versehentlich selbst hineintappen. Dann bräuchten sie zukünftig eine kleinere Schuhgröße. Des wär ja a ned grod as gsündeste....

Vielleicht ist die Maus auch längst wieder irgendwo hinausgeschlüpft... Schon schräg, dass ich vor Weihnachten noch das Weihnachtsbuch der drei Muskeltiere (einer kleinen Gemeinschaft aus Mäusen und einem Hamster) gelesen habe. Jetzt haben wir ne Weihnachtsmaus :)

Einer Bekannten hab ich mal vorgeschlagen, dass ich ihre Geschichten illustrieren könnte. Sie hat mir ein Gedicht vor einiger Zeit geschickt. Nun hab ich mich mal an die ersten Skizzen gemacht. Hier sind sie...

Donnerstag: Hab neulich eine Bekannte getroffen.
Sie:"Meine Cousine hamms den Demenztest a machen lassen. Aber etz geht's era scho widder besser."

Heut hab ich es geschaaaaffft!
Ich hab die Zeichnungen für das Kinder-Gedicht von meiner Bekannten fertigbekommen.

Ich brauch auch irgendwie an den Feiertagen was zu tun und wenn ich frei habe. Sonst geh ich die Wände hoch, werd reizbar und unruhig.

Mit dem Zeichnen hab ich also mein Nervensystem beruhigt. Es hat Spass gemacht. Nur muss ich mich erst aufraffen. Denn das schieb ich auch schon ewig vor mir her. Wenn ich mal damit angefangen habe, kann ich aber nicht mehr aufhören. Da hab ich sogar beim Bären einen Krampf in der Hand bekommen. Das ist etwas nervig, denn ich will das dann ja fertigmachen.

Zwei von den 5 Illustrationen zeig ich Euch jetzt :)
Ich freu mich riesig!!! Bärig sogar ! :))))

Und den letzten Weihnachtscomic gibt es heute auch noch! Weil heut noch Weihnachten is! :)

Nachhaltigkeits Froebelstern
Die Glaa aus ERH - Voelkerverstaendigung auf dem Weihnachtsmarkt Sandra Jaeger 2019
Die Glaa aus ERH - Das Weihnachtsspecial Sandra Jaeger 2019
Gedichtskizzen Sandra Jaeger 2019
Illustration No. 1 Sandra Jaeger 2019
Illustration No. 2 Sandra Jaeger 2019
Die Glaa aus ERH - Der Weihnachtskaktus Sandra Jaeger 2019
28.12. bis 04.01. Die Weihnachtsmaus

Sonntag: "Mit Speck fängt man Mäuse ..." sagt das Sprichwort und meine Bekannte, die den Sommer mit einer Mäusejagd verbracht hat. Es stimmt. Das hat jetzt funktioniert. Auch, dass ich gestern das Mäuslein beim Trampolinhüpfen in einer Ecke verschwinden hab sehen und die Lebendfalle dann dort aufgestellt hab.

Satt und verängstigt, hab ich das Mäuslein in den Wald bei Etzelskirchen gebracht. Ich hoff, es gefällt ihm dort.

Und noch was neues hab ich gelernt. Ich entspreche nicht der Erwartungshaltung meiner Mama. Überhaupt was das Aufräumen betrifft. Ich geb mir ja Mühe, aber es klappt einfach nicht. Ich habe mich dafür heute bei ihr entschuldigt.

Ich mag mich so wie ich bin. Auch in meinem außergewöhnlichem Ordnungssystem. :)

Vielleicht wird es besser, wenn sich mein physiologischer Status des autonomen Nervensystems noch weiter beruhigt. Immerhin lass ich dann weniger oft versehentlich was liegen, weil ich nicht mehr dran denke. Das wird mir oft als Absicht unterstellt. Dabei ist mein Hirn längst woanders und ich wollte es wirklich wegräumen. Wenn ich später dort noch stehen sehe, tu ich das auch. Nur läßt man mich halt dann oft nicht. Und schimpft stattdessen. Und das entmutigt mich. Das macht keinen Spass. Anstatt mir einfach wieder eine neue Chance zu geben. Ich krieg das schon noch hin. Ich brauch halt dazu noch etwas Übung.

Die Erwartungshaltung ist für mich etwas komplett neues. Also man erwartet von Frauen, dass sie Ehefrau, Mutter, Haushalts-Managerin, Ehrenamtsträgerin, Elternbeirätin, Kranken- und Pflegepersonal, Urlaubskoordinatorin, Putztrupp, Gärtnerin, Dekorateurin, Restaurant ... und noch viiiiel mehr sind! Nicht mal Superwoman kann das! Und die bionische Frau auch ned.
Die eierlegende Wollmilchsau is a Dreck dagegn!

Und diese illusorische Erwartungshaltung wird dann von Generation an Generationen von Frauen durch die Frauen weitergegeben. Warum???? Jede Frau ist doch einzigartig und hat ihre individuellen Stärken und Fähigkeiten. Warum nutzt sie die nicht und entfaltet damit ihr wahres Potential? Da hätten alle was davon. Die Frau hätte ein erfülltes Leben und Ihre Familie ein erwartungsfreies Leben.

Ich für meinen bescheidenen Teil bin ja schon zufrieden, wenn ich halbwegs unfallfrei durch den Tag komme. Ich erwarte mir gar nix. Ich erhoffe mir, dass das ein oder andere klappt und starte jeden Tag neue Experimente. Ich geh also eher wie ein Wissenschaftler an den Tag heran. Und wenn was nicht klappt, dann kann ich es am nächsten Tag wieder probieren.

Wenn mich jemand fragen würde: "Wo sehen Sie sich in 10 Jahren? "
würd ich einfach ehrlich drauf antworten: "Weiss ich nicht. Wer weiss, ob ich dann noch lebe."
Ich weiss inzwischen, dass man in einem Personalgespräch auch nicht mit dieser Antwort punkten kann. Denn auch diese Antwort entspricht nicht der Erwartungshaltung. Ich weiss jedoch immer noch nicht, was da eine erwartete akzeptable Antwort ist. Vielleicht kennt Ihr sie ja?

Im kreativen Umfeld oder der IT kann man mit meiner Antwort vielleicht eher punkten. Da wurde ich ja schon mal überrascht, als ich bei einem Sportartikelhersteller fragte, ob die Teilnahme an den zahlreich im Bewerbungsgespräch angepriesenen Sportgruppen Pflicht sei.
Falls ich mal in die Situation komme, kann ich gerne über die Reaktion berichten. Das müsste ich nämlich erst mal ausprobieren.

Es wird offenbar erwartet, dass das Leben von der Wiege bis zur Bahre durchgetaktet ist, und man bestimmte Meilensteine (Frau, Kinder, Haus, Auto, Karriere) zu bestimmten Zeiten erreicht.

Mein Leben sieht eher so aus: ich stosse auf ein Problem und gucke mich nach Lösungsmöglichkeiten um. Und dann entscheide ich mich für eine. Da sich Probleme ja nicht langfristig im Voraus planen lassen, hat sich diese Strategie für mich auch äußerst gut bewährt.

Mich würde interessieren, ob das mit der Planerei auch so gut klappt...
Wobei es ja die Sprichwörter gibt, die dem eindeutig widersprechen:
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Der Mensch dachte und Gott lachte.

Kann es nicht sein, dass diese illusorische perfektionistische Erwartungshaltung das Problem unserer Gesellschaft ist? Denn wenn man durch das Leben hetzt (physiolgischer Status der Anspannung, Verwendung der Amygdala und des limbischen Systems) und die Dinge nicht so laufen, wie erwartet, dann ist man ja zunächst mal irritiert (Hilflosigkeit), schafft man es dann bis zum erwarteten Alter nicht, dann enttäuscht, wütend oder frustriert und im Alter dann zynisch und verbittert. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Nimmt man dagegen jeden Tag wie er kommt, offen für die Gelegenheiten, die er bietet (also im physiologischen Zustand der Entspannung und unter Verwendung des präfronteralen Kortex) kann man sie auch nutzen. Das ist sehr spannend. Und auch sehr schön. Im Moment zu leben. In der Planerei bleibt der Moment auf der Strecke. Und langfristig ist eine lebenslange Strecke von übersehenen Momenten halt auch ganz schön lang. So mathematisch betrachtet..

Und mal ganz davon abgesehen, was ist an einem Leben, das sich von denen der anderen nicht unterscheidet, so schön? Weil man es besser vergleichen kann?
Wenn ich ein außergewöhnliches Leben habe, dann brauch ich es doch auch gar nicht vergleichen, weil es unvergleichlich ist.

Montag: Es gibt soviele Menschen auf der Welt wie nie zuvor. So eng war es noch nie. Sowohl in den Ballungsräumen (Urbanisierung) und Städten als auch in den Grossraumbüros hocken wir immer enger auf immer kleinerem Raum aufeinander.

Zusammen mit dem chronischen Stress der heutigen Zeit, den wir uns mit Erwartungshaltungen machen, ist das nicht besonders kompatibel. Denn im physiologischen Überempfindlichkeitsmodus mag man es nicht eng.

Ob die alten Kulturen mit ihren Riesenstädten daran zugrunde gegangen sind? Weil der physiologische Status der Menschen noch nicht soweit war, auf so engem Raum miteinander zusammenzuleben?

Das kann man auch daran sehen, dass es an den Feiertagen vermehrt in Familien kracht. War bei uns auch so. Weil man sonst nicht die ganze Zeit so aufeinanderhockt. Weil die "Ordnung" des Alltags durcheinandergerät. Aha... d.h. wenn man dem Nicht-Alltag auch eine Struktur gibt, dann sollte es einigermassen funktionieren? Oder?

Ich will mir jetzt mal einen Plan schreiben, wann ich was mache. Um etwas ordentlicher zu werden. Mir fällt es am leichtesten Dinge gleich zu tun. Dann ist es keine Arbeit. Also, wenn ich der letzte bin, der das Waschbecken früh benutzt, dann kann ich es auch gleich putzen. So krieg ich das hin.

Bankauszüge aufräumen funktioniert so auch am besten. Also wenn ich sie geholt hab, dann gleich abheften. Dann find ich sie auch wenn ich sie für die Steuererklärung brauche.

Die mach ich übrigens selbst. Jaja... mit der Ordnung hab ich es noch nicht so, aber eine Steuererklärung selber machen, das kann ich. Passt nicht immer alles zusammen... Die will ich dieses Jahr aber auch ohne Druck und spielerischer angehen, weil es in den letzten Jahren auch immer zäher wurde. Dabei kann sie sogar Spass machen.

Wenn ich es schaffe, ruhiger zu sein und meinen präfronteralen Kortex zu benutzen, dann komm ich ja auch mit meinen Schmerzen einigermassen klar, weil ich sie ausblenden kann. Und eine neuronale Umprogrammierung findet dann ja auch statt, weil ich neue Bahnen einschlage. Physiologisch und neurologisch.

Wenn das alle machen würden und wir es schaffen würden öfter (oder sogar eines Tages immer) den präfronteralen Kortex zu benutzen, anstatt instinktiv zu handeln (unbewusst), würde dann ein immer engeres und sozial verträglicheres Zusammenleben funktinionieren? Ich denke schon. Ich seh es ja an mir. Ihr könnt es ja auch mal ausprobieren. Es färbt ja auch auf Euer Umfeld ab. So habt Ihr auch was davon.

Und ob sich dann dieser Beübte präfronterale Kortex vererben liesse? Also, dass Kinder damit schon auf die Welt kommen? Oder muss das jeder selber lernen? Vielleicht ist es ja auch so ein halb und halb Ding.

Wenn es zu einer neuronalen Verknüpfung wie aktuell diese illusorischen und perfektionistischen Erwartungshaltungen würde und sie ersetzen könnte, wäre das toll. Für alle Beteiligten. Unser Hirn würde sich auch freuen, weil es endlich mal richtig genutzt würde. Und wer weiss, welche Potentiale noch in Euch allen stecken? Auch in mir... ich bin gespannt...

Das wär halt ein gesellschaftlicher Lernprozess des Umdenkens. Und Ihr könnt alle damit anfangen und dabei sein und davon Nutzen ziehen. Weniger Streit. Mehr fruchtbare Diskussionen. Ich glaub sogar, das was sich meine Mama von mir wünscht: mehr Ordnung und Struktur wäre die Folge.

D.h. wir würden die neuronalen Einbahnstrassen der Erwartungshaltungen und der Amygdala und des limbischen Systems durch die Offenheit, Klarheit und das im Hier und Jetzt-Sein mit dem präfronteralen Kortex ersetzen. Das wär doch was feines. Das wünsch ich mir für das nächste Jahr als Neujahrswunsch. Und ich mach mich auch selber auf den Weg. Mal sehen, wo er mich hinführt. Wär schön, wenn Ihr mitkommt. Ist bestimmt schön da. :)

Jetzt hab ich in letzter Zeit einige Frauen getroffen, die mir erzählt haben bzw. aus deren Erzählungen ich entnehmen kann, dass sie sich mit dem Verhältnis mit ihren Eltern besonders ihrer Mama schwer tun.

Liegt bestimmt daran, dass Eltern und Kinder sich so ähnlich sind. Und auch Papa und Mama. Und dann potenziert sich das, was man an sich nicht mag. Auch so eine Folge der Erwartungshaltungen.

Ich glaub einfach nicht, dass es unmöglich sein soll, dass wir nicht gut zusammen auskommen können. Und jetzt versuchen wir drei daheim es halt mal anders. Wir wollen die Stärken des anderen sehen und den Fokus darauf richten und einander zu ermutigen. z.B. mit: Schade, dass es nicht geklappt hat. Versuch es noch mal. Also ohne Vorwurf und Streit. Streit ist laut und mit meinem autonomen Nervensystem nicht kompatibel. Wir wollen immer wieder versuchen, an dem zu arbeiten, was das Nervensystem des anderen in Unruhe bringt.

Ihr werdet jetzt fragen: aber das ist dann doch das Gegenteil davon, jemanden so anzunehmen wie er ist. Wie passt das jetzt zu dem, was ich zuletzt geschrieben habe?

Ihr müßt den Kontext miteinbeziehen! Ich möchte ja Teil einer Gemeinschaft sein, die funktioniert und in der sich alle wohlfühlen. Also muss ich an den Einzelbeziehungen zu den anderen in dieser Gemeinschaft mitarbeiten. Jeder. Denn nur, wenn alle autonomen Nervensysteme sich wohlfühlen und nicht durch das Verhalten des anderen (das der andere z.B. zur Nervenberuhigung verwendet) erregt wird, können alle gesund bleiben oder wieder gesund werden. D.h. jeder MUSS an sich arbeiten und sich verändern, um ein angenehmes und potentialentfaltungsförderndes Familien- oder Betriebsklima (oder Vereinsklima oder was auch immer...) zu bekommen, in dem er selbst gesund bleiben kann! Also ich arbeite damit an meinem heilsamen Umfeld MIT!

Da liegt der Hase im Pfeffer. Und ich hab keine Ahnung, was er da soll.... Da, wo der Pfeffer wächst... Was macht der Hase in Madagaskar? Und warum liegt er dort herum?

Versteht Ihr jetzt?

Ich bin heut nach Erlangen mit dem Eilbus gefahren. Das war der rote DB-Ferienbus. Ausserhalb der Ferien fahren die neuen weiss-gelben Busse. Die sind wohl derzeit in Inspektion und Reparatur. Teilweise. Also schon ganz. An der Haltestelle stand noch ein 205er in gelb-weiss herum.

Der Bus war ohne Gurt, weil es ja ein älteres DB-Bus-Modell war. Trotzdem kam die Ansage vor der Autobahn:"Wir fahren jetzt auf die Autobahn. Bitte schnallen Sie sich an!"
Drauf ertönt von hinten:"Mir hamm aber kann Gurt!"

Und der, der das lautstark festgestellt hat, hat dann auf der Autobahn diverse Unfallszenarien aufgezählt, die uns passieren können. Ein Laster würde uns von hinten ganz einfach zusammenschieben. Da fühlt man sich sicher und geborgen :)

Die Busfahrerin lernte gerade eine neue Kollegin an. Da fahren sie immer zu zweit. Ich glaube, das macht ihnen auch Spass. Ist ja auch mal was anderes als allein durch die Gegend zu gondeln.

Am Busbahnhof hab ich ein Buch NICHT gekauft! :)
Titel war: "Bisher hab ich nur mein Motorrad gepflegt."
Es ging um einen Mann, der sich nach einem Unfall um seine Eltern kümmern wollte und seine Erfahrungen, die er in Buchform zur Teilnahme bereitgestellt hat.

Und dann hat es Klick gemacht. Wieso soll ich mir die Geschichten von dem Leben von anderen kaufen und lesen? Ich kann doch grad in Echt genau ähnliches in meinem Leben ERLEBEN. Denn ich leb ja auch mit meiner Mama und meiner Schwester zusammen. Dann kann ich mich doch drauf konzentrieren, das mit meiner Familie zu ERLEBEN als nur aus dritter Hand die Erfahrungen eines anderen zu erlesen. Also ERLEBEN und ERLERNEN (mitsamt neuronaler Verknüpfung und Endorphinen bei erfolgreichen Problemlösungen) anstatt in der 2.ten Reihe zu ERLESEN.

Okay. Dann weite ich das Experiment mit dem andere ermutigen und besser kennenlernen und Aufmerksamkeit schenken einfach auf meine Familie aus. Und dann schau mer halt mal, was passiert. Ob es klappt oder was wir noch ändern müssen.

Dann brauch ich auch keine neuen Bücher mehr. In denen steht übrigens auch nix anderes, als was ich inzwischen selbst herausgefunden, erleben, erfahren und lernen durfte. Dass es in der Gesellschaft nicht mehr passt. Dazu brauch ich keine Bücher von berühmten Leuten lesen, das sagt mir doch der gesunde Menschenverstand.

Apropos geklappt ... Am Hugenottenplatz auf dem öffentlichen Unisex-Klo (das Herren - WC ist seit dem Herbst defekt und das Damen-WC wurde deshalb mit einem Zettel umdeklariert) war heut auch mit einer nassen Lache versehen. Anscheinend ein übererregtes männliches Nervensystem, dessen Sehnerven beeinträchtigt sind. Ich würde mir wünschen, dass Mann, wenn er nicht mehr gut genug sieht oder zielen kann, sich dann doch besser hinsetzen täte...

In der Buchhandlung war ich aber trotzdem zum Büchergucken und Querlesen. Mich erstaunt immer, was es so alles nicht bücherisches in einer Buchhandlung gibt. Schokolade, Gummibärchen, Tassen, T-shirts, Spielzeug.... Und das neueste: Lesesocken!

Lesebrille versteh ich ja. Bei übererregten Nervensystemen ist die dann bei entsprechend kleiner Schrift und entsprechend nicht mehr ausreichender Armlänge notwendig. Aber Lesesocken?!?

Dass über den Socken das Schild:"Wir sorgen für erhitzte Köpfe." prangte, kommt noch erschwerend hinzu. Lesesocken passen erstens nicht auf den Kopf und wenn sie es denn dann täten, würde man ja nix mehr sehen und könnte erst recht nix mehr lesen.

Vielleicht ist das was für Hörbücher?!?

Wobei, wenn man solche dicken Socken mit Entspannung und Gemütlichkeit und Wärme und Kuschelfaktor in Verbindung bringt, dann kann man das übererregte Nervensystem und damit den Sehnerv damit unter Umständen auch soweit beruhigen, dass man wieder was sieht. So theoretisch. Mein Nervensystem würde von den dicken Dingern noch mehr erregt, weil sie zu warm sind. Sowas kann meins gar nicht ab.

In die Krebskriegerinnen erzählen Mina Teichert und Anja Koeseling von ihren Krebserfahrungen und auch von der sozialen Kälte in Krankenhäusern. Und wie allein und hilflos sie sich dort fühlten. Deswegen halte ich Krankenhäuser auch für keinen guten Ort für kranke Menschen. Aber auch nicht für die dort arbeitenden Ärzte und Pfleger und Krankenschwestern... Denn die Umgebung, in der sich der Mensch die meiste Zeit des Tages aufhält, bestimmt ihren Charakter.

Ein übererregtes Nervensystem in Form einer mittelältlichen Dame fuhr mit mir mit dem Aufzug. Ich drückte den 1. Stock. Sie den zweiten. Als wir im ersten waren, überlegte ich noch, wie ich mich an ihr vorbeischlängeln sollte.. Da schoss sie schon wie von der Tarantel gestochen aus dem Aufzug. Ich hab mich noch gewundert, aber sie war ja schon zu weit weg. Sie kam dann nochmal zurück:"Ach, ich wollte ja in den 2.ten Stock!"
Ich weiss allerdings nicht, ob der Aufzug das auch gehört hat.

Schau ich mir die Bücher in der Buchhandlung so an, dann sind das alles Wegweiser dahin, dass Nervensystem der Gesellschaft zu beruhigen. Wir müssen halt mal damit anfangen. Jeder einzelne von uns. Und dann wird das schon werden.

Anstatt weiter nur zum x.ten mal Bücher über Themen und Wissen zu schreiben und weiter Wälder abzuholzen, das vollkommen logisch ist, sollten wir das Wissen halt mal anwenden. Und das ist das schwerste! Eben wegen unserer übererregten Nervensystemen!

Ich hab es heut mal versucht. Mit den ersten Schritten. Ich hab einige Bücher in den offenen Bücherschrank gestellt und ich hab einen Stapel aufgeräumt. Jeder Schritt zählt. Und bei Rückschritten ermutigen: Schad, dass ned geglabbd hod. Morgn is a nu a Dooch. Odder einfach: Des werd scho!

In Erlang in der Nordsee habi gfrachd, obi die Kartoffelbox a auf an Deller griech. Und dann is a Mo neber mir aufgstanden. Des woar a Verwandter vo uns. Er woar mit dem Rücken zu mir ghockt.
Und dann is mit'm Smalltalk oganga...

Er:"Mensch, wenn ich Dich gsen hätt, hätt mer uns unterhalten kenna."
Ich:"Vo hinten kennidi ned."
Er: "Was isst denn do?"
Ich:"A Kartoffelbox ohne Box."
Er:"Ich hab a Fischsuppen mit Spiess ohne Spiess gessen."

Dann isser ganga. Mei woar des a Gschmarri. Do redi doch lieber was gscheits.

Wie gestern, wo mi die Nachbarn gfragt hamm, obi Schmerzen hab.
Da hab ich gsachd:"Mit dem präfronteralen Kortex kann ich mich gut davon ablenken."
Die sin dann a ganga.

Ade, blebbd schee.

Dienstag: Heut nacht ist mir schlagartig klargeworden, dass ich (bzw. auch Ihr) gar nicht allein sein könnt. Denn ich bin ja schon eine Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft aus Zellen, die über Botenstoffe miteinander kommunizieren. Gut, dass ist ziemlich vereinfacht ausgedrückt, aber es stimmt. Die Sicht gefällt mir :)

Und ich bin für diese Gemeinschaft verantwortlich. Und mit meiner Haltung , Einstellung zu mir, wirke ich auch auf diese lieben kleinen Zellen ein, die nur versuchen ihre Arbeit ordentlich zu machen.

Das heisst, wenn ich schlecht drauf bin (AmygdalaAmoklauf), dann wirkt sich dies auf die Zellen aus. Dann geht es ihnen auch nicht gut. Ich werfe ihnen also unbewußt Knüppel zwischen die Beine... also metaphorisch. Zellen haben soweit ich es noch aus dem Biokurs weiss, keine Beine, stattdessen Mitochondrien und einen Zellkern (Nucleus).

Des is fei a ned grod des gsündeste. Denn die Folge ist, dass irgendwas in mir nicht mehr richtig funktioniert. Was "richtig" ist, hängt übrigens davon ab mit welchem individuellem Körper und Hirn Ihr auf die Welt kommt. Das ist also auch bei jedem anders.

Und mit dem Alter verschiebt sich dieser Zustand ja auch mit der Erhöhung des Cortisolspiegels und der Deaktivierung der Reizfilter.

Es ist eine zeitlebende Anpassungsleistung.

D.h. wir wirken nicht nur dysfunktional kommunikativ nach aussen (der ist ein Depp), sondern auch nach innen. Weil unser Selbstwertgefühl mit dem physiologischen Status auch sinkt. Indirekt proportional zur Zunahme des Amoklaufs der Amygdala. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Und was kann man da tun?
Auf den Alarmton, den die Zellen anschlagen hören (seid Ihr im Stress, dann seid Ihr dafür taub) und reagieren. Sie schlagen ja aufgrund einer Inkohärenz an. Es kommt zu einer Emotion. Inneren Unruhe. z.B. in Form von Muskelanspannungen.

Ignoriert ihr diese dann ist die nächste Stufe Schmerz. Denn chronische Muskelanspannungen führen zu Schmerzen. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Hört Ihr sie dann immer noch nicht, dann kommt es zu chronischen Krankheiten.

Stellt Euch das in etwa so vor. Ihr habt zwar den Rauchmelder vorschriftsmäßig in Euren Schlafgemächern installiert, und jetzt heult der Warnton. Aber Ihr macht einfach weiter und ignoriert ihn. Irgendwann habt Ihr Euch an diesen Warnton gewöhnt und nehmt ihn gar nicht mehr wahr.

Der Rauch, das Feuer breitet sich also ungehindert aus. Und dasselbe Prinzip passiert in Euch. Die Rauchmelder bimmeln , aber keiner geht hin und keinen interessiert's.

D.h. wenn ich schon eine Gemeinschaft bin, dann wird es mir ja auch wiederum gelingen Teil einer Gemeinschaft zu sein. So intern weiss mein Organismus ja wie es geht. Es besteht Hoffnung! Yehaa! :) Das will ich jetzt auch noch hinkriegen. Probieren geht über Studieren. Das kommt ja auch nicht von ungefähr. Denn zwischen Praxis und Theorie is halt noch a Unterschied. Der heisst Lernerfolg. Lern-Erfahrung. Erfahren kann ich nur, was ich am eigenen Leib spüre. Also gehören Emotionen zum ganz normalen Lernprozess dazu.

Jede Emotion geht einem Lernprozess ja erst voraus. Die Emotion der Inkohärenz. Dann ist das ja was vollkommen normales. Inkohärenz, Problem identifizieren, analysieren, Lösungen entwerfen, handeln, ausprobieren, Lernerfolg. Und das ganze nennt man dann Leben und Erleben. Dann ist ja CRPS so gesehen auch nix anderes als der Beginn einer Lernerfahrung.

Ich find grad spannend, was so alles passiert. In Erlangen an der Thalermühle weht die Fahne der Health Hackers. Da war ich dann neugierig und hab mal gesucht, was die so machen. Das klingt spannend!
Jetzt hab ich die mal angemailt. Wieder ein Experiment. Mal gucken, was passiert.

Ein Kollege von mir meinte sein Coach hat gemeint, es kommt immer drauf an, Hirn (Kopf - das analytische und logische Denken halt), Herz (Liebe und Leidenschaft) und Bauch (Intuition, Werte, Sinnhaftigkeit) miteinander im ausgewogenen bei der Lösung von Problemen einzubringen. Da hat er wohl recht. Denn erst muss ich mal meinem Bauch folgen, dann mit den Dingen anfangen und herumprobieren und dann logische Schlüsse aus den Ergebnissen ziehen. Dabei braucht man Durchhaltevermögen und das geht nur, wenn man mit Leidenschaft dabei ist. Also mit Emotion. Drum heisst es wohl auch so. Weil es was bewegt. Erst in einem (innere Unruhe - man möchte was verändern), und dann aus dem inneren Drang auch um einen herum.

Über die zero-waste-Bewegung stand heut was in der Zeitung. Die hab ich nicht gekauft sondern nur in der Auslage im Buchladen gelesen. Gilt das dann auch schon als Müllvermeidung? Andererseits find ich, dass die Lokalzeitungen unterstützt werden müssen. Deshalb kauf ich sie halt unregelmäßig und les sie dann auch ganz durch.

Nachbarn von uns betreiben eine Art Zeitungssharing. D.h. einer hat das Abo und liest sie zuerst und gibt sie dann an den Nachbarn weiter. Das find ich auch ne gute Idee.

Aber wie findet man das richtige Gleichgewicht? Denn wenn alle das machen würden, wird es bald keine Regionalzeitungen mehr geben.... Und grad da stehen doch die Sachen drin, wo man sich regional beteiligen kann oder Menschen finden, mit denen man sich austauschen kann.

Zum neuen Kassenzettel hatt ich gestern im Buchladen auch eine kleine Diskussionsrunde angeregt.
Also ich hab gefragt, ob sie den Kassenzettel, wenn man ihn als Kunde nicht mitnimmt, dann aufheben müssen. Da meinten die Buchhändlerinnen, dass das bei Ihnen ja nicht so schlimm sei, aber beim Bäcker und Metzger. Da meinte ich, dass der Zettel dann ja größer als das Brödla wär. Drauf war die Antwort: Man kann das Brötchen dann ja drin einwickeln. Und dann warf die dritte ein: Man könnte den Kassenzettel auf die Tüte drucken. Das läßt sie sich jetzt patentieren.

Wenn wir aus einer Gemeinschaft bestehen, die wiederum in Gemeinschaften eingebettet sind, dann ist das ja auch wiederum eine Rekursion. Ist Rekursion die natürliche Struktur des Lebens? Jeder gehört irgendwo dazu? Und es gibt immer noch einen kleineren Teil da drin und auch immer noch einen größeren Teil darum herum? Ich hatte als Kind mal einen Rekursionsalptraum. Ich sah in einen Spiegel und dort sah ich mich in einem Spiegel und in dem Spiegel spiegelte sich wieder der Spiegel mit mir und so fort... Endlosigkeit.

Das Zeichen für Unendlich ist eine liegende Acht. Das ist übrigens auch das Zeichen für Neurodiversität. Das ist wohl kein Zufall.. oder?

So etz wünschi Euch schöne Silvester und einen guten Rutsch!

Mittwoch: Silvester und mein physiologischer Status des autonomen Nervensystems sind nicht miteinander kompatibel. Da ich laute Geräusche als schmerzhaft wahrnehme und auch grelle Farben und Lichter, lief gestern mein Nervensystem Amok. Die Kälte (ein weiterer Reiz) verstärkt das ganze noch. Das führte gestern dazu, dass ich früh zwar in der Bäckerei das vorbestellte Weissbrot abgehholt habe, aber vor dem Abendessen schon wieder vergessen hatte, dass es genau das als Abendessen in Form von belegten Broten zum Essen gab. Sprich: Mein Gedächtnis funktioniert also nicht mehr. Und ich werd dann auch stiller und versumpf in mir. Weil die Reizflut zu intensiv ist.

Deshalb hab ich gestern Musik aufgelegt und mich dazu bewegt. Da "juckt" es mich im wahrsten Sinne des Wortes in den Gliedern. Und nicht nur da. Mich juckte es die Nacht vor der neuen Kälte extrem am ganzen Körper. Begleitet von einer inneren Unruhe und motorischen Zuckungen. Ich hab versucht in mich hineinzuhorchen, ob das jetzt Schmerz, Kribbeln oder Jucken oder was genau das ist. Ich kann es nicht sagen. Ich weiss es nicht. Weil ich diese Emotion nicht in Worten beschreiben kann. Vielleicht gibt es in der Sprache auch gar kein Wort dafür.

Beruhigt hab ich es auch mit 2 x intensivem Spazierengehen inklusive Botengang. Und von ein paar Büchern hab ich mich gestern auch getrennt. Und staubgesaugt. Ich versuche es also mit der Ordnung halterei.

Wobei mich gestern eine Bekannte anrief und meinte, das kann sie auch nicht. Sie muss sich zwischen Rausgehen und Leben und Erleben oder Aufräumen entscheiden. Und sie ist inzwischen über 70 und lebt ganz gut damit, dem Leben und der Aktivität den Vorzug zu geben. Ihr Nervensystem scheint ähnlich konfiguriert zu sein wie meines. Sie war auch schon als Kind anders. Sie hat sich damals gedacht: jetzt verhalt ich mich so, dass mich die Erwachsenen mögen. Wenn ich gross bin, mach ich dann, was ich mag.

Neulich hat sie mich mit diesen Aussagen schwer beeindruckt:
Im ersten Viertel meines Lebens hab ich die Erwachsenen glücklich gemacht und mich so verhalten wie sie es erwartet haben. (Sie wurde trotzdem als kleiner Professor wahrgenommen. Das wurde anscheinend früher eher akzeptiert als heute). Im zweiten Viertel meines Lebens hab ich mich um meinen Partner und um meine Kinder gekümmert. Im dritten Viertel meines Lebens hab ich mich um meine Eltern gekümmert. Und das letzte Viertel gehört jetzt mir. Sie kümmert sich dennoch auch in diesem Lebensabschnitt um andere. Um ihren Cousin. Dabei achtet sie auf ihre Grenzen und überschreitet sie nicht. Das möchte ich noch lernen.

Wobei man dazusagen muss, dass sie alle Lebensphasen als sie selbst aktiv am Steuer ihres Lebens stand und bis heute steht. Sie ist immer sie selbst geblieben, hat ihre Grenzen geachtet und war und ist bis heute für andere da. Daraus hat sie wohl auch die ganze Energie gezogen. Weil sie sie selbst geblieben ist und immer war. Sie hat sich selbst dafür entschieden, genau das zu tun und sich nie als Opfer erlebt. Sie hat sich nicht für andere aufgeopfert, wie es viele andere empfinden. Sie hat sich immer aktiv entschieden und immer IHR Leben gelebt. Und nicht das der anderen. Sie war immer und überall sie selbst.

Ich dachte immer, das machen alle so. Da ich es genauso mache. Und rieb mir dann verwundert die Augen und spitzte die Ohren als ich feststellten musste, dass das nicht so ist. Dass sich Menschen dafür entscheiden anderen zu gefallen, sich soweit verbiegen, dass sie sich selbst aufgeben und verlieren. Der Mensch ist biegesam wie eine Weide, aber biegt man sie zu arg oder vertrocknet sie, dann bricht auch sie. Und erst im reifen Alter feststellen, dass sie nie Ihr Leben gelebt haben und viele Entscheidungen bereuen. Unzufriedenheit kommt dann zum physiologischen Reizfilterdeaktivierungsmechanismus noch dazu. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Meine Bekannte ist oft angeeckt und tut es noch heute. Sie steht dazu. Und das finde ich toll.
Das empfinde ich als "normal". Und das hält auch gesund, weil diese Einstellung um Kopf auch den Körper fit hält. Ich habe nie eine quirligere 70-jährige erlebt.

Klar, auch sie spürt, dass sie älter wird. Aber sie sagt selbst, dass ihr biologisches Alter viel jünger ist. Und wer sie je erlebt hat, wird mir zustimmen. :)

Ich finde es grad so toll, dass sie es nicht macht, wie die anderen sondern sich immer selbst treu bleibt. Ehrlich, direkt, offen für neues, authentisch und wahrhaftig.

Leider ist es so, dass so ein Verhalten von vielen aufgrund der Erwartungshaltungen als unmöglich bewertet wird.

Dabei ist unmöglich zu sein, etwas tolles! Lasst Euch dieses Wort mal auf der Zunge zergehen... Hmmm.. wie gute dunkle Schokolade schmilzt es auf der Zunge. Ja, genauso bin ich auch. Unmöglich übersteigt das für andere vorstellbare. Es übersteigt die Erwartungen, die Bewertungen der Gesellschaft. Doch sind nicht genau die Unmöglichen die, die unmögliches möglich machen? Wo wären wir ohne sie?

Ich würde mir wünschen, dass wir dieses Andersdenken, diese andere Art zu Sein, die andere Art die Welt wahrzunehmen jedes einzelnen respektieren, akzeptieren, fördern und somit das Potential aller herauskitzeln und damit die Probleme der Menschheit gemeinsam durch diese vielen anderen Perspekiven beleuchten und auf diese Weise neue nie dagewesene Lösungen finden. Denn das geht nur GEMEINSAM! Und nur MIT den ANDERSDENKENDEN!

Denn wenn sich nur gleiche Erfahrungen und gleiches Denken zum Lösen von Problemen zusammensetzt, dann kommt auch nicht viel neues heraus. Nur wenn ich das Anderssein, Andersdenken anerkenne und offen dafür bin, kann ich zusammen mit Anders-als-ich-Denkenden neue Lösungen für mein Problem finden.

Das ist ein unglaubliches Potential! Ein Schatz, den es zu heben gilt. Und er schont ressourcen und Energien. Denn er nutzt Synergien, Symbiosen. So wie es die Natur macht. Neurodiversität ist keine Krankheit! Sondern eine Chance!

Ihr glaubt mir nicht? In Zeiten, in denen Kinder mit Trisomie 21 Abitur machen und studieren? Eure neuronalen Verknüpfungen im HIrn brauchen mal ein Update!

Ich hab mich dann von der Knallerei gestern (meine Muskelanspannung war sehr hoch und mir wurde dann auch schlecht von der Knallerei und ich bekam leichtes Kopfweh durch die Reizüberflutung) mit dem nochmal-Querlesen des Buchs Wer ist hier eigentlich autistisch? abgelenkt. Und damit meinen präfronteralen Kortex geschult und damit die Amygdala und das limbische System heruntergeregelt.

In dem Buch werden die Unterschiede in der Wahrnehmung von Autisten zu Nicht-Autisten (NTs) beleuchtet. Wusstet Ihr, dass Nicht-Autisten einen sozialen Autopiloten haben? Der Energiesparmodus des Gehirns für soziale Situationen. Nur leider funktioniert der in den heutigen Zeiten immer weniger zuverlässig. Bzw. bräuchte der soziale Autopilot ein Update. Ich weiss leider nicht, ob der updatebar ist. Denn ich verfüge leider als Autist nicht über dieses soziale Autopilot-Feature.

Ich muss jede soziale Interaktion bewußt ausführen. Wie ein Wissenschaftler ein Experiment. Das kostet Energie und deshalb bin ich nach sozialen Interaktionen sehr schnell müde. Allerdings bin ich auch offen für neue Sichtweisen und Menschen. Das ist der soziale Autopilot (wohl ein gesellschaftliches Regelwerk als akzeptable angesehener norm-Verhaltensweisen, die als Kind intuitiv gelernt wurden) leider nicht. Denn der scheint nicht upgedated zu werden. Das ist wohl eine neuronale Verknüpfungsautobahn, die sich leider den aktuellen immer schnelleren Veränderungen nicht anpasst.

Sie ist zwar schnell in Schlussfolgerungen. Aber die sind inzwischen oft falsch. Weil sie nicht mehr gültig sind. Teilweise frage ich mich, ob sie je Sinn gemacht haben oder nur ein Konstrukt (ähnlich der Matrix) der Gesellschaft sind. Also gar nicht echt. Sondern nur eine bestimmte Art die Dinge zu sehen und die damit verknüpfte Erwartungshaltung.

Also so wie unsere echten Autobahnen... die sind auch alt , marode, überholt und störungsanfällig da stauanfällig. Und eine echte Lösung für die Zukunft des Verkehrs sind sie ja auch nicht.

Mittlerweile stellt man jedoch fest, dass es nicht nur eine Art die Welt wahrzunehmen gibt. Sondern jeder Mensch seine eigene hat. Sie verändert sich auch mit dem Alter. Als Kind sind wir viel reizoffener weil wir noch keine Reizfilter haben, denn wir erfahren die Welt ja nur durch unsere Sinne. Auch in der Pubertät nimmt man die Welt anders wahr. Denn hier kommt es zu Kollisionen zwischen der Wahrnehmung der Elterngeneration und der der Kinder. Als Autist kann ich da wenig mitreden, denn Pubertät hat bei mir in dieser Form nie stattgefunden.

Mit ansteigendem Lebensalter und unserer digitalen und modernen Welt zu leben verändert sich der physiologische Stresslevel des Körpers. Auch hier werden die Reizfilter deaktiviert. Und auch wenn wir krank werden, greift derselbe Mechanismus.

D.h. dass unsere Wahrnehmung sich im Laufe des Lebens verändert. Sie kann sich sogar an einem Tag mehrmals verändern. Denn sie hängt vom physiologischen Stresslevel ab.

Ich z.B. spür meine Körperteile nur, wenn irgendwo ein bestimmter Druck darauf ausgeübt wird. Ansonsten kann ich keine Verbindung dazu herstellen. Oder wenn ich meine Aufmkerksamkeit bewusst in ein Körperteil lenke. Das funktioniert aber auch nicht immer. Ich sitze hier also gerade am Computer und tippe. Da bin ich in Trance. Denn ich bin ganz im hier und jetzt im Tippen und meinen Gedankengängen versunken. Es ist sehr schön da. Und mein Körper und Geist entspannt auf diese Weise.

Ich spüre aber auch ein unangenehmes Gefühl im Rücken. Ah... zu lange krumm dagessen. Ich merke es aber erst, wenn ich aktiv meine Aufmerksamkeit darauf richte. Ansonsten dringt dieser Reiz nicht zu mir durch. Er geht in der eingehenden Reizflut unter.

Ich kann Dinge nur wahrnehmen, wenn ich mich bewusst für einen Reiz entscheide. Denn mein Reizfilter funktioniert nicht. D.h. mein Hirn muss mit viel mehr Input klarkommen. Es hat viel mehr neuronale Verknüpfungen und ein dichteres Netz , das viel intensiver verkabelt ist und damit auch intensiver feuert (what wires together, fires together) als Menschen, deren Reizfilter funktioniert.

Ihr könnt diesen Zustand aber auch erleben. Wenn Ihr z.B. krank werdet (Erkältung oder Grippe). Versucht da Euch mal zu Entspannen oder an nichts zu denken... Gell? Funktioniert ned...

Und da wir alle älter werden, holt es Euch früher oder später auch ein. Denn im Alter werden die Reizfilter immer mehr deaktiviert. Aufgrund des steigenden Cortisolspiegels. Das Leben geht an keinem spurlos vorüber. Es hinterläßt Spuren in Form von neuronalen Verknüpfungen in unserem Gehirn und damit auch Spuren in unserem Körper. Denn der Hirnstatus und das daraus resultierende Denkmuster wirkt sich auch auf unseren Körper aus. In Form von Gesundheit oder Krankheit.

Wir brauchen auch soziale Interaktionen sonst kann man nicht überleben. Friedrich der II.te war es glaub ich, der das Experiment mit Babies durchführte, denen sozialer Kontakt verwehrt wurde. Sie wurden zwar gefüttert und versorgt, aber bekamen keinerlei Aufmerksamkeit. Die Babies starben alle.

D.h. dass jeder soziale Kontakte braucht. Auch ich. Nur vertrag ich sie nur in homöopathischen Dosen, weil mein Gehirn dabei Schwerstarbeit leisten muss. Es kostet wahnsinnig viel Energie, wenn man Störreize (grelles Licht, Farben, Störgeräusche ...) herausfiltern muss. Und nicht auf einen sozialen Autopiloten zurückgreifen kann.

Auch bei Demenz weiss man inzwischen, dass die Reizfilter deaktiviert werden.

D.h. jeder kommt mal in diesen Status der Reizüberflutung und wenn ich mir ansehe, wie schnell Menschen um mich herum explodieren, sich nicht mehr konzentrieren können aufgrund der Zunahme der Reize der modernen Gesellschaft, dann kommt es mir so vor, als w&äre dies inzwischen der Normalzustand.

Es kommt mir vor, als nähern sich die Menschen um mich herum, meinem physiologischen Stresszustand an. Ich hab den Vorteil: ich kann ihr Verhalten besser verstehen. Denn sie verhalten sich wie ich es von mir kenne. Und ich weiss, dass sie es genau wie ich nicht mit Absicht tun. Sondern, dass dies die Folge der Reizflut ist. Die Gereiztheit, das Ausrasten, die Ungeduld, Fingerklopfen, Unruhe, Schlaflosigkeit, Rastlosigkeit, Traurigkeit, Depressionen, die Flucht in immer mehr Reize und Ablenkung (Sensation Seeking) auf der einen, sozialer Rückzug auf der anderen Seite.

Neulich beobachtete ich eine Gruppe von Schulkindern, die vergn&uum;gt vor sich hinsangen: "Wir haben A-D-H-S! Wir haaaben A.. D.. H... S.. Da ist was wahres dran. Kinder, Autisten und Betrunkene sagen immer die Wahrheit. Auch Alkohol beeinflusst den physiologischen Status wie Drogen und Rauch- und Rauschmittel halt auch. Sie beruhigen das Nervensystem.

Die Menschen werden nervöser. Logorhoe, übermäßiger Redefluss ist auch ein Zeichen dafür. Auf der anderen Seite liegt der Mutismus. Die Antriebslosigkeit und die Stille, das sich nicht äußern können.

Aber das passt doch nicht zusammen! Man kann doch nicht einmal zuviel reden und dann zu wenig. Als ein und dieselbe Person. Man kann doch nicht einmal intelligent und wie ein Professor dozieren und dann wieder den Mund nicht aufbringen, bzw. Probleme bei Wortfindung und Gedächntnis haben.

DOCH!! Genau das ist der Fall! Denn der physiologische Status ist situationsabhängig. z.B. vom Wetter. Ist es sehr heiss oder sehr kalt, dann wirkt sich das als Reiz auf das Nervensystem aus. z.B. in Schmerzen aber auch in undeutlichem Reden, Gedankenketten die einander hinterherjagen oder einem Gedankendumpf. Dasselbe gilt bei starken Gerüchen, Geschmack, Geräusche, ungewohnte Umgebungen, gebrochenen Ritualen, neuen Menschen, ungewohnten Situationen .... das alles ist eine Reizflut!

D.h. ein Mensch kann sich unterschiedlich verhalten, weil sein Gehirn mit der Verarbeitung der Reizflut aufgrund der deaktivierten Reizfilter nicht hinterherkommt und überfordert ist! Es muss viel mehr arbeiten, als das der sogenannten Norm (von der ich übrigens stark bezweifle, dass es sie überhaupt noch gibt). Bzw. das was für die Norm gehalten und so bisher festgelegt wurde.

Die gibt es NICHT! Es gibt keine Norm! Denn es gibt kein stetig gleiches Verhalten ein und desselben Menschen. Es verändert sich zeitlebens.

Im Gegenteil: diese sogenannte Norm schadet nur! Denn sie unterstellt Menschen, aufgrund des fehlenden Hintergrundwissens bzw. dem fehlenden Update (Lernprozess), dass sie Dinge mit Absicht tun! Dabei ist es so, dass sie nicht anders können! In diesem Moment, weil das Gehirn mit der Verarbeitung der Reizflut überfordert ist.

Wenn jemand in einem Fall, etwas kann, dasselbe in einem anderen Moment jedoch nicht, wird ihm Absicht oder Nicht-Wollen, Unkooperationsfähigkeit unterstellt. Das ist eine Illusion! Das ist ein Missverständnis. Eine Fehl-Interpretation der Wahrnehmung.

Und überlegt jetzt noch, was das mit dem Menschen macht, der sich alle Mühe gibt, gar nicht anders kann und der ständig missverstanden wird! Gruselig oder? Hat was von Locked-In-Syndrom. Was nebenher bemerkt wahrscheinlich eine Extremform der Reizüberflutung sein dürfte. Und was macht das mit Euch? Macht Euch das glücklich und zufrieden? Wohl kaum. Es sabotiert Euer Selbstwertgefühl und damit sinkt auch das Vertrauen in die anderen. Ihr verliert Euer Selbstvertrauen UND Euer Urvertrauen.

Genau dasselbe konnte ich auch in den Rehakliniken beobachten. Dann brach der schöne Schein, den man sich mühsam aufrecht erhalten hatte, bei einer Krankheit oder bei einem Unfall zusammen. Der Partner verliess den Kranken, in dem Moment wo er in ihm notwendigsten gebraucht hätte.

Das ist nämlich genau die Krux. Was auch immer das ist. Wenn man die Menschen am meisten von sich wegstößt und verärgert, dann braucht man sie am nötigsten. Nur wirkt man in dieser Phase toxisch auf andere. Des is fei a ned grod as gsündeste.

War es früher eher so, dass man Krisen gemeinsam als Chance nutzte und miteinander durchschritt, zusammenhielt und sie meisterte? Heut kommen mir viele Menschen so vor, als würden sie sich für die einfachste Variante entscheiden: die Flucht vor dieser Situation. Aber wenn ich Krisen vermeide, dann kann ich auch nicht als Persönlichkeit wachsen, werde nie krisenerprobter und kann auch andere nicht bei Ihrer Potentialentfaltung und ihrem Wachstum begleiten.

Guckt Euch doch mal an, was für Tipps und Tricks in Büchern und Gesundheits- und Sinnfindungssendungen verbreitet werden. Das sind alles Dinge, die wir wissen. Sie sind natürlich. Das sind die natürlichen Verhaltensweisen um das Nervensystem zu beruhigen. Bewegung: baut Stress ab, Musik bringt einen zur Bewegung, Singen und Musik (Vibration) stimuliert den Vagusnerv, genau wie Klangschalentherapie. Waldbaden ist doch auch nix neues, das ist der gute alte Familienspaziergang. In den 70igern war das Trimm-Dich. Es kommt in Wellen... immer in denselben aber in anderen Formen daher.

Ich frag mich, ob wenn mehr Reize auf das Gehirn von Nicht-Autisten einströmen auch bei ihnen die Anzahl der neuronalen Verknüpfungen im Hirn zunehmen. Es müsste so sein. Und dann ist es auch kein Wunder, dass sich ein Parkinsonkranker genauso verhält wie ein autistisches Kind und seine Fruitloops nach Farbe sortiert. Beim Parkinsonkranken heisst es Punding. Beim autistischen Kind repetitive Verhaltensweise oder Routinen und Rituale. Aber es ist doch genau derselbe Mechanismus! Beide beruhigen ihr Nervensystem auf dieselbe Art und Weise. Um es gesund zu erhalten. Um es vor dem Zusammenbruch und vor einer Überlastung zu schützen.

Borderliner ritzen sich, um sich zu spüren. Ich spür mich ja auch nicht. Bei mir tut das eine schwerere Decke. Oder der Druck der Badewanne beim Baden. Wenn Ihr das Baden auch geniesst und nicht mehr wie ich aus der Wanne kommt, dann wird es bei Euch auch so sein.

Ritzen würd ich mich zwar nicht, aber auch das ist meiner Meinung nach dasselbe Prinzip. Eine Art das Nervensystem, das von Reizen überflutet wird, zu beruhigen.

Wisst Ihr was das heisst? Dass die Definition von Krankheiten von Fehlinterpretationen bestimmt wird. Von der Aussenansicht. Eines Menschen mit einer ganz anderen Art der Wahrnehmung und des Seins als die des als krank definierten.

Wenn man eine andere Form der Wahrnehmung hat (weil die Reizfilter deaktiviert sind), dann findet man keine Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen. Denn alles, was sie geniessen und ihnen Spass macht, geht über die eigenen Grenzen. Weil es eine Überdosis ist!

Ich glaube, das macht die Menschen erst krank, dass ihre Art der Wahrnehmung nicht gesehen wird. Dass diese andere Art zu sein als nicht normal definiert wird. Es ist ja schon schwer genug nicht an andere andocken zu können, wenn Gemeinsamkeiten nicht existieren, an die man andocken könnte. Stellt Euch vor, ihr gebt Euch alle Mühe, aber aufgrund Eurer Konfiguration könnt Ihr Euch gar nicht mit den anderen vergleichen, mit denen Ihr aber überall verglichen und in einen Topf (der muss ziemlich gross sein...) geworfen werdet.

Niemand sieht die Mühe, die es Euch kostet so zu "funktionieren". Alle sehen nur, dass Ihr nicht so funktioniert wie sie. Sie sehen aber nicht warum, geschweige denn, dass Ihr das gar nicht könnt, weil ihr nicht dieselbe Basisausstattung wie sie mitbekommen habt!

Niemand sieht, dass Ihr einen Rennwagenmotor unter dem Chassis eines alten gebrauchten und verbeulten Autos habt. Denn in Wirklichkeit seid Ihr die Hochleister! Denn Ihr müsst ja mehr Reize verarbeiten! Und Ihr schafft es ja auch auf Eure Weise. Ihr habt das gelernt. Wie jedes Kind lernt mit seinem Körper zu leben. Und dann kommt die Norm und zeigt mit dem Finger auf Euch, weil Ihr nicht wie die anderen seid. Hallo?!? Das ist doch normal. Die Norm ist das nicht normale. Die Ausnahme ist die Regel und nicht die Norm.

Das macht krank! Diese irrige Vorstellung, dass es eine Norm gibt! Die verändert sich eh grad ganz drastisch. Wenn schon, dann wird grad die nervöse hibbelige Gesellschaft die Norm, weil immer mehr Menschen einen deaktivierten Reizfilter haben oder im Laufe ihres Lebens bekommen.

Was ich am schlimmsten finde, selbst die Ärzte, die ja selbst unter chronischem Stress leiden und diese "Krankheiten" begutachten und behandeln, sehen nicht, dass sie selbst schon darunter "leiden".

Ich habe jetzt bewußt "leiden" in Anführungszeichen geschrieben, weil ich nicht unter meinem Autismus leide. Ich leide darunter, dass man von mir erwartet, dass ich diesen kompensieren kann. Dass ich nicht so angenommen werde , wie ich bin, Dass man meine andere Art zu sein und meine andere Art der Wahrnehmung mit der ich nun mal auf die Welt gekommen bin und die für mich vollkommen "normal" ist, als falsch und fehlerhaft ansieht.

Genausogut könnte ich ja sagen: Hey, ich bin richtig so wie ich bin, aber Ihr seid alle komisch. Ihr verhaltet Euch irrational. Und das soll normal sein? Für mich ist das alles andere als normal.

Das wäre allerdings genauso falsch. Das ist mir bewusst. Stattdessen kann ich aber inzwischen erkennen: hey, es gibt mehr als eine Art der Wahrnehmung und der Art zu Sein. Und das ist doch wunderbar! Jeder Mensch ist was ganz besonderes. Eben jeder auf seine ganz besondere Art.

Da liegt ungenutzte Potential! Ein Meer der Möglichkeiten! Wenn wir nur vorurteilsfrei aufeinander zugehen und uns kennenlernen und unsere Welten und Sichtweisen teilen und austauschen. Das ist eine unglaubliche Bereicherung unserer Sichtweise und unserer Welt!

Stattdessen wird anderssein als falsch und krankhaft fehlinterpretiert. Aufgrund von Erwartungen , künstliche Konstrukte, die Relikte einer Gesellschaft sind, die es so gar nicht gibt! Und noch nie gab. Das ist für mich offensichtlich. Ihr tut Euch wegen Eurem sozialen Autopiloten und der neuronalen Autobahnen aber so schwer damit. Das verstehe ich inzwischen.

Deswegen schreib ich ja hier , damit Ihr mal die Dinge von einer anderen Seite seht. Ich halte meine Weltsicht übrigens nicht für das einzig wahre, auch ich lerne täglich neue Sichtweisen kennen und integriere sie , in meine Sicht. So wird meine Welt bunter und ich kann mir auf das Verhalten der Menschen, das in meinen Augen unlogisch ist, einen Reim machen. Denn ich kann leider nicht aus den Dingen Sicherheit schöpfen wie Ihr.

Ich muss das mit Wissen , mit Experimenten , mit Ausprobieren kompensieren. Also auf meine Art und Weise die Welt zu sehen und zu erleben. Das ist für mich vollkommen normal.

Denn Neurodiversität ist die Regel und nicht die Norm! Guckt Euch doch mal draussen im Wald um. Was wächst denn natürlich dort? Doch nicht die Monokultur! Die wurde aber in der heute geltenden gesellschaftlichen Norm zum Stand der Dinge erhoben! Das ist krank und es macht die Menschen auch krank. Gleichmacherei auf Biegen und Brechen ist keine Lösung.

Kein Wunder, dass sich so manch einer solange verbiegt, bis er gar nicht mehr weiss, wer er eigentlich ist. Und das stellen dann immer mehr Menschen in der Mitte ihres Lebens fest. Wer bin ich? Und wenn ja wieviele?

In der Natur hat die Menschheit es genauso gemacht. Auch dort setzt sie auf die Monokultur des Fichtenwaldes oder in Portugal auf Eukalyptus. Aus wirtschaftlichen Gründen. Doch der ist aufgrund des Klimawandels, Borkenkäfers, der Trockenheit nicht mehr zukunftsfähig. Die Entscheidung für die Wirtschaftlichkeit ist teuer geworden. Viele Menschen bezahlen sie mit ihrem Leben. Was passiert natürlicherweise in diesen Wäldern, wo die Fichten sterben? Laubbäume wachsen von unten nach. Mischwälder sind die natürliche Form des Waldes.

Der Normierungsirrtum wurde also von Menschen mit dieser irrigen Erwartungshaltung auch auf die Natur übertragen. Was ist die Folge? Waldsterben, Waldbrände (Laub brennt nämlich schlecht), Artensterben....

Sodala.. das war meine Neujahrsansprache :)
Ich wünsche mir eine Welt, in der jeder so angenommen wird wie er ist, wo man sich die Mühe macht, den anderen nach seinen Beweggründen zu fragen, anstatt Mutmassungen und Wertungen anzustellen, die viel Leid verursachen.

Ich wünsche mir, dass die Einzigartigkeit jedes Menschen geachtet und respektiert wird. Dass Irritationen als das erkannt werden, was sie sind: Emotionen und Chancen und Möglichkeiten, den anderen und seine Wahrnehmung der Welt kennenzulernen.

Arbeiten mit Menschen bedeutet dann die Wahrnehmungen der anderen Menschen kennenzulernen und nicht nur seine eigenen , aktuell bekannten als die einzig gültigen gelten zu lassen. Die Haltung, ich hab recht, nur meine Meinung ist die richtige, bringt keine Lösung, sondern Konflikte. Denn sie ist ebenfalls ein Konstrukt und entspricht nicht der Wirklichkeit. Es sollte sich niemand anmassen für jemand anderen entscheiden zu wollen, was für ihn richtig ist. Denn das weiss nur der Mensch ganz allein und er muss es für sich selbst herausfinden.

Und deshalb gibt es auch keine eine Lösung für alle. Weil wir keine durchnormierten gleich aufgebauten USB-Anschlüsse sind! Sondern lebendige Wesen mit eigenen einzigartigen Erfahrungen und Wahrnehmung.

Das muss ich grad auch erst lernen. Ich möchte ja gerne Menschen überzeugen, etwas zu tun. Aber das geht ja nicht. Auch meine Mama. Ich hab Ihr Vorschläge gemacht (wie die Leut in der Schmerztherapie auch) , was sie machen könnte. Probier es doch mal damit...

Damit untergrabe ich aber ihre Autonomie. Sie fühlt sich von mir bevormundet. Das hat sich in einem Gespräch herausgestellt. Weil ich ihr einen Vorschlag machte und sie draufhin meinte: "Etz hocki. Etz bleibi sitzen."
Nehme ich aber die Sichtweise an, dass sie einfach jetzt nicht kann, weil ihr Nervensystem zu überflutet ist, dann verstehe ich, dass sie und warum sie nicht kann. Ich glaube ihr und nehme sie ernst und nicht bevormundet.

Und wenn ich recht zurückdenke an die Schmerztherapie, dann fühlten sich dort die Menschen hingeschickt und dass sie Dinge tun mussten. Also Zwang! Zwang fördert nicht die Motivation. Eher die Gegenwehr. Und so steht wahrscheinlich in den Unterlagen so manches Schmerzpatienten, dass er sich weigerte mitzuarbeiten. Nur hat man ihm das nicht gesagt. Und man hat ihn auch nie gefragt, was dahinter steckt. Man geht von einer Absichtshaltung aus. Dabei KANN derjenige einfach nicht! Da geht die Wahrnehmung des Behandlers einen Irrweg. Irrlichtert sich etwas zusammen. Anstatt zu erkennen, dass das im Amoklauf der Amygdala einfach nicht funktioniert. Dass man da nichts neues lernen KANN!!! Es ist physiologisch einfach nicht möglich. Nur weil der Arzt sich im Krankenhaus wohlfühlt (was ich mir auch nicht immer vorstellen kann, weil ein Krankenhaus ein Reizbombardement auf jedes autonome Nervensystem darstellt...), tut es der Patient noch lange nicht!

Ein Schmerzpatient (Kranke) ist eh schon überreizt und dann schickt man ihn in eine Umgebung mit einem Donnerhagel aus Reizangriffen! Und dann wundert man sich, dass er nicht gesund wird, mitarbeitet ...? Diagnostiziert eine Wahrnehmungsstörung oder Schmerzstörung oder psychische Auffälligkeit?

Wer hat denn da die Wahrnehmungsstörung? Doch nicht der Patient! Der Fehler liegt doch im System! In den Definitionen. Bitte updaten!

Mit dem Umdenken, Ausbrechen und Infragestellen der Erwartungshaltungen kann jeder zuerst bei sich und dann in seinem Umfeld anfangen. Es wird sicher nicht auf Anhieb gelingen.
Ich arbeite daran... :) Und ich würde mich über Begleitung auf diesem Weg des Umdenkens und Selberdenkens freuen.

Infolgedessen wird das Leben wieder lebenswerter, bunter, wild, frech und wunderbar. Seid nicht artig. Seid einzigartig. Stand mal auf einer Postkarte ...

Soziales Zusammenleben bekommt man nicht geschenkt, daran muss man arbeiten. Ich weiss zwar immer noch nicht genau wie es richtig geht, aber ich versuche mal mein Glück und probier es einfach aus. Und dann seh ich schon, ob ich auf dem richtigen Weg bin.

Und als Nebeneffekt wird man gesünder... :) Und zum Experten für sich selbst und seine Kohärenz. :) Eine günstige Methode um die Gesundheitsausgaben (die wohl eher Krankheitsausgaben heissen müssten, warum nennt man das Kind nicht beim Namen?) zu senken.

Wenn jeder Verantwortung für sich und sein Leben übernimmt und sich nicht als Opfer der Umstände sieht, sondern seine Chancen und Möglichkeiten, seine Einzigartigkeit dann ist die Verantwortung auch gleichmäßig auf alle Schultern verteilt.

D.h. die Gesellschaft wie sie heute existiert ist ein Gedanken-Konstrukt auf Basis von Erwartungen, die nicht den Fakten und der Realität entsprechen. D.h. nicht nur unsere Gehirne brauchen ein Update sondern auch unsere Gesellschaftsformen, Institutionen und Organisationen. Unsere gesamte Art zu Leben und uns gegenseitig wahrzunehmen.

Oder wie der Arzt in der Rehaklinik es formuliiert hat: "Schauen Sie wie Sie mit Ihrem Leben zurechtkommen!"
Der hatte schon recht :)
Das ist fei cool. Wenn man aus einer Emotion heraus (innerer Unruhe) handelt, dann ist man authentisch. Und das was man dann sagt, ist dann genau das richtige. Auch wenn es aus Wut passiert. Dass er damals einen roten Kopf hatte, hab ich erst hinterher registriert. Das ist meine Art der Wahrnehmung.

Sie wird immer wieder mit denen der anderen kollidieren, weil jeder die Welt anders wahrnimmt. Aber wenn einer der beiden ruhig und offen bleibt, seinen Humor behält, dann muss es nicht soweit kommen. Dann lassen sich die Dinge auch klären, ohne die Säbelzahntiger zu wecken.

Ich wünsche Euch ein schönes neues Jahr, in dem Ihr Ihr selbst sein könnt!

Donnerstag: Das muss ich jetzt einfach schreiben, weil es so unglaublich aber so auch so unglaublich einfach ist! Mir sind ja bisher die Ähnlichkeiten zwischen CRPS, chronischen Schmerzen, Parkinson, Demenz und Autismus und AD(H)S aufgefallen. Aber auch zu Krebs. Denn auch hier wird das Nervensystem überempfindlich z.B auf Gerüche.

z.B. bei Parkinson gibt es das sogenannte Punding (Sortieren von Fruit Loops nach Farbe) was den repetitiven Verhaltensmustern (Stimming) oder auch Ritualen und Routinen von Autismus entspricht.

Es gibt eine Autistin Susanne Schäfer, die Parkinson und Narkolepsie hatte, inzwischen hat sie ihr Nervensystem aber soweit beruhigt, dass sie sowohl die Narkolepsie als auch Parkinson wieder loswurde. Das erste autobiographische Buch heißt: Sterne, Äpfel und rundes Glas; Autorin ist Susanne Schäfer.

Das "Nachfolgerbuch" von ihr heißt: "Mittler zwischen Hirn und Händen. Mein Weg von der Erstarrungs- und Schlafkrankheit zur Heilung der Wunde des Materialismus"

Und mir geht es ja mit CRPS ähnlich. Also ich werd es zwar nicht los, aber mit meinen autistischen Mechanismen (des inneren Rückzugs) und manchmal auch des Sensation Seekings, stundenlang im Wald herumlaufen, meinen Spezialinteressen, also durch Beübung des präfronteralen Kortex (in dem Buch "Wer ist hier eigentlich autistisch?" wird das als Metaebene bezeichnet) komm ich damit ganz gut zurecht. Mal von Reizüberflutungstagen abgesehen. Da werden sowohl Schmerzen als auch Dystonien schlimmer. Das ist aber ja logisch, denn dann wie z.B. bei dem eiskalten Wetter derzeit, nehmen die Reize ja zu.

Wenn bei Autismus mehr Verknüpfungen im Hirn gebildet werden und das Gehirn neuroplastisch ist, dann müßte es doch bei Demenz, Parkinson, MS, Krebs, Diabetes, Bluthochdruck ... ... genauso sein. Muss man die Krankheiten überhaupt differenzieren? Sie haben doch alle dieselbe Ursache. Nämlich ein übererregtes autonomes Nervensystem. Und Autoimmunerkrankungen sind nur eine Stufe weiter, denn da ist das Nervensystem so übererregt, dass selbst die Immunabwehr nicht mehr arbeiten kann.

Das passiert mir auch ab und zu, wenn ich noch einen Infekt obendrauf bekomme. Denn bei jeder Bazille (egal ob Säbelzahntiger, Ärger mit dem Chef, der Mama oder Schwiegermutter oder Krankheiten) wird derselbe physiologische Prozess ausgelöst. Beobachtet Euch mal, wenn Ihr eine Erkältung bekommet! Kopf- und Gliederschmerzen sind nix anderes als eine erhöhte Muskelanspannung! Auch die Kopfschmerzen! Und die Übelkeit ist auch auf ein übererregtes Nervensystem zurdückzuführen.

Was passiert? In dem Moment wähnt sich der Organismaus in Gefahr. Was tut er, wenn er in Gefahr ist? Er versucht aus der Umgebung alles , was Gefahr bedeutet möglichst früh zu erkennen. Also deaktiviert er die Reizfilter, um jedes kleinste Geräusch mitzubekommen, jeden Geruch von Gefahr, Geschmack von Gefahr (Vergiftung, ungeniessbare Lebensmittel) ...

D.h. es kommen mehr Reize im Hirn an. Kurzfristig ist das kein Problem. Hält dies über einen längeren Zeitraum an, dann wandelt sich das Hirn. Es bildet dann mehr Verknüpfungen aus! D.h. es wird auf Dauer hypersensibel. Das passiert bei chronischen Krankheiten aber heutzutage auch bei der immer größeren Reizflut auch bei allen Menschen. Denn durch die zunehmende Technisierung ist die Welt unglaublich "laut" und "grell" geworden. Das nimmt man aber nicht wahr. Denn es schleicht sich ja so ein und man kennt es nicht anders. Dieses andauernde Reizbombardement verändert also dauerhaft die Gehirne aller Menschen.

Autisten werden damit schon geboren. Wir bilden als Folge den sozialen Autopiloten nicht aus. Andere Menschen haben den, aber sie zeigen inzwischen dieselben Verhaltensweisen wie Autisten. Und auch ihr Verhalten wird fehlgedeutet!

Irgendwie ist das auch voll cool! Deshalb versteh ich die Menschen jetzt viel besser als früher. Weil ich das kenne aus eigener Erfahrung. Da brauch ich mich nicht reinfühlen. Das habe ich gelernt. Aus schmerzvollen Erfahrungen. D.h. wir sind nicht nur eine nervöse Gesellschaft sondern eine total missverstandene!
Wow!

Der soziale Autopilot ist dafür also eher hinderlich, weil er nicht an die neuronalen Veränderungen und der Verdichtung der Verknüpfungen im Hirn und der dadurch bedingten Verhaltensweisen upgedated wird!!!!! Jetzt in der aktuellen Gesellschaft ist die Metaebene (der präfronterale Kortex) von erheblichem Vorteil!!!!
Denn bin ich mir der Funktionsweise dieser Mechanismen bewusst, dann kann ich mir sehr viel physiologischen Stress ersparen!
Wahnsinn!

Ihr gleicht Euch mir an... ihr werdet "freiwillig" autistisch. Wow!!!!
Mit allen damit verbundenen Folgen. Kein Wunder, dass die Ärzte nicht reichen, die Ersatzbefriedigungen immer verrückter werden (Sensationseeking), weil damit ja auch chronische Krankheiten zunehmen, wenn man keine Mechanismen dafür gelernt hat. Deshalb nehmen in den westlichen Gesellschaften die Krankeheiten zu und nicht ab! Trotz technischem Fortschritt!

Das erklärt auch, warum Kinder von Einwanderern (es gab mal vielleicht erinnert Ihr Euch einen Zeitungsartikel über Kinder aus Somalia, die nachdem sie in westliche Länder kamen) plötzlich autistisch wurden! Sie haben die Umgebung gewechselt! Sie sind in eine Reizflut gekommen. Bedenkt, dass Kinder noch über keinen funktionierenden Reizfilter verfügen und Ihr könnt Euch diesen Kulturschock vorstellen!!!!

Ob Kinder von Digital Natives bzw. Digital Natives selbst vielleicht auch keinen sozialen Autopiloten mehr entwickeln? Hat das schon mal jemand untersucht? Denn wenn ich als Kind in der Konkurrenz mit dem Smartphone um die Aufmerksamkeit und den Blickkontakt von Papa und Mama und meinen Geschwistern immer den kürzeren ziehe, dann dürfte sich das doch ähnlich wie bei Autismus auswirken. Dort geht die Blickkontaktvermeidung aber vom autistischen Kind aus. Das eigene Smartphone, Tablet dürfte sich aus Sicht des Kindes aber ebenso auswirken. Das Ergebnis ist ja dasselbe. Es beschäftigt sich mehr mit Dingen als mit Menschen. Oder seh ich das zu schwarz?

Ich konnte schon Familienessen beobachten bei denen alle Mitglieder die ganze Zeit auf Ihr Handys stierten. Ich bevorzuge es mich in der Zeit auf mein Essen zu konzentrieren. Geredet wird bei uns deshalb auch nicht viel, weil ich keine zwei Sachen auf einmal kann. Das Ergebnis dürfte ja dann dasselbe sein.

Genau die Verhaltensweisen, die Autisten schon seit Ewigkeiten anwenden, werden jetzt in der Schmerztherapie (aber auch von Ernhährungsdocs und Bewegungsdocs und wie sie alle heissen... im Buchladen werden Sie von diesen Dingen "erschlagen") entdeckt und im Fernsehen dauergesendet! Autisten wissen wie es geht. Warum nutzt Ihr das Wissen nicht?

Das wär voll cool. So könnten wir Euch zeigen und beibringen wie Ihr Euer Gehirn vor Überlastung schützt und gesund bleibt bzw. wieder werdet oder zumindest den Ist-Zustand erhaltet. Deswegen hatte ich so PRobleme CRPS anerkannt zu bekommen. Es war bei mir von Anfang an extremer, weil mein Nervensystem ja auch schon in der Basisausstattung übererregter ist. Damit wurde ich geboren. Meine werksausstattung. Dessen ist man sich allerdings als nicht-diagnostizierter Autist nicht bewußt. Man weiss ja nur, dass man anders ist und aneckt und hat keine Ahnung warum....

Insofern ist CRPS das beste was mir passieren konnte. Eine Lernerfahrung. Ich hab mich endlich selber verstanden. Weil ich darüber herausgefunden habe, dass ich Autist bin! Im Endeffekt bin ich aber gar nicht soviel anders als Ihr alle anderen da draussen, weil Ihr Euch mir annähert. Überleben werden von Euch nur diejenigen, die den präfronteralen Kortex ebensogut nutzen wie Autisten und sich Bewegen (Stressabbau) oder gut im inneren Rückzug sind. Ist Depression dann nicht ein Selbstschutzmechanismus eines überlasteten Nervensystems, dass sich in sich selbst zurückzieht und nicht anders kann...?

Was wäre, wenn alle Krankheiten missverstanden würden? Bzw. sind nicht die Erkrankungen wie depressionen und Burnout auch die Folge eines nicht erkannten übererregten Nervensystems? Weil niemand sieht, dass man nicht so funktionieren kann wie die sogenannte Norm. Weil niemand sieht, dass es diese Norm gar nicht gibt! Bzw. dass diese Norm, die vielleicht sogar mal sinnvoll wahr, inzwischen nicht mehr die Norm IST!!! Weil sich unser Gehirn verändert hat! Es funktioniert so nicht mehr!

Übrigens halte ich die Norm für totalen Unsinn. Für USB-Anschlüsse und Steckdosen mag die Sinn machen. Aber doch nicht für lebendige sich ständig an die Umwelt anpassende Organismen!

Beständig ist nur die Veränderung. Die ist aber in genau diesem Status des überreregten Nervensystems nicht möglich. Man KANN es nicht, weil das Gehirn dafür keine Kapazitäten mehr hat!!! Es geht einfach nicht, weil sich die Hirn- und damit auch die Wahrnehmungskonfiguration und damit verbunden auch physiologische Prozesse im Körper verändert haben!!!!

Der soziale Autopilot (Erwartungshaltung, künstliches Gesellschaftskonstrukt) interpretiert aber dort hinein, dass der Mensch nicht WILL! Altersstursinn, Alyxethmie, Trotzreaktionen von Kindern werden als nicht wollen fehlinterpretiert. Dabei ist es ein NICHT-KÖNNEN!

Dass das vom Nervensystem allerdings in dem Status gar nicht möglich ist, und die Mühe, die sich dieser Mensch gibt, den IST-Stand aufrechtzuerhalten, sieht niemand. Ihr macht hier denselben Fehler bei Euch selbst wie bei Autisten. Unglaublich!

Meine Mama wurde auch schon mit einem Demenztest überrumpelt. Dabei ist sie einfach wie ICH! Auch demente Menschen lautieren festgeschnallt an einem Stuhl scheinbar apathisch vor sich hin. Im Neonlicht im lauten Aufenthaltsraum des Altenheims! Ich hab das damals selbst erlebt. Da kannte ich die Zusammenhänge aber nicht.

Im Krankenhaus wurde ein Behinderter eingeliefert, der sich nicht äußern konnte. Die Sanitäter hatten den Auftrag ihn einzuliefern. Der Arzt wußte nicht, was er mit ihm anfangen sollte und war selbst unter Stress und hilflos. Der Behinderte lag auf die Trage geschnallt da und lautierte vor sich hin.

Ist das nicht gruselig: er kann denken und bekommt all das mit!!! All diese Menschen bekommen diese Ablehnung mit!!! Sie können sich aber nicht dagegen wehren, weil sie unter der Reizüberflutung dafür gar nicht fähig sind.

Denn sie reagieren reizüberempfindlich auf die Umgebung. Und im Neonlicht des Krankenhauses , im Reizfeuerwerk, werden kranke Menschen auch nicht gesund. Sie werden nur noch kränker oder versterben dann. Auf der Intensivstation (da landete meine Mama schon öfter) war neben ihr ein Mann, der noch ansprechbar ins Krankenhaus von seiner Frau "verbracht" (ein seltsames Wort, aber ich weiss, dass es das wirklich gibt) wurde. Auf der Intensivstation im grellen Neonlicht, Blaulicht der Monitore , Geruch des Krankenhauses nach Desinfektionsmittel, weiss (die Farbe ist für übereregte Nervensysteme Gift!) wurde sein Zustand immer schlechter.

Er machte sich dauernd in die Hose. Ein deutliches Zeichen für ein übererregtes Nervensystem, das nicht mehr lang druchhält. Der Pfleger machte Witze (seine Art und weise das ganze auszuhalten und den Stress auch der Hilflosigkeit für sein Nervensystem herunterzuregeln) darüber, dass ihm die windeln ausgingen. Erst Stunden später wurde dieser Mann in ein anderes Krankenhaus verlegt. Da reagierte er längst nicht mehr. Ich weiss nicht, ob er diesen Krankenhausaufenthalt überlebt hat.

Dabei kann man keinen der beiden Parteien einen Vorwurf machen. Jeder hat das getan, was er tun konnte! Und was derzeit in dieser Situation möglich ist. Damit es besser wird, müssen wir unser Denken und die Gesamtsituation verändern und auf unsere veränderten Gehirne, deaktivierten Reizfilter, größere und engere neuronale Verknüprung anpassen!

Kennt Ihr das Buch "Mit einem Schlag" ? eine Hirnforscherin berichtet darüber wie sie einen Schlaganfall bekam und sich 10 Jahre davon erholt hat. Es ist eine Anleitung zum wieder gesund werden. Und bei uns gibt man Menschen nach einem Jahr auf. Vollkommener Quatsch! Redet von Stillstand oder sonstigem.

Künstliches Koma ist nix anderers als ein Reset bzw. Herunterfahren des autonomen Nervensystems. Deswegen funktioniert es wohl. Erweckt reagieren diese Patienten aber erstmal irritiert und verursachen auch Irritationen. Weil Ihre Wahrnehmung sich auch verändert hat. Auch Gedächtnis- und Erinnerungslücken kommen dazu.

Andererseits habe ich auch mal davon gelesen, dass bei Komapatienten die Hände und Füsse sich ebenfalls verkrallen. Das spricht wiederum für eine zu starke Reizflut und nicht für zu wenig. Vielleicht ist diese Art von Koma aber der Extremfall des internen Rückzugs, wenn das Gehirn über keinerlei Reizfilter , eine zu enge neuronale Verknüpfung verfügt und diese gar nicht mehr verarbeiten kann.

Deswegen wurden die Rehaler um mich herum alle nicht gesund . Teilweise verschlechterte sich ihr Zustand sogar wie bei mir im Krankenhaus. Das hat nix mit der Psyche zu tun sondern mit der Neurobiologie! Was macht man mit solchen Menschen, die scheinbar nicht heilen "wollen"?

Da Arzt selbst ratlos und hilflos ist (also auch chronisch gestresst, deswegen haben viele Ärzte wohl selbst Rückenprobleme, Rauchen oder Essen zuviel... mit den damit verbundenen Konsequenzen für das autonome Nervensystem) sucht er einen Schuldigen. Den Patienten. Der , dem er eigentlich helfen wollte und der hilfesuchend zu ihm kam, bekommt dann eine psychische Diagnose: Borderliner, schizoide Persönlichkeitsstörung und schlimmeres...

Einige CRPSler bekommen die Borderliner-Diagnose. Warum? Weil sie so wirken. Weil das eine Momentaufnahme eines überforderten Nervensystems ist. Das ist aber unter diesen Umständen vollkommen "normal"! Nur werden sie nach den Maßstäben von "gesunden" Menschen mit einer ganz anderen neuronalen Verknüpfung im Gehirn mit aktiviertem und funktionierendem Reizfilter verglichen!

Das hiesse dann übrigens auch, dass es sowas wie ein Schmerzgedächtnis gar nicht gibt! Sondern nur eine dichtere Verknüpfung von Neuronen, die dann intensiver und bei kleinsten Reizen schon überintensiv feuern! Dann hätten auch Autisten ein Schmerzgedächtnis, was aber irgendwie Quatsch ist, weil das mit der Schmerzwahrnehmung ja bei Autisten an und für sich schon aufgrund der anderen Wahrnehmung ein Problem ist. Man spricht auch gern von Wahrnehmungsstörung. Ist es das wirklich? Es ist doch nur eine Anpassung an eine Veränderung. Ein natürlicher Vorgang wie er in der Natur nun mal vorkommt. Es ist doch vielmehr die Folge der Veränderung durch den technisierten Lebenswandel! Der Organismus stellt sich einfach auf die Umgebung ein.

Was passiert, wenn man mit einem Etikett versehen wird, das nicht simmt und einem keiner hilft? Die Situation verschärft sich noch. Das ist die Folge des zusätzlichen Stresses, der dadurch entsteht. Man wird noch misstrauischer. Das ist aber ein ebenso natürlicher Lerneffekt. Wenn ich immer wieder anecke, wenn mein Körper sich seltsam verhält, dann kann ich weder mir, meinem Körper noch jemandem anderen trauen. Der Verlust des Selbstwertgefühls und des Urvertrauens ist die Folge. Und damit verliert man dann auch noch die Identität.

Das sieht dann aber das Personal einer Rehaklinik als die Bestätigung ihrer "Fehl"-Diagnose. Die Folgen sind dramatisch. Für beide Seiten!!!!

Denn aufgrund der zunehmenden Reizüberflutung in der Welt, werden auch die Nervensysteme übererregter und die Reizfilter weiter heruntergefahren als Folge davon. Und es werden immer mehr Menschen eben nicht mehr gesund. Diese Menschen sind grantig , stossen andere von sich, reizbar (als Folge ihres Zustands). Dieser physiologische Zustand der Patienten verändert aber auch den Zustand der Ärzte (die auch durch die Umwelt mehr Reizen ausgesetzt sind). D.h. es ist eine Rekursion.

Kein Wunder, dass Menschen in sozialen Berufen nicht lange durchhalten. Das ist die Folge. Nur durch Nutzung der Meta-Ebenen des Verständnisses kann dieser Kreislauf durchbrochen werden.

Ich würd gern meinen Teil dazu beitragen. denn ich weiss genau, wie schmerzhaft sich das anfühlt. Auch weil ich diesen Schmerz ohne Reizfilter nicht nur in mir sondern auch in meiner Umgebung und meinem Gegenüber wahrnehme. Als wahrer Tsuname schlägt er auf mein Nervensystem ein. Und ich weiss inzwischen, dass beide Seiten betroffen sind.

Ich bin jungen Ärzten begegnet, die es wirklich gut meinten und mir helfen wollten. Die ich aber mit meiner Art so in Angst und Schrecken oder Hilflosigkeit gebracht habe , weil sie mein Verhalten als Absicht interpretiert haben, dass sie meine Bemühungen die Sache zu klären als Angriff interpretiert haben. Es macht es dann noch schlimmer! Und das ist noch frustrierender! Eine Ärztin hat aufgrund ihres übererregten Nervensystems meine Erklärungsversuche (ich gebe zu, ich war sehr penetrant, was jedoch wiederum meinem übererregtem Nervensystem geschuldet war) juristische Konsequenzen angedroht. Sie sprach von Rufmord. Dabei wollte ich ihr nur die physiologischen Mechanismen erklären, damit sie anderen CRPSlern helfen kann...

Eine alte Frau (die sich nicht mehr so gut äu&szilg;ern konnte -> übererregtes Nervensystem) lag im Hemdchen auf dem Gang herum. Der junge Neurologe (sehr gestresst, weil hektisch und fahrig) erklärte ihr (ohne gross auf sie einzugehen), dass er kein freies Untersuchungszimmer hätte und ob es ihr was ausmache sie auf dem Gang zu utnersuchen. Ohne Privatsphäre! Ohne Datenschutz! Auf einem Gang auf dem Hinz und Kunz vorbeiliefen! Würdelos. Er war sich dessen aufgrund der übererregung seines eigenen Nervensystems nicht bewußt! Auch er konnt enicht anders!!!

Sie konnte sich nicht besonders gut äußern und ich merkte an siener Reaktion wie er in den "ich spreche mit einem kleinen Kind"-Modus umschaltete. Die Frau wurde wiederum in Ihrer Würde verletzt als ebenbürtiger erwachsener Mensch behandelt zu werdne. Ich kenn das, weil mir das beim Arzt auch passiert. Ich wirk dann nicht besonders intellilgent. Das liegt aber an der Umgebung und der Reizflut in einer Arztpraxis udn im Kranknehaus. Er nahm sich keine 5 Minuten (weil er unter Druck stand und ihm die Situation auch spürbar unangenehm war - ja, auch das nimmt mein Nervensystem wahr) und sagte: das ist eine Polyneuropathie, da kann man nix machen. Und dann liess er sie allein auf dem Gang zurück.

Sie blinzelte mir schelmisch zu. Ja, wir verstanden uns ohne Worte. Sie hat von ihm auch nicht viel gehalten... das hab ich gespürt. Dabei hat er sicher viel drauf. Nur wirkt auch er eher verloren und hilflos. Ich war also wieder Zeuge einer dysfunktionalen Kommunikation von zwei übererregten Nervensystemen.

Der konnte nicht mal meine Nervenleitgeschwindigkeit messen. Sein Vorgänger konnte das noch selber. DAs hab ich ihm dann gesagt, weil ich sehr verwundert war. Damit hab ich ihn freilich auch wieder verletzt. Dabei war ich nur ehrlich und habe offensichtliches und eine Abweichung in der mir bekannten "Routine" geäußert. Der soziale Autopilot interpretiert da jedoch eine Absicht hinein. Was mir schon alles als Absicht unterstellt worden ist, möchte ich gar nicht wissen. Gut, dass ich so autistisch bin, dass ich sowas wenn überhaupt erst Jahre später durch Nutzung der Metaebene mitbekomme. Denn ich kann solche Erlebnisse, die ich mitbekomme, aber nicht verstehe nicht einfach abhaken. Ich muss sie verstehen! Um das Problem zu erkennen und zu lösen. Das ist das, woran ich seit fast 6 Jahren jetzt in meiner Freizeit arbeite.

In den 5 Minuten fährt ein D-Zug in seiner arzt-Routine an einem vorbei. Er hält nicht mal. Keine Chance mich irgendwie verständlich zu machen. Denn aufgrund der zu verarbeitenden Informationsflut, brauch ich zur Interaktion ja länger um zu reagieren. Ein fehlender sozialer Autopilot ist dabei auch eher hinderlich. Hinterher ist man frustriert und wütend und verletzt. Und der Gegenseite geht es wohl genauso.

Dabei hab ich mir gar nichts erwartet. Nur erhofft. Und der andere erwartet von mir ein Verhalten, das ich nicht mal kenne... wie ein Wissenschaftler muss ich jeden sozialen Kontakt angehen. Es gelingt mir besser, wenn ich gelassener bin. Also in einer Umgebung, die ich kenne und mit Menschen, die ich kenne. Und dann bitte nur in homöopathischen Dosen! 1:1 Beziehungen und nicht wenn 3 Ä,rzte oder 1 Arzt und 2 MTAs um mich rumschwirren! Jedes mal ein anderer Arzt , jedes mal eine andere Meinung! Sowas macht mich wahnsinnig! es überfordert mich und ich kann damit nicht umgehen.

Damals hat mich das echt zur Verzweiflung getrieben. Inzwischen hab ich einen D-Arzt zu dem ich gehe, der weiss, dass ich Autist bin und mit dem ich einigermassen klarkomme. Dass er mir Sachen 10 x erklärt , daran hat sich leider nichts geändert. Aber damit kann ich inzwischen leben. Denn ich weiss, er meint es gut. Ich weiss seine Mühe zu schätzen. Auch wenn ich mir oft wünschen würde wie ein erwachsener Mensch behandelt zu werden... Seufz... Aber das ist immer noch besser als auf einmal mit den Worten :"Schauen Sie wie Sie mit Ihrem Leben zurechtkommen!" ohne für mich ersichtlichen Grund und aus heiterem Himmel angebr&uulm;llt zu werden. Ohne zu wissen und ohne dass einem einer sagt, was man falsch gemacht hat. Ich hab auf Reha alles mitgemacht und dann bekam ich genau so einen Wutanfall vom chefarzt. Der war auch nicht grad entspannt, denn er hat immer jemanden angemotzt. Auch das Personal. Also das Betriebsklima war nicht heilsam und das hab ich gespürt. Da konnte ich gar nicht gesund werden. Und andere überrergte Nervernsysteme auch nicht. Mir ist schon klar, dass er es nicht absichtlich getan hat. Auch sein Nervensystem ist explodiert. Wie beim Aspie halt auch, wenn zuviele Reize einprasseln. D.h. ich mache mir um ihn ernste Sorgen und um seine Gesundheit und die seiner Mitarbeiter und Patienten. Denn der Druck den man als Chefarzt hat, Drohende Schliessungen von Abteilungen, Personalabbau in Kombination mit Patienten die einfach nicht mehr gesund werden "wollen" , kann einen schon zur Verzweiflung bringen. D.h. auch in ihm findet derselbe Prozess wie in seinen Patienten statt. Dass, das nicht gesund ist, ist ja offensichtlich.

Wie kann ich denn diese Problematik öffentlich machen? Erst mal schreib ich hier darüber und hoffe, dass der ein oder andere das auch liest.

Auch Ihr als Patienten könnt zu einer Aufklärung beitragen. Und zu Eurer eigenen Heilung. Wie? Indem Ihr nicht jedes Wort bewertet. Indem Ihr Verständnis für Euer Gegenüber habt. Euch auch dessen Situation bewusst macht. Aber das ändert doch nix im Umgang miteinander. Doch. Indirekt. So nehmt Ihr Dinge nicht mehr persönlich. Könnt also eine Distanz aufbauen. Mir hilft die wissenschaftliche Perspektive sehr. Damit nehmt Ihr zunächst mal Eurem Nervensystem den Stress oder fügt ihm zumindest keinen neuen hinzu.

Je mehr Ihr dieses Umdenken übt, desto mehr beübt Ihr Euren präfronteralen Kortex und damit lassen auch die Schmerzen und die anderen Symptome Eurer Erkrankung nach. Warum? Weil Ihr mit der Stärkung des präfronteralen Kortex (der Metaebene) die amoklaufende Amygdala und das limbische System besänftigt.

D.h. langfristig kommt es dadurch ja zu einem Umlernprozess. Und der schlägt sich erstens in einem entspannterem Nervensystem nieder. Das bedeutet einen niedrigeren Cortisolspiegel und in der Folge werden auch die Reizfilter wieder aktiviert. Sprich: Ihr programmiert Eure neuronalen Verknüpfungen wieder um. Es werden wieder weniger dichte Verknüpfungen. Logisch.

Zweitens wirkt sich Euer physiologisch (jetzt entspannterer) Zustand auch auf Eure sozialen Kontakte (also auch auf den Arzt) aus. Ich konnte das neulich selbst erleben, welche Auswirkung das hat. Denn wenn Ihr grantig und gereizt in die Praxis kommt und auch noch mit nichtend wollendem Redefluss oder in Mutismus versunken (also dne Mund nicht aufbekommt), dann seid Ihr kein angenehmer Gesprächspartner. Also auch kein angenehmer Patient. Was Ihr aussendet, das bekommt Ihr auch zurück. Auch wenn Ihr das gar nicht absichtlich tut. Das wird nämlich alles vom sozialen Autopiloten des Gegenübers gewertet.

Seid Ihr jetzt entspannt, bekommt halbwegs den Mund auf, dann könnt Ihr erstens Euer Anliegen viel besser vortragen und Euch damit verständlich machen, worum es Euch geht (ich glaube, das ist mir früher einfach gar nicht gelungen), ich kann mir mehr merken, sowhl die Fragen, die ich habe, als auch seine Antworten, und ich werde auch entsprechend behandelt.

Also man bekommt das Echo, das man auch aussendet.

D.h. das Arbeiten an Euch, an Eurem Umdenken wirkt heilsam auf Euer gesamtes Umfeld. Auch daheim. Es kommt also auch Euren Familienmitgliedern zugute. Und das wirkt sich im Gegenzug auch wieder auf Euch rückwirkend aus. Als Verstärker sozusagen.

Fangt einfach damit an! Klärt Euren Arzt auf. Seid Ihr entspannt, dann wird auch er es eher sein und Euch zuhören. Seid Ihr es nicht, dann wird er eher versuchen, Euch in 5 Minuten wieder loszuwerden. Kurz und schmerzlos. Weil er Euch als anstrengend empfindet. Ihr ihn ja auch. Das beruht auf Gegenseitigkeit. D.h. was Ihr empfindet, empfindet dann wohl auch Euer Gegenüber. Oder wie es das Sprichwort so schön sagt: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch heraus. Wie Du mir so ich Dir.

Ich hab es selbst erlebt. Obwohl der Arzt sich nicht verändert hatte und das letzte Gespräch mit ihm furchtbar verlief - er konnte mich nicht schnell genug loswerden und hat mir auch nicht wirklich zugehört - verlief das nach einigen Jahren mit ihm ganz enspannt ab. Er wollte mich auch nicht loswerden... und es kam auch etwas bei dem Gespräch heraus. Ich fühlte mich ernstgenommen. Und er hat sich wohl auch diesmal wohler mit mir gefühlt.

Apropos loswerden.. das ging mir bei einem Vorstellugnsgespräch auch mal so. Wahrscheinlich hab ich den Menschen auch durch meine Art er- und verschreckt. Dabei war ich nur ehrlich. Und das soll man dann in einem Vorstellungsgespräch gar nicht sein? Das versteh ich nicht. Man verstellt sich absichtlich? Wie soll man sich denn da kennenlernen? Ich dachte, das wäre der Sinn von einem Bewerbungsgespräch.... Da stellt man doch die Katze im Sack ein? Miau... ich mag Katzen. Nicht in Säcken sondern in der freien Wildbahn... Ist es da nicht besser und angenehmer, wenn man das kriegt, was man sieht? What you see is what you get and what you get is what you see? Ihr wollt getäuscht werden? Ihr wollt enttäuscht werden? Ihr seid echt komisch.

Probiert es aus. Auf Empfehlung eines Fachinformatikers, der sein Hirn schon erfolgreich umprogrammieren konnte... Es dauert , aber Ihr werdet die Veränderung spüren. Und wenn Ihr die Dinge selbst in die Hand nehmt, dann nimmt Euch das auch noch die Hilflosigkeit und das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Verzweiflung. Sobald Ihr erste Erfolgserlebnisse habt: Ui! spürt Ihr das. Und das schlägt sich dann auch als neuronale Verknüpfungen und Umprogrammierung in Eurem Hirn nieder. Ihr habt es also selbst in der Hand bzw. im Hirn.

Viel Erfolg!

Freitag: Es gibt zahllose Formen der anderen Wahrnehmung. Soviele wie es Menschen gibt.

Eine andere Form der Wahrnehmung ist z. B. Farbenblindheit.

Gestern hab ich einen Abstecher in ein Cafe gemacht und dort war eine Schwangere. Auch sie hat eine andere Form der Wahrnehmung. Denn auch Ihre Sinne werden zum Schutz des ungeborenen Kindes geschärft.

Daher wahrscheinlich auch die seltsamen Essensgelüste. Das deckt sich übrigens auch mit Berichten, die ich über Autisten gelesen habe und meinen eigenen. Ich hatte als Kind auch kein Problem Schokolade mit Essiggurke zu essen. Oder sonstige Dinge. Ich denke das liegt an der Haptik der Dinge. Denn Schokolade und Essiggurke sind knackig! Und wenn man sein Nervensystem beruhigen will, dann sind knackige, knusprige Dinge halt am Besten.

Ob das bei Schwangeren dafür auch der Grund ist? Ich kenn jetzt grad keine. Aber Ihr könnt sie ja mal fragen. Die dürften dann ja in einem Reizfilterdeaktivierungsstatus ähnlich dem eines Autisten sein.

Meine Mama war in der Kirche an Weihnachten und da wurde ihr von dem Weihrauchgeruch so schlecht als sie schwanger war, dass sie fast umgefallen ist. Da die Christmette so voll war, ging das gar nicht, weil sie immer rechts und links von den Leuten aufgefangen wurde.

Mir wird vom Weihrauchgeruch in der Kirche heute noch schlecht. Für mich stinkt das unerträglich. Weil mein Reizfilter defaultmäßig deaktiviert ist.

Ich hab also gestern einen Ausflug in ein Cafe mit einem Spaziergang verbunden. Eine Art Forschungsexpedition. Im Cafe kann man nämlich wunderbar das Verhalten der Menschen beobachten und seine Schlüsse daraus ziehen. Das muss man nämlich, wenn einem der soziale Autopilot fehlt.

Und da fällt einem auch auf wie unlogisch manches Verhalten ist. Denn ich muss es ja mit Logik und dem präfronteralen Kortex erkennen und deuten. Mustererkennung im Verhalten von Menschen ist meine Spezialität. Aber auch andere Dinge erschliessen sich mir auf "magische" Weise. Da ich gut höre (weil ich sehr geräuschempfindlich bin durch den deaktivierten Reizfilter), bekomme ich Dinge mit und muss nicht danach fragen. Was mich ja wieder Überwindung kosten würde.

z.B. in Mannheim bekam ich ein Gespräch auf der anderen Strassenseite mit, wo jemand nach der Fussgängerzone fragte. So konnte ich den Anweisungen folgen und mich in einem Buchladen vergnügen und dort in mich und meine Welt versinken. Nämlich in ein Buch. Tranceartig. Das ist meine Art Rückzug, Entspannung und Erholung.

Auch wenn ich mit scheinbar ausdruckslosem Gesicht durch die Gegend laufe (gern mit offenem Mund) oder verärgert wirke, weil ich grade ein Problem löse, bin ich entspannt. Das ist auch oft das Notprogramm, das greift, wenn die Reize zuviel werden. Wie gestern im Cafe. Da sitze ich dann da und bin weggebeamt. Bis ich wieder zurückkomme und auftauche kann es einige Zeit dauern. Ich bin dann nicht ansprechbar und reagiere nicht auf Ansprache. Ich bin nicht taub. Nur woanders. Und das brauch ich in dem Moment auch. Ich stiere dann gradaus in die Gegend.

Es fällt mir auf, dass das auch immer mehr Menschen auf der Strasse machen. Also sie sehen und hören einen nicht, wenn man sie grüßt. Auch sie sind nicht im Hier und Jetzt sondern ganz woanders. Sie befinden sich wohl eher im Gedankenrennen. Sind mit den Gedanken schon in der Zukunft oder noch in der Vergangenheit.

Diesen Zustand kenn ich auch. Das ist bei Reizüberflutung bei mir der Fall (und wohl auch bei Euch). Da funktioniert das Entspannen nicht.

Das ist aber anders als mein Trancezustand. Ich bin einfach in mir. Ich bin einfach. Ich ruhe in mir. Da rennt in diesem Moment nix.

D.h. eine Familie, die ein Kind bekommt, die durchläuft einige Wahrnehmungsveränderungsphasen. Erst die Mama, dann das Kind. Und da sie sich in unterschiedlichen Wahrnehmungszuständen befinden, ist es kein Wunder, dass sie miteinander nicht kompatibel sind. Denn man geht ja von sich aus und dass die anderen genauso empfinden wie man selbst und die Welt auch so wahrnehmen.

Es ist dann ein sehr schmerzlicher Prozess (zumindest war es das für mich) und auch ein sehr irritierender Moment, wenn man feststellt, dass das gar nicht so ist! Deshalb ist es auch Quatsch sich mit anderen Menschen zu vergleichen, weil jeder anders konfiguriert ist und sich diese Konfiguration im Laufe des Lebens ständig verändert.

Ist man Nicht-Autist und besitzt einen sozialen Autopiloten, dann hat man noch Gemeinsamkeiten. Ist man Autist, dann stößt man nicht nur ständig auf Unterschiede, sondern man wird auch noch ständig nach dem sozialen Autopiloten und dessen Erwartungen bewertet. Etwas, das ich nicht habe. Ein System, auf das ich nicht zurückgreifen kann. D.h. für mich ist die Welt sehr unverständlich. Denn ich weiss nicht, warum ich anecke und mich andere Menschen irritiert zurückweisen. Da jeder Mensch aber auf soziale Kontakte angewiesen ist um zu überleben, ist es die Quadratur des Kreises für mich, hier ein Gleichgewicht bzw. eine Dosis zu finden, die mit meinem physiologischem Status und meiner Wahrnehmung kompatibel ist.

Wenn man nicht weiss, dass man Autist ist, hat man keine Ahnung was man falsch macht. Es sagt einem auch keiner. Denn die anderen scheinen davon auszugehen, dass ich schon wüßte was ich angestellt hätte. Dass ich das mit Absicht mache. Ich habe keinen blassen Schimmer.

Die Diagnose Autismus war eine Erleichterung für mich. Weil ich endlich den Schlüssel zu meinem Anderssein in der Hand hatte. Die Erklärung für all die sozialen Fehlschüsse. Endlich kann ich lernen ich selbst zu sein. Eine Identität, Selbstvertrauen und Urvertrauen zu entwickeln. Wobei ich dazu sagen muss , wenn man Autist ist, dann ist man offener und gibt Menschen zig Chancen einen immer wieder vor den Kopf zu stossen. Weil wir den präfronteralen Kortex - also die Logik - in sozialen Kontakten benutzen. Es bleibt uns auch gar nichts anderes übrig.

Logisch sind leider viele Dinge des sozialen Autopiloten nicht. Daher komme ich zu vollkommen anderen Schlüssen als Ihr was angemessenes Verhalten ist. Ich gehe da rational und logisch vor. Leider sind soziale Regeln alles andere als logisch und rational. Und selbst wenn... kann es sein, dass ich in den sozialen Momenten damit aufgrund der Reizflut überfordert bin.

Wenn einem dann das Brechen dieser Regeln, die mir leider nicht bekannt sind und die einem auch keiner erklärt, als Absicht, Bösartigkeit oder Angriff ausgelegt wird (aufgrund der Benutzung des sozialen Autopiloten), dann ist das sehr verwirrend. Es ist in etwa so, als würde man ständig im Dunkeln herumtappen. Erst mit der Diagnose Autismus (Asperger) konnte ich den Lichtschalter finden. Echt jetzt: das war äußerst erhellend. Eine Erleuchtung sozusagen. Weil ich jetzt endlich verstehen kann, wo das Problem liegt. Ich kann gar nix dafür.

Denn das ist eine Besonderheit , die man niemandem ansieht, welche Art der Wahrnehmung er grad hat. Daher geht die Allgemeinheit davon aus, dass dieses identisch ist. Sie ist es aber NICHT!

Mir fällt das viel leichter das zu akzeptieren, weil sich meine Wahrnehmungs-Welt doch deutlich von der Mehrheit unterscheidet. Inzwischen fühl ich mich darin sehr wohl. Zum ersten mal. Denn wenn einem die Umwelt ständig das Gefühl gibt falsch zu sein, dann kann man weder Selbstvertrauen noch Identität noch Urvertrauen entwickeln. Ich arbeite daran.

Worin man gut wird, ist ständig an sich zu zweifeln und sich in Frage zu stellen. Man reflecktiert sich ständig und sucht nach dem Fehler. Nur da der soziale Autopilot einem Menschen von aussen genausowenig anzusehen ist, wie das Fehlen desselben, kann ich das genausowenig sehen. Also nach etwas suchen zu müssen, dass unsichtbar ist, macht es nicht besonders einfach. Schlicht unmöglich.

Seltsamerweise bin ich anscheinend durch die ständige Beobachtung von Menschen und dadurch, dass mein Nervensystem schon die leisesten Schwingungen auffängt und darauf anspringt (was aber leider auch Amokläufe meiner Amygdala nach sich zieht, weil sie übererregt ist), besser lesen als sie sich selbst. Sprich: ich hab die Gefühle der Psychologen sicher besser deuten können als sie, weil ich sie mitempfinde. Und da spricht man mir die Empathie ab. Dabei hat ihre Emotion auf mich drastische Folgen.

Das ergeht übrigens nicht nur mir so. D.h. Menschen, die durch Krankheit, ständigen Stress in den physiologischen Status der Übererregung rutschen (das geschieht langsam und deshalb nimmt man es gar nicht wahr, das geht ja auch nicht, wenn die Amygdala Amok läuft , sich selbst wahrzunehmen, dafür muss man sich ja erst konzentrieren können! Und das geht da schlichtweg nicht!).

Auch ihre Wahrnehmung verändert sich. Weil Ihr Reizfilter sich deaktiviert. Also hat Ihr Gehirn und Körper mit derselben Reizflut zu kämpfen wie ich. Sie sind es aber im Gegenzug zu mir nicht gewöhnt.

Aufgrund der veränderten Wahrnehmung haben sie immer weniger oder gar keine Schnittmengen mehr mit der Mehrheit der Menschen. Wie ich. Sie werden durch die Reizflut reizbarer, hilflos, krank. Sie wissen aber genausowenig warum wie ich. Was passiert? Sie verlieren ihre Freunde (stossen sie genau wie ich vor den Kopf, weil sie Dinge, die die Mehrheit als angenehm empfindet, als unerträglich einstuft). Aber diese Veränderung der Wahrnehmung ist Ihnen nicht bewusst!

Mir war das ja auch nicht bewusst, dass ich die Welt anders wahrnehme. Noch heute muss ich über einige Dinge, die mir berichtete werden ungläubig den Kopf schütteln. Das ist für mich schlichtweg nicht vorstellbar.

Inzwischen kann ich es logisch nachvollziehen. Allerdings tun sich die anderen mit der Vorstellung meiner Wahrnehmung auch schwer. Schwerer als ich mit Ihrer, weil sie ja mit den meisten Menschen über Gemeinsamkeiten verfügen. Wohingegen für mich die Unterschiede die Regel sind. D.h. die Welt eines Menschen mit deaktivierten Reizfiltern sieht komplett anders aus. Viel bedrohlicher. Viel stressiger.

Und was passiert mit Menschen, deren Reizfilter sich im Lauf ihres Lebens deaktiviert? Sie verstehen die Welt genausowenig wie ich. Sie verlieren das Selbstvertrauen, das Urvertrauen und ihre Identität. Trauern oft ein Leben lang der Vergangenheit nach.

Deshalb waren mir die Menschen in der CRPS-Selbsthilfegruppe so ähnlich. Dort hab ich das erste mal eine Schnittmenge, Gemeinsamkeit gefunden. Irgendwann dann aber festgestellt, wir sind irgendwie doch irgendwo unterschiedlich. Und zwar durch die Erfahrungen. Ich weiss meine Unterschiede inzwischen zu schätzen und habe eine Identität gefunden. Baue mir langsam das erste mal in meinem Leben Ur- und Selbstvertrauen auf. Etwas, das diese Menschen schon hatten und sie haben allen Grund auch weiterhin eines zu haben, was sie alles leisten. Aber aufgrund des physiologischen Status verstehen sie die Welt nicht mehr und zweifeln an sich.

Das kann ich übrigens auch gut. Selbstreflexion. Ich bin sehr gut darin mich in Frage zu stellen und an mir zu zweifeln. Durch Unterschiede geprägt suche ich das Problem meistens bei mir. Bisher hab ich das zumindest so gehandhabt. Inzwischen versuche ich es mir abzugewöhnen. Denn ich weiss, diesen Unterschied kann ich nicht ausgleichen. Ich tu was ich kann. Leider sehen die meisten Menschen, da mir meine Schwierigkeiten ja nicht auf die Stirn geschrieben stehen, nur die 5 Prozent, die ich nicht kann.

Niemand sieht die Mühe und den Aufwand und die Energie , die es mich kostet die 95 Prozent aufrecht zu erhalten. Ich weiss das auch erst jetzt. Und erst jetzt kann ich mich selbst dafür wertschätzen. Erst durch die Diagnose und das Wissen darum, was Autismus bedeutet, kann ich mich selbst endlich verstehen! Wisst Ihr was das bedeutet? Endlich zu wissen, wer und warum man so ist, wie man ist? Das ist der Hammer! Ein ganzer Werkzeugkasten!

Und genau dieses Wissen muss noch in die Köpfe der ganzen Gesellschaft. Dass man die Menschen nicht nach dem Autopiloten beurteilt, sondern versucht sie zu erforschen. Und genau das tu ich.

Als Nebeneffekt dieser Herangehensweise konnte ich gestern herausfinden, wo das Klo im Cafe ist. Die Schwangere musste nämlich. Die Folge eines übeerregten Nervensystems und eines Fötus, das auf die Blase drückt.

Ist eine Mutter schon gestresst bevor sie schwanger wird, dann wird durch die Schwangerschaft dieser physiologische Stressmodus noch verstärkt. Die Folge ist ein noch sensibleres Kind. Entweder schreit es zuviel oder es reagiert zu wenig. Das ist auch die neurobiologische Folge unseres modernen Lebensstils. Ursache und Wirkung.

Dazu kommt noch, dass die Gesellschaft immer rigider zu werden scheint. So kommt es mir zumindest vor. Weil immer mehr Emotionen zu Krankheiten deklariert werden. Sie werden bewertet. Als krank, schlecht, unangenehm. Dabei sind sie einfach nur. Sie wollen uns dazu auffordern etwas zu Verändern.

Meine "unmögliche" Bekannte sagte neulich: Emotionen sind etwas wunderbares!! Und das finde ich auch. Sie helfen einem Konflikte zu erkennen und zu verarbeiten und daran zu wachsen. Kreative schöpfen aus genau diesen Emotionen (auch Trauer, Wut, Verlust) eine unglaubliche Schaffensenergie! Man kann sie positiv nutzen! Hab ich ja mit dem Krankenhausfluchttier-Comic bewiesen. Und die Glaa aus ERH ist auch so enstanden. Ja, ich hab sogar ehrenamtlich zwei Comicausstellungen gemacht und schon zwei Vorträge gehalten!

Mir war das gar nicht bewusst, dass das eine ehrenamtliche Tätigkeit ist. Ich hab halt das gemacht, was mir wichtig war. Was ich für wichtig halte und tun wollte. Und war dann ganz überrascht wie mir das jemand so gesagt hatte. Hätte mir dagegen jemand vor 5 Jahren gesagt, dass ich mal ehrenamtlich tätig sein werde, hätte ich ihm den Vogel gezeigt (piep). Ich krieg ja kaum mein Leben auf die Reihe. Doch das eine schliesst das andere nicht aus :) Erstaunlicherweise setzt also eine Krise (und das Wort Krise ist etwas positives) unglaubliche Energien (Grünkraft) frei! Und mit diesen Energien könnt Ihr über Euch hinauswachsen. Das ist total cool!

Werft doch mal die Erwartungshaltung des sozialen Autopiloten über Bord und lasst Euch auf den Menschen ein, der Euch irritiert. Erforscht seine Hintergründe. Dann werdet Ihr spannende Geschichten hören, neue Sichtweisen und Lösungsmöglichkeiten für Eure Probleme entdecken. Ihr spart Euch das Geld für Kino und Bücher und Streamingdienste weil Ihr die Geschichten aus erster Hand bekommt.

Und Ihr werdet Gemeinsamkeiten entdecken. Gemeinsamkeiten im Anderssein :) Ihr werdet Euch auf eine ganz andere Weise neu kennenlernen. Und das ist cool. Das ist erleben, erfahren, lernen. Das bildet neue neuronale Verknüpfungen in Eurem Gehirn. Echt cool!

Ich würde mir wünschen, dass Anderssein als die Normalität betrachtet wird, die sie ist! Dass man einander annimmt wie man ist. Dass man einander kennenlernen möchte ohne Urteile und Bewertungen. Nur dann werdet Ihr sehen, wie falsch Ihr damit liegt.

Ihr werdet Gemeinsamkeiten an Menschen entdecken, bei denen Ihr sie nicht vermutet habt. Neue Perspektiven, neue Erfahrungen von unschätzbarem Wert machen. Ihr müsst Euch nur drauf einlassen. Menschen immer wieder eine neue Chance geben, sie dazu ermutigen sich zu beweisen und das gute in Ihnen sehen und es Ihnen auch in Gesten und Worten zeigen.

Ich wünsche mir eine ermutigende Gesellschaft. Dazu müssen wir unsere Ängste (mit Ängsten kenn ich mich aus :) überwinden und durch Neugier und die Freude am Lernen und Kennenlernen ersetzen! Ich arbeite daran! Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch auch auf dieses Abenteuer einlasst. Ihr werdet es nicht bereuen. Vertraut mir! :)

Ein Beispiel dafür aus meiner Strickdesigner-Tätigkeit. :)
Eine Kundin hat Probleme Farben zu unterscheiden und hat sich darüber beschwert, dass keine extra Farbübersichts-Chart in einem Strickmuster enthalten ist. Das könnte man nun im ersten Moment als Angriff verstehen, dass die Anleitung nicht gut genug ist. Mein autistischer Perfektionismus ist mir da etwas im Weg. Und ich spürte auch diesen ersten Reflex. Hier antwortete also die Amygdala und das limbische System und die low road.

Sie schrieb allerdings auch den Grund: weil sie Farbenblind ist. Und hierauf schaltete sich mein präfronteraler Kortex und mein analytisches Denken ein und bremste die Amygdala somit aus.

Ich hab sie gefragt, was das für Auswirkungen in Ihrem Leben hat. Denn ich bin ja Gesichtsblind (ich erkenne Menschen nicht an Orten, wo sie nicht hingehören) und kann mir vorstellen, dass Farbenblind zu sein, auch nicht einfach ist. Hier ist Ihre "erhellende" Antwort.

"I only have partial colour blindness. I can not distinguish blue, or green. I also have trouble telling different shade of most colours. My husband helped me pick out the browns, but they all look alike to me. When he gets home today, using this chart he can label them for me and I will be off and running. I only learned I had this issue when I started working in a fabric store. People would ask for certain colours and I would help them choose - it didn't take my boss long to know that I could not choose colours - fortunately, I did well in other areas of the store and the customers knew not to get me to help in that area. It doesn't really affect my life too much - I am used to people looking at me oddly sometimes because my clothes were an odd mix - but my friends just say it's my style and leave it at that. LOL "

Ich konnte Ihr eine entsprechende Übersetzungshilfe der Farben bereitstellen und jetzt kann sie das Muster stricken. Wir sind sicher beide nach anfäglicher Amygdalagesteuerter Irritation (sie war irritiert, frustriert und enttäuscht, dass diese für sie selbstverständliche Übersetzungshilfe nicht im Muster enthalten war und ich war mir nicht bewusst, dass eine solche Hilfe notwendig war, denn es hatten ja schon viele Stricker das Muster erfolgreich gestrickt) durch das umschalten in den analytischen Modus (präfronteraler Kortex, Metaebene) zu einer für alle beiden Seiten einverständlichen Lösung gekommen.

Wir konnten also "Kontakt" auf Augenhöhe herstellen. Ich konnte das Problem erfassen, sie konnte es mir schildern, und ich konnte aufgrund der Gemeinsamkeit einer anderen Art der "Blindheit" Ihr Problem nachvollziehen. Und habe dabei noch einiges gelernt. Und so auch einen zufriedenen Kunden gewonnen, der sich verstanden fühlt. Ist das nicht cool?

Und das alles, weil ich die Reaktion der Amygdala bewusst abbremsen konnte. Weil ich den Weg der Logik und Analytik über den präfronteralen Kortex genommen habe.
Das ist doch super!

Funktionale Kommunikation! Für jemanden wie mich ohne sozialen Autopiloten ist das ne ganz schön coole Leistung. Seht Ihr den Vorteil? Und wisst Ihr, was das Beste ist? Ihr könnt das auch! Also los, probiert es aus! Es macht Spass!

 
04.01. bis 10.01. Perspektivwechsel ...

Samstag: Gestern konnte ich noch eine dysfunktionale Kommunikation erfahren.
Ich hab ein Sweatshirt an, dass schon etwas müffelt, weil ich die letzten Tage auch viel im Wald und co unterwegs war. Es rentiert sich jetzt nicht mehr, was anderes anzuziehen, wenn ich eh wieder unterwegs bin. Da bin ich recht pragmatisch. Und es ist mir auch zu anstrengend.

Ich umarm Mama, weil es ihr heut nicht gut geht (fester Druck um die Hüfte), ich in einem entsprechendem physiologischem Modus bin und sag:"Ich hab Dich lieb."
und sie sagt:"Du stinkst."
Mit dieser Aussage hat sie natürlich vollkommen recht. Allerdings trifft mich das in diesem Moment doch sehr unvorbereitet, weil ich ja gute Absichten hatte. Ich wollte sie aufmuntern.
Meine Amygdala reagiert und ich zieh mich schnell zurück und bin weg. Ich reagiere also insktinktiv über die low road. Soziale Ablehnung empfindet unser Nervensystem als etwas sehr stressiges.

Auf dem Weg nach draussen, versteh ich was passiert ist. Das Nervensystem meiner Mama ist auch übererregt. Sie nimmt deshalb Gerüche noch intensiver wahr als ich und hat dann nur eine Sachaussage gemacht.

Sie hat damit keinerlei Bewertungsabsichten gehabt. Das ist lediglich ihr physiologischer Status. Also verfliegt mein Bauchgrummeln sehr schnell. Denn ich versteh ja durch analytische Beobachtung mit dem präfronteralen Kortex, das sie es nicht böse gemeint hat.

Als ich heimkomme, kommt sie mir gleich entgegen und meint: "Das tut mir leid. Ich hab es gar nicht so gemeint."
Jetzt hat sie sich die ganze Zeit Gedanken deswegen gemacht. Aber immerhin hat nun auch Ihr präfronteraler Kortex die dysfunktionale Kommunikation erkannt. Das ist cool! Es besteht Hoffnung, dass wir uns zukünftig besser verstehen, wenn wir diese Technik weiterhin verbessern.

Bin über zwei neue Bücher gestolpert.

Im offenen Bücherschrank lag "Neue Intelligenz Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden."
Das hat mich magisch angezogen, weil es genau die gegenteilige Meinung meines Kollegen vertritt. Und in Bezug auf viele TV-Formate, die ich einfach nur gruselig finde und mich frage: wer schaut sowas an? auch als gewagte Hypothese angesehen hätte.

Grad das hat mich neugierig gemacht. Sein Blickwinkel hat aber durchaus was für sich. Er argumentiert nämlich dass PC-Spiele seit ihren Anfängen (Pong , Tic Tac Toe) immer anspruchsvoller und komplexer werden. Auch von der Bedienung her. D.h. sie erfordern mehr Kopfarbeit.

Und es gibt durchaus TV-Serien, die eine sehr anspruchsvolle Handlung enthalten. Früher waren die mit Bonanza oder ein Colt für alle Fälle doch ziemlich einfach gestrickt.

Ausserdem sind in beiden Fällen heute durch digitale Techniken viel mehr Special Effects möglich. D.h. mehr Details, die früher nur angedeutet werden konnten. Denkt mal an den ersten Teil von Jurassic Park. Da waren die Dinosaurier doch noch etwas spärlicher gesät als in den Folgeteilen. Oder vergleicht mal die ersten Star Wars Teile mit den aktuelleren.

Ich kann mir die nicht anschauen, weil sie mir viel zu reinzintensiv sind. Mir waren die alten deswegen viel lieber. Ich schau heut noch gern Miss Marple, die in schwarz-weiss. Sie sind reizarm und ein schönes Ritual.

Tatorte oder anderen seltsam deutsch düsteren Krimis kann ich wegen der komplexen Handlung oft nicht folgen. Sie sind mir erstens zu düster und zweitens oft mit so ähnlichen Schauspielern besetzt, die ich wegen meiner Gesichtsblindheit kaum auseinanderhalten kann, dass die Handlung dann keinen Sinn mehr für mich ergibt.

Ich lese eh lieber. Das Ritual des Fernsehguckens abends dient eher der sozialen Komponente dort mein Rudel zu treffen.

Und da fällt mir ein, dass auch die Werbung komplexer geworden ist. Früher hatte die einen netten Werbejingle (den von Dor und 00 mochte ich als Autist besonders gern, weil sie eingängig waren und mich beruhigt haben) und bewarb das Produkt und was es konnte. Weiss waschen z.B. Heutzutage wird schrill (laut und in grellen schreienden Farben - also sehr reizintensiv) ein Film über ein Lebensgefühl gesendet. Ich habe oft keine Ahnung was da für ein Produkt verkauft werden soll. Und kann es mir auch nicht merken. Autowerbung finde ich derzeit sehr verwirrend. Jetzt wird darum eine komplexe Geschichte gesponnen.

Der Buchschreiber meint also, dass diese komplexen Geschichten und Programme sich auch auf unser Gehirn auswirken. Die Reizflut tut es bestimmt. Dass die Spots auch noch doppelt so laut wie der unterbrochene Film, manche Filme kommen mir auf manchen Sendern eher wie von Film unterbrochene Werbeblöcke vor als umgekehrt , laufen, erhöht die Reizintensität nochmals.

Mir hat mal jemand erzählt, dass die so laut sind, damit auch die Frau, die das Bier für ihren Ehemann holt, die Werbung noch mitbekommt. Das muss dann schon etwas länger her sein...

Dass die Reizflut unser Gehirn verändert, das glaub ich gern. Dort müsste es dann bei einem durchschnittlichen erhöhten Dauerreizfeuer zu einer dichteren neuronalen Verknüpfung kommen. Und wenn man aus Spielen etwas lernt oder aus Fernsehsendungen dann ja auch. Ob es so eine grosse Rolle spielt, was wir lernen? Ob es komplexer ist oder weniger? Oder ist es nur wichtig, dass wir was neues lernen und üben und besser darin werden?

Das zweite Buch ist: "Wollen wir ewig leben? Die Wellness-Epidemie, die Gewissheit des Todes und unsere Illusion von Kontrolle" nimmt die Gesundheitsbranche, Fitness- Achtsamkeitstrends und den damit verbundenen Irrglauben von der Kontrolle über die Gesundheit gnadenlos auseinander. Ich hab es heut angefangen und bin schon dreiviertel durch so interessant find ich die ganzen Ein- und Ansichten. Es geht um die Kontrolle über die eigene Gesundheit und die Lebenslänge. Die allerdings eine Illusion ist. Denn der Mensch dachte und Gott lachte.

Wusstet Ihr, dass es im Silicon Valley Menschen gibt, die ewig leben wollen? Ehrlich? Meint Ihr nicht, dass irgendwann mal gut ist? Und es nicht drauf ankommt wie lang man lebt, sondern wie intensiv? Was man erlebt? Denn was nützt es denn wenn man 1000 Jahre alt wird und sich nie lebendig gefühlt hat? Man wär dann auch ziemlich einsam, weil die Menschen, mit denen man aufgewachsen ist, gar nicht mehr da sind. Wenn alle so alt würden, dann würde das das Problem der Überpopulation ja noch verschärfen. Und welche Lebensqulität wär das dann noch? Hmmm...

Die länger und gesünder Lebensformeln, die man bisher erfolgreich vermarktet hat, waren übrigens bisher Flops. Naja, ausser für den, der daran verdient hat und damit reich geworden ist. Ob er damit zufrieden und gesund geblieben ist, sei mal dahingestellt. Da wird die Gesundheitsbewegung schon zur Religion oder damit vermischt. Und die Jünger folgen und geisseln sich mit Diäten, Jogging und Fitnesswahn. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Wenn ich jetzt ketzerisch die Frage stelle, was ist denn gesund? Bzw. was ist Gesundheit? Das ist doch auch etwas sehr individuelles und relatives. Denn ich hab zwar Autismus und CRPS, aber sonst geht's mir im Moment gut und ich bin ganz zufrieden. Ich hab mich an die Veränderungen (Fuss- und Handverrenkungen) gewöhnt und kann inzwischen einigermassen damit leben. Auch mit den Schmerzen. Ich hab es gelernt. Und es gehört zu meinem Leben und mir dazu. Eine Lebenserfahrung. Eine Lernerfahrung.

Wenn jeder die Welt anders wahrnimmt, dann hat doch auch jeder einen anderen physiologischen Status. Dann kann man sowieso nicht global für alle festlegen, was gesund ist. Das muss dann jeder für sich selber tun. Wenn ich im Moment zufrieden bin, dann ist's für mich gut.

Es liegt wohl auch daran, wie ich mit einer Situation umgehe. Wenn ich ausreichend Ressourcen, Workarounds (Umgehungslösungen), Ideen und kreative Energie und Humor habe mit der Situation umzugehen, dann bin ich nicht hilflos sondern kann aktiv die Verantwortung für mich übernehmen. Und dann hab ich Vertrauen in mich, meinen Körper und seine und meine Fähigkeiten. Das beruhigt und wirkt entspannend. Und das lindert wiederum die Dystonien und Muskelverspannungen und damit auch die Schmerzen. Ein sich-selbst-verstärkender Mechanismus. Wieder eine Rekursion. Cool!

Apropos lernen... ich bin heut einer Frau mit einem niedlichem Welpen begegnet (Hund). Der hat mich neugierig beschnuppert. Auch Hanni und Nanni. Die Frau sagte dann zu mir:"Das ist ein Welpe. Der lernt das zum ersten mal."
Wann habt Ihr zum letzten mal was zum allerersten mal gemacht?

Sonntag: Jetzt lern ich immer mehr Menschen kennen, die mich so akzeptieren wie ich bin. Zumindest zeitweise. Was diesen Menschen allen gemein (nein, gemein sind sie nicht.. im Gegenteil sehr offen und ehrlich im Umgang ) ist, dass sie sich scheinbar im selben physiologischen Modus wie ich befinden. Das wäre insofern auch logisch, wegen dem Prinzip der Reflexion. Das was man aussendet, bekommt man auch zurück. Bei allen fällt mir auf, dass sie an sich zweifeln. Und deshalb traurig sind. Sie gehen wie meine Mama bei mir, bei sich selbst und bei Ihrem Umfeld von Erwartungen aus, die andere und sie selbst aufgrund ihrer Art zu Sein, Ihrer Art die Welt wahrzunehmen, gar nicht erfüllen können. Nicht weil sie und ihre Mitmenschen es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können! Das ist ein grosser Unterschied!

Im an mir zweifeln bin ich ja auch sehr gut. Das kann man aber auch ein Vorteil sein, denn auch das macht flexibel nicht nur im Denken sondern auch im Sein. Denn so kann man sich immer wieder neu erfinden, indem man die Gelegenheiten und Möglichkeiten wahrnimmt, die sich einem bieten. So bin ich zum "Strickdesigner" und "Ehrenamtlichen" geworden. Und genauso bin ich auch in die Programmierung reingerutscht.

Ich hab gehört, dass es bei anderen Menschen so ist, dass sie schon als Kinder oder spätestens mit dem Schulabschluss wissen, was sie werden wollen. Ich hatte nicht den leisesten Schimmer. Denn ich war so sehr damit beschäftigt die Schule zu überleben und in der Restzeit mein autonomes Nervensystem mit der Bastelei an meiner Modelleisenbahn zu beruhigen und damit physisch zu überleben, dass mir sowas nie in den Sinn kam.

Denn ich muss im Moment leben. Die Vergangenheit vergess ich nämlich schnell. Das ist auch von Vorteil, denn wenn das Hirn ständig mit neuem Zeug (Input) befüllt wird, muss ja auch schneller was weg. Daher kommt ein deaktivierter Reizfilter auch mit einer hohen Vergesslichkeit daher.

Ich hab mich neulich mit einer anderen Autistin darüber amüsiert, dass sich viele Menschen darüber beschweren, dass wenn sie alt werden, ihr Gedächtnis nachlässt.
Ich:"Da beschweren sie sich, dass sie sich im Alter nix mehr merken können. Was sollen wir denn da sagen? Wir hamm des scho unser ganzes Leben lang!"

Sie hat gelacht. Denn ändern können wir es ja nicht. Das ist die Folge des übersensiblen Nervensystems mit deaktiviertem Reizfilter, mit dem wir geboren wurden. Klar, wenn ich mehr den präfronteralen Kortex beübe, dann gibt es inzwischen auch Zeiten, wo ich mir merken kann, was ich einkaufen wollte. Das ist bei mir trotzdem sehr selten. Dennoch freue ich mich über diese kleinen Highlights. Ansonsten dominiert bei mir die Zettelwirtschaft, ansonsten verlier ich Gedanken und den Überlblick. Ich hab wahrscheinlich inzwischen mehr vergessen, als manche in ihrem ganzen Leben gelernt haben... ;-)

Man schafft sich seine Workarounds. z.B. auf Arbeit schreib ich mir meine Aufgaben in Outlook-Tasks. Erstens weil ich die Zettel hinterher kaum noch entziffern kann (Dystoniehände sind nämlich sehr unvorteilhaft für das Schriftbild), zweitens, weil ich sie auch selten wiederfinde, wenn ich sie brauche. Und Merkzettel auf Arbeit schreib ich mir in meine Outlook-Notizen. In diesem System finde nur ich mich zurecht. Für andere mag mein System chaotisch und ohne Orndung erscheinen. Ich hab darin immer das gefunden, was ich gesucht habe.

Deshalb kann ich auch keinen Code aus dem Kopf programmieren. Dank intelllisense (das muss ein Programmierer erfunden haben, der mit einem ähnlich vergesslichen Gehirn ausgestattet ist) , ist dies aber auch gar nicht notwendig. Dinge, die ich ständig programmiere kann ich damit auch heruntertippen ohne gross nachzudenken. Ich brauche dafür aber auch genau die Entwicklungsumgebung, die ich gewohnt bin. An eine neue muss ich mich erst gewöhnen.

Ich gewöhne mich aber anscheinend deshalb schneller an neues, weil ich ja ständig mit kleinen Veränderungen zu tun habe, die ich überwinden muss. Sprich: schon wenn ich mal Urlaub habe und dann wieder zu arbeiten anfange, kostet mich das eine ungeheure Überwindung. Mir würde es am leichtesten fallen, wenn jeder Tag gleich verliefe. Mir ist jetzt erst klar geworden, was diese Überwindung konkret ist.

Es ist die Amygdala die Alarm schlägt. Vorsicht Veränderung! Meine schlägt da schon bei kleinsten Dingen Alarm. Weil sie übersensibel ist. Also im Prinzip ist das Angst. Und Angst plus ein Schritt ist Mut. D.h. jede dieser anstrengenden Überwindungen ist Angst plus ein Schritt. Ich kann den Zustand einer noch amoklaufenderen Amygdala nicht tolerieren (sonst gäb es mich nicht mehr lang), also greif ich intuitiv zu meinem natürlichen "Reflex", ich gehe der Gefahr entgegen und übernehme so die Kontrolle. D.h. ich bin sehr geübt darin dies zu tun, weil ich es ständig machen muss!

Emotionen muss ich übrigens über den präfronteralen Kortex aus der Reizflut aktiv herausfiltern. Deswegen tu ich mir schwer damit, Empfindungen zu beschreiben. Ich müsste ja wissen, worauf ich mich konzentrieren muss, damit ich das richtige erwische. Wenn ich das nun aber nicht weiss, weil Emotionen in diesem Reizfeuerwerk einfach untergehen, dann kann ich damit erklären, warum es für mich so schwer ist, auf die Frage zu antworten, wie es mir geht. Und die ehrlichste Antwort meinerseits darauf ist dann: Ich weiss es nicht. Und dazu steh ich inzwischen, seit ich weiss wie ich gestrickt bin. Kraus rechts und im Patentmuster ... ein kleiner Scherz .. :)

Andererseits brauche ich auch neue Reize, neues Wissen. Ich bin süchtig danach. Ich will lernen! Allerdings in verträglichen Dosen. Also schwanke ich immer zwischen Routine und Ritualen und neuem. Das tut übrigens jeder Mensch. Das ist ganz normal. Nur jeder hat aufgrund seiner individuellen Wahrnehmung eine individuelle Dosisverträglichkeit. Das macht es so fatal, sich mit anderen zu vergleichen. Denn jeder ist unvergleichlich!

Sprich, wenn man sich ständig überwinden muss (auch bei Kleinigkeiten, die anderen überhaupt keine Problem machen, z.B. weil ihnen dabei ihr sozialer Autopilot diese Arbeit abnimmt), dann ist man krisenerfahrener. Man ist es gewöhnt sich ständig überwinden zu müssen. Tu ich es nicht, dann wird meine Welt automatisch kleiner. Sie schrumpft. Dasselbe geschieht auch bei chronisch kranken Menschen oder älteren. Das ist derselbe Mechanismus.

Ihr seht, dass Ihr nicht seht, wieviel Anstrengung mich bestimmte Dinge kosten! Die vielen von Euch leicht von der Hand gehen, über die Ihr gar nicht nachdenken müsst! Mir war das aber auch nicht bewusst. Auch man selber versteht sich nicht. Und bekommt immer wieder zu hören: Warum kannst Du das denn nicht? Das frag ich mich ja selber. Deshalb auch die vielen Selbstzweifel. Ein Selbstwertgefühl kann dadurch nicht enstehen und auch keine Identität. Die entsteht ja eh durch das, was man tut. Das ist man dann nämlich auch irgendwann. Ehrenamtler, Comiczeichner, ITler, Strickdesigner, Blogger, Klugscheisserle :)

Und ergeht es Menschen, deren Welt aufgrund von Einschränkungen schrumpft nicht genauso? Sie verlieren Ihr Selbstwertgefühl. Ihr Vertrauen in die Welt.

Schrägerweise ist es bei mir grad umgekehrt. Also in der Zeit, wo andere da angekommen sind, an sich selbst zu zweifeln (weil sie sich meinem physiologischem Zustand und der Deaktivierung der Reizfilter nähern), fange ich an die ganzen falschen Schlussfolgerungen erst zu verstehen und mir dadurch erst sowas wie ein Selbstwertgefühl und Urvertrauen aufzubauen.

Falls sich jemand von Euch dafür interessiert: beides kommt zusammen. Langsam aber sicher. Immer wieder von Zweifeln durchzogen.

Deshalb fand ich in der Selbsthilfegruppe das erste mal Menschen, mit denen ich mich identifizieren konnte. Irgendwann aber kam es zum Bruch, weil ich merkte, irgendwas an mir ist DOCH! anders. Denn ich kann nicht in dieser Hilflosigkeit verharren. Wahrscheinlich, weil es mich dann wirklich nicht mehr lang gäbe. Vielleicht weil es schon immer ein Teil von mir war und ein Teil meiner Persönlichkeit ist. Vielleicht weil ich es daher einfach akzeptieren und diesen Teil mögen kann. Und über mich lachen kann.

Was mache ich denn anders? Ich mache einfach weiter. Ich suche nach Lösungen. Also nach Ressourcen und Wissen, dass mir den physiologischen Stress nimmt. Und er ist ja genau das Problem. Lindere ich den Stress, dann lindere ich auch meine Symptome. Ursache und Wirkung. Analytisches Denken. Präfronteraler Kortex.

Zuerst musste ich lernen, dass das Gesundheitssystem leider mit mir nicht besonders kompatibel ist. Denn Menschen wie ich kommen leider darin nicht vor. Da gibt es ja nur die Norm. Und zu der will und werde ich egal wie sehr ich mich anstrengen mag, nie gehören. Und ehrlicherweise muss man sagen, dass es sie schlicht und ergreifend gar nicht gibt. D.h. allen anderen, die jemals durch das Gesundheitssystem genudelt wurden, wird es auch so gehen. Sie werden aufgrund ihrer Selbstzweifel aber zunächst an sich anstatt am System zweifeln und mit sich und dem System hadern und im Zwist liegen.

Diese Phase hatte ich auch. Das ist vollkommen normal in einer nicht normalen Situation. Da ich es aber gewohnt bin, einfach weiterzumachen, bin ich schneller aus dieser Phase wieder herausgekommen. Bei mir hat es aber auch 1,5 Jahre gedauert, bis sich erste Erfolge zeigten. Ausserdem nimmt man sie in diesem Wahrnehmungsmodus auch gar nicht wahr.

Denn wenn die Amygdala Angst vor Jobverlust, Identitätsverlust (sodenn man denn eine hat), Zukunfstängste hat, dann kann man nichts neues lernen!

Mein Vorteil ist jedoch, dass ich sowieso nie eine Identität hatte bzw. mir dessen gar nicht bewußt war. Wenn man etwas noch nie hatte, dann kann man auch nicht mit dessen Verlust hadern. Auch ein Vorteil für mich. Und die Tatsache, dass ich die Dinge nun mal im Moment betrachte (weil mein Hirn mit den aktuellen Reizen schon ausgelastet ist) und mich darauf konzentrieren muss. D.h. der präfronterale Kortex ist mein bester Freund. Eben der Freund, der die Amygdala schwächt.

Im Endeffekt bin ich dann halt unbewußt in die mir vertrauten Ressourcen und Muster zurückgefallen. Und das sind genau die, die die Amygdala schwächen. Denn sonst hätt ich weder meine Kinderheit noch die Schulzeit überstanden.

D.h. genau das natürliche Verhalten, das mir immer wieder Konflikte mit dem sozialen Autopiloten der Umgebung einbringt, ist genau das, was mich aus der Situation wieder herausbringt. Ganz natürlich.

Ich war erstaunt zu lernen, wie anders das System und Vertreter desselben die Welt wahrnehmen als ich. Kein Wunder, dass sie andere Schlüsse ziehen. Leider die falschen.

Deshalb freu ich mich umso mehr, dass ich inzwischen (auch aufgrund der Veränderung meines physiologischen Modus in eine entspanntere Haltung wenigstens öfter), auch Vertreter dieses Systems treffe, die offen für andere Wahrnehmungen sind! Wahrscheinlich trifft man diese Menschen selten im Krankenhaus. Denn dort stehen sie selbst ja unter enormen Druck. Also befinden sie sich eben auch in diesem physiologischen kommunikationsdysfunktionalem Modus und sind mit den Patienten, die im selben Modus sind, daher nicht kompatibel.

Man muss dazu sagen, dass ein Krankenhaus ja nicht nur für die Patienten ein wahres Reizbombardement darstellt sondern auch für die Mitarbeiter. Kein Wunder, dass viele nach den anfänglichen Jahren des Enthusiasmus den Beruf wieder verlassen. Ich war ja auch froh aus dem Krankenhaus wieder rauszukommen.

Ich traf auf diese Menschen ausserhalb dieser Stress-Situationen. Auf dem Schmerzkongress. Ich habe sie angeschrieben. Und die offenen haben geantwortet und sind daran interessiert, wie es bei mir weitergeht. Weil sie auch nur daraus etwas lernen können! Wenn Patienten nach einem Eingriff verschwinden und sich um die weitere Behandlung jemand anderes kümmern muss (der sich dann dafür gar nicht zuständig fühlt, weil er es ja nicht gemacht hat), dann kann der Behandler ja auch gar nichts lernen! Denn er sieht die Patienten danach ja nie wieder.

Und wenn ich Menschen anschreibe, die selbst im Stress sind und aufgrund meines physiologischen Status sehr hartnäckig, besserwisserisch und in fremden Fachgebieten zu wildern scheine, fühlt sich so mancher in seiner Autorität bedroht und sieht meine Anfragen als Angriff und droht mir dann auch schon mal mit juristischen Konsequenzen.

Hier fühlt sich das Gegenüber von mir herabgesetzt. Dabei hab ich das gar nicht gemacht. Das geschieht weil in von mir getätigten Sachaussagen, Dinge hineininterpretiert werden (von wunden Punkten des Empfängers also aus seinen Gefühlen), die ich so nie gesagt habe und auch so nicht gemeint habe.

Aber ich bin doch für mich und meine Art der Wahrnehmung und meine Art des Seins der Spezialist! Und niemand sonst!
Inzwischen hab ich ein paar Menschen gefunden auch Fachleute, die auf mich hören und mir glauben.

Und genau das ist wichtig! Denn wenn das Gegenüber an einem zweifelt, dann tut man es auch irgendwann selbst. Heilungsfördernd ist das nicht. Denn genau das ist Brennstoff für die Amygdala. Der Selbstzweifel und die Enttauml;uschungen, das Sich nicht verstanden fühlen , zerfrisst nicht nur das Selbstbewusstsein sondern auch den Körper, weil sie die Amygdala befeuert.

Wenn man sich gesunde zufriedene entspannte Patienten wünscht, dann muss man erstmal selbst gesund zufrieden und entspannt sein. Die eigenen Gefühle (vom Mitgefühl mal abgesehen) sollten professionell aussen vor gelassen werden. Nur ist das alles andere als einfach Und unter den aktuellen Arbeitsbedingungen eines immer komplexeren, anspruchsvolleren Lebens und dem Sparzwang (koste es, was es wolle, auf Kosten der Gesundheit von Mitarbeitern und Patienten oder Kunden) ist das schlicht und ergreifend sehr sehr schwer.

Dafür müsste man sich bewusst machen, dass der andere nicht mit Absicht handelt. Drüber stehen. Das ist nicht einfach. Vielleicht ist aber genau das die Herausforderung, in der wir als Gesellschaft stehen. Andere anzunehmen so wie sie sind und sie genau deswegen zu schätzen. Ihre und unsere Stärken zu sehen, zu fördern, zu ermutigen und die unterschiedlichen Arten der Wahrnehmung zu nutzen, um Probleme zu lösen!

Also ich seh das so und versuch es auf meine Weise anzugehen. Ich tu was ich immer getan hab. Ich tu, was ich kann so gut wie ich kann. Und ich bin davon überzeugt, dass das bei jedem Menschen so ist. Und dass Konflikte einfach Missverständnisse in der Kommunikation oder aus dem Fehlen der HIntergrundinformationen bestehen. Macht man sich das klar, dann ist hier eine grosse Chance, die Dinge zu verbessern.

Man kann ein heilsames und gesundes Umfeld für sich und andere schaffen. Mit positiven Effekten für alle. Wir dürften wieder gesünder werden. Und aus meiner Sicht, scheint das auch grade bei mir zu funktionieren.

Klar, vor Rückschlägen bin ich nicht gefeit. Aber wenn ich jeden Rückschlag als Herausforderung und Lernerfahrung sehen kann und in diesem Moment auch so wahrnehme, dann nehm ich ihm auch seinen Schrecken, kann ruhiger bleiben und damit entspannter und finde so auch leichter eine Lösung. Ursache und Wirkung. Und wenn ich entspannter in der Krise bin, dann kann ich in diesem Moment sogar aus einer scheinbar "schlechten" Situation etwas lernen.

Im Endeffekt kann man aus jeder Situation etwas lernen. Alles hat mehrere Seiten und damit Perspektiven. Nehm ich z.B. meinen Schnupfen mal als bewusste Erfahrung herauszufinden, wie mein autonomes Nervensystem funktioniert und reagiert, nehme bewusst die Muskelanspannung wahr, dann lerne ich etwas neues. Und das ist spannend. Sprich: wenn man sich auf die Ebene des Wissenschaftlers begibt , beobachtet ohne zu Werten, Dinge einfach mal ausprobiert (Bauchgefühl) gewinnt man lehrreiche Erfahrungen für alle Lebenslagen. Das ist doch cool.

Also ja, ich bin anders! Und Ihr seid es auch! Und wenn wir unsere Stärken und Sichtweisen kombinieren und uns zusammen tun, dann können wir alle über uns hinauswachsen und Probleme lösen, die heute noch für unlösbar gehalten werden. Einige werden sich sogar ganz von allein erledigen. Davon bin ich überzeugt. Weil dann die Puzzleteile an ihren Platz fallen. Das hab ich schon bei Strickmustern erlebt, wie ich sie entworfen habe, beim Zeichnen von Comics, beim Programmieren. Das ist vielleicht cool.

Was übrigens noch eine Spur schräger ist.. ich finde in den Unterschieden dann mit Menschen Gemeinsamkeiten. Wie im Beispiel mit der Farbenblindheit und der Gesichtsblindheit. Es ist alles im Leben nur eine Sache der Perspektive :)

Deswegen möchte ich Euch alle bitten, wenn Ihr traurig, verzweifelt, hilflos und ängstlich seid, dann schaut auf die Dinge, die Ihr könnt, die Ihr erreicht habt! Übrigens stärkt Ihr damit auch den präfronteralen Kortex :) Seid dankbar für die Dinge, die Ihr im Moment wahrnehmt, habt. Ihr seid satt, Ihr sitzt im Warmen, Ihr habt Menschen, die zu Euch halten, Ihr habt Möglichkeiten! Seid im Hier und Jetzt. Nehmt Euch so an und wahr wie Ihr seid. Denn nur das ist echt, authentisch und wirklich.

Damit ermutigt Ihr Euch. Dankt anderen auch für Dinge, die Ihr für selbstverständlich haltet, denn sie sind es nicht! Dann ermutigt Ihr auch Euer Umfeld und die Menschen werden in Eurer Nähe entspannter werden und wieder mehr und gern Zeit mit Euch verbringen. Ihr seid nicht hilflos! Ihr seid Euch nur Eurer Ressourcen nicht bewusst und im Augenblick noch blind für die Möglichkeiten. Und wenn Euch jemand irritiert, weil er anders reagiert, als Ihr es erwartet, dann werdet Euch bewusst, dass das Eure Amygdala ist, die da anspringt. Bedenkt dass jeder Mensch für sein Handeln immer einen verdammt guten Grund hat. Und dass Ihr ihn einfach nicht kennt. Also so wie in der Juristerei, geht immer von der Unschuldsvermutung aus :)

Dass derjenige das nicht mit Absicht tut. Und dass das, was dieser Mensch sagt, immer nur etwas mit sich selbst zu tun hat und nicht mit Euch! Wenn Ihr zuhört was ein Mensch sagt und WIE er es sagt, dann lernt Ihr daraus wie er sich sieht und wie er sich behandelt. Sprich: jemand, der schlecht über andere spricht, hält auch von sich selbst nicht viel. Dieser Mensch braucht jemanden, der ihm zuhört, der ihn ernst nimmt, der ihm glaubt und niemanden, der die Sachaussage auf sich selbst bezieht und dann zum Angriff übergeht.

Ich hab neulich im VAG-TV den Spruch gelesen:"Umarme mich, wenn ich es am wenigsten verdiene. Denn dann brauche ich es am meisten."
Das heisst, wenn jemand Euch von sich wegstößt (wie es neulich mir auch passiert ist), dann geschieht dies unbewusst. Weil das Nervensystem eine Situation nicht ertragen kann. z.B. weil es zu laut ist, zu intensiv riecht .... Das hat rein gar nichts mit Euch zu tun!

Nur ein Beispiel von mir: Wenn es mir schlecht geht, das heisst z.B. wenn ein Wetterumschwung da ist und die Muskelanspannungen und damit die Schmerzen und auch die Nervenkrämpfe und damit die Dystonien zunehmen, dann bin ich eh schon total überreizt. Das heisst mein Körper kann keinen weiteren Zusatzreiz mehr ertragen.

Will mich dann jemand trösten und will mich umarmen, ist das genau das, was ich in diesem Moment am allerwenigsten gebrauchen kann! Denn diese Umarmung ist eine Berührung und somit ein weiterer Zusatzreiz. Macht Ihr das trotzdem unangekündigt, wie es mir auf Reha eine Frau mit einer Umarmung und Streicheln am Arm - OHNE jede Vorankündigung! - angedeihen lassen wollte, dann werde ich fluchtartig den Raum verlassen.

Fragt mich, ob ich eine Umarmung möchte und fragt mich wo und wieviel Druck Ihr ausüben müsst, dann ist uns beiden geholfen. Wenn ich mich dagegen verwehre, dann nehmt es nicht persönlich (ich weiss ja Eure Amygdala - soziale Isolations-Angst -springt an), denn es hat rein gar nichts mit Euch und Euren Gefühlen zu tun, sondern rein mit meinem Nervensystem.

Ich kann dann wirklich keine weitere Berührung (noch einen Reiz, der auf mein Gehirn einströmt zu der bereits vorhandenen Reizflut) vertragen. Im Gegenteil Ihr würdet damit meinen Schmerz nicht lindern sondern durch den Zusatzreiz mein Gehirn weiter überfordern und die Schmerzen und Dystonien damit sogar nich verstärken!!!

Reagiert jemand mit Abwehr auf solch ein normalerweise tröstendes Verhalten (für meinen Kontext ist dies allerdings das Gegenteil von tröstlich und beruhigend und genau DAS ist für mich und meine Art zu sein und meine Art der Wahrnehmung normal!),wird dieses Verhalten nach dem Masstäben eines Menschen beurteilt, der einen aktivierten Reizfilter hat bzw. der das Verhalten des sozialen Autopiloten erwartet, ist dies verheerend!

Ihr könnt dann z. B. die Diagnose Borderlinestörung oder eine Persönlichkeitsstörung bekommen. Damit ist die Welt der Menschen, die über einen sozialen Autopiloten verfügen, wieder in Ordnung. Im Umgang mit Euch werden sie dann jedoch noch unsicherer. Das spüren übererregte Nervensysteme übrigens umso mehr. Wir haben feine Sensoren.

Eure Welt gerät damit dann erst recht aus den Fugen. Denn erstens ist Euch dieses Abwehr der Umarmungverhalten gar nicht mehr bewusst, das habt Ihr längst vergessen, ausserdem ist es für Euch ja genau richtig in diesem Moment so zu handeln, zweitens ist die Schlussfolgerung komplett falsch. Weil der andere Euer Verhalten aus seiner Art der Wahrnehmung interpretiert. Dass die mit Eurer Art der Wahrnehmung kaum etwas zu tun hat, weiss der andere nicht. Keiner weiss von der komplett anderen Wahrnehmungswelt des anderen. Des is fei a ned grod as gsündeste.

D.h. Ihr fühlt Euch jetzt komplett unverstanden und versteht überhaupt nicht, was Ihr falsch gemacht habt. Ihr ward ja genauso wie immer. Geschweige denn, dass etwas, was Ihr getan habt, fehlinterpretiert worden ist.

Das bedeutet noch mehr Stress, Misstrauen (weil Ihr die Welt nicht mehr versteht). Die Gegenseite versteht Euch auch nicht, misstraut Euch, obwohl Ihr Euch alle Mühe gegeben habt, alles richtig zu machen. Es entsteht Hilflosigkeit, Angst, Stress auf beiden Seiten. Es schaukelt sich hoch. Und wenn Ihr über diese Unterschiede in der Wahrnehmung nichts wisst, dann könnt Ihr das Missverständnis natürlich auch nicht aufklären.

Des is fei a ned grod as gsündeste. Deshalb möchte ich darüber aufklären, dass Ihr nicht von Eurer Wahrnehmung der Welt auf die anderer schliessen könnt! Dazu müsstet Ihr der andere sein.

Da der andere das Verhalten des anderen ebensowenig interpretieren kann, weil es genausowenig Sinn für ihn ergibt, kann er es auch gar nicht aufklären oder erklären. Deshalb macht es Sinn einfach davon auszugehen, dass der andere für sein Handeln einen guten Grund hat! Und man den einfach nicht kennt. Also sich einfach bewusst zu machen, dass er es nicht mit Absicht tut. Und dass das Handeln und Verhalten einen ganz einfachen , komplett anderen Grund hat. Und nichts mit einem selbst zu tun hat.

Das wird schon. Aber nicht von allein. Wenn Ihr die Verantwortung und das Handeln übernehmt, dann verändert Ihr alles! Alles um Euch herum wird leichter, weil die Widerstände wegfallen und damit die Reibungsverluste :)

Ich hoffe, mit einem kleinen Ausflug in meine Welt der Wahrnehmung kann ich Euch vermitteln, wo die Problematik liegt. Genausowenig wie ich davon ausgehen darf, dass Ihr alles wisst, was ich weiss (das passiert mir immer wieder), könnt Ihr davon ausgehen, dass jemand, der sich nicht so verhält wie Euer sozialer Autopilot es erwartet, dies mit Absicht tut und Euch ärgern und böses will.

Würde man sich dessen immer bewusst sein (okay, auch meine Amygdala feuert schon mal ohne dass mein präfronteraler Kortex dazwischengehen kann, ausserdem brauch ich um Situationen zu verarbeiten, oft Stunden, Tage oder wie im Fall des CRPS Jahre! Solange wartet leider kein Gegenüber auf meine Reaktion. Das kann ich auch nicht erwarten.), dann könnte sich jeder Stress ersparen und es würden viele Konflikte vermieden. Die Welt wäre friedlicher. Das wär doch schön.

Denn was sind die aktuellen Entwicklungen denn sonst, als Angst, die die Kontrolle über das Leben übernommen hat? Helikoptereltern haben Angst, dass Ihre Kinder irgendwo zu kurz kommen und den Anschluss verpassen. Nachrichtensendungen, Twitter .... leben von der Sensationsgier und schüren die Angst. Der soziale Autopilot, der auf ständige Belohnung beim Blick auf Handy und Likes aus ist, hat Angst vor sozialer Ablehnung. Und Angst spannt die Muskeln an, macht vergesslich, Denken und Lernen unmöglich und führt zu dysfunktionaler Kommunikation.

Aus Angst handelt man nicht, sondern will sich erstmal 100 x versichern wirklich das richtige zu tun. Deswegen haben wohl auch Versicherungen für Dinge, die ich noch nicht mal habe und auch nicht einsehe zu brauchen, Hochkonjunktur. In der Zeit hätte man es aber durch einfaches ausprobieren schon herausgefunden.

Es verdienen viele mit der Angst. Das Gesundheitssystem verdient mit der Angst vor Krankheit und Tod. Beides ist an und für sich ein natürlicher Vorgang. Nachhilfeanbieter mit der Angst, dass die Kinder den Anschluss verpassen. Angst vor Einbrüchen lä&zligt;t die Sicherheitsdienste florieren.

Weil wir alles schon haben, muss auch immer was neues erfunden werden. z.B. Wasch- und Reinigungsmittel haben die Angst vor Keimen längst aufgegriffen. D.h. auch andere Branchen profitieren vor der Angst vor Krankheiten. Nicht nur der Gesundheitssektor.

Die Angst ist ein lohnendes Geschäft.... Ist am Ende die Angst die größte Wirtschaftskraft? Angst ist ja auch mein Treibstoff... die Emotion halt. Aber auch Trauer und Freude sind Treibstoff. Nicht nur die Angst.

Und dann gibt es dann noch die Zufriedenheit. Aber wer zufrieden ist, konsumiert ja nichts. Der hat ja alles, was er braucht und ist damit zufrieden. Solche Menschen sind mit dem aktuellen Wirtschaftssystem nicht kompatibel.

Wo kommt die Freude in der Konsumwirtschaft vor? Als Erstzbefriedigung zur Beruhigung des Nervensystems. Allerdings ist das keine echte Freude. Denn sie is nur von kurzer Dauer. Von echten freudigen Momenten kann man auch in Krisen zehren. Dadurch kann man echte Freude von Ersatzfreude unterscheiden.

Und wo die Trauer? Die wurde in das Gesundheitssystem verschoben und findet sich in der DSM wieder... Sie wurde inzwischen zur Trauerstörung deklariert.

Ist die Konsumgesellschaft dann Angstlastig? Leiden wir alle an einer Überdosis an Ängstlichkeit? Obwohl wir doch in verhältnismäßig guten Zeiten leben? Warum? Und ist es nicht möglich uns aus dieser Umklammerung der Angst zu befreien und einfach aus den gegebenen Möglichkeiten und denen, die sich bieten, das beste zu machen?

Haben wir verlernt Krisen zu bewältigen? Mir scheint es fast so. Denn echte Lösungen und neue Ideen, Kreativität sind selten geworden. Treibt man nicht in immer kürzeren Abständen wieder dieselbe Sau durch's das Dorf? Was hat die arme Sau damit zu tun?

Sprich, wenn ich versuche dasselbe Problem immer wieder auf die gleiche Art und Weise zu lösen, wie schon meine Vorgänger und es dadurch nicht gelöst werden konnte, dann wird es doch jetzt nur weil ich es damit probiere auch nicht funktionieren. Es sei denn ich hab einen neuen Denkansatz. Einer Weiterentwicklung derselbigen. Eine neue Perspektive. Die bekomme ich dadurch, dass ich andere Sichtweisen in die bisher bekannten integriere. Das ist ein Lernprozess.

Ansonsten renne ich immer wieder gegen dieselbe Wand... und wundere mich dann über das Kopfweh. Das versteh ich wiederum nicht aus meiner Perspektive.

Warum läuft es dann derzeit so? Also warum lähmt sich die Gesellschaft? Weil sie vor Angst gelähmt ist. An die Angst hat man sich inzischen gewöhnt. Man nimmt sie gar nicht mehr als solche wahr. Im Amygdalamodus kann man sich ja nicht konzentrieren. Und damit kann man die Angst auch gar nicht als solche wahrnehmen. Das geht nicht.

Denn das ist Euch dann wie mir physiologisch auch nicht mehr möglich. Ein Symptom der Angst ist, dass man sich gegen jede Veränderung wehrt. Sie lähmt und macht handlungsunfähig. Ist nicht das, was derzeit an vielen Orten spürbar ist?

Warum schmeissen wir also nicht unsere unterschiedlichen Perspektiven zusammen? Treffen uns auf neutralem Boden und reden miteinander offen über die Probleme, die uns umtreiben, teilen unsere Sicht mit den anderen und finden so gemeinsam neue Lösungen?

Die Antwort ist einfach: wenn die Amygdala das Sagen hat, dann ist man nicht offen für die Sichtweisen anderer. Denn unsere Amygdala interpretiert diese anderen Meinungen als Angriff, egal wie gut gemeint die Meinungen der Andersdenkenden auch sind.

D.h. im Umkehrschluss alle die neue Lösungen für alte Probleme wollen, müssen sich zuerst selbst aus Ihrer Angst-Erstarrung lösen. Erst muss die Amygdala gebändigt werden, dann wird man offen und kann sich mit anderen an einen Tisch setzen. Denn nur im Modus der Entspannung sind Ideen, Kreativität zuhause. Sie kommen dann ganz von alleine. Man kann sie nicht erwingen. Alles eine Folge von Ursache und Wirkung. Physiologisch vollkommen logisch.

Physikalisch auch. Denn nimmt man die Reibung heraus (Anspannung durch die Angst, Reibungsverluste durch Lähmung, Verharren in festen Positionen), dann reduziert man den Energieaufwand erheblich. Weniger Reibung weniger Reibungsverluste. Es bleibt also mehr Energie für die Lösungsfindung. Die Energie verpufft nicht im Verharren und Festhalten an fixen Positionen. Sie zeichnet sich aus durch eine Flexibiltät im Denken. Diese kann man aber nur im Zustand er Entspannung erreichen.

Okay. Das war jetzt mein Wort zum Sonntag :) Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinem Ausflug in meine Welt etwas "Erhellen" und ich hoffe, dies führte nicht gleich zu einer Reizüberflutung. ;-)

Montag: Die Sternsinger waren gestern da. Begleitet von ihren Helikoptereltern ;-) Was wieder meine Amygdalahypothese stützen dürfte.

Andererseits kann ich auch nachvollziehen, dass die Sternsinger etwaig auf Menschen treffen, deren Amygdala ihr klingeln als letzten Reiz und ungewollte und unerträgliche Nähe und Eindringen interpretiert und entsprechend mit Ablehnung oder gar Aggression reagiert. Dann sollte man es halt gar nicht soweit kommen lassen und nicht aufmachen oder die Klingel abstellen.

Psychologie ist doch ein künstliches theoretisches Konstrukt zur Erklärung des menschlichen Verhaltens aus der Wahrnehmung von Psychologen, oder? Jeder Psychologe hat jedoch wie jeder andere Mensch, seine eigenen höchst persönliche Wahrnehmung. Seine Art zu Sein. Und auch die verändert sich im Laufe seines Lebens. Denn sie verändert sich mit dem physiologischen Status. Und da in unserer derzeitigen Gesellschaftsform die Reize immer weiter zunehmen, das Leben immer komplexer wird, steigt auch der physiologische Stress-Status.

Wahrscheinlich ist Psychologie im Prinzip dasselbe, was ich mit meiner Theorie vom physiologischem Status und damit der individuellen veränderbaren Wahrnehmung erreichen möchte. Die Welt und vor allem die Menschen und Ihr Handeln zu verstehen und so Ordnung in das scheinbare Chaos der Welt zu bekommen. Denn versteh ich wie Dinge funktionieren oder denke es zumindest, dann beruhigt dies die Amygdala.

Aus diesem Grund widmen sich Autisten auch ihren Spezialinteressen. Wissen beruhigt. Und dieses Wissen über die Welt hat für den jeweiligen Menschen ja auch einen konkreten Grund. Mag das Interesse für Aussenstehend auch noch so seltsam erscheinen. Würde er den Grund kennen, wäre es vollkommen logisch.

Im Endeffekt ist dieser Trend auch bei der Masse der Menschen zu sehen. Guckt doch mal in die Buchläden? Oder guckt Euch an, welche Zeitschriften oder Fernsehsendungen auf dem Vormarsch sind? Die Welt ist gierig nach Wissen geworden. Philosophie, Psychologie, Führungsratgeber, Wirtschaftsratgeber... Gab es jemals soviele Menschen, die in so kurzer Zeit soviel Wissen verbulemisiert haben? Jeder gibt seine eigene Erfahrung zum Besten und empfiehlt sie dann an andere weiter. Im Endeffekt macht es die Medizin und die Psychologie ja auch so. Und sie verdienen dann alle mit Kursen bzw. kleinen Lehrveranstaltungen im Frontalunterricht damit recht gut. Wobei jeder meint den Stein der Weisen gefunden zu haben.

Er begeht dabei nur einen Fehler: das ist sein Weg! Sein Weg, den er persönlich mit dem Umgang mit seiner einzigartigen Wahrnehmung gefunden hat. Nur der funktioniert natürlich für jemand anderen nicht! Physiologisch logisch, weil jeder Mensch anders ist. Man kann sich zwar Anregungen von anderen über solche Bücher, Therapien und Co holen, aber seinen eigenen Weg muss jeder Mensch selber finden!

Warum? Weil es für und zu einem selbst passen muss! Und das ist ein Prozess des Fühlens, des Erlebens, der Emotionen. Also schlicht und ergreifend ein Lernprozess. Etwas ganz natürliches. Das ist ja genau der Grund, warum Frontalunterricht nicht funkioniert. Nur wenn die Amygdala auf Anschlag läuft, dann kann man nichts lernen! Das gilt nicht nur für autistische Kinder im Klassenzimmer, die von den Reizen, die ihre Mitschüler aussenden und von der Umgebung des Klassenzimmers überfordert sind, sondern auch f&uumL;r jeden einzelnen Menschen in seinen Lebenslagen.

Auch für den Angestellten im Grossraumbüro. Auch für den CEO, der jeden Tag um die Welt fliegt. Denn auch die Vielfliegerei ist Stress. Denn man sitzt ja die ganze Zeit. Man bewegt sich nicht. Gift für die Amygdala. Wir sind nun mal nicht für das Sitzen geboren. Sondern für die Bewegung.

Daher bekommt man auch im Flugzeug Thrombosen. Gibt es an Bord von Flugzeugen auch mehr Herzinfarkte als im Durchschnitt? Verwundern würde es mich nicht. Denn wenn die Amygdala sich nicht natürlich z.B. durch Bewegung beruhigen kann und wir ihre Hilfeschreie nicht mehr hören und ignorieren, dann muss es ja den Lautstärkeregler noch weiter aufdrehen.

Vielleicht hab ich deswegen eine Abneigung gegen Reisebusse. Da sitzt man sehr eng und recht bewegungsunfähig. Ich fahr lieber Zug, da hab ich mehr Bewegungsfreiheit. Und dort kann ich mich auch weiter bewegen. Zum Klo oder zum Bistro. Wobei ich das Bistro bisher gemieden habe. Ich habe mich noch nicht getraut. Ich hätte viel zuviel Angst, dass dann mein Platz weg ist.

Belegt von einer anderen überreizten Amygdala, die sehr stur darauf beharren könnte, dass der Platz ja frei war, auch wenn ich ihn sicherheitshalber reserviert habe. Meine Eltern haben mal ne Zugfahrt nach Oberstdorf gewonnen. Das war schon in den 80igern. Hinwärts saßen wir einträchtig zusammen. Heimwärts kam uns eine solche Amygdala in die Quere. Und wir mussten getrennt reisen. Der Hinweis, dass meine Schwester ja eine Behinderung hat und wir aufgrund dessen gerne zusammensitzen würden, spielte für die übererregte Amygdala keine Rolle.

Das kenn ich auch von mir. Da ist bereits der Point of no return erreicht. Und es ist oft so, dass diese aktuelle Situation, in der der Konflikt eskaliert gar nicht der wirkliche Grund des Ausbruchs ist. Hier schwelte innerlich bereits eine lang unterdrückte Unzufriedenheit vor sich hin, der man sich jedoch nicht bewusst ist, die dann beim letzten Tropfen (einer Nichtigkeit, nicht der Rede wert) eskaliert.

Ist es soweit gekommen, kann man sagen was man will, es wird immer als Angriff interpretiert. Besser ist es dann nachzugeben und selbst nach einer anderen Lösung zu suchen. Es gibt immer Alternativen.

Meine Mama und meine Schwester durften dann in die 1. Klasse umziehen, da dieser Eklat auch dem Zugpersonal sehr peinlich war. D.h. es wurde eine kreative Lösung gefunden. Ein Upgrade.

Leider wissen übererregte Nervensystem das dann nicht unbedingt zu schätzen. Also Mama war schon dankbar und freute sich , über diese Lösung. Es war allerdings ein Kompromiss, weil wir getrennt wurden. Diese Trennung, die Sturheit des anderen Nervensystems - also das Negative - vermieste Ihr die Freude an der 1. Klasse.

Anstatt sich also auf das positive zu konzentrieren und die Annehmlichkeiten der 1. Klasse zu geniessen, zerfrass sie dass wir nicht zusammensitzen konnten und so verdarb sie sich die Freude. Und meiner Schwester dann wohl auch. Denn ein Nervensystem wirkt sich dann ja auf die restliche Familie (Gruppe) aus. Auch hier reagierte die Amygdala. Und noch schlimmer, da emotional bedingte (z.B. als schmerzhaft erlebte , aber auch freudige, allerdings sieht eine übererregte Amygdala stets das vermeintlich schlechte und nicht das gute der Situation) Erfahrungen unsere Erinnerungen prägen.

Nimmt man die Welt also aus der Wahrnehmung eines überwiegend übererregten Nervensystems wahr, dann sieht man sie mit einer schwarzen Brille. Obwohl es auch helle Momente gibt. Nur ist man blind dafür.

D.h. im Prinzip machen Psychologen und Ärzte nix anderes als Autisten. Sie versuchen die Welt und die Menschen mit Wissen zu verstehen und zu erklären. Und versuchen den Menschen mit diesem Wissen zu helfen. Nur die Motivation die Welt zu verstehen um am Leben zu bleiben, ist bei Autisten höher. Das heisst sie lernen aus intrinsischer Motivation. Die hat(te) bestimmt auch mal jeder Arzt und Psychologe. Denn nur aus eigenem Interesse wird man (hoffentlich) einen Beruf ergreifen. Deshalb bin ich in der IT gelandet. Weil ich keine Ahnung davon hatte, aber lernen wollte, wie es funktioniert. Es hat mich interessiert.

So war es auch bei CRPS. Denn inzwischen verstehe ich, dass es allen Menschen um mich rum so geht. Auch in ihnen tobt ein ständiges Auf-und Ab zwischen physiologischer Entspannung und Anspannung. Leider scheint heutzutage die Anspannung zu überwiegen mit allen daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen.

Wäre aber auch logisch vor dem Hintergrund, dass dieses Verhalten ja ursprünglich einer vollkommen anderen Lebenssituation, Umwelt entspringt. Wir hatten natürliche Feinde. Es war normal, dass wir fliehen, kämpfen und Krisen überstehen mussten.

Mittlerweile leben wir in westlichen Ländern in den seither friedlichsten Zeiten. Wir haben keine äußere Bedrohung mehr. D.h. dieses einst natürliche Auf- und Ab fällt weg.

Ausser man ist Autist, chronisch Krank oder im fortgeschrittenen Alter dann befindet sich die Amygdala in einer Art Daueranspannung.

Wahrscheinlich ist dies mit der Situation der Keimfreiheit zu vergleichen. Früher (und das tu ich auch noch heute) aß man als Kind halt Sand, Erde und probierte auch mal wie Gras oder anderes schmeckt. Ich war nie sauber. Und ehrlicherweise gelingt mir dies aufgrund der Dystonie und des Tremors des CRPS auch heute noch öfter nicht. Was soll's? Was ist das Problem? Ist das nicht menschlich? Und auch auf eine gewisse Art und Weise natürlich?
Das Stossgebet meiner Mama:"Ich kann Dir anziehen was ich mag, Du bist immer dreckig." mag dies noch veranschaulichen.

Heute werden die Hände der kleinen mit keimvernichtenden Seifen, die Kleidung mit keimvernichtenden Waschmittel gewaschen. Die Folgen sind ein Immunsystem, das keinerlei Übung in seiner natürlichen Verhaltensweise bekommt. Denn es kommt ja gar nicht dazu Keime abzuwehren, wenn es sie nicht gibt.

D.h. ein an und für sich natürlicher Prozess (instinktives Feuern der Amygdala bei Bedrohung) hat sich heute verselbständigt und wird uns heute im ganz normalen friedlichen Umgang miteinander zum Verhängnis. Des is fei a ned grod as gsündeste!

Nachtrag zu dem Buch, dass das TV-Programm und PC-Spiele immer anspruchsvoller, weil komplexer werden... Ich glaube er hat recht. Denn komplexere Zusammenhänge kann man ja erst lernen, wenn man einfachere verstanden hat. D.h. auf eine komplexere Ebene kommt man also, wenn man MEHR gelernt hat. Und wenn man mehr lernt, dann bildet man auch engere neuronale Verknüpfungen aus.

Es ist dann so wie ich es mal in einem Buch lesen durfte. Das hab ich damals nämlich nicht verstanden, dass einige Menschen meinen GEdankengängen nicht folgen können. Warum? Sie sind noch nicht soweit.

Ein Mensch, der nur Punkte kennt, und noch nicht soweit ist, zwei Punkte zu einer Linie zu verbinden, kennt noch keine Linien. Daher kann man sich mit einem Menschen, der nur Punkte kennt, auch nicht über Linien unterhalten. Ein Mensch der Punkte, Linien und Formen kennt, mit dem kann ich mich sowohl über Punkte, Linien als auch Formen unterhalten. Aber wenn ich selber es nur bis zu den Linien gebracht habe , dann kann ich mich noch nicht mit ihm über Formen unterhalten. Logisch.

Sprich man kann keinen Lernschritt überspringen. Man muss erst die vorigen Schritte verstanden und somit gelernt haben. Der Wissensstand muss vorhanden sein. So baut ja auch der Lehrstoff in der Schule auf. Trotzdem konnt ich nicht viel damit anfangen, weil er mich nicht interessiert hat. Ich wusste nicht wozu ich das brauche.

Und seit ich Fachinformatiker bin, hab ich auch bisher keine Verwendung für die Wahrscheinlichkeitsrechnung (es gibt ja random-Funktionen) gehabt, die ich im Gymnasium erlernen durfte und über die ich sogar meine Facharbeit geschrieben habe, dafür habe ich schon oft den Dreisatz, den man leider im Gymnasium damals (ist das heute noch so?) nicht gelernt hat, gebraucht.

Den konnte ich mir dann aber ohne Mühe aneignen, weil es logisch war und ich einen Grund (intrinsische Motivation) und Zweck dafür gesehen habe.

So ging es übrigens auch meiner Physiotherapeutin. Sie hat sich für Physik in der Schule nicht interessiert. Weil sie auch nicht wusste, was sie damit sollte. Der Zweck fehlte.

Als sie dann die Umschulung zur Physiotherapeutin machte, sah sie aber den Zweck von Physik. z.B. bei der Bewegungstherapie im Wasser, dort spiele physikalische Gesetze eine grosse Rolle. Und sie begriff es und lernte es. Weil es sie interessierte!

Sprich: ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch alles lernen kann. Er muss nur ein Interesse dafür haben. Einen Zweck. Und dann muss man auch das ganze nicht unbedingt formal studieren oder in einem Lehrberuf nach den gesetzlichen und bürokratischen Vorschriften und Regelungen studieren. Sondern er kann sich das Wissen selber erschliessen. Natürliches lernen durch das Tun.

Nichts anderes habe ich ja schon als Strickdesigner, Blogger und Besserwisser (;-) gezeigt. Das ist nichts anderes als autodidaktisches Lernen. Und hier liegt meiner Meinung nach die Zukunft.

Denn wenn die Menschen intelligenter werden (es aber durch die immer überemfpindliche Amygdala nicht zeigen können), dann brauchen sie Umgebungen, die besser auf sie als einzelnen zurechtgeschnitten sind. Die gibt es nicht von der Stange.

Die muss man sich selber basteln. Andererseits beruhigen sie mit diesen Tätigkeiten, mit dem Lernen ihre Amygdala. Daher glaub ich auch, dass die Menschen sich zukünftig nicht mit einem Beruf zufriedengeben, sondern mehreren Interessen (abwechselnd), folgen werden. Und so können sie auch ihr einzigartiges indidviduelles Potential entfalten. Nur SO!

Was gibt es neues von der Experimentierfront? Also gestern war ein sehr reizintensiver Amygdalatag, wegen dem WEtter. Das spürte ich früh schon an den Vibrationen, die durch den Rettungshubschrauber verursacht wurden. Ich hatte es anfangs wie sonst für die Vibrationen des Schleudervorgangs unserer Waschmaschine im Keller gehalten. Die kommt jedoch nicht näher. Zumindest würde ich mir die Sorgen machen.

Es ging also weder meiner Mama, Schester noch mir so besonders gut. Meine Mama war traurig und wusste nicht warum. Da hab ich es ihr dann erklärt. Ich zeigte ihr auch eine Feldenkraisübung mit der sie ihr Nervensystem beruhigen kann. Das wiederum kollidierte mit ihrem übererregten Nervensystem. Sie konnte gestern nicht zuhören und aberte herum. Ein Einwand folgte dem nächsten. Auch Ihr nicht endender Redefluss (Logorhoe) war symptomatisch für ihr übererregtes Nervensystem.

Mein Nervensystem (Amygdala) reagierte daraufhin mit Irritation ihrerseits. Später fehlte ein Puzzleteil (puzzeln beruhigt das Nervensystem), das wir dann suchten. Meine Frage, ob Sie es denn verloren hätte, interpretierte die Amygdala meiner Mama als Angriff und griff ihrerseits mein Nervensystem an:"Ich bin doch nicht so schlampig wie Du."
Das hat gesessen. Hat mich hart getroffen. Das gebe ich gerne zu. Denn auch meine Amygdala war ja aufgrund des Wetters überregt.

Warum reagierte ich so heftig? Ich bin es doch gewohnt, dass ich missverstanden werde. Es war ja eine Frage und sollte kein Vorwurf sien. Ich hatte mein Worte doch mit Bedacht gewälhlt. Es handelte sich lediglich um eine Sachaussage.<

Dass schlampig war es. Aber nicht der Anteil: Du bist unordentlich. Das stimmt ja. Das geb ich gern zu und dazu steh ich inzwischen auc. Ich gebe mir Mühe und gebe täglich mein Bestes. Soweit meine Wahrnehmung und mein Nervensystem es zulässt.

Am meisten hat mich getroffen, dass schlampig eine Absicht impliziert. Und dass, obwohl meine Mama meine Autismusdiagnose kennt, obwohl sie weiss, womit ich kämpfe. Dass ich mir alle Mühe gebe.

Erst hab ich ihr das nochmal erklärt, warum es mich so getroffen und verletzt hat. Das hat in diesem Moment jedoch nicht gefruchtet. Da die Amygdala jedwede Äßerung als Angriff interpretiert. Das sind dann die Situationen, wo man sagen kann, was man will, es findet kein Gehör. Die Botschaft kommt nicht so an, wie ich sie gesendet habe.

Ihre Reaktion war: "Dann sag ich halt gar nix mehr."
Sie sah es also als Vorwurf, Angriff meinerseits, Kritik an Ihrem Handeln. Dabei hab ich nur gesagt, wie es sich für mich anfühlte.

Wie löst man nun so einen Konflikt auf? Weggehen, abwarten, das Mütchen des anderen abkühlen lassen und später einen neuen Versuch wagen, wenn sich das Nervensystem und die Amygdala des anderen beruhigt hat, ist eine Lösung.

Allerdings leidet der andere dann in diesem Moment weiter. Und das schmerzt mich dann doch sehr.

Dieses Leid fügt er sich jedoch selbst zu. Das mach ich ja auch, indem ich die Äußerung meiner Mama persönlich nehme. Dagegen kann nur jeder selbst etwas tun. Nämlich sich bewusst gegen das Leiden entscheiden.

Dazu analysiere ich wie ein Wissenschaftler die Situation wie grad beschrieben. Damit gewinne ich Abstand und kann erkennen, dass weder meine Mama noch ich absichtlich den anderen verletzen wollen. Das tut jeder für sich durch die (Fehl-)Interpretation der Botschaft. Wenn ich den präfronteralen Kortex (analytisches Denken ist nichts anderes) einsetze, dann wird mir das klar. Und ich kann aufhören mich zu verletzen. Es gibt keinen Grund dazu. Es ist einfach ein Übersetzungsfehler.

Da ich von mir selbst weiss, dass ich in einem solchen Moment, wo die Amygdala überreagiert, und ich Menschen, die ich liebe, aufgrund der Reizflut von mir unbewusst (aber notgedrungen) wegstosse, dann aber eine feste Umarmung am meisten notwendig hätte, hab ich auch das schon versucht. Und gute Erfahrungen damit gemacht. Die muss bei mir dann aber fest und an einer bestimmten Stelle erfolgen und da meine Mama mir ähnlich ist, scheint es bei Ihr auch so zu sein.

Ich würde aber dabei abraten, bei allen Menschen von meiner Wahrnehmung auf alle anderen zu schiessen. Was ich als angenehm empfinde, kann für den anderen höchst unangenehm , ja unerträglich sein. Man kann fragen.

Abwarten und später eine Umarmung anbieten oder Umarmen , wenn sich die Amygdala abgekühlt hat, hat sich bei uns bisher am effektivsten erwiesen. Ich exeperimentiere noch.

Wir haben uns gestern abend versönt. Auf diese Weise. Ich hab Ihr gesagt, was für eine wunderbare Frau sie ist und wie gern ich sie habe. Ermutigt also. Dann hat sie eingeräumt, dass ihr einfach die vielen Erkrankungen, die sie hat und das Wetter zu schaffen gemacht haben. D.h. es schwelte also schon länger in ihr. Und meine Fehlinterpretation ihrer Sachaussage erzeugte so den Angriff ihrer Amygdala.

Wir versuchen jetzt weiter an uns zu arbeiten. Und uns zu ermutigen. Statt unseren Fokus auf das, was wir nicht können zu richten. Das ist deshalb so schwer, weil wir alle in einem übererregten Amygdalamodus sind und zweitens weil dieses Fokusieren auf das Negative ja in unseren neuronalen Verknüpfungen im Gehirn so drinsteckt. D.h. wir verfallen bei Überlastung der Amygdala in die low road, in den Reflex, in das Fokussieren auf das vermeidlich Schlechte. Die Bewertung spielt uns also wieder einen Streich.

Können wir langfristig unser Gehirn so umprogrammieren, dass wir Situationen mit Abstand (über die high road des präfronteralen Kortex) sehen, dann können wir zukünftig Konflikte vermeiden und langfristig die Amygdala beruhigen und damit in friedlicher leben.

Und das kann jeder bei jeder Gemeinschaft , in der er Mitglied ist (Familie, Arbeitsplatz, Verein, Selbsthilfegruppe ...) praktizieren. D.h. Ihr habt es selbst in der Hand wie die Gesellschaft von morgen aussieht.

Ich les grad ein Buch aus der Sicht eines Polizisten. Dem ist auch beim ersten Einsatz so eine Situation widerfahren. D.h. er versuchte einen Mann zu beruhigen, der ihn angreifen wollte. Auch hier versagten seine in der Ausbildung gelernten Strategien. D.h. er lernte, dass das so einfach nicht funktioniert.

Die Situation deeskalierte, denn der Angreifer liess sich nicht beruhigen. Alles prallte an ihm ab. Bzw. er sah alles als Angriff. Auch hier ist die übererregte Amygdala im Spiel.

Der junge Polizist wusste sich selbst nicht anders zu helfen und brüllte den Mann an. Auch seine Amygdala reagierte. Obwohl er in der Ausbildung gelernt hatte, dass man ruhig bleiben soll. Und obwohl er das auch wollte! Er hatte nicht die Absicht die Situation zu verschlimmern. Hier reagierte der Urinstinkt: die Amygdala. Sie sah sich bedroht und reagierte mit einem Gegenangriff. Damit schaukelte sich die Situation hoch und eskalierte. Seine Kollegen mussten schliesslich ihn bändigen. Hinterher wusste und verstand er nicht, wie das überhaupt passieren konnte. Er hatte ja gute Absichten. Er wollte das ja nicht. Warum ist es trotz seiner Ausbildung geschehen? Er war überfordert. Er hatte keine Ressourcen für dieses Verhalten. Der Mann hatte nicht so reagiert, wie er es ERWARTET hätte. Ihr seht also: Auch hier spielen Erwartungen eine grosse Rolle. Die Erwartung ist die, die der soziale Autopilot annimmt. Und wenn wir hilfos sind, dann schaltet sich die Amygdala ein.

Der soziale Autopilot war aber bei dem Mann , auf den er traf, ausser Gefecht gesetzt. Die Amygdala, der Überlebensinstinkt hat ihn ausgestochen.

Vor dem Hintergrund interessiert mich jetzt wie man Situationen, Konflikte deeskalieren kann. Ruhig bleiben ist der erste Schritt. Die Sache mit Humor nehmen kann helfen. Das könnte die Amygdala der Gegenseite aber auch als Angriff, des sich lustig machens interpretieren.

Was tut man also, wenn jedes Wort als Angriff gewertet wird? Wie kann man die Situation im Moment (also schnellstmöglich) ohne weiteres Zusatzleid und Aggressionen auf beiden Seiten lösen? Das würd ich jetzt gerne mal lesen wie das geht und dann daheim mal ausprobieren. Testmöglichkeiten gibt es ja durch die übererregten Amygdalas allerorten genug.

Wie gelingt es sich selbst immer auf die Metaebene (präfronteralen Kortex) zu begeben? Durch Übung und ausreichend neuronale Verknüpfungen bestimmt. Aber was mach ich bis dahin? Ach so.. Üben und ausprobieren... Wenn Menschen, die ich kenn und mag, mir ähnlich sind, und so ähnlich wie ich reagieren, dann kann ich ja mal genau das ausprobieren, was ich mir in diesen Momenten wünschen würde.

Zumindest nahe Angehörige. Fremde könnte ich jetzt nicht umarmen. Da ist ja schon die Berührung eine Überwindung, weil sie schmerzhaft ist. Und ein übererrgtes Nervensystem versprüht auch diese Anspannung und Abwehrhaltung. D.h. ich kann sie auch spüren. Physisch. Feine Antennen. Jemand, der diese Anspannung aussendet, den kann ich noch viel weniger umarmen. Denn er stößt mich ja ab. Metaebene ist schon mal ein Anfang. Ruhig bleiben auch.Einfach ist das nicht. Bwz. am Anfang. Solange man lernt.

Oder wie der Rundfunk- und Fernmeldetechniker es damals formuliert hat, als ich ihn gefragt hab, ob sein Beruf schwer ist:"Wenn man weiss wie es geht, ist es einfach."

Ich arbeite daran! :)

Dienstag: Heut ist der Bus 5 Minuten später gekommen. Wahrscheinlich weil er kassieren musste. Das musste er dann noch öfter und so kam er 2 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Busbahnhof an. Ich bin nicht gerannt. Das hab ich mir abgewöhnt und bin mit meinem Busnachbarn normal hingelaufen. Wenn ich ihn erwisch, dann fahr ich halt mit und wenn nicht, dann fahr ich Bus.

Stellt Euch vor: das Rennen hätte sich eh nicht rentiert, weil dann angeschrieben stand, dass der Zug ca. 15 Minuten Verspätung hat. Dann bin ich zum Bus und hab weil ich einen etwas anderen Weg genommen hab, auch noch ne öffentliche kostenlose Toilette entdeckt. Und benutzt. Das war schön. Ich musste nämlich.

D.h. anstatt mich zu hetzen und zu grämen, kam ich entspannt mit neuem Wissen auf Arbeit an. Zwar etwas später, aber ich konnte heimwärts dieselbe Strassenbahn wie gewohnt nehmen und hab keine Miesen gemacht. Cool. Wieder was gelernt.

Das Kassieren kostet den Busfahrer ja auch Zeit und geht von der Fahrzeit ab. Er kann nix dafür. Und mit unangenehmen Zeitgenossen im Bus muss er auch zurechtkommen. Also sozial kompetent muss er auch noch sein. Der Beruf des Busfahrers hat sich also gewandelt und ist ganz schön anspruchsvoll, viel komplexer geworden. Und so ist es überall mit der Technik und der Digitalität wird alles komplexer. Alle Lebensbereiche, alle Berufe.

Je komplexer, desto weniger kann man vorhersagen, was passieren wird, wenn man eine Kleinigkeit ändert. Man muss es ausprobieren. Also natürliches lernen.

Ich hab heut zu meinem Kollegen gesag:"Die Natur ist perfekt."
Darauf meinte, er perfekt wär das falsche Wort. Das wär ja eine Wertung und die Natur ist einfach und besteht aus dem Survival of the fittest (Darwin).

Dabei geht es wohl weniger darum, dass sich der Stärkere durchsetzt, sondern dass man sich am besten an die Umgebung anpasst. Drauf hab ich gemeint, die Natur passt sich halt an die veränderten Bedingungen an. Das ist ein natürlicher Lernprozess. Und das müsen wir Menschen genauso machen. Wieder lernen durch das Ausprobieren. Tägliches forschen. Denn jeder von uns lernt an einem Tag viele neue Sichten dazu.

Man kann viel ausprobieren und lernen und im alltäglichen Leben experimentieren, indem man einfach mal eine Sache anders als sonst macht und guckt was dann passiert.

Also die Welt ist davon bisher noch nicht unter gegangen. Und es hat sich auch noch nicht die Erde aufgetan und mich verschlungen. Das macht doch Hoffnung und Mut :)

Heimwärts im Bus ist mir dann ja in den Sinn gekommen, ja klar, die Natur lernt ja sich auf die direkt nächsten (also die Umgebung, die ja auch wieder aus anderen Organismen besteht) einzustellen. Und nichts anderes passiert doch in menschlicher Kommunikation und im Lernen miteinander auch. Wir stellen uns auf einander ein.

Das ist doch genau das, was ich auf Arbeit tue und versuche. Mich auf meine Kollegen, mit denen ich direkt zusammenarbeite, einzustellen. Und es fühlt sich leichter an. Weniger Reibung.

Ich finde dabei stört dieses Abteilungsabgrenzen eher. Grenzen bauen Hürden auf. Und an den Grenzen treffen Welten aufeinander. Evtl. bekriegt man sich sogar und verteidigt seine Grenzen. Ich versteh das nicht so recht. Denn ich arbeite doch nicht mit Abteilungen sondern mit Menschen zusammen.

Der VAG-Spruch des Tages war auch ein schöner heut:
"Der, der die Dinge zerstört, um herauszufinden was sie sind, handelt nicht weise."

Kann man vom Sezieren des Toten wirklich verlässliche Schlüsse auf das Lebendige und das Leben ziehen? Muss ich es nicht dafür einfach beobachten und meine Schlussfolgerungen daraus ziehen?

Und eine Umfrage im VAG-TV besagte, dass 75 Prozent der jungen Menschen sich einen sicheren Arbeitsplatz wünschen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, weil jeder Mensch Routinen braucht, um sein Nervensystem stresstechnisch zu entlasten.

Andererseits frag ich mich , ob dieser Wunsch und dieses Denken mit immer komplexer, anspruchsvoller und flexibler werdenden Arbeitsaufgaben vereinbar sind. Denn sicher ist in diesen Zeiten nur der immer schnellere Wandel. Und was ist sicher? Wie definiert Ihr das? Gibt es das überhaupt?

Wie die Anzeige an den Haltestellen, wann die nächste Strassenbahn kommt. An meinem letzten Arbeitstag vor Weihnachten stimmte die überhaupt nicht. Ist Sicherheit per se nicht eine Illusion?

Man kann sich im Moment sicher fühlen. Denn der Moment ist jetzt. Aber Voraussagen über die Zukunft kann doch keiner treffen. Rechne mit dem Unerwarteten.

Meinen Kollegen hab ich auch falsch verstanden. Er meinte nicht, dass Fernsehen dumm macht. Er meinte eher, dass es nur bestimmte Sichtweisen sendet. Also eine Vorauswahl trifft.

Aber geht das überhaupt allen Perspektiven gerecht zu werden? Wenn jeder eine andere Wahrnehmung hat, dann wird doch immer wieder ein Blinkwinkel fehlen bzw. werden nur wenige beleuchtet. Denn auch der Berichtende kann ja nur aus seiner eigenen Wahrnehmung und dem bisher gelernten berichten. Andere Perspektiven kennt er ja (noch) nicht. Also wird jede Berichterstattung so objektiv sie auch sein möchte, doch immer eine subjektive bleiben, weil sie nicht allen gerecht werden und alle Sichtweisen berücksichtigen kann.

Zu einem guten Buch zum Thema Deeskalation hat mir eine Bekannte folgendes geschrieben:

"Leider weiß ich auch nichts zum Thema Deeskalation. Mir fiele spontan nur die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg ein, aber da die aggressivste Frau, die ich kenne, einer seiner Anhänger ist, zweifle ich auch da an der Wirksamkeit."

Darüber musste ich schmunzeln .... :)

Das wäre aber in etwas so, als würde ich an einem Flaschenöffner zweifeln, nur weil ein Mensch ihn nicht richtig benutzen kann. Es bedarf halt immer noch der Übung und des Wissens, also des Lernens ein Werkzeug richtig anzuwenden. Je öfter man es macht, desto besser wird man. Und ein Flaschenöffner ist dann ja auch etwas einfacher zu bedienen als die menschliche Kommunikation, die weitaus komplexer ist. D.h. bei steigender Komplexität ist mit mehr Fehlschlägen und einer längeren Lernschaft zu rechnen. Das ist normal.

Ich für mich habe folgendes durch Beobachtung festgestellt:

Anspannung macht bewegungsunfähig, Entspannung macht flexibel.

Donnerstag: Hab in den letzten zwei Tagen zwei nette ehrliche Ermutigungen bekommen :)

1 x von meinem neuen alten Chef.
Ich:"Des is fei ganz schön kompliziert."
Er:" Wenn es einfach wär, dann hätt ich es ja nicht Dir gegeben."

Und heut wurd ich von einem Kollegen als "Geheimwaffe" bezeichnet. :)
Ich sitz still da, denke noch eine Weile über das Problem nach und dann zauber ich doch noch ein As aus dem Ärmel. So hat er es jedenfalls ausgedrückt.

Die Steuersoftware-CD, die ich leider nicht mehr finden konnte, bekomm ich jetzt sogar nochmal kostenlos zugeschickt. Ich hab einfach und ehrlich in der Anfrage geschrieben, dass ich sie nicht mehr finden kann. Ein kleines menschliches Malheur. Sogar meine Mama war darüber überrascht. Siggsdes!

Und mein Antrag auf Fristverlängerung der Steuererklärung 2019 wurde heut auch genehmigt. Da hat sogar eine sehr nette Frau angerufen. Und wenn das mit den Dystoniehänden mal gar nicht geht, dann kann ich auch noch einen Antrag auf einen Härtefall stellen. Es gibt also für alles eine Lösung. Man muss sich nur auf den Weg machen.

Das sorgt dann dafür, dass ich meine Steuererklärung sehr viel gelassener und entspannter machen kann. Denn Stress ist ja Gift für das CRPS. Ich brauch halt länger mit den Händen.

Das ist schön.

Vom Mannheimer Schmerzkongress von der Einreichung, hat mich noch eine Dame kontaktiert, weil die Altersangabe im Formular fehlte. Da das Alter ungenau ist, weil es sich ja ändert auch bis dahin, hab ich ihr mein Geburtsdatum übermittelt. Das bleibt ja.

Dabei hab ich noch nachgefragt, ob sie jetzt schon weiss, ob er angenommen wurde oder bis wann. Da muss ich mich noch etwas gedulden. Sie war auch sehr nett.

Es menschelt allerorten! :)))

 
11.01. bis 17.01. Im Spannungsfeld...

Samstag: Heut war ich auf einem Achtsamkeits- und Entspannungkurs - zum Schulen der Wahrnehmung von der VHS. Fachlich war er super. Achtsamkeitstraining mit autogenem Training und Feldenkrais.

Ich konnte die Anspannung der anderen Kursteilnehmer spüren. Das ist mir noch nie bewusst geworden, dass ich sowas kann. Anscheinend hab ich sehr feine Antennen dafür.

Noch erstaunlicher auch bei der Kursleiterin konnte ich ein paar mal die Anspannung spüren und an dem Klang ihrer Stimme hören. Als ein Herr sich in der Tür und im Raum geirrt hatte. Er hat sich entschuldigt. Das kann ja mal vorkommen. Und als eine Teilnehmerin unangekündigt aufgestanden und rausgegangen ist. Mir war klar, sie muss auf's Klo. Das passiert übererregten Nervensystemen halt wenn sie Entspannungsübungen trainieren. Logisch.

Mir fiel es etwas schwer unter lauter angespannten Nervensystemen zu entspannen.

Der Raum war sehr kalt. Da muss die Kursleiterin wohl noch an ihrer Wahrnehmung arbeiten.

Ich bin danach zum Aufwärmen zum Rossmann und hab dort noch ein Lavendelölbad und ein Eukalyptusbad geholt.

Sprich: in dem Kurs hab ich nur wenig neues über's entspannen gelernt, aber dafür meine Wahrnehmung von einer neuen Seite kennengelernt. Anscheinend hab ich einen Anspannungsdetektor. War mir wirklich noch nicht klar. D.h. ich erkenne übererregte Nervensysteme. Dann spüre ich eine Irritation oder finde gar keinen Zugang. Offene und entspannte Nervensysteme hab ich dort leider nicht getroffen. Jetzt bin ich für all die, denen ich letztes Jahr begegnen durfte noch dankbarer.

Interessant. Wieder was neues gelernt.

Ich wundere mich dann oft, dass Entspannungstrainer schon bei kleinsten Irritationen aus der Spur geworfen werden. Also, einige beim Anwenden ihrer Theorie in der Praxis kläglich scheitern.

Eine Kollegin bei mir auf Arbeit hat auch schon mehrere Kurse als Ausbilder gemacht. Sie kann es aber selbst nicht im Alltag anwenden. Sie weiss das und gibt das auch unumwunden zu. Das finde ich sehr sympathisch, offen, ehrlich und authentisch.

Das find ich sehr befremdlich, dass Menschen anderen Menschen etwas beibringen wollen, was sie gar nicht können. Weil sie nicht wirklich "erfahren", "erlernt" haben bzw. das erlernte dann nicht anwenden können. Denn zum Lernprozess gehört doch dazu, dass ich es selber in der Praxis anwenden kann. Oder nicht? Zumindest bei mir funktioniert das so. Ist das bei Euch anders?

Kann das überhaupt in einem solchen Kurs funktionieren? Weil in so einem Kurs lauter angespannte andere Teilnehmer um einen rum sind. Ist ja logisch. Deswegen macht man ja einen solchen Kurs.

In dem Kurs zur Muskelentspannung nach Jakobsen in der Schmerztherapie hab ich die Ablehnungshaltung in Form von starker Spannungen einiger dorthin geschickten Teilnehmer deutlich gespürt.

Ob das dann überhaupt funktioniert? Wenn die Mehrheit eines Entsapnnugskurses angespannt ist, dann kann doch keine Entspannung aufkommen. Oder? Hmmm....

Sonntag: Der Kurs von gestern hat in mir noch wegen einer Irritation nachgearbeitet. Ich versuchte die Situation im Nachhinein zu analysieren. Mit dem präfronteralen Kortex.

Was ist passiert?
Jede Kursteilnehmerin stellte sich mit Namen und Krankheit bzw. Grund, warum sie da ist (es waren nur Frauen - das kenn ich ja schon vom Gesundheitsjahr). Ich also mit: "Ich bin Autist und hab CRPS. Und deswegen muss ich mich immerzu bewegen."

Daraufhin sagte die Kursleiterin:"Sie müssen Rücksicht auf die anderen Kursteilnehmer nehmen."
Die Anspannung konnte ich in ihrer Stimme hören und auch spüren. Die Stimme klingt dann schriller, monotoner und lauter. Es ist so eine Verschiebung im Raum-Zeit-Kontinuum. Ich kann es schlecht erklären. Ich glaub , ich nehme die Anspannung im Umfeld wahr.

Das hat mich irritiert. Zu den anderen Kursteilnehmern hat sie nichts dergleichen gesagt. Was an meiner Aussage war nun anders als an der der anderen Teilnehmer: "Ich heisse ... und ich habe .... ."
Ich wusste also nicht wodurch ich diese Reaktion hervorgerufen hatte. Ich hatte doch dieselbe Aussage, wie von der Kursleiterin gewünscht, auf mich angepasst. Wo war der Unterschied? Ich hatte nicht die leiseste Ahnung.

So eine Irritation arbeitet in mir weiter. Auch während des Kurses, weil ich sie nicht verstehen kann. Zudem kam dazu, dass die anderen Teilnehmer auch sehr angespannt waren. Sie waren sehr still, auch während der Pause, aber auch als es darum ging, im Kurs Fragen zu beantworten. Angespanntes Schweigen lag in der Luft. Greifbar und spürbar.

In der Pause hab ich dann die Kursleiterin darauf angesprochen. Sie meinte sowas wie:"Sie können nicht erwarten, dass sich hier alles um Sie dreht."
(oder: irgendwas, davon, dass ich im MIttelpunkt stehen wolle...) Ich weiss es nicht mehr genau. Vielleicht hab ich da auch etwas missverstanden.

Geklärt war damit nichts, sondern ich verspürte eine innere Anspannung in mir, die Irritation nahm noch zu und ich konnte vom Kurs nicht mehr viel mitnehmen, da mein Nervensystem zu übererregt war. Denn meine Gedanken kreisten fortan um diese Irritation und ich versuchte eine Erklärung dafür zu finden. Was hatte diese Situation ausgelöst?

Erst am nächsten Tag , also heut früh ist es mir gelungen, eine Erklärung zu finden.

Ich vermute, dass sie meinte, dass ich mit meiner Unruhe (meinen Bewegungen) die anderen Kursteilnehmer störe.
Warum hat mir das soviel ausgemacht? Weil ich mich damit als ich , als Person nicht so angenommen fühlte, wie ich bin.

Noch dazu in einem Kurs, in dem es darum geht, dass man lernt einfach so zu sein wie man ist. Das verwirrte mich noch mehr.

Sind dann nur bestimmte Krankheiten oder Menschen in diesem Kurs erwünscht? Die, die sich nach dem sozialen Autopiloten normal benehmen? Die kein für andere störendes Verhalten zeigen? Also dürfen geistig behinderte wie meine Schwester dann an sowas teilnehmen? Und was ist mit einem Menschen mit Tourettesyndrom?

Sollte dann nicht in der Kursbeschreibung drinstehen, für wen dieser Kurs geeignet ist? Das würde den beteiligten Nervensystemen viel Stress ersparen.

Ich kann ja verstehen, dass andere durch mein Verhalten irritiert sind. Das Verhalten der meisten Menschen finde ich ja verwirrend und irritierend. Denn meistens ist es doch sehr unlogisch. Ich weiss jedoch, dass dieses Verhalten auf dem sozialen Autopiloten beruht, über den ich leider nicht verfüge. Aber wenn ich nur mit Menschen zu tun haben möchte, die genau wie ich sind, dann würd ich sozial vereinsamen.

Aber es sind doch gerade Menschen mit Tics, Fehlhaltungen, hohem Bewegungsdrang, die ein sehr hoch übererregtes Nervensystem haben und die von solchen Kursen am meisten profitieren könnten.

Hmmm... Okay, ich bin also mit meinem Verhalten nicht kompatibel zum Kursinhalt, den ich ja deswegen erlernen möchte. Und jetzt?

Was geschah mit mir? Ich fühlte mich nicht als ich angenommen. Und es kam kein Vertrauen zustande. Entspannung ist dann auch in einem warmen Raum nicht möglich. Denn zu der physiologischen Wärme muss auch eine Herzenswärme , Verbindung dazukommen. Also eine Art Kontaktherstellung. Ein Andocken. Das gelang mir gestern leider nicht.

Weil die Umgebung für mich alles andere als enstpannend war. Vielleicht bin ich mit so einem grossen Kurs gar nicht kompatibel. Am besten gelingt es mir daheim im stillen Kämmerlein, wo niemand Anstoss an meinem Verhalten nimmt. Wo ich einfach sein darf und mich wohlfühle. Aus Büchern. Vielleicht ist das einfach my way...

Es herrschte während des gesamten Kurses keine entspannte gelöste Atmosphäre wie ich es in anderen Kursen des Gesundheitsjahrs 2019 erlebt habe, wo die Teilnehmer sich öffneten. Hier blieben sie zu wie verstockte Austern. Die Atmosphäre übertrug sich auch auf mein Nervensystem.

Ich hab also gelernt, dass so ein Kurs wohl nix für mich ist. Genau wie die Selbsthilfegruppe. Dort wimmelt es von übererregten Nervensystemen. Ich muss mich mit Menschen umgeben, die selbst entspannt und offen sind. Erst dann kann ich entspannen.

Immerhin hab ich wahrnehmungstechnisch einiges dazugelernt. Also lehrreich war es schon. Wenn ich auch von den drei Stunden nicht viel neues behalten konnte, denn übererregte Nervensysteme können nix lernen und sich nicht viel merken.

Meine Mama meinte dazu, wärst halt gegangen, wenn es ned gut für Dich ist. Das hätte ich gerne gemacht, aber leider brauche ich zur Analyse der Situation länger als die Situation überhaupt dauert. D.h. um zu erkennen, dass ich gehen muss, muss ich die Analyse ja erstmal abgeschlossen haben. Aus jetziger Sicht wäre dies tatsächlich die einzig richtige und vernünftige Lösung für mich gewesen. Es hat einfach nicht gepasst.

Da hat auch niemand schuld dran. Es war einfach so. Die Situation, die Umgebung, die Menschen (sind auch Reizquellen) an sich waren zu reizintensiv. Da kann ich beim besten Willen nicht entspannen. Das geht einfach nicht.

Da ich jetzt weiss, dass ich Anspannung spüren kann, werd ich versuchen daran zu arbeiten, sie früher zu erkennen. Also meine Wahrnehmung dementsprechend zu schulen, damit ich mich rechtzeitig aus solchen Situationen entfernen kann. Das ist dann der Lerneffekt der gestrigen Veranstaltung.

Ist übrigens nix neues, dass ich was ganz anderes aus Situationen lerne, als die Situation beabsichtigt. Das ist für mich und mein Nervensystem und meine Art die Welt wahrzunehmen vollkommen normal.

Was hab ich nun gemacht, um den Stress aufzulösen? Ich habe eine Mail an die Kursleiterin geschrieben. Da ich ihre Mailadresse weder im Internet noch im VHS-Büchlein finden konnte, hab ich die Mail einfach an die VHS geschickt.

Es ist wieder ein Experiment und ich bin gespannt, wie ein Wissenschaftler, ob ich eine Reaktion und wenn ja welche ich bekomme.

Heut gibt's zwei Januarcomics für Euch! Viel Spass!

Dienstag: Am Sonntag war ich zwei Stunden auf dem Neujahrsempfang. Das war sehr schön, aber auch sehr anstrengend.

Zunächst stand ich sehr verloren in der Menschensuppe. Die Reizflut, die von der Anzahl der Menschen ausging, überforderte mein Hirn. Ich kann dann keine einzelnen Gesichter mehr ausmachen, wobei eh mein Hirn aufgrund der Gesichtsblindheit mit dem Feature einer Gesichtserkennung nicht ausgestattet ist.

Sprich: unter vielen Menschen (einer Überdosis sozusagen , ausserhalb der homöopathischen für mich verträglichen Dosis, fühlt sich mein Hirn überfordert und schaltet dann in den Standby-Modus auf inneren Rückzug) fühlt sich mein Organismus unwohl und will sich so schnell wie möglich aus dieser Situation verabschieden. Und das tut er dann auch. Ich bin zwar physisch anwesend, aber der Rest von mir befindet sich auf Standby irgendwo anders im inneren Rückzug.

Das ist der Grund, warum ich mich unter vielen Menschen sehr allein fühlen kann. Erstens wenn sie mich überfordern (Reize, die sie aussenden) und zweitens, wenn ich keinen "Kontakt" zu ihnen herstellen kann. Kontakt bedeutet, dass ich keine authentische aufrichtige offene Verbindung zu ihnen bekomme. Sondern nur die äußere Hülle präsentiert bekomme. Man merkt es auch, daran, wie tiefgründig ein Gespräch ist. Je tiefer, offener und ehrlicher und authentischer desto angenehmer ist es für mich.

Leider sind nicht alle Menschen so. Viele wollen ihr Inneres anscheinend vor mir schützen und finden meine aufrichtige, offene Nähe bedrohlich. Ich mache das nicht absichtlich, dass ich Menschen so nahe komme. Ich bin einfach so. Das ist die einzige Art der Kommunikation, die ich kenne, weil das meinem Wesen und meiner Art zu sein und meiner neuronalen Verschaltung (meiner Grundkonfiguration) entspricht. Ich kann nicht anders.

Denn ich verfüge ja nicht über den sozialen Autopiloten. Deswegen kann ich keine Unterhaltungen nur um des Kontaktwillens führen. Was Smalltalk ja ist. Ich kann nur Gespräche führen, die eine Sachinformation enthalten. Unterhaltung bedeutet für mich und meine Art zu sein, Informationsaustausch. Alles andere Mimik und Gestik ist nebensächlich. Auch spreche ich diese Sprachen nicht besonders gut, bzw. bedeuten bei mir Gesten und Mimik etwas ganz anderes als bei Menschen, die über einen sozialen Autopiloten verfügen. Sprich: was ich aussende, ist eine völlig andere Botschaft, als wie sie interpretiert wird. Wir sprechen tatsächlich mimisch und gestisch unterschiedliche Sprachen.

Es gibt auch Situationen, Gedränge z.B. mit ständigen Berührungen durch andere, dic mich augenblicklich in den physischen Fluchtmodus versetzen. Dann muss ich raus! So schnell wie möglich. Ich schalte dann auf Scheuklappenmodus um, konzentriere mich auf meine Füsse und versuche einen Weg durch die Menge zu finden.

Dann kamen drei Bekannte und "holten mich ab". Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich sagte dann: "Ohne Euch bin ich hier verloren." und das war keineswegs übertrieben.

Ich wusste auch nicht, wo ich hin sollte. Es gab Sitzreihen, die mit Schildern beschriftet waren: Vereine, Spvgg und Ehrengäste. Ich fühlte mich keiner dieser Kategorien zugehörig. Meine Bekannte verräumte mich dann mit sich bei den Ehrengästen.

Pünktlich startete die Veranstaltung mit dem Spielmannszug, der sehr schön spielte. Es tat nicht in den Ohren weh und ich wippte und schaukelte mit. Es ist keineswegs üblich, dass Veranstaltungen zum angegebenen Zeitpunkt starten. Die IHK-Ladies-Night startete mit einer halbstündigen Verspätung. In meinen Augen eine enorme Zeitverschwendung und Zumutung für die Püktlichkommer.

Dann hielt der Bürgermeister eine längere Rede über das letzte Jahr und wie sehr die Stadt vom sozialen Engagemnent der Bürger profitiere und dass ohne diesen Beitrag vieles nicht möglich wäre und bedankte sich bei allen und auch bei den Partnern der Ehrenamtlichen. Weil die ja auch ihren Beitrag leisten, mit ihrem Verständnis und ihrer Unterstützung. Er begrüßte auch das neue Jahr das unter dem Motto Friedensjahr steht.

Dann wurden die Vereine und auch einzelne Mitglieder ausgezeichnet und ich wusste gar nicht, dass es soviele Sportvereine und Co bei uns gibt. Die Kickboxer sind sogar richtig berühmt.

Dann wurden die Ehrenspangen für langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten verliehen.

Da hat der Bürgermeister, der sich auch ab und zu verhaspelte , seinem Fränkisch aber treu blieb, das machte ihn auch sehr sympathisch, besonders die beiden Damen, die sich besonders in der Städtepartnerschaft mit Krasnogorsk einbringen, gelobt und ausgezeichnet.

Die Höchstadter Beteiligung stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main und hat an der Goethe-Uni Anglistik und Russlistik studiert und freute sich mit diesem Projekt dann ihre Russichfähigkeiten einzubringen. Man merkt Ihr die Freude an. Das war einer der Momente, die mich berührt haben. Innen. Da wird einem innen warm.

Dann zeichnete er auch noch die Krasnogorskerische junge Deutsch-Lehrerin aus. Und der Bürgermeister bekam auch Lachen auf sein ehrliches und aufrichtiges Geständnis, dass sie besser Deutsch könne als er mit seinem Fränkisch.

Sie bedankte sich dann auch mit einem Spaciva. Sie gab ehrlich zu, dass sie von der Nominierung überrascht gewseen sei, aber auch skeptisch, dass das was werden würde. Umso überraschter und mehr gefreut hat sie sich jetzt darüber. Das konnte man spüren. Sehr sympathisch.

Am besten hat mir dann aber der 79-jährige Iraner gefallen, der ehrenamtlich den Höchstadter Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz schmückt und sich auch um das Sponsoring kümmert in Eigenverantwortung. Er hat offen und authentisch erzählt wie er das zum ersten mal gemacht hat. "Da bin ich dann auf eine wackelige zu kurze Leiter gestiegen, hab nach oben geschaut und dachte, dass schaffst Du nie... Und dann kamen die Jungs vom Bauhof, haben gesagt, komm da runter, bevor Dir noch was passiert. Wir fahren Dich mit der Hebebühne hoch und dann kannst Du den Baum schmücken."

Die beiden Pfarrer haben das Friedenslicht, das in Bethlehem entzündet wurde an den Bürgermeister überreicht und dann auch noch geredet. Wobei mir der evangelische Pfarrer mehr aufgefallen ist. Denn er gab offen und ehrlich zu, dass er auch nicht immer ruhig, gelassen und gerecht mit allen umgehen kann. Und hat sich auch dafür entschuldigt. Er gibt sich Mühe. Und dann hat er noch etwas von Franz von Assissi zitiert. Da ging es auch um soziales Miteinander, darum den anderen so anzunehmen wie er ist. Da wurde mir ganz warm ums Herz. Weil ich mir das ja auch wünsche. Und im Friedensjahr würde das ja noch wichtiger.

Der Schülertriatholngründer wurde auch geehrt. Denn auch der ist weit über die Region bekannt. Der dient auch dazu, dass Kinder sozial integriert werden und ihre Stärken gefördert werden. Das wusste ich noch nicht, dass Sport, Vereine und Veranstaltungen einen solchen Zweck haben. Für die, für die das funktioniert, ist das sicher sehr schön.

Sprich: ich war dann doch sehr überrascht, worum es da geht und wieviel bei uns in Höchstadt Menschen freiwillig und aus sich selbst heraus für die Gemeinschaft und für andere tun. Das wusste ich noch nicht. Das merkt man ja auch erst, wenn man mal den Kopf nicht in den Sand sondern zur Tür hinausstrecken kann und offen für neue Perspektiven und Sichtweisen ist.

Dann sang noch die Mittelschule das Lied "only peace can do". Etwas falsch und schmerzhaft für meine Ohren, aber dennoch voller Inbrunst. Ein seltsames Wort, aber Ihr wisst schon: mit Leib und Seele... und Herz ... halt... Also, obwohl nicht jeder Ton richtig getroffen wurde, fühlte es sich alles richtig und stimmig an. Ich schunkelte und schaukelte mit. Es beruhigte mein Nervensystem. Mit meinen Techniken hielt ich mich auch "über Wasser"

Auch die Arbeitsgemeinschaft des Gesundheitsjahres wurde gelobt und auf die Bühne gerufen. Meine Bekannte strahlte von innen heraus über die ganze Bühne. Das war auch sehr schön.

Der Bürgermeister gratulierte dann noch stellvertrend für die Partner der Ehrenamtlichen seiner Frau auf der Bühne zum Geburtstag und küsste sie. Normalerweise finde ich sowas widerlich, dieses abgeschlecke aber das war irgendwie schön. Die Zusachauer stimmten dann noch ein spontanes Geburtstagsständchen an.

Zum Abschluss spielte dann nochmal der Spielmannszug und dann gab es Käsebrote und Wienerle und was zum Trinken. Zwei Stunden waren da rum und ich wollte dann nur noch heim, um die Eindrücke zu verarbeiten und zu verdauen.

Meine Bekannte verlor ich dann in der Menschensuppe aus den Augen. Ich quetschte mich dann im Scheuklappenmodus an der Essensausgabe dem Ausgang entgegen und war dann froh endlich im Freien zu sein. Die kühle Luft war angenehm. Dann bin ich heim und hab ein Marmeladbrot gegessen und bin auf dem Trampolin gehüpft.

Bei meiner Bekannten hab ich mich dann für das unter die Fittiche nehmen bedankt und gemailt wie sehr ich sie schätze und auch noch entschuldigt, dass ich sie nicht mehr gefunden habe. Sie hat es mir nicht übel genommen.

Ich hab jetzt gelernt, wozu Ehrenamt gut ist. Und was es alles leistet. Und dass das was schönes ist. Auf den Neujahrsempfang werd ich sicher kein zweites mal gehen, weil es mir zuviel ist. Zu intensiv. Zu viele Menschen.

Aber ich bin froh, dass ich es mich mal getraut habe und dort war. Denn ich habe neue Einblicke gewonnen und das ist schön.

Gestern gab es erhebliche Kommunikationsprobleme zwischen meinem Hirn und dem Rest meines Körpers. Lag wohl auch am Wetterumschwung. Vielleicht auch an den Erlebnissen des Wochenendes. Spurlos waren sie ja nicht. Zuerst hab ich versehentlich (meine Motorik gehorchte mir leider nicht) die Haferflockenpackung ausgestreut und dann wieder aufgesaugt.

Und dann auf dem Weg zum Bus den Fuss verknackst. Toll... Merkte schon, dass es etwas dicker wird und der Schuh drückt. Und ich hab das wahrgenommen, trotz Hirnüberlastung und mich dafür entschieden nicht wie beim letzten Armbruch erst auf Arbeit zu fahren. Es hat etwas gezogen. Also bin ich umgekehrt und hab erstmal kaltes Wasser drüber laufen lassen und mit Voltaren eingeschmiert.

Und dann hab ich mir überlegt, was ich jetzt mach. Ich hab mich dann dafür entschieden, bei meinem D-Arzt anzurufen, ob ich dorthin kommen darf. Weil der mich kennt und es mir gestern sehr schwer fiel mich zu artikulieren. Und der weiss, dass ich das nicht mit Absicht mache, wenn ich Dinge wortwörtlich nehme und ihn nicht auf den Arm nehmen will.

Es dauerte bis ich durch die Warteschleife kam. Meine Hibbeligkeit stieg. Ich war total durch den Wind. Denken, erinnern, reden klappte nicht besonders gut. Den Zettel mit der Telefonnummer suchte ich zig mal und verlegte ihn auch entsprechend oft. Und dann hiess es, ich soll bis 10 Uhr dort sein.

Und das hat dann auch geklappt. An der Anmeldung hab ich zwar wieder was wortwörtlich genommen, aber konnte erklären, dass dass keine Absicht war, sondern meinem Autismus geschuldet.

Sie hat mich gefragt, wo ich arbeite und dann kam die Frage wann. Und da dacht ich sie meint, seit wann ich dort arbeite und hab halt 2009 gesagt. Sie meinte aber, wann der Unfall passiert ist. 5:30 Uhr. Ich hab ihr das dann mit dem wortwörtlich nehmen erklärt und dann hat sie geschmunzelt.

Den Druckfehler mit dem Firmennamen hat sie auch korrigiert. Sie hat gesagt, der ist ihr auch gleich aufgefallen.

Dann wurde ich bzw. der Fuss relativ schnell geröntgt (von allen Seiten) , das war sehr spannend und interessant. Die Röntgerin war sehr bunt. Sie trug interessante Tättowierungen. Sie hatte schwarze Haare. Und war jung. Wie ihr Gesicht ausgesehen hat, weiss ich nicht. Das war auch nciht so spannend wie die Bilder.

Im Warteraum hab ich einen Ex-Arbeitskollegen getroffen. Der ist vom Fahrrad gefallen und hat sich das Radiusköpfchen gebrochen. Der hatte eine komische Schiene. Damit er nicht alle Bewegungen machen kann, hat er gesagt.

Drauf hab ich gesagt: Du glaubst gar nicht, was ich alles für Bewegungen mit dem Oberarmgips gemacht habe.

Ich hab ihm meine Krallenhand vom letzten Unfall gezeigt. Da hat er etwas Angst bekommen. Er hat kurz gezuckt und geschluckt. ich hab gesagt, er braucht keine Angst haben, dass ihm sowas auch passiert.

Dann hat er mir den Unterschied (er ist Architekt) zwischen Schreiner und Zimmermann erklärt. Den wollte ich schon immer wissen. Der Schreiner macht den Innenausbau und der Zimmermann Dachstuhl und so (also eher das grobe).

Dann haben wir noch über die Beerdigung von einem Ex-Kollegen gesprochen. Ich hab erklärt , dass ich da weil ich Autist bin, nicht hinkonnte, weil ich da ja wohin hätte fahren müssen, wo ich noch nie war. Ins Nichts. Deswegen konnt ich da nicht hin. Denn es fällt mir ungemein schwer irgendwohin zu gehen, wo ich noch nicht war. Oder schon ewig nicht mehr. Also Veränderungen halt. Es hat nix damit zu tun, dass ich nicht auch um den Kollegen getrauert hätte. Aber halt auf meine Weise.

Ich hab dann gemeint, ich möchte nicht, dass die Leute bei meiner Beerdigung um mich trauern und weinen, sondern mein Leben feiern.
Da meinte er: "Naja, ich find es schon schön, wenn jemand um mich weinen täte. Wenn alle nur Party machen und sich freuen, dass sie mich los sind, das ist ja auch nix.
Und dass eine Beerdigung ja mehr für die Angehörigen ist als für den Verstorbenen.

Erst dacht ich das mit dem D-Arzt hätt nicht geklappt, weil da eine Frau sehr präsent im Behandlungszimmer sass. Und ich sie im ersten Moment für eine Ärztin gehalten habe, weil sie soviel Autorität und Selbstvertrauen ausgestrahlt hat.

Ich hab dann gefragt, ob der Dr. Dings nicht kommt. Drauf meinte sie:"Soll ich gehen? Er kommt schon noch."
Da erklärte ich:"Nein, so war das nicht gemeint. Ich dachte das hätte nicht geklappt. Ich komm mit neuen Menschen, die ich nicht kenne nicht gut zurecht. Ich bin Autist."

Da hat sie es mir nachgesehen. Ihr Mann arbeitet als Heilerziehungspfleger. Das ist schön.

Der D-Arzt war sehr nett. Der kennt mich ja. Und gar so grob war er - obwohl er Chirurg ist - auch ned. Diesmal bin ich sogar in sein Fachgebiet gefallen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Er ist Spezialist für Fußchirurgie. Also er kennt sich besser mit Füssen als mit Händen aus. In gewisser Weise könnte man jetzt sagen, dass meine Krankengeschichte jetzt Hand und Fuss hat.

Wie sie gesagt haben, dass nix gebrochen ist, hab ich Juchu!!! gerufen. Denn ich habe mich sehr gefreut. Und er und die MTA hamm gelacht. Das ist diesmal viel schöner gewesen als das letzte mal beim Unfall im Krankenhaus. Das hab ich auch gesagt. Nicht, dass ein Unfall schön oder schlecht ist. Sowas passiert halt. Und dann wird dort geguckt, ob was gebrochen oder gerissen ist. Und dann ist man hinterher beruhigt, weil man weiss, was kaputt ist und wie es weitergeht. Das ist doch alles sehr beruhigend. Auch für das autonome Nervensystem.

Ob ich Schmerzmittel brauch, hamm sie mich auch gefragt. Ich hab noch. Mit Schmerzen kenn ich mich ja inzwischen aus.

Jetzt muss ich nur noch mein CRPS wieder beruhigen. Denn die Berührung von Stoff, Socken oder Schuhen ist am linken Fuss aufgrund des Umknickens sehr schmerzhaft. Das muss ich erst wieder runterregeln. Das kann ich ja allein. Da weiss ich ja inzwischen wie es geht. Ich bin zufrieden. Diesmal hat es mit der Kommunikation ganz gut funktioniert. Dafür dass ich damit doch erhebliche Probleme hatte, aber das Umfeld für mich gewohnt war. Ich hätte gestern beim besten Willen nicht meine ganze Krankengeschichte zusammenfassen und erklären können. Und so blieb mir das erspart.

Das weiss ich sehr zu schätzen. Ich glaub, das ist das, was man Vertrauen nennt. Das ist für mich was neues. Und nicht selbstverständlich. Nicht die Regel sondern die Ausnahme. Dass man sich da wohlfühlt und verstanden fühlt. So akzeptiert wie man ist. So gut dass halt in einer Arztpraxis möglich ist. Technische Geräte und sowas find ich immmer spannend. Wahrscheinlich bin ich dabei dann der entspannteste Mensch der Welt.

Deshalb war das gestern auch irgendwie eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe viel gelernt. Und ich bin sehr dankbar dafür.

So und jetzt muss ich mein CRPS wieder runterfahren. Ich arbeite daran.

Freitag: Vorgestern kam auf 3 Sat eine Sendung über Medikamentenabhängigkeit (auch Schmerzmittel) und die Sendung "Trotzdem gesund"

Wusstet Ihr, dass unter den Medikamentenabhängigen der Frauenanteil überwiegt? Männer greifen eher zum Alkohol.

Es wurde die These aufgestellt, dass Frauen lieber still leiden und deswegen zu Schmerzmitteln oder Schlaf- und Beruhigungsmitteln greifen. Auch weil es nicht so offensichtlich ist.

Liegt das daran, dass Frauen anerzogen wird, für alle zu sorgen, ausser für die eigenen Bedürfnisse? Also ausser für sich selbst? Ich bin gestern wieder einer solchen Frau begegnet, die die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen stellt. Sie gibt viele Erste-Hilfe-Kurse gibt. Sie sieht schlecht aus. Sie meinte, sie kann da nicht nein sagen. Weil sie die ganzen Leute kennt, die zu den Kursen kommen und sie nicht enttäuschen möchte. Das geht schon, sagt sie. Es sieht aber nicht so aus. Sie sieht müde aus und wirkt auch erschöpft.

Das heisst sie übernimmt Verantwortung für die Gefühle anderer. Anstatt für ihre eigenen. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Und diese Frauen, mit diesen überzogenen Anforderungen an sich selbst erziehen dann wieder die Frauen und Männer und Diverse von morgen. Gibt es dann überhaupt noch zwischen Männern und Frauen und Divers da einen Unterschied? Übernehmen sie alle die Verantwortung für andere anstatt für sich selbst und die eigenen Gefühle und Bedürfnisse?

Neulich las ich bei der Stellenausschreibung bei der Caritas: Sie wollen andere Menschen glücklich machen? Dann kommen Sie zu uns (oder so ähnlich).

Das geht gar nicht! Man kann nur sich selbst glücklich und zufrieden machen. Sogar soziale Einrichtungen übernehmen die Verantwortung für die Gefühle von anderen. Das ist ungesund und funktioniert nicht. Da braucht man sich über das Ausbrennen der Mitarbeiter nicht zu wundern.

In "Trotzdem gesund" ging es darum, wie Kelly Turner (eine Psychologin) bereits vorhandene Studien über Krebskranke (auch unheilbare Fälle) mit Spontanheilung miteinander verglichen hat. Ob man auch dazu noch CRPS-Fälle und andere Remissionen aus anderen Krankheiten dazuspielen könnte? Ich denke, das Ergebnis wäre dasselbe. Es würde auch wieder dieselben Übereinstimmungen geben. Denn auch ich habe die Punkte aus der Liste ja schon alle irgendwie in der Bearbeitung. Sie erstellte daraus eine Liste von 9 Punkten, die sie für die Aktivierung der Selbstheilungskräfte aus den ihr vorliegenden Fällen identifizieren konnte. Sie hat auch ein Buch darüber geschrieben: 9 Wege in ein krebsfreies Leben: Wahre Geschichten von geheilten Menschen.

Ich versuche sie hier mal wiederzugeben ...

  • Selbst die Verantwortung und das Management der eigenen Gesundheit übernehmen (Aktivität statt Passivität und blindes Vertrauen in die Ärzte), sich selbst Wissen über die eigene Krankheit und den eigenen Körper aneignen
  • seiner Intuition folgen und vertrauen (Wahrnehmung und eigenen Gefühlen vertrauen und wieder kennenlernen, dabei hilft mir übrigens Achtsamkeits - und Meditationstraining, weil es den präfronteralen Kortex schult und das besänftigt die amoklaufende Amygdala.
  • Komplementärmedizin nutzen (z.B. Fiebertherapie und Akkupunktur, Entspannungsverfahren, Achtsamkeitstraining), Nahrungsergänzungsmittel wurde auch erwähnt, Natur (Bewegung, Naturheilmittel))
  • Gesund essen (Ernährungsumstellung) : ein Migräniker verzichtet z.B. auf Zucker , Fleisch und Milchprodukte , weil da Histamine drin sind.
  • Aufarbeitung von negativen Gefühlen (das war bei mir das mit dem Autismus und dem Anecken und dass ich mich selber nicht mochte)
  • Spiritualität (Beten, Meditation...)
  • stabile soziale Stützen (also Menschen, die Dich mögen und Deinen Weg mit Dir gehen und Dich bei Deinen Entscheidungen unterstützen, respektieren und bestärken) Das setzt Oxytocin frei und das stärkt das Immunsystem, ein heilsames Umfeld also und heilsame Kommunikation
  • positive Gefühle verstärken (da ist gemeint, den Fokus auf die positiven Dinge richten , ein Perspektivwechsel sozusagen, auch das stärkt den präfronteralen Kortex)
  • einen guten Grund zu haben , am Leben zu sein. Einen Sinn! (Hobbies, Familie, Forschung, Gründung einer Selbsthilfegruppe ...)
Das war's.
Im Endeffekt kann ich diese Punkte auch bestätigen aus eigener Erfahrung. Nein, ich bin (noch) nicht geheilt. Ich arbeite daran ;-) Ich komm inzwischen mit dem CRPS besser zurecht. Und vermeindliche Rückschläge kann ich als neue Lernerfahrunge verbuchen und umdeuten. Ich kann aus jeder neuen Erfahrung was lernen.

Dazu hilft es, wie ein Wissenschaftler und Forscher an sich selbst heranzugehen und zu beobachten, was passiert. So wie es die Hirnforscherin in dem Buch "Mit einem Schlag" bei ihrem Schlaganfall beschrieben und gemacht hat. Die ist mir unheimlich symphatisch. Und so entdeckt man dann auch Zusammenhänge, die man dann für sich nutzen kann.

Dabei hilft es ungemein, sich mit Menschen auszutauschen, die sich ebenfalls auf diesem Erforschungsweg befinden. Und auf sich selbst hören. Denn nur so kommt man zu neuen Sichtweisen und Perspektiven. Wahrscheinlich hilft Person A nicht alles, was Person B hilft, aber er kann sich einiges davon zunuzte machen. Das Wissen bringt ihn auf andere Weise weiter. Denn Wissen ist Macht, weil es Kontrolle gibt. Und das ist eine wichtige Ressource gegen den Stress.

Das mit den negativen Gefühlen verarbeiten und sich auf das positive zu konzentrieren ist das schwierigste. Weil man dazu den präfronteralen Kortex stärken muss.

Dabei kann auch gewaltfreie Kommunikation helfen. also dass man sich bewußt macht, dass wenn jemand was sagt, was einen aufregt oder irritiert, der Sager das nicht absichtlich gemacht hat. Sondern das die Aussage, ein eigenes Gefühl auslöst, das mit einem selbst zu tun hat. (Das geht dem Gegenüber übrigens auch so)

Wenn man es schafft dieses Gefühl und das dahinterliegende Bedürfnis zu identifzieren und es dann ohne Vorwurf zur Sprache zu bringen und zu äußern , was man sich wünschen würde (dafür muss man ja erstmal wissen, was man braucht , also das Bedürfnis dahinter identifizieren, das ist am Anfang gar nicht so einfach), dann sollte ein Konflikt auflösbar sein. D.h. wenn man Verantwortung für sein Gefühl übernimmt (für das des anderen kann man es nicht und sollte es auch nicht, denn das liegt nicht Eurer und meiner Macht), und sich mitteilt und was man braucht, dann kommt man schneller zu einer Lösung und kann das eigene Nervensystem davor bewahren überzureagieren. Also vor Stress schützen. Das ja Gift für das CRPS , aber auch für nicht betroffene autonome Nervensysteme ist.

Ich hab das jetzt schon ein paar mal hinbekommen. Ich üb weiter. Und prgrammier dabei mein Hirn um.
Spannend!

Apropos neue Sichtweisen und Perspektiven: eine Mit-Forscherin hat das Thema Idiolektik angeschnitten. Das ist im Prinzip etwas ähnliches wie die gewaltfreie Kommunikation.

Bei beiden geht es darum, den Menschen und seine Gefühle hinter den Worten zu erkennen. D.h. wenn jemand eine angreift oder einen Schuldigen für seine Gefühle sucht (Du bist schuld, dass ich mich so schlecht fühle), durch die Worte an sich hindurchzublicken und zu erkennen, wie verzweifelt, enttäuscht das Gegenüber ist und verständnisvoll nachzufragen, was er/sie/es braucht und sich konkret wünschen würde.

Man könnte also in dem Fall sagen:"Ich spüre die Wut und Enttäuschung hinter Deinen Worten. Bist Du enttäuscht weil Du Du möchtest, dass ich Dir mehr helfe? Was konkret kann ich denn tun?"

Hier fehlt ein bisschen der Hintergrund, weil es es dem Zusammenhang gerissen ist. Im Normalfall, kennt Ihr Euer Gegenüber ja besser und könnt fragen, ob es das ist, was sie braucht. Wenn Ihr Euch irrt, ist das auch kein Problem, denn hellsehen könnt Ihr ja nicht. Denn wenn Ihr so reagiert, wird Euer Gegenüber, auf die Frage, was er braucht und sich wünscht, dann auch (es kann ein paar Runden dauern) sagen, was er konkret möchte und braucht.

Es geht nicht darum, dass Ihr hellsehen könnt, sondern dass sich das Gegenüber mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen ernstgenommen und verstanden f¨hlt.

Immer wird das nicht klappen. Aber immer öfter. ;-)
Macht die Übung zum Experiment. So wird der Alltag spannend. Ihr werdet ganz neue Einsichten und Perspektiven in die Menschen um Euch herum bekommen und Arbeit, Familienleben wird dann wieder mehr Spass machen. :) Da spreche ich aus Erfahrung. Ich hab es schon probiert und erlebt, was dann passiert. Ich bin immer wieder erstaunt.

D.h. Ihr lernt die Menschen von einer ganz anderen Seite kennen. Vom inneren Kern. Und das ist schön. Das kommt mir auch sehr entgegen, da dies meine Basiskonfiguration ist.

Zur Objektivität, ob es die überhaupt gibt, hab ich mal einen Reporter befragt. Er sagt, dass es sie gar nicht gibt. Es gibt nur unterschiedliche Haltungen. Man kann nur im Laufe seines Lebens verschiedenen Perspektiven und Sichtweisen begegnen. Und diese Perspektiv-Splitter dann zusammensetzen. Je mehr unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen einem dabei begegnen, desto bunter und vollständiger wird das Gesamtbild. Ich stell mir das als Gesamtmosaik des Lebens vor.

Wobei jeder Mensch sein eigenes Lebensmosaik hat. Und das sieht jeweils anders aus, weil jeder Mensch unterschiedliche Erfahrungen und damit Sichtweisen hat und auch unterschiedliche Menschen mit anderen Sichtweisen kennt. Und die Sichtweisen der Menschen, die er kennt (oder sich aus Büchern anliest, auch das ist möglich), erweitern seinen Blick auf die Welt.

Ich hab den Reporter auch gefragt, ob er schon mal was bereut hat, was er geschrieben hat, weil er erst später eine weitere Perspektive hinzubekomme hat. Mir ist das schon öfter passiert.

Dass ich hinterher schlauer war. Bereut hab ich es nicht. Denn wenn ich was zu einem Zeitpunkt noch nicht wissen kann, dann hab ich ja damals nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und das mach ich immer so. Im Moment leben. Denn mit allem anderen ist mein Hirn ja überfordert. Ausserdem ist das ja auch sinnvoll so. Denn ich kann weder die Vergangenheit ändern (nur den Blickwinkel darauf), noch die Zukunft vorhersehen. Ich kann nur den Moment nutzen und die Optionen und Perspektiven, die sich bieten.

Schon komisch: Perspektive heisst also nicht nur Blickwinkel, Sichtweise sondern auch Möglichkeit. Naja, neue Blickwinkel ergeben ja zwangsläufig neue Möglichkeiten. Vielleicht wird es deshalb sprachlich so gebraucht. Auch wieder schön, wie schlau unsere Sprache ist. Sie ist der Wissenschaft weit voraus :) Wahrscheinlich weil in ihr auch intuitives Wissen steckt. Also auch Bauch und Herz. Statt nur Hirn (nur analytisches logisches Denken).

Apropos Sprache: die gewaltfreie Kommunikation hält Sprache für etwas statisches, das mit unserer Lebenswelt nicht viel gemein hat. Und deshalb soll man hinter die Worte blicken. Ob die Menschen in der Zukunft eine zuverlässigere und weniger fehleranfällige Art der Kommunikation entwickeln können? Denn Worte, Mimik und Gestik sind ja ganz schön fehleranfällig, auch weil nicht alle Menschen alle Anteile gleich deuten und wahrnehmen können.

Ich frag mich immer, wenn ich zwei schwanz- und körperwedelnde Hunde sehe, die sich freudig begrüssen und dann genauso mit dem ganzen Körper ihre Spielfreude ausdrücken, ob diese Hundesprache auch so fehleranfällig ist... Hmmm...
Es gibt ja auch Hunde mit schlechten ERfahrungen (mit Menschen), die genauso angespannt und gestresst sind wie ich und chronisch kranke Menschen. Und die kläffen dann auch gleich.... Ist das dann ein speziesübergreifendes Problem?
Oder liegt es daran, dass diese Tiere schlechte Erfahrungen MIT MENSCHEN (die ja in diesem Anspannungsmodus waren) hatten? Was ist die Ursache und was die Folge?

Zurück zum Thema der Meinungsänderungen...
Bei Meinungsänderungen gibt es übrigens einen Unterschied dazwischen, ob ich meine Meinung der Meinung der anderen anpasse (der Mehrheit - hier reagiert der soziale Autopilot, weil er Angst davor hat von der Gruppe ausgeschlossen zu werden) oder ob ich meine Meinung aufgrund des Erwerbs von neuen Perspektiven und Blickwinkeln aus einem Lernprozess heraus ändere. Denn das zweite passiert ja aus einem logischen analytischen Grund.

Ersteres intiutiv. Um dazuzugehören. Das ist auch das, was ich nicht verstehe, weil mir dieser soziale Autopilot fehlt.

So kann ich übrigens auch das Geschehen mit meinem Bekannten aus dem Altersheim erklären. Ihr wisst schon, der , der als ich ihn besuchte, nachdem ich ihm einen Laptop mit Betriebssystem besorgt hatte und viel Zeit und Energie investiert hatte und an meine Grenzen gekommen bin, (das sind vermutlich die Menschen, denen man einen Finger reicht und die die ganze Hand wollen - das liegt auch am physiologischen Modus) ihm noch Doku zum Einrichten des WLANS aus dem Internet recherchiert und an sein Handy gesendet hatte, mir die Tür vor der Nase beim nächsten Besuch zugemacht hatte, weil er Besuch von einer Gruppe junger Leute hatte. Mit den Worten:"Die ist auch Fachinformatiker. Die kann das mit dem W-LAN."

Dabei wollt ich ihm die Möglichkeit geben, es selber hinzubekommen und so sein Selbstvertrauen aufzubauen. Es hat leider nicht funktioniert. Da sich andere "Finger" bereit erklärt hatten, und er so mit seiner alten Taktik der bestehenden neuronalen Verdrahtung in seinem Hirn (also dem alten Denkmuster) zum Ziel kam. Schad.

Und ich wollte für mich meine Grenzen aufzeigen und sie auch einhalten. Das ist mir schon besser gelungen. Denn hätte ich das nicht getan, hätte er mich als seinen persönlichen Administrator für seinen Rechner gesehen. Und das wär erst recht über meine Grenzen gegangen.

Hier hat sein sozialer Autopilot gesprochen. Und Ihr nennt mich autistisch... Ihr seid schon komisch. Denn er wollte zu dieser Gruppe mit sozialem Autopiloten gehören. Weil sie ihm ähnlicher waren als ich. Nicht zu dem "Freak", der ja keiner Gruppe angehört.
Das ist dieser Gruppenzwang. Wo man Dinge tut, die mit Logik nicht zu ergründen sind. Der ist dem sozialen Autopiloten geschuldet. Also seid mir nicht bös, aber in diesem Fall prfäferiere ich doch lieber den präfronterale Kortex und dessen analytische Fähigkeiten der Logik.

Allerdings triggert dies die alte Wunde, des Abgewiesenwerdens in mir. Denn mir passiert das ja ständig. Deshalb tut es nicht weniger weh. Ich kann es jetzt logisch verstehen und nachvollziehen. Auch hier hilft die wissenschaftliche Perspektive, Abstand davon zu bekommen. Denn es hat nichts mit mir als Person zu tun. Sondern mit dem sozialen Autopiloten, der intuitiv und unlogisch und unbewusst agiert.

Als ich die Mäusefalle am Heiligabend besorgt habe, bin ich ihm begegnet. Ich hab mich gefreut und schon von weitem gestrahlt. Denn ich hab ihm verziehn. Er tut mir leid, denn ich weiss inzwischen er kann nicht anders und ist ein sehr verletzter und einsamer Mensch. Er hat das unbewusst gemacht.

Ich hab ihn freudig Hallood.
Er krächzte:"Ich hab etz ka Zeit. Ich muss mei Fisch hammbringa." (er hatte sich neue Fische für sein Aquarium gekauft)
Kein Wort zu den Dominosteinen und kein schöne Weihnachten. Die Fisch hamms a ned leicht mit ihm. Sein physiologischer Status hat sich also noch immer nicht verbessert. Eher verschlechtert. Es liegt an ihm.

Ich hab mich dann ja mit der Mausefalle verlustiert. Diesmal machte mir das nichts mehr aus. Denn ich weiss ja, dass sein Verhalten mit mir nichts zu tun hat. Nur mit ihm selbst.

Bei der Anspannungsgruppe vom Wochenende war übrigens eine Schulkollegin von mir dabei. Sie hat mich damals auch gemobbt. Mir war das damals übrigens gar nicht bewusst (Gott sei Dank, ich hatte mit anderen Dingen schon genug zu tun), dass das Mobbing war und dass andere Menschen nicht so behandelt wurden. Ich schloss von mir auf andere und dachte, dieses Verhalten sei normal.

Hier wieder ein Abstecher zur Norm ;-)
Für mich war das die Norm. Weil es für mich normal war.
Das zeigt wiederum, dass Norm und normal nicht unbedingt dasselbe sind. Normal ist das, was man kennt. Also aus der eigenen Perspektive. Also ist das, was für einen Menschen normal ist auch wieder das Ergebnis der eigenen Wahrnehmung und damit der eigenen Perspektiven. Und deshalb ist für jeden was anderes normal und die Norm. Dann ist normal und Norm (soweit es Menschen und lebendige Wesen , Pflanzen, Tiere ... betrifft) eine Illusion.

Ich konnte Anspannung in dieser ehemaligen Klassenkameradin spüren, als ich sie bei ihrem Namen nannte. Sie hat gesagt, sie hat mich auch gleich erkannt. Angesprochen hat sie mich nicht. Sie ist stattdessen auf dem Klo verschwunden. Wo ich sie dann beim Händewaschen ansprach. Denn mein übererregtes Nervensystem musste wie ihres nach dem Spaziergang zum Kurs durch das halbe Städtchen auch auf die Toilette.

Das war übrigens die gesamte Unterhaltung. Mehr kam in den 3 Stunden (auch in der Pause) nicht zustande. Vielleicht war ihr das Treffen mit mir unangenehm.

Mir nicht. Ich bin da einfach gradraus und es ist ja schon ewig her. Ich vergesse Dinge, mit denen ich abgeschlossen habe, sehr schnell. Nur solange ich sie nicht verstehen kann, geistern sie noch in meinem Kopf herum. Inzwischen wurde der Speicher von wichtigeren Informationen überschrieben. Ich konnte trotzdem keinen Kontakt herstellen. Ich versuche es dann aber auch nicht krampfhaft. Wenn jemand nicht offen ist, dann ist das auch nicht sinnvoll. Das wäre ganauso sinnvoll wie gegen eine verschlossene und versperrte Tür zu rennen. Man tut sich nur weh und ist frustriert. Das kann ich mir sparen. Es sei denn man arbeitet bei der Polizei und es gehört zur Berufsbeschreibung.

Sie tut mir leid. Denn jetzt verstehe ich, warum Menschen auf anderen herumhacken, sie mobben und sich über sie lustig machen und sie ausgrenzen. Weil sie damals selbst dazugehören wollte. Sie muss sehr einsam gewesen sein. Und unter grossem physiologischem Stress gestanden haben.
Ich nehme an, die Probleme existieren immer noch, denn ihre Migräne wird ja von irgendwoher kommen. Man geht ja nicht umsonst in die Entspannungsgruppe. Und das, was man aussendet, hinterläßt auch Spuren im eigenen Körper und in der Seele. Und wieder sind wir bei den Spiegelneuronen oder der Resonanz oder dem, was man Karma nennt.

Der Reporter hat gesagt, er hat schon mal bereut etwas unter zu starkem Druck geschrieben zu haben. Damit hatt ich jetzt nicht gerechnet. Auch wieder ein neuer Blickwinkel. Auch das spielt eine Rolle.

Ich hab auch gelesen, dass je besser man sich selbst versteht, desto besser versteht man, was in der Welt passiert. Das scheint wirklich zu stimmen. Denn den physiologischen Status und den Blick auf die Gefühle hinter den Worten funktioniert ja bei mir genauso wie bei anderen Menschen.

Ein anderer Bekannter von mir stellt sich die Frage, ob künstliche Intelligenz wirklich die Lösung aller Probleme ist bzw. ob und wie sinnvoll sie überhaupt ist. Er kommt aus der IT-Ecke.
Bedenkt man, dass vernünftige und sinnvolle Entscheidungen der Mehrheit der Menschen auf die Nutzung des sozialen Autopiloten, Intuition und Vernunft (präfronteraler Kortex), also Bauch, Herz und Hirn (in gesundem Gleichgewicht) beruhen, dann entstehen in mir doch grosse Zweifel.

Denn ein Algorithmus (if then) und künstliche Intelligenz verfügt bisher nur über die logische analytische Komponente. Zumindest ist mir nichts anderes bekannt. Nach meinem derzeitigen Wissensstand gehe ich jetzt mal davon aus. Also die Perspektive des präfronteralen Kortex. So wie ich als Autist. D.h. sie kann (zumindest derzeit nicht) die anderen beiden Sichtweisen gar nicht berücksichten. Damit dürfte eine künstliche Intelligenz zu anderen Schlüssen kommen wie Menschen, die über einen sozialen Autopiloten verfügen.

Sie dürfte also eher zu ähnlichen logischen und analytischen Schlussfolgerungen kommen wie ich. Also eher der autistischen Sichtweise entsprechen.

D.h. sie lernt dann etwas ganz anderes, als die Mehrheit der Menschen sich erwarten würde. Das geht mir ja auch immer so.

Wie ich z.B. bei dem letzten Entspannungskurs eher die Anspannung aller Teilnehmer und der Kursleiterin wahrnahm und daraus gelernt habe, nie wieder einen solchen Kurs zu besuchen. Das war jetzt nicht die Intention der Kursleiterin und des Kursveranstalters. Und dass sich die Anspannung der an einem solchen Kurs teilnehmenden ja auch auf den Kursleiter übertragen muss. Sprich: wenn ich mich meist mit angespannten Menschen umgeben, dann wird sich praktisch die Anspannung automatisch auf physiologische Art und Weise auf mich übertragen. Eine interessante Erkenntnis, aber sicher nicht das Ziel des Kurses.

Wahrscheinlich brennen deshalb Menschen in sozialen Berufen so schnell aus. Weil sie von Anspannung umgeben sind. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Mein Kollege hat das mit dem Lernen von künstlicher Intelligenz ja mal so ganz treffend formuliert:"Dann lernt's as falsche..."
Allerdings hat er da auch nicht ganz recht. Denn es gibt kein falsch, wenn man lernt.

Denn auch sein Lernprozess resultiert ja auf entsprechenden Lernvorerfahrungen. Allerdings auf einem völlig anderem Hintergrund. bzw. fehlt ihm die ein oder andere Sichtweise, die für diese Menschen selbstverständlich ist.

Aus meinem Hintergrund und meinen Perspektiven ist meine Schlussfolgerung ja logisch und deshalb ist sie nicht falsch! Sie ist anders, weil ich einen anderen Hintergrund habe. Ich komme WEGEN der anderen Sichweise zu einem vollkommen anderen Schluss.

D.h. man müsste der künstlichen Intelligenz erst die Perspektiven und Sichtweisen dieser Menschen beibringen. Wie macht man das? Geht das? Nur Menschen, die über ähnliche Erfahrungen verfügen, können sich auf demselben Niveau austauschen.

Hmmm... gar nicht so einfach. Denn so wie mir der soziale Autopilot fehlt, fehlt dieser auch der künstlichen Intelligenz. Ihm fehlt auch die menschliche Intuition. Und die hab sogar ich. Ich bin nur nicht so gut darin auf sie zu hören. Die meisten Nicht-Autisten übrigens auch nicht.

Kann man Intuition einer künstlichen Intelligenz beibringen? Was ist denn Intuition überhaupt? Läßt sie sich überhaupt in Worte fassen? Wie definiert man sie? Und wie und woher entsteht sie?

Wenn schon ich mit meiner Denke und mit meinen Schlussfolgerungen bei der Mehrheit der Menschen aufgrund meiner anderen Art zu Denken anecke, was passiert dann wenn das Denken der künstlichen Intelligenz auf die Menschheit trifft?

Dann dürften die besten Entscheidungen daraus resultieren, wenn man möglichst viele unterschiedliche Perspektiven von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen kombiniert. Das ist ja das Prinzip, das Gerhard Hüther in der Potentialentfaltung propagiert. D.h. auch hier schliesst sich wieder der Kreis.

Ich merk dass die Anspannung wieder in den Muskeln zugenommen hat, seit ich umgeknickt bin. Das Gedankenkreisen hat zugenommen. Laut meiner Ergo wirke ich aber nach aussen hin ruhiger als sonst. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ist wahrscheinlich das Not-Aus meines autonomen Nervensystems... Hmm.

Runterfahren kann ich mich, wenn ich den Punkt mitten auf dem Brustbein fester drücke. So ne Art-Notfallknopf. Man kann auch ein etwas schwereres Taschenbuch drauf legen. z.B. einen Grisham. Das entspannt so meine Ergo die glatte, gerade Muskulatur. So geht man auch bei der Triggerpunkttherapie vor. Und dass Druck entspannt hat ja schon Temple Grandin mit ihrer Körperdruckmaschine bewiesen.

Meine Ergo hat mir gezeigt, dass ich auch noch die zwei Punkte rechts und links an den unteren Rippenbögen drücken kann. Denn da entspannt dann die schräge Muskulatur, hat sie gesagt.

Es funktioniert zumindest. Das Schreiben hier, hilft mir auch. Ich hoffe, dem ein oder anderen von Euch hilft es auch weiter auf seinem persönlichen Experiment der Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte.

Apropos digitaler Fortschritt und die damit zusammenhängenden neuronalen Veränderungen in unseren Gehirnen. Auch in den Schulen ist das digitale Klassenzimmer ein grosses Thema. Die Kinder gucken also dann auf ihr Tablet (ein Gerät Objekt) anstatt einem Menschen (dem Lehrer) zuzuhören. Leiden darunter dann nicht auch die sozialen Kompetenzen?

Im Silicon Valley bestehen die Eltern darauf, dass in den Schulen, in die ihre Kinder gehen, keine digitalen Geräte verwendet werden. Gibt mir ein bisschen zu denken...

Gestern kam eine Sendung zu Blockchain. Wie sicher das ist und wie wenig zu manipulieren. Es ersetzt viele Arbeistplätze. So soll es dann einen Container geben, der sich selbst eigenständig um seine Vermietung kümmert. Alles via Blockchain-Datenbank transparent und dezentralisiert verfolgbar.

Der Nachteil: je sicherer, desto mehr verteilter, desto mehr Rechner bzw. Rechenzentren. Das Bitcoin-Netzwerk nutzt dies schon. Auch das ganze Bankensystem würde obsolet werden. Denn die bräuchte es dann nicht mehr. Ist das wirklich gut? Schöne neue Welt? Ist das nicht auch ein bisschen gruselig?

Vom Stromverbrauch dieser Rechenzentren mal ganz abgesehen. Die sind nämlich ganz schön hungrig.

Wissenschaftliche Daten könnten so plagiatssicher und transparent bereitgestellt werden. Das wär wieder was feines. Ob dann jeder Zugang zu diesen wissenschaftlichen Daten bekommen würde? Auch Kranke, die in Eigenregie forschen? Die sich dann vielleicht auch selbst daran mit eigenen Forschungen daran beteiligen könnten? Das fänd ich eine feine Sache. Wenn Wissen nicht mehr nur ausgewählten Personen zugänglich wäre, sondern allen, die es interessiert und betrifft. Denn da könnten dann alle Seiten davon profitieren. Durch die verschiedenen Perspektiven.
Es kommt auch hier drauf an, was der Mensch draus macht.

Selbst Rauchen tut man jetzt ditital statt analog. E-Zigarette. Mein Busnachbar glimmt jetzt auch blau vor sich hin. Es riecht auch komisch. Ich hab ihn gefragt, warum er jetzt nicht mehr analog raucht. Denn meiner Ansicht nach ist analog ja wenigstens noch natürlicher. Sogar Teer stammt ja irgendwie aus toten Lebewesen. Ist also organisch. Irgendwie. Obwohl... stellt Euch mal vor, Ihr werdet in ein paar Millionen Jahren verpafft.... Des is fei a ned grod as gsündeste.

Seine Antwort hat mich verblüfft: "Weil es gesünder ist."
Mir ist dann rausgerutscht:"Das glaubst auch bloss Du..."
Mir fehlen hier valide Daten. Aber was meine Nase betrifft, so finde ich diesen künstlichen chemischen Geruch doch um einiges unangenehmer als den Normalrauch.

Den finde ich im Zusammenspiel mit Alkoholdunst jedoch furchtbar. Davon wird mir schlecht. Aber mir wird ja auch vom Weihrauch in der Kirche schlecht.
Ich würde jetzt eher auf meine Wahrnehmung hören. Aber ich rauch ja nicht. Höchstens passiv, wenn ich daneben stehe. Da hilft übrigens die nette gelbe Umrandung des Raucherquadranten auch nichts. Der Rauch will einfach nicht da drin bleiben, sondern verteilt sich frech mit dem Wind über den gesamten Bahnsteig. Na sowas...
Im Zigarrengeschäft im Städtchen hab ich auh mal gefragt, was denn mehr verkauft wird.
Sie sagte:"Anfangs waren es die E-Zigaretten. Aber inzwischen ist der Trend wieder rückläufig."

Uff! Das war ja viel. Das beweist, das mein Hirn zur Zeit auf Hochtouren läuft, während ich nach aussen hin, müde und in mich ruhend wirke. Interessant.

Kann ich das erklären? Hmmm... ich denke, wenn man entspannt ist (also in sich ruht), dann entsteht ja die Kreativität. Und dann sprudelt es nur so aus mir heraus... wie aus der Ölquelle bei Dallas oder Denver.... irgendwas mit D... war ja eh irgendwie dasselbe. Ich konnt nicht mal die Schauspieler auseinanderhalten.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

 
Die Glaa aus ERH - Zwei Gaense im Januar Sandra Jaeger 2020
Die Glaa aus ERH - Die Christbaumabholung Sandra Jaeger 2020
18.01. bis 24.01. Identitätswandel...

Samstag: Heut hab ich die Geo Identität Wer wir sind und was wir sein könnten in die Finger bekommen. Wow! Da steht in einem Artikel (weiter hinten), dass es generell so ist, dass ab Mitte , Ende 40 ein Umbruch stattfindet. Die Leut werden empfindlicher auf Geräusche und lassen sich leichter ablenken. Die Amygdala übernimmt. Das bestätigt ja meine Theorie mit dem Cortisolspiegel und der Deaktivierung der Reizfilter als Folge davon. Und damit werden die Leute mit denselben Problemen konfrontiert wie Autisten. Nämlich mit der zunehmenden Reizflut.

Und dann mit weiterem Alter nutzen sie beide Gehirnhälften und können so Verknüpfungen zwischen scheinbar nicht zusammenhängenden Dingen (Ordnung im Chaos) erkennen. Der Artikel nennt das Weisheit. Das ist also dann die Folgephase und die kommt mir doch sehr bekannt vor. Also das mit den Assoziationsverknüpfungen und Heureka-Momenten.

Das heisst dann auch, dass das Gehirn sich der Veränderung anpasst. Einerseits wird man dann durch die Reizflut vom deaktivierten Reizfilter eher ablenkbar. Aber die logische und analytische Denkleistung nimmt dann zu. Die Fähigkeit Muster im Chaos zu erkennen. Cool! Da dürfte ja dann auch der präfronterale Kortex das Kommando übernehmen. Denn der regelt die Amygdala und das limbische System herunter.

Das dürfte doch dann derselbe Mechanismus sein, der auch bei Autisten im Gehirn abläuft bzw. ihr (und mein) Gehirn schon im Mutterleib formt und die neuronalen Verschaltungen anders ausbildet. Aufgrund des fehlenden Reizfilters. Denn wenn man von Anfang an mit einer Reizflut zu kämpfen hat, dann wird diese Veränderung in den neuronalen Verschaltungen halt vorgezogen. Das wäre physiologisch vollkommen logisch.

Das würde auch erklären, warum ich mit älteren Menschen eher unterhalten kann. Mit Gleichaltrigen kann ich es vergessen. Mit denen finde ich keinen gemeinsamen Nenner und keine Verbindung. Wow!

Ich tu mir schwer zwischen dem Gefühl für Hunger, mich friert's oder nach Bewegung oder Entspannung zu unterscheiden. Meine defaultmäßige neuronale Verknüpfung möchte dann Schokolade. Ich versuche nun über den präfronteralen Kortex die Gefühle und das jeweilige Bedürfnis zu unterscheiden. Immer gelingt es mir nicht. Heut bei diesem anstrengenden Wetter z.B. Bei stabiler Wetterlage gelingt es mir eher. Also bei weniger Reizen. So ne Umprogrammierung braucht halt Zeit. Immerhin es hat schon ein paar mal geklappt.

Wahrscheinlich hat jeder Mensch solche Muster.

Ob dann ein Zusammenspiel aus erlerntem Verhalten und einem überrergten Nervensystem (hoher Cortisolspiegel) beim Gewicht eine Rolle spielen? Dann liesse es sich ja teilweise auch umprogrammieren und das umprogrammieren hätte dann wieder Auswirkungen auf den Cortisolspiegel. Hmm... müsste man halt ausprobieren.

Sonntag: War gestern im Fotogeschäft. Die machen da so schöne Naturfotos, bei denen mein Nervensystem runterfährt. Die kann echt super fotografieren. Die hat das ja auch gelernt. Leidet aber drunter, dass jeder meint, er kann das ja mit dem Handy genausogut.

Es gibt ja derzeit die Idee, dass Passfotos in Automaten direkt bei den Ämtern gemacht werden sollen.
Ich hab mitbekommen, wie sie gesagt hat:"Das ist ja das, warum die Leut überhaupt noch zu uns kumma. Wenn die des machen, dann mach ich a Galerie oder a Puff auf!"
Beides würde übrigens übererregte Nervensysteme beruhigen.

Ein Bild hab ich gestern schon bekommen. Das andere hab ich mir schon vor einem halben Jahr als Poster bestellt gehabt. Entspannt's Euch auch?
Wenn ja, dann macht mal einen Abstecher zum Foto Käs. Und a lustigs Gschmarri gibt's gratis dazu! :) D.h. soziale Kontakte könnt Ihr dort auch gleich pflegen.
Das könnt Ihr übrigens überall in den kleinen Geschäften in der Innenstadt, wo noch die Höchstadter Originale hinter der Ladentheke stehen :)
Do grichd er zum Brödla, Labla oder zum Bambercher und dem Brot a nu a anstädiches Gschmarri dazu :)

Naturaufnahmen um Runterfahren vom Nervensystem Naturaufnahmen um Runterfahren vom Nervensystem

Ich hatte Euch ja erzählt, dass Druck entspannt und von der Körperdruckmaschine von Temple Grandin geschrieben. Ihr könnt Euch genausogut in die Badewanne legen. Ob mit Wasser oder Ohne, der Druck entspannt. Mit Wasser kommt noch die Nutzung des osmotischen Drucks hinzu und im Wasser fallen Bewegungen aus physikalischen Gründen leichter. Ich kenne eine Autistin, die deswegen auch schon öfter in der Badewanne geschlafen hat. Wenn Ihr Probleme mit der Bandscheibe habt, ist davon wahrscheinlich abzuraten.

Es gibt auch Autisten, die auf Arbeit ein sogenanntes Lap-pad (Schoß-Pad, also eine sogenannte Schoßbeschwerung) nutzen. Das braucht es aber nicht. Durch den Druck im Schoß kann man sich besser konzentrieren. Ihr könnt Euch genauso gut auf Arbeit ein Buch auf den Schoß legen. Etwas schwerer sollte es schon sein. Ihr werdet merken, ob Euch der Druck guttut.

Seit letzte Woche bin ich ungeduldiger, hibbeliger, unruhiger. Da werd ich das dann wieder brauchen. Allerdings fällt es mir auch schwer an diese Tricks zu denken. Was es etwas schwierig macht. Ich arbeite mit Feldenkrais also wieder daran, das ganze wieder runterzufahren.

Interessant ist auch, dass ich jetzt wieder mehr an Routinen hänge, lieber drin bleibe. D.h. wenn die Amygdala audreht aufgrund der Ereignisse der letzten Woche (meine wird schon von Kleinigkeiten enorm getriggert), dann verändert sich auch die Offenheit.

Besonders zutraulich bin ich derzeit auch nicht. Also Nähe muss zur Zeit wirklich nicht sein. Kontakt mit Menschen bevorzuge ich derzeit per E-mail oder mit vertrauten Menschen per Telefon, allerdings nur wenn ich sie zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt anrufen kann.

Mit irritierter Amygdala und limbischem System bin ich also weniger flexibel. Immerhin ich bin mir dessen diesmal bewusst. Das zeigt also, dass ich Fortschritte gemacht habe. Auch wenn es derzeit wieder heftig ist.

Zu den Health Hackers will ich hin. Leider ist das etwas weg vom Schuss und öffentlich nicht so toll zu erreichen. Ich kann da grad ne Stunde bleiben und da hat die Diskussionsrunde noch nicht mal angefangen.

Aber sonst komm ich erst nach 22:00 Uhr heim und ich steh ja um 04:30 Uhr wieder auf. Das würd ich nicht packen. Der letzte Eilbus fährt halt um 20:03 Uhr. Und den will ich erwischen. Flexibler bin ich nicht. Selbst wenn ich einen später fahr, bin ich dann nur ne Viertelstunde länger dort, fahr aber ne halbe Stunde länger durch die Gegend. Das rentiert sich schon rechnerisch nicht.

Dass ich jetzt weniger flexibel als noch letzte Woche bin, macht es nicht einfacher. ;-)
Doch es ist einfach so. Ich bewerte nicht. Es ist wie es ist. Ich lerne wieder neues über mich.

Heut hat mir die kurze Yoga-Nidra-Übung von Birgitt Stach von ihrer Website gutgetan. Ihr findet den Download unten auf dieser Seite. Probiert aus, ob es Euch hilft. Wenn ja, könnt Ihr auch einen längeren Kurs bei ihr buchen. Da war ich auch schon. Der war toll! Sie freut sich sicher.

Ich mag sie sehr gern, weil sie eine sehr entspannende Stimme hat. Und selbst entspannt ist. Das Gegenteil von der Anspannungslehererin von letzter Woche. Ich kann ja nicht mit jedem. Ich brauch jemanden, der offen und authentisch ist. Und so empfinde ich sie. Die "Werbung" hier mach ich aus Überzeugung, weil es mir hilft.

Ich hab die Theorie (und auch in einigen Büchern von Ärzten wird das bestätigt z.B. im Buch "Schmerz los werden"), dass chronisch Kranke (und auch Menschen, die unter chronischem Stress stehen, sich nix merken können, denen alles zuviel ist, denen die Ressourcen fehlen) übersensibel sind.

Weil die Reizfilter bei hohem Stress (physiolgischer Gefahrenmodus) deaktiviert werden, um Gefahren schneller zu erkennen. Das macht ja in der Natur Sinn, dass man ein Raubtier hört und das leiseste Kacken von Zweigen wahrnimmt, im Grossraumbüro ist das eher nicht so vorteilhaft, wenn das eigene autonome Nervensystem seine Kollegen aufgrund der Reize, die sie aussenden als Gefahr einstuft und sich in ständiger Alarmbereitschaft wähnt.

Auch im Krankenhaus wähnt sich dann ein solches autonomes Nervensystem (z.B. bei chronischen Schmerzen, aber auch allen anderen Erkrankungen mit andauernden Muskelanspannungen, die ja die Folge der ständigen Hab-Acht-Stellung sind) von Gefahren umgeben. Neonlicht, ungewohnte Umgebung, ungewohnte Menschen, die auch noch ständig wechseln, kaltes Weiss - eine Farbe, die mein Nervensytem überhaupt nicht mag..., die ungewohnten Gerüche und Geräusche... da kommt einiges zusammen. Entspannen ist da unmöglich. Und ohne Entspannung kann das Immunsystem nicht anspringen und man nicht gesund werden.

Wird man dann z.B. von der Versicherung zu einem Entspannungskurs verdonnert, den dazu noch eine sehr junge unerfahrene und nervöse Person hält, die dann natürlich auch angespannt und aufgeregt ist, spürt auch sie die angespannten Nervensysteme ihrer Zöglinge, die ja nicht immer ganz freiwillig da sind.

D.h. die Kursteilnehmer wirken der Angespanntheit der Kursleitung noch entgegegen und setzen noch einen Drauf. Da wo Widerstand ist, entsteht halt auch Anspannung. D.h. die Kursleitung nimmt den Widerwillen des ein oder anderen Kursteilnehmers auch wahr und reagiert darauf. Unbewusst. Physiologisch vollkommen logisch.

Die Kursteilnehmer (auch die etwas offeneren unter ihnen) nehmen diese Anspannung unbewusst wahr und reagieren ihrerseits mit noch mehr Anspannung darauf. D.h. es schaukelt sich unbewusst hoch. Das Ergebnis dürfte dann in Krankenhäusern eher ein Anspannungskurs als ein Entspannungskurs sein. Auch die Umgebung ist meistens in Kliniken nicht besonders einladend und angenehm. Neue Möbel und Teppiche und Farben nehmen übererregte Nervensysteme ja auch stärker wahr. Und auch die Raumtemperatur spielt eine grosse Rolle.

Was ist dann der Unterschied zu den Menschen, wo ich entspannen kann und denen wo es nicht funktioniert?

Also bei Birgitt Stach war ich daheim in ihren eigenen gemütlichen Räumlichkeiten. Es ist ein kleiner Raum, aber gemütlich. Vom Licht her, von den Möbeln, von der Wärme. Sprich: alles strahlt Behaglichkeit aus. Und bei der Kursleiterin fühle ich mich willkommen.

Das war ja letzte Woche nicht der Fall. Ihr erinnert Euch. Ich muss dazu sagen, dass mir aufgefallen ist, dass mir das bisher bei Psychotherapeutinnen (es waren bisher immer Frauen) passiert ist, die Körperarbeit und Entspannungstechniken anbieten, wo ich mich nicht wohlgefühlt habe. Sie waren jung. Die einen wirkten auf mich unsicher, weil sie mit leiser piepsiger Stimme sprachen. Die anderen irritierten mich, weil sie im Kurs genau das taten, was wir nicht tun sollten: Dinge bewerten. Und das findet ein angespanntes Nervensystem sehr irritierend und alarmierend! Denn jede Kleinigkeit, die nicht ins Gesamtbild passt, versetzt es in Aufruhr. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Letzten Samstag (das ahb ich noch gar nicht erzählt) hat die Kursleiterin zwei Gegenstände rumgereicht. Versteckt. Und wir sollten sie befühlen. Der eine war natürlichen Ursprungs, den fand mein Nervensystem sehr angenehm und ich genoss es, ihn zu betasten. Die Kursleiterin sagte zu Anfang, dass wir uns auch gerne länger Zeit lassen dürfen. Mich ermahnte sie bereits nach einigen Minuten. Das irritierte mich. Denn wenn mich jemand hetzt und bedrängt, dann entspann ich mich nicht besonders gut. Im Gegenteil.

Dann gab sie einen zweiten Gegestand herum, auf den mein ganzer Körper mit Abwehr reagierte. Es war fein und künstlich. Meine Allodynie winselte um Gnade und ich gab den Gegenstand sofort weiter. Als ich das so sagte, dass der Gegenstand "brannte", sagte sie, ich solle das nicht bewerten. Dabei hab ich das doch gar nicht gesagt. Ich habe gesagt: es brennt. Ich habe nicht gesagt: es ist eklig. Das wäre eine Bewertung gewesen. Das irritierte wiederum meine Amygdala und wirkte anspannend.

Eine Teilnehmerin war bereits zum zweiten mal bei dem Kurs. Was meinen präfronteralen Kortex zu der Schlussfolgerung bringt, dass er wohl nicht so besonders toll gewesen sein kann, wenn man ihn dann nochmal besuchen muss. Da würde mir aber auch der Sinn abgehen. Wenn es beim ersten mal mit derselben Kursleitung und demselben Kursinhalt und denselben Räumlichkeiten nicht funktioniert hat, dann wird das Ergebnis doch beim zweiten mal auch nicht besser sein. Gut, die Teilnehmer variieren. Doch entspannte Menschen brauchen einen solchen Kurs ja nicht.

Deswegen nutze ich solche Kurse ausschliesslich um mir das Wissen (Technik) anhand von Mustererkennung (Logik) anzueignen und es dann daheim im wohligen gemütlichen Kämmerlein zu praktizieren. Da funktionieren sie dann nämlich weil ich die "Störfaktoren" eliminieren kann.

Mir war nicht klar, dass bei anderen Menschen auch soziale Faktoren eine Rolle spielen. Und sie deshalb denselben Kurs oder eine ganze Kursreihe immer wieder besuchen. Weil man da immer wieder dieselben Menschen trifft. Und es Menschen mit sozialen Autopiloten anscheinend Spass macht, in der Gruppe ewas zu tun. Immer wieder dasselbe... mit denselben Menschen.... ist das nicht auch irgendwie das, was man gemeinhin autistisch nennt? Oder dass man jedes Jahr an denselben Ort in den Urlaub fährt und sich dort mit denselben Leuten trifft?

Für mich ist ja schon das Verreisen ein schier unüberwindlicher Aufwand. Natur hab ich auch hier. Da kann ich jeden Tag hin, wenn ich mag und hab jeden Tag ein paar Stunden "Urlaub" im "Ur-"Wald. Wenn ich wohin fahre, dann weil ich was neues lernen will. Weil mich die Neugier antreibt. Da muss der Anreiz also umso stärker bei mir sein. Wobei Gewohnheit deswegen mühelos ist und wenig Aufwand und Energie erfordert, weil diese ja neuronal als Autobahn abgelegt ist.

Für Menschen mit deaktivierten Reizfiltern ist eine Menschengruppe allerdings ein Reizfeuerwerk, da ja jeder Mensch Reize aussendet. Daher bin ich damit nicht kompatibel und vertrage Menschen nur in homöopathischen Dosen.

Man tut also dasselbe immer wieder und hofft, darauf ein anderes Ergebnis zu bekommen. Schon das versteh ich nicht. Verspricht sich der soziale Autopilot davon einen Vorteil? Welcher soll das sein? Von übererregten Nervensystemen noch mehr erregt zu werden? Sozialer gesunder Kontakt ist bei mir dort nicht aufgekommen. Also wird es mir ein Rätsel bleiben. Es sei denn jemand erleuchtet mich.

Ich habe inzwischen gelernt, dass es Leute gibt, die immer wieder zu denselben VHS-Kursen gehen. Dort spielt aber dann der soziale Kontakt eine Rolle. Also die Gruppengemeinschaft. Weil man sich dort trifft und Dinge gemeinsam tut. Weil man es als angenehm empfindet. Das kann aber im Fall des Anspannungskurses nicht der Fall gewesen sein. Oder es waren das letzte mal lauter entspannte Menschen dort und die Kursleiterin war auch entspannt. Das kann ich nicht beurteilen.

Das find ich persönlich nicht von Nachteil, wenn man aufgeregt und unsicher ist und dazu steht und sagt: ich bin etwas unsicher. Ich mache das zum ersten mal ... Das wäre dann sogar symphatisch für mich. Ich denke, das würde auch die Kursleiter entspannen, so vorzugehen. Denn das wäre ja eine Ressource gegen ihren Stress und so könnten sie ihn auflösen. Und so sollten sie auch bei Irritationen verfahren. Ihre Gefühle und das damit verletzte Bedürfnis benennen. Dann liessen sich die Situationen nämlich gleich aufklären. Das geht aber nur, wenn man entspannt ist. Nur wer selbst entspannt ist, kann auf andere entspannend einwirken.

Was schwerer lag und wohl alle Teilnehmer spüren können (allerdings meist unbewusst, es sei denn der präfronterale Kortex ist genug geschult), ist, wenn jemand nicht offen und nicht authentisch ist. Und das Wissen, das er vermitteln will, selbst nicht anwenden kann. Denn da ist ja auch wieder etwas, das nicht zusammenpassen will. Also reagiert die Amygdala mit Alarm.

Oder ganz simpel ausgedrückt: die Teilnehmer spüren die Anspannung des Kursleiters und der anderen Teilnehmer. Ein guter Kursleiter kann diese Anspannung selbst wahrnehmen (also praktisch anwenden, was er vermitteln möchte) und die Spannung herausnehmen. Denn er sollte ja über die entsprechenden Techniken und damit Ressourcen verfügen und diese zu Kursbeginn praktisch anwenden können. Soweit die Theorie.

Die Frauen, bei denen ich entspannen kann, haben sich dieses Wissen selbst erarbeitet. Sind also Praktiker. Keine Theoretiker wie die studierten Pendants denen ich bisher begegnet bin. Sie haben also einen praktischen Zugang zu dem Wissen. Es erlernt. Weil sie es selbst spüren, erleben und auch leben. Ich fand auch, dass sie neutraler und offener als die Theoretiker auf die Menschen zugehen können.

Und frag mich, ob einem das im Studium wohl anerzogen (also neuronal verdrahtet und verknüpt) wird, dass man die Menschen gleich in Schubladen steckt. Ob man, wenn man ein bestimmtes Fach studiert, das auch benutzt und sein Umfeld damit analysiert ohne das Wissen und sich selbst dabei in Frage zu stellen? Dann lernt man doch dort erst das Bewerten. Sieht man dann überall Probleme, Störungen und Krankheitsbilder? Das muss ja ein grauenvolles Leben sein... Ich seh lieber Chancen, Möglichkeiten und interessante Menschen, die ich kennelernen möchte und auf die ich neugierig bin.

Und DAS ist DER Unterschied!

Übrigens hat mir ein Neurologe mal wortwörtlich gesagt, dass deswegen ein Bekannter von ihm im IT-Sektor lieber Fachinformatiker einstellt statt Uniabsolventen. Weil die Fachinformatiker dank Ihrer praxisnahen Ausbildung im Betrieb halt die Praktiker sind.

Und diesen Unterschied zwischen Theorie und Praxis spüren angespannte Nervensysteme! Weil sie feine Antennnen für die Anspannung und für Unstimmigkeiten haben. Denn jede Unstimmigkeit ist in der Natur ein Anzeichen für Gefahr! Also physiologisch vollkommen logisch.

D.h. um wirksame Entspannungsübungen lernen zu können, braucht es ein entspanntes Umfeld. Gemütlich halt. Angenehm. Man muss sich dort willkommen und wohlfühlen.

Sonst kommt beim Kurs genau das Gegenteil heraus. Noch mehr Anspannung. Und zwar für alle Beteiligten. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Die Frauen, die über dieses erfahrene und praktische Wissen verfügen, haben schon einiges hinter sich. Sie sind also im Durchschnitt älter. Und deshalb auch aufgrund ihrer Erfahrungen weiser. Also ich würde deshalb behaupten, dass man nur von weisen Menschen entspannen lernen kann. Denn nur ältere Menschen mit ausreichend Lebenserfahrung sind entspannt und ruhen in sich und können so Ruhe auf andere ausstrahlen.

Vorhin war ich ne Runde draussen. Ist kalt und sind auch nicht viele Leut unterwegs. Am Altenheim hab ich einen Mann mit einer Bewohnerin getroffen. Der meinte zu mir (das hat er auch schon letzte Woche gesagt):"Auch wieder unterwegs?"
Das ist doch offensichtlich. Das sieht er doch.

Ja, ich weiss, das dient nur der Kontaktaufnahme und hat mit Kontaktqualität, Austausch von Sachinformationen nichts zu tun. Leider. Ich hab keine Ahnung, was ich da drauf antworten soll. Also sag ich nix. Oder Hmm...
Ob er damit seine sozialen Streicheleinheiten bekommen hat? Ich glaub eher nicht.

Montag: Hmm.. nachgedacht...

Also wenn Autisten und ADHSlern aufgrund der Reize, die an einem Tag intensiver (Wetter) oder in der Umgebung intensiver sind, in gleichen Situationen mal etwas können oder weniger vergesslich sind und sich mdl. besser ausdrücken können (weniger Reize) und am anderen Tag nicht (zuviel an Reizen) und wenn das auch andere Krankheiten wie Demenz, Diabetes, Schmerzerkrankungen betrifft ..., dann heisst das auch, dass das Verhalten und Können situations- und tagesabhängig ist.

Es kann also sein, dass jemand an einem Tag sich gut mdl. ausdrücken kann und am anderen Tag keinen zusammenhängenden Satz herausbringt. Am einen Tag kann er jemanden anrufen, am anderen Tag ist ihm das nicht möglich. Nicht weil er nicht weiss wie das Telefonieren geht, sondern weil es ihm einfach nicht möglich ist. Er KANN nicht, weil zuviele Reize auf sein Hirn einströmen und es lähmen.

Auch Schmerkranke sind an einem Tag vergesslicher als an anderen Tagen, fahriger. Oder reden ohne Wort und Komma. Ein andermal bleiben sie stumm. Autisten geht das auch so. Also ich schwanke zwischen beiden Extremen. Aber soweit ich das beobachten kann, bin ich damit nicht mehr alleine.

Je höher der physiologische Stresslevel eines Menschen, desto ähnlicher scheint er mir zu werden. Ob das dann die Kollegin mit dem Bluthochdruck ist, die mir ohne Punkt und Komma ihre und die Krankengeschichte ihres Mannes und ihres Vaters erzählt oder der Mann, der sich neben mich an der Bushaltestelle auf die Bank setzt und von seinem Knieunfall und der damit verbundenen OP erzählt...

D.h. der physiologische Zustand schwankt mit den Reizen bzw. ist er von den Reizen abhängig.

In der stationären Schmerztherapie, wo ich vor einigen Jahren war, gab mir die Psychologin den Rat , ich solle rechtzeitig Pausen machen. Damit konnte ich damals nichts anfangen. Denn ich hatte keine Ahnung wie ich "rechtzeitig" definieren oder gar erkennen sollte. Denn erkennen kann man es nur, wenn der präfronterale Kortex entsprechend geschult ist, also die Verspannungen wahrnimmt. Das ist aber schlicht unmöglich, wenn die Amygdala Amok läuft! Dazu muss man erst mal in der Lage sein, den präfronteralen Kortex und damit die Wahrnehmung zu schulen und somit die Amygdala und das limbische System herunterzuregeln! Vorher funktioniert das schlicht und ergreifend nicht!

Denn dann SCHREIT der Schmerz und nimmt den ganzen Raum ein! Sobald ich mich auf ein anderes Körperteil konzentrieren wollte, schrie der Arm AUAAAAA! Er war so laut, dass er alle anderen Wahrnehmungen übertönte und konzentrieren unmöglich machte. Ich konnte nicht mal der Psychologin zuhören!
Die Amygdala hijackt den ganzen Organismus! Und dann rät man Euch: entspannt Euch... und wundert sich drüber, dass das nicht funktioniert.

Und noch nicht genug damit. Auch der minimalste Reiz löst einen neuen Amokschub aus! In der Wildbahn wäre das ja dem Überleben förderlich, wenn man auf die geringsten Gefahrensignale reagiert. Denn so kann man der Gefahr entkommen. Bei chronischen Erkrankungen funktioniert das aber nicht. D.h. Ihr seid reizoffener und Eure Amygdala reagiert auf dieses Zusatzangebot an einfliessenden Reizen auch noch überempfindlicher! Yehaaa!

Ich bin jetzt erst 5 Jahre später soweit, dass ich sowas ansatzweise mal überhaupt wahrnehme! Und das klappt auch nicht immer. Denn bei zuvielen Reizen, ist dies schlicht und ergreifend nicht mehr möglich. D.h. an einem Tag klappt es gut, am anderen gar nicht.

Befindet man sich wie ich damals noch im Amoklauf der wildgewordenen Amygdala und des limbischen Systems, dann war der Rat der Psychologin so gut, wie der dass man rechtzeitig zum Tanken fahren solle, bevor der Tank leer ist, wenn die Tankanzeige defekt ist! Es funktioniert nicht!

Und selbst wenn es an einem Tag klappt, klappt es am nächsten dann nicht unbedingt oder in einer anderen Umgebung am selben Tag auch nicht. Und weil das ja auf Aussenstehende sehr befremdlich wirkt: Gestern konntest Du das doch! Denkt der Aussenstehende dann, man macht ihm was vor, man stellt sich an, man stellt sich dumm. Oder man ist dumm. Und am allerschlimmsten: es wird angenommen, dass man das mit Absicht macht! Nein. Das tut man nicht. Man kann nix dafür. Das Hirn ist mit den zuvielen Reizen überfordert und rettet sich in eine Art Notfallabschaltung.

Nur blöd dass dabei kein rotes Warnlämpchen für Aussenstehende blinkt wie die Lämpchen, die bei uns bei Skypeanrufen auf rot springen. Die sind übrigens wieder ein neuer Zusatzreiz für mein am Rande des Zusammenbruchs operierendes autonomes Nervensystem. Des is fei a ned grod as gsündeste.

Das dürfte auch die Problematik bei Ärzten und Gutachtern erklären. Denn man kann einen Status, der reizabhängigen Veränderungen aufgrund des deaktivierten Reizfilters unterworfen ist, nicht mit einer Stichprobe ermitteln. Dazu müsste man sich die Menschen in unterschiedlichen Situationen anschauen. Und dafür fehlt das Hintergrundwissen, das Verständnis, die Geduld, die Zeit und das Personal. Dabei wissen Optiker, dass sie z.B. bei Diabetikern die Augen mehrmals messen müssen! Hier ist es also bekannt. Warum ist es dann so schwer vorstellbar, dass das nicht das einzige ist, was im Verlauf des Tages Schwankungen unterworfen ist?

Mich würde vielmehr interessieren, ob auch Diabetiker bei zunehmender Reizflut vermehrt Probleme und Symptome bekommen? z.B. unter mehr Vergesslichkeit leiden, durstiger sind, mehr schwitzen, hibbeliger sind ....

Tja... aber so isses halt. So scheint unser Nervensystem zu funktionieren. Zumindest kann ich das um mich herum beobachten. Geht es Euch nicht auch so, wenn viel Trubel um Euch rum ist, dass Ihr dann vergesslicher seid? Fahriger? Seid Ihr nicht auch bei extremen Wetterlagen unkonzentrierter? Achtet doch mal auf Euch und guckt Euch an, was an solchen Tagen mit Euch passiert. Es ist spannend.

 
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